Concordiasee (Seeland)

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Concordiasee
Concordiasee (Juni 2008)
Concordiasee (Juni 2008)
Geographische Lage Sachsen-Anhalt, Deutschland
Zuflüsse Königsauer See (Überlauf)
Orte am Ufer Nachterstedt, Schadeleben
Daten
Koordinaten 51° 49′ 16″ N, 11° 21′ 0″ OKoordinaten: 51° 49′ 16″ N, 11° 21′ 0″ O
Concordiasee (Sachsen-Anhalt)
Concordiasee
Fläche 3,5 km²f5
Länge 2,3 kmf6
Breite 1,1 kmf7
Umfang 6,7 kmf9
Maximale Tiefe 61 mf10
Mittlere Tiefe 29,5 mf11

Besonderheiten

geflutetes Tagebaurestloch

Der Concordiasee (lat. concordiaEintracht“) ist der größte künstliche See im Harzvorland in Sachsen-Anhalt. Er befindet sich etwa acht Kilometer nordwestlich von Aschersleben und grenzt unmittelbar an die zur Stadt Seeland gehörenden Ortsteile Nachterstedt im Süden und Schadeleben im Norden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tagebaurestloch 1999

Der Name des Sees ist von der früheren Braunkohlegrube Concordia abgeleitet. Durch die 1996 eingeleitete Flutung des ehemaligen Tagebaus Nachterstedt, des größten Restloches im ehemaligen Braunkohlerevier im Salzlandkreis, entsteht ein vielseitig nutzbarer See als Mittelpunkt einer sich entwickelnden Bergbaufolgelandschaft, der Freizeitlandschaft Harzer Seeland. Im Sommer 2002 erreichte der Concordiasee eine Wasserfläche von etwa 300 Hektar. Mit einer Eröffnungsfeier am 17. August 2002 wurde der See offiziell für die wassertouristische Nutzung freigegeben. Seit dem 25. Mai 2005 verkehrte auf ihm regelmäßig in der Saison ein 250 Personen fassendes Fahrgastschiff, die MS Seelandperle.[1] Im Sommer 2009 umfasste die Wasserfläche 350 ha. Es war das größte touristisch nutzbare Gewässer zwischen Magdeburg und Kassel sowie Braunschweig und Halle (Saale).[2] Der Höchstwasserstand soll im Jahre 2020Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren bei etwa 103 m ü. NHN[3] und einer Wasserfläche von 650 Hektar erreicht sein. Die maximale Tiefe des Sees wird dann 61 Meter betragen.

Unglück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unglücksort von Schadeleben aus gesehen, Juli 2009
Unglücksort am Concordiasee, Sommer 2012

Am 18. Juli 2009 stürzte gegen 4:40 Uhr im Bereich des Ortes Nachterstedt ein etwa 350 mal 150 Meter breiter Landstreifen in den entstehenden See. Dabei wurden ein Doppelhaus, ein Teil eines weiteren Doppelhauses sowie ein Straßenabschnitt mit Aussichtspunkt und Informationskiosk in die Tiefe gerissen; die abgerutschte Erdmasse wird auf 4,5 Millionen Kubikmeter geschätzt. Drei Personen starben,[4] 41 weitere Personen der Siedlung Am Ring wurden obdachlos.

Die Flutwelle drückte auf der gegenüberliegenden Seeseite das Ausflugsschiff Seelandperle aufs Ufer und der Wasserspiegel des Concordiasees stieg, wodurch sich die Seefläche vergrößerte. Das gesamte Seegebiet mit seinem unmittelbaren Umfeld wurde abgesperrt und für einige Tage zum Katastrophengebiet erklärt, weil weitere Erdabbrüche drohten.

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der abgerutschte Standort war Teil einer Tagebaukippe aus der Zeit vor 1926, die in den 1930er Jahren zur Bebauung mit Eigenheimen freigegeben wurde.[5] Es wurde anfänglich vermutet, dass unverfüllte Strecken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Kohle noch im Tiefbau gewonnen wurde, Auslöser des Erdrutsches sein könnten.[6][7] Als Ursache wahrscheinlicher erschien zunächst ein Setzungsfließen. 1950 und 1959 hatten sich in dem Tagebau bereits durch Setzungsfließen verursachte Erdrutsche ereignet, wobei 1959 ein Arbeiter ums Leben kam.[8]

Drei Monate nach dem Erdrutsch hat die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) Hinweise auf ein kleines Erdbeben als Ursache des Unglücks bestätigt. Ein Institut der Universität Leipzig hat sechs Minuten vor dem Eingang des ersten Notrufs in Nachterstedt eine Erschütterung von 1,0 auf der Richterskala registriert. Dieses seismische Ereignis stand am Anfang des Erdrutsches. Das Zentrum des Bebens lag außerhalb des Tagebaus. In einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung sagte Mahmut Kuyumcu, Geschäftsführer der LMBV, dass das um 4:42 Uhr registrierte Beben den Beginn einer langen Ursachenkette darstellt, die zu dem Unglück führte. Der genaue Ort des Bebens konnte noch nicht lokalisiert werden, liegt aber außerhalb des eigentlichen Tagebaus, möglicherweise im Bereich des früheren Braunkohlentiefbaus. Ein zunächst angenommenes reines Setzungsfließen schließt er aus, da die Abbruchkante sehr stabil ist und der bei einem Setzungsfließen zu erwartende Staffelbruch ausgeblieben ist.[9] Durch die hohe Stabilität der Abbruchkante mehren sich die Hoffnungen der Bewohner der gesperrten Siedlung, ihre Häuser nochmals betreten zu dürfen. Die Erderschütterung ist bereits länger bekannt. Das Landesbergamt Sachsen-Anhalts erklärte dazu, dass diese Messung vermutlich nichts anderes als den Zusammenbruch der mehr als zwei Millionen Kubikmeter Erdmasse dokumentiert, nicht aber ein seismisches Ereignis.[10]

Auch zwei Jahre nach dem Beben war nicht geklärt, warum der Erdrutsch stattfand. In der ersten Hälfte des Jahres 2011 fanden umfassende Bohrungen und Drucksondierungen statt, um das Unglück aufzuklären und den See wieder für den Tourismus freigeben zu können. Noch immer ist der See gesperrt, weil mehrere Uferbereiche abrutschen könnten. 2012 sollten die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen und wenigstens Teilbereiche wieder freigegeben werden.[11]

2016 wurde endgültig festgestellt, dass die Unglücksursache nicht in absichtlichem oder fahrlässigem Handeln begründet ist.[12] Am 29. Juni 2016 fand bei Sanierungsarbeiten ein erneuter Erdrutsch statt, bei dem rund 1,7 Millionen Kubikmeter Erde abrutschten.[13]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Basis der Untersuchung des Concordiasees wurde 2013 entschieden, dass der See noch für weitere zwei Jahre gesperrt bleiben muss. Die somit zunächst zur Saison 2015 geplante Freigabe des Sees und des Badebetriebes[14] wurde aber 2014 auf unbestimmte Zeit verschoben.[15] Im Jahr 2017 wurde eine Teilfreigabe für das Jahr 2019 in Aussicht gestellt.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bergbaufolgelandschaft Nachterstedt – Harzer Seeland (PDF; 3,6 MB) bwk-lsa.de. Abgerufen am 2. August 2010.
  2. Ab ans Wasser – Sommerurlaub in Deutschland kann wunderbar nass sein, openPR, 7. Juli 2009
  3. Concordiasee. In: stadt-seeland.de. Abgerufen am 4. Mai 2017 (NN gibt es nicht mehr).
  4. Erdrutsch von Nachterstedt 2009: Begraben unter 4,5 Millionen Kubikmetern Erde: Leichen bleiben verschwunden In: mz-web.de, 15. Juli 2015, abgerufen am 13. Juni 2018.
  5. Lutz Geißler: Kartenmaterial zum Unglück von Nachterstedt. Geoberg.de, 22. Juli 2009, archiviert vom Original am 12. Juni 2010; abgerufen am 2. August 2010.
  6. Erdrutsch reißt Haus in See. Spiegel Online, 18. Juli 2009, abgerufen am 18. Juli 2009.
  7. Wohnhäuser in Tagebausee gestürzt (Memento vom 22. Juli 2009 im Internet Archive)
  8. 1959: Kippenrutsch – Bergleute standen unter Schock und gerieten in Panik, Mitteldeutsche Zeitung, 19. Juli 2009
  9. Interview mit dem Geschäftsführer der LMBV, Mitteldeutsche Zeitung, 25. September 2009
  10. Neuer Hinweis: Beben löste Erdrutsch aus, Mitteldeutsche Zeitung, 25. Juli 2009
  11. Erdrutsch-Drama immer noch nicht aufgeklärt. Welt Online, 14. Juli 2011, abgerufen am 18. August 2011.
  12. Nachterstedt wird zu den Akten gelegt. In: mdr.de. 23. Februar 2016, archiviert vom Original am 2. Juni 2016; abgerufen am 2. Juni 2016.
  13. Concordiasee bei Nachterstedt: Kann im Jahr 2019 wieder gebadet werden? In: mz-web.de. 10. August 2017, abgerufen am 13. Juni 2018.
  14. Weiter Ebbe am Concordiasee, Neues Deutschland, 10. Juli 2013, abgerufen am 24. Februar 2014
  15. Auch 2015 keine Freigabe: Geplatzte Träume am Concordia See. In: Mitteldeutsche Zeitung. mz-web.de, abgerufen am 23. Februar 2016.
  16. Regine Lotzmann: Teilfreigabe 2019 am Concordiasee in Nachterstedt: Nun gibt es wieder eine Perspektive. In: mz-web.de. 12. August 2017, abgerufen am 13. Juni 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]