Combat 84

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Combat 84 ist eine Band aus der britischen Oi!-Szene und stammt aus dem Londoner Stadtteil Chelsea.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe war eine Idee von John Deptford und Chris "Chubby" Henderson, welcher schon in der Punkszene bekannt war. Die Entscheidung zur Gründung einer Band fiel im Chelsea Drugstore in der Kings Road. Es sollte Musik sowohl für Skinheads als auch Punks gemacht werden.

Die erste Besetzung von Combat 84 bestand aus Chris "Chubby" Henderson (Gesang), Jim (Gitarre), John Deptford (Bass) und Jacko (Schlagzeug). Jacko wurde bald darauf durch Brownie ersetzt, weil Jacko selbst für eine Band der Punkszene zu schlecht spielte.

Der größte Teil der Songs wurde von Chris und John geschrieben. Ihr erster Auftritt war als Vorband von The Last Resort im "Walmer Castle", Peckham. Zu der Zeit bestand ihre Setlist lediglich aus drei Titeln und sie mussten die Verstärker des Headliners mitnutzen. Roi Pearce, der Sänger von The Last Resort zeigte Interesse an der Band und sie nahmen ihr erstes Demo mit zwei Songs auf; Combat 84 und Soldier.

Durch die Demokassette und dem zusätzlichen Interesse von Gary Hitchcock, der Manager der The 4-Skins, wurde die Band von Secret Records kontaktiert, welches Heimat von Bands wie der The 4-Skins, The Business, The Exploited, Infa-Riot und Chron Gen war. Doch der Plattendeal mit Secret kam nie zustande. Der Grund hierfür war der einflussreiche Journalist Garry Bushell, der das Label über die angeblich extrem rechten Ansichten von Chris informierte. Deshalb unterschrieb Combat 84 einen Plattenvertrag bei dem Label Victory Records, bei welchem die erste EP der Band, Orders of The Day, veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen fanden in einem Studio in Hoxton statt. Die Auflage war auf 10.000 Stück limitiert. Die EP bekam eine gute Kritik von Becky Bondage (Vice Squad) im Melody Maker. Victory Records selbst gehörte Dave Long. Dave war der Manager von Splodge und von einer Gruppe mit dem Namen The Case.

1982 wurde die Band von der BBC angesprochen, mit der Absicht einen vierzigminütigen Dokumentarfilm über die Skinheadszene zu machen. Am 25. Januar 1982 filmte die BBC ein Konzert der Gruppe, welches im Benny Club in Harlow, Essex stattfand. Der Gig endete in einer Schlägerei einer Gruppe aus South London gegen eine Gruppe aus Harlow. Die Aufnahmen wurden im Herbst desselben Jahres ausgestrahlt. Inzwischen erreichte die EP zahlreiche positive Kritiken bei der alternativ gerichteten Musikpresse, auch wenn in den Medien die politischen Sympathien von Chris bei der Berichterstattung mehr in den Vordergrund traten als die Musik der Band selbst.

Das Musikmagazin Sounds schrieb in einem Bericht vom 6. Februar 1982: „Einer der Mitglieder der Band ist berüchtigt für seine nicht unbeträchtliche politische Vergangenheit.“

Combat 84 entschloss sich später, den Schlagzeuger Brownie durch John Fisher zu ersetzen. Brownie war daraufhin für ein kurzes Intermezzo bei der zu jener Zeit ebenfalls umstrittenen und später nationalsozialistisch gerichteten Gruppe Brutal Attack zu sehen. Bald darauf nahm die Band mit ihrem neuen Schlagzeuger weiteres Material im Alaska-Aufnahmestudio in Waterloo auf. Dieses wurde als zweite EP, ebenfalls auf Victory Records, unter dem Namen Rapist veröffentlicht. Aufgrund der Zeilen des Songs Right to Choose:

„When you're on knees with a gun to your head, it's better to be dead than a fucking red!!“ - „Wenn du mit einer Waffe an deinem Kopf kniest, ist es besser tot zu sein als ein verdammter Roter“

wurde die Band, kurz bevor die neue EP veröffentlicht werden sollte, von White Noise, dem Label der British National Front für einen Plattenvertrag angeworben. Aber dadurch, dass sich der Text vermeintlich positiv über die amerikanischen Flugkörper bzw. Wurfgeschosse äußert:

„We Want The Cruise!“ - gemeint ist die Stationierung von Cruise-Missile-Raketen in Europa

kam dies nicht zustande. Dies war für die unabhängige Politik der National Front unannehmbar. Es ist aber unklar ob die Bemerkung wirklich im wörtlichen Sinne gemeint war oder ob sie, wie typisch für die Punkszene einem provozierenden Hintergrund hatte, da sich Chris angeblich bei dem Text auf den damals sehr populären Kinofilm Apocalypse Now bezog.

Im Herbst wurde von der BBC die Dokumentation mit dem Konzert vom 25. Januar 1982 ausgestrahlt, inklusive eines Interviews mit Chris. Die BBC berichtete in diesem Zusammenhang von einem angeblichen Neonazi in der Band. Der Ruf der Gruppe war deswegen daraufhin gänzlich zerstört. Die Dokumentation war ein Todesurteil für Combat 84. Auch die Tatsache, dass sie sich weigerten, auf antirassistischen Konzerten zu spielen, wie zum Beispiel bei Rock Against Racism, verschlechterte ihre Position.

Doch Chris sprach weiter ehrlich, offen und in einer radikalen Weise über seine politische Meinung. Auch John, der weniger extremistisch als Chris war, äußerte sich im Interview aber dennoch nationalistisch. Zusätzlich war die Band positiv gegenüber der politischen Linie Margaret Thatchers eingestellt. Dies war ein Widerspruch zu dem Rest der Punk- und Oi!-Szene, der sich weitestgehend gegen Thatcher stellte.

Nachfolgend nahm Combat 84 8 neue Titel auf. Ihr Label Victory Records hatte Angst vor Problemen mit der Presse und verkaufte, auch wegen finanziellen Problemen, die Rechte der Songs an Rock-O-Rama. Ihr erstes Album wurde später im Jahr 1984 von besagten Plattenlabel, welches Material neonazistischer Bands veröffentlichte, mit dem Titel Send in The Marines herausgebracht. Acht Titel (die erwähnten neuen Songs) wurden im Studio aufgenommen, fünf weitere stammen von älteren Liveaufnahmen. Der Fakt bei Rock-O-Rama eine Platte herausgebracht zu haben verschlechterte den Ruf von Combat 84 weiterhin im Nachhinein. Auch meinte ein Mitglied später, dass ihr Album keinen guten Eindruck über die Band vermittelt, da das Album angeblich von keiner hohen Qualität zeugt. Der Mangel an akustischer Qualität ist typisch für zahlreiche Rock-O-Rama Produktionen. Ihre ersten beiden Singles erzielen heute hingegen enorme Sammlerpreise.

Wegen der Dokumentation und ihrem Bild in der Öffentlichkeit war es für die Gruppe unmöglich Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Deshalb trat die Gruppe, nachdem sie eine Tour als Vorband der The 4-Skins in Nord England machten, unter einem anderen Namen (The 7th Cavalry) für mehrere Konzerte auf. Gespielt wurde zum Beispiel in Tooting Castle, in Kingston und im 100 Club. Der neue Bandname bezieht sich vermutlich auf eine Kavallerieeinheit die George Armstrong Custer u.a. bei dem Indianerkrieg gegen Sitting Bull am Little Big Horn unterlag. Einige Liveaufnahmen unter dem Ersatznamen wurden später auf der Splitscheibe mit The Last Resort unter dem Titel The Charge of 7th Cavalry veröffentlicht.

Aufgrund der Erfolglosigkeit der Band, welche in der schlechten Presse, der Krawalle und der politischen Äußerungen einiger Bandmitglieder begründet war, wurde sie aufgelöst. John Fisher spielte bald darauf kurz bei The Warriors, eine Gruppe mit ehemaligen The Last Resort Mitgliedern. Nach dieser Band war er in einer Heavy-Metal-Band namens April 19th. John war wie erwähnt auch kurzzeitig Mitglied von The Exploited, welche ebenfalls teilweise umstritten war. John Deptford und Jim wurden Roadies der UK Subs. Danach spielten sie beide in einer unbekannten Streetpunkband. Chris war daraufhin aktiv bei den Chelsea Headhunters, einer Hooligangruppe deren Mitbegründer er unter anderem war. Über diese Zeit schrieb er zusammen mit Colin Ward ein Buch mit dem Titel Who Wants it?. Später eröffnete er mit Steve "Hicky" Hickmont, einem weiteren Mitglied der Chelsea Headhunters, eine Bar namens The Dog's Bollocks in Pattaya, Thailand. Steve Hickmont ist Autor des Buches Armed for the Match.

2000 wurde die Band neu gegründet mit John Deptford (Gesang, Bass), Jim (Gitarre) und CJ (Schlagzeug). In dieser Besetzung nahmen sie eine Mini-CD auf. CJ verließ in der Folge die Gruppe und wurde durch Suds ersetzt. Es wurde eine Split-CD und einer Tour mit der Washington Oi!-Band Iron Cross geplant. Doch Combat 84 verschwand erneut von der Bildfläche der Oi!-Musiklandschaft.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Band argumentierte, dass eine Band keine politische Institution ist und dass die in der Öffentlichkeit geäußerten politischen Ansichten nur von einigen Mitgliedern der Gruppe vertreten wurden. Außerdem meinte ein Mitglied der Gruppe später in einem Interview, dass Politik und Musik nicht zueinander gehören würden. Dennoch hatte einer ihrer Songs antikommunistische Inhalte, was im Kontrast zu ihrer angeblich unpolitischen Meinung steht. Combat 84 war aber auch in einer Zeit in der Punk- und Oi!-Szene aktiv, die reich an Widersprüchen war. Zahlreiche Personen gaben offen zu, die damals schon neonazistische Band Skrewdriver zu hören, obwohl sie einräumten, dass sie nicht mit deren Ansichten konform gehen würden. Umgekehrt fand dies mit den Angelic Upstarts statt, die sich eindeutig ins linke Spektrum einordnen ließen. Sie waren im Gegensatz aber auch in rechten Fankreisen sehr beliebt.

Des Weiteren stellte sich die Band gegen Vergewaltiger und Straßenräuber. Im Zusammenhang mit Vergewaltigern befürwortete die Band die Todesstrafe.

Chris und John gaben als einzige zu, nationalistisch zu sein, während der Rest der Gruppe sich nie öffentlich zu politischen Meinung bekannte. Chris war auch Mitglied einer rechts gerichteten Londoner Skinheadgang.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orders of the Day EP – Victory Records
  • Rapist EP – Victory Records
  • Send in the Marines LP – Rock-O-Rama
  • Tooled Up EP – 7th Cavalry Records

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]