Clementina Maude, Viscountess Hawarden

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Die Viscountess Hawarden mit dem schottischen Politiker Donald Cameron of Lochiel, 1861

Clementina Maude, Viscountess Hawarden (* 1. Juni 1822 in Schloss Cumbernauld bei Glasgow als Clementina Elphinstone Fleeming; † 19. Januar 1865 in South Kensington, London), unter dem Namen Lady Clementina Hawarden bekannt, war eine Pionierin der Fotografie.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Lady Clementina Hawarden war eine der fünf Töchter von Admiral Charles Elphinstone Fleeming (1774−1840) von der Royal Navy und Doña Catalina Paulina Alessandro (1800−1880) aus Cádiz, die 26 Jahre jünger war als ihr Ehemann.

Hawarden heiratete 1845 den konservativen Politiker Cornwallis Maude (1817–1905), 4. Viscount Hawarden, ab 1886 1. Earl de Montalt. Das Paar hatte acht Töchter und zwei Söhne. Von den zehn Kindern erreichten acht das Erwachsenenalter. Der Sohn Cornwallis Maude, Hauptmann bei den Grenadier Guards, fiel in der Schlacht am Majuba Hill in Südafrika im Jahre 1881.

Seit 1857 fotografierte sie. Zwei Mal stellte sie auf der Jahresausstellung der Royal Photographic Society in London aus und wurde beide Male mit der Silbermedaille geehrt. 1977 wurde ihr Werk auf der documenta 6 ausgestellt. Der Schriftsteller Lewis Carroll[1] (1832–1898), der Maler und Fotograf Oscar Gustave Rejlander (1813–1875) und die Fotografin Julia Margaret Cameron (1815–1879) verehrten sie. Die Fotografin Cindy Sherman (* 1954) nennt Lady Clementina Hawarden als eines ihrer Vorbilder.[2]

Neunzig Prozent des Gesamtwerks von Hawarden befinden sich im Victoria and Albert Museum in London.

Sie gab ihren Fotos den Titel Studien. Anfangs fotografierte sie stereotype Landschaften in Irland, später begann sie mit Portraits ihrer Töchter. So entstanden Serien von Szenen aus der Oberschicht des Viktorianischen Zeitalters. Im Laufe der Zeit wurden die Arrangements und Kompositionen hinsichtlich der Haltung der Modelle, der Kleidung, der eingesetzten Spiegel und der Raumausstattung immer ausgefeilter. Die Kleidung wurde zur Verkleidung.

Hawarden arbeitete mit dem vorhandenen Licht (Available Light). Typisch für ihre Fotos sind hohe Kontraste zwischen den hellen und dunklen Bildbereichen. Die Stimmung ihrer Fotografien ist romantisch.

Fotografische Technik[Bearbeiten]

Hawarden arbeitete mit der zwischen 1850 und 1851 erfundenen Technik des nassen Kollodiumverfahrens. Ihr Negativ war eine Glasplatte, eine Kollodium-Nassplatte. Das Negativ wurde in der Dunkelkammer in einer Lösung von Silbernitrat entwickelt, mit der Kollodiumseite auf das Albuminpapier gepresst und mittels Sonnenlicht entwickelt, so dass ein Positiv entstand. Kollodium-Nassplatten, die heute nur noch in Ausnahmefällen verwendet werden, gab und gibt es nicht vorgefertigt. Sie müssen vom Fotografen selbst hergestellt werden, indem die Glasplatte sorgfältig geputzt und mehrfach mit einem gleichmäßigen Überzug aus einer Lösung von Kollodiumwolle und Iod- und Bromsalzen in Ethanol und Ether versehen wird. Zeitnah muss die fotografische Platte, noch feucht in einer lichtdichten Kassette in die Großformatkamera eingebracht, belichtet und entwickelt werden.

Hawarden starb mit 42 Jahren an einer Lungenentzündung. Es ist möglich, dass die bei dem von ihr verwendeten Verfahren eingesetzten Chemikalien, welche die Schleimhäute angreifen, ihren frühen Tod begünstigt haben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Virginia Dodier: Clementina, Lady Hawarden. Studies from Life, 1857−1864. V&A Publications, London 1999. National Art Library pressmark: NC.99.1015
  • Graham Ovenden: ed. Clementina, Lady Hawarden. Academy Editions, London 1974. National Art Library pressmark: G.30.GG.35
  • Carol Mavor: Becoming. The Photographs of Clementina, Viscountess Hawarden. Duke University Press, London 1999. National Art Library pressmark: NB.99.1963

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mike Merrit: lifestyle scotsman 2013 Abgerufen am 24. März 2013
  2. Victoria and Albert Museum, abgerufen am 24. März 2013