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Clemens Müller

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Clemens Müller

Friedrich August Clemens Müller (* 13. Juli 1828 in Dresden; † 16. August 1902 ebenda) war ein deutscher Unternehmer. Er war als Gründer der nach ihm benannten Nähmaschinenfabrik einer der Begründer der Nähmaschinenproduktion in Deutschland.

Leben und Wirken

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Grab der Familie Clemens Müllers auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden

Clemens Müller kam als Sohn eines kleinen Leinewebers zur Welt. Da die Massenproduktion die Handwerker verdrängte, zogen die Müllers nach Böhmen in die Nähe von Teplitz. Clemens erlernte nach der Volksschule den Beruf des Müllers. Für eine kurze Zeit wurde er Kadett im Böhmischen Heer. Wegen finanzieller Schwierigkeiten seiner Familie musste er das wieder aufgeben. Er ging bei Mechanikermeister Wagner in Dresden in die Lehre und studierte nebenbei an der Polytechnische Schule Dresden.[1]

Im Zuge der industriellen Auswanderung Deutscher zog auch Müller in die USA und begann, die Industrie zu studieren.[1] Er arbeitete zunächst von 1851 bis 1854 bei der Firma Singer & Co. in New York City. Er erwarb dort einen Meistertitel.[1] Nach seiner Rückkehr nach Dresden erwarb Müller das Dresdner Bürgerrecht[1] und gründete am 1. Oktober 1855 die erste deutsche Nähmaschinenfabrik mit der auf seinen Namen lautende Firma Clemens Müller.

Er heiratete Marie Auguste Hartig, die Schwester des Professors für Mechanische Technologie Karl Ernst Hartig, welche auch in dem Familiengrab auf dem Alten Annenfriedhof beerdigt wurde. Ihr gemeinsamer Sohn Ferdinand wurde frühzeitig in die Unternehmensführung einbezogen. 1888 ehrte König Albert Clemens Müller mit dem Titel eines Kommerzienrats.[1]

Clemens Müller starb 1902 in seiner Villa auf der Holzhofgasse 4. Er hinterließ einen Betrieb mit 1300 Arbeitern. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden (vom Haupteingang aus rechts an der Friedhofsmauer). Es wurde 2004 renoviert.

Das Unternehmen Clemens Müller

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Nähmaschinenwerke C. Müller in Dresden
Schreibmaschine Urania der Firma Clemens Müller
Aktie über 1000 RM der Clemens Müller AG vom Februar 1941

Am 1. Oktober 1855 wurde die Firma Clemens Müller auf der Schössergasse 1–3[1] in Dresden gegründet. Sie stellte zunächst verschiedene Nähmaschinen her. Der Absatz blieb anfangs bescheiden, Müller verbesserte aber stets die Technik der Maschinen. Ein großer Erfolg wurde die Doppelstich-Nähmaschine mit Fußpedal. Bereits 1867 war Müller zum größten Nähmaschinenproduzenten Europas aufgestiegen. Ab 1874 wurden die Müllerwerke auf der Großenhainer Straße 5–9 direkt an der Bahnstrecke Leipzig–Dresden und Berlin–Dresden aufgebaut.[1] Die 100.000. Maschine verließ im Jahr 1875 diese Fabrik. Dieses Exemplar befindet sich heute als Geschenk einer Enkelin in den Technischen Sammlungen Dresden.[2] 1881 war Clemens Müller weiter das größte Nähmaschinenunternehmen Europas mit bis dahin 200.000 produzierten Maschinen, zehn Jahre später waren es bereits 600.000 Maschinen.[1]

Am 1. Oktober 1894 beantragte Clemens Müller den Schutz des Markennamens „Veritas“ für Nähmaschinen beim Kaiserlichen Patentamt.[3] Die Eintragung erfolgte noch im gleichen Jahr unter dem Aktenzeichen M189.

Die Firma Clemens Müller wurde 1903 in eine GmbH umgewandelt und blieb bis 1918 in Familienbesitz. Danach wurde sie in die Clemens Müller Aktiengesellschaft überführt. Die sozialen Einrichtungen der Firma, insbesondere die eigene Krankenkasse und die Clemens-Müller-Stiftung für Bedürftige, waren ihrer Zeit weit voraus. Die erste Werkskantine Dresdens gab es in den Müllerwerken.[1]

1909 erfolgte die Produktionsaufnahme von Büroschreibmaschinen des Typs „Urania“.[4] Die seit 1920 produzierte „Urania-Vega“ war die erste Schreibrechenmaschine mit Längs- und Queraddierwerk. Weitere bekannte Marken der Firma waren für Nähmaschinen „Stella“ und „Original Saxonia“, sowie für Kleinschreibmaschinen „Perkeo“ (ab 1912),[5] „Piccola“ (ab 1925) und „Klein-Urania“ (ab 1935).

Nach der Enteignung 1945/46 wurde der Betrieb 1951 zusammen mit der ehemaligen Firma Seidel & Naumann als VEB Mechanik Schreibmaschinenwerke Dresden (SWD) geführt, 1960 jedoch wieder ausgegliedert als VEB Reglerwerk Dresden. Hier wurden noch bis 1990 mechanische und elektrotechnische Geräte und Bauteile hergestellt.

In der Folge von Umstrukturierungen wurden die Rechte auf die Nähmaschinenmarke „Veritas“ 1955 vom VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge übernommen und gingen nach 1990 über die Firmen Singer und Pfaff 2002 schließlich an die Crown Technics GmbH Heilbronn, eine Tochter der Bernina Nähmaschinenfabrik.

Clemens-Müller-Straße in Dresden

Die frühere Straße 10 auf dem Gelände der ehemaligen Artillerie-Werkstätten in der Dresdner Albertstadt wurde 1997 in Clemens-Müller-Straße umbenannt.

Commons: Clemens Müller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Clemens Müller AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h i Klaus Hoffmann-Reicker: Der geänderte Canalettoblick. Gründerzeit in Dresden. edition Sächsische Zeitung SAXO'Phon GmbH, Dresden 2013, ISBN 978-3-943444-06-3, S. 79–84.
  2. Urania auf saechsischeschreibmaschinen.com (abgerufen am 31. Januar 2026)
  3. Eintrag im Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA), Aktenzeichen DD224, Abfrage vom 1. Januar 2026
  4. Lars Borrmann: Die Clemens Müller GmbH in Dresden bringt die Urania auf den Markt. In: Internationales Forum Historische Bürowelt e. V. (Hrsg.): Historische Bürowelt. Nr. 82, 2010, S. 5.
  5. Reinhold Schubert: Sächsische Schreibmaschinen – 100 Jahre Schreibmaschinenfertigung in Sachsen. Abgerufen am 15. März 2019.