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Constantin Nörrenberg

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Constantin Nörrenberg (Signatur, 1900)

Constantin Nörrenberg (* 24. August 1862 in Dormagen; † 4. August 1937 in München) war ein deutscher Germanist, Mundartforscher, Bibliothekar, Bibliotheksdirektor.[1]

Ausbildung und erste Berufssationen

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Nach seiner Reifeprüfung am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Köln studierte Nörrenberg Germanistik an den Universitäten Bonn und Berlin. 1884 promovierte er an der Universität Gießen mit dem Thema „Studien zu den niederrheinischen Mundarten“. Im Anschluss daran arbeitete er als Assistent bei Georg Wenker an den Vorarbeiten für einen „Sprachatlas des Deutschen Reichs“,[2][3] bis er sich zwei Jahre später für eine Bibliothekslaufbahn entschied.

Wirken als Bibliothekar

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1886 begann Nörrenberg als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Universitätsbibliothek Marburg/L. 1889 wechselte er an die Königliche Bibliothek Berlin. Von 1891 bis 1904 war er als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Kiel tätig. 1893 beantragte Nörrenberg ein Jahr unbezahlten Urlaub[4] und unternahm eine längere Studienreise in die USA. Dort besuchte er zunächst die Weltausstellung in Chicago,[4] dann den „Bibliothekarischen Weltkongresses“ und die Jahreskonferenz der „American Library Association“.[3] Außerdem studierte er das US-amerikanische Bibliothekswesen, wo er die Öffentlichen Bibliotheken (Public Libraries) kennenlernte und fortan an der Verbreitung dieser Bibliotheksform in Deutschland mitwirkte. 1895 hielt Nörrenberg einen vielbeachteten Vortrag über „Die Volksbibliotheken, ihre Aufgabe und Reform“ auf der Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, der umgehend auch in gedruckter Form erschien.[5] Constantin Nörrenberg wurde zum Initiator und Organisator der Bücherhallenbewegung. 1899 richtete er die erste Bücherhalle in Hamburg ein, dann baute er 1901–1902 die Stadtbibliothek Wuppertal-Elberfeld auf.[3] Zeitweise war er auch kommissarischer Direktor der Bücherhalle in Düsseldorf.[3]

Constantin Nörrenbergs Hauptwirkungszeit war vom 1. Mai 1904 bis zu seiner Pensionierung am 31. März 1928 die Leitung der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf (heute Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).[4] 1911 erhielt er den Titel „Direktor“.[4] Nörrenberg baute die kommunale Bibliothek zu einer bedeutenden wissenschaftliche Bibliothek aus. Sein Nachfolger wurde 1928 Hermann Reuter.

Von hohem dokumentarischem Wert ist das private, von Nörrenberg selbst so genannte Kriegs- und Revolutionstagebuch, das er während der Zeit des Ersten Weltkriegs seit 1914 und nachfolgend bis 1923 führte. Die Handschrift wurde 2013 von Max Plassmann, ehemals Leiter des Universitätsarchivs Düsseldorf,[6] kommentiert veröffentlicht. Nörrenbergs Aufzeichnungen sind ein Beispiel der Gattung Diaristik im Ersten Weltkrieg[7] und ermöglichen „tiefe Einblicke in das Kriegserlebnis der bürgerlichen Funktionselite Düsseldorfs in der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit.“[8]

Ehrenamt, Nachlass, Privates

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Nörrenberg war von 1906 bis 1928 Vorsitzender des Düsseldorfer Geschichtsvereins,[2] dann auch dessen Ehrenvorsitzender.[9]

Ein Teilnachlass von Constantin Nörrenberg bewahrt die Universitäts- und Landesbibliothek der Heinrich Heine Bibliothek Düsseldorf; er umfasst 3 lfm. in 294 Einheiten.[10][4]

Verheiratet war er mit Elsa Nörrenberg, geborene Stange, aus Kiel.[2]

Schriften (Auswahl)

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  • Bibliothekarischer Weltcongress zu Chicago. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen, Bd. 10 (1893), S. 410–416 (online).
  • Congress und Conferenz der Bibliothekare in Chicago. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen, Bd. 11 (1894), S. 70–76, S. 97–102 (online).
  • Die neuen Bibliotheksgesetze des Staates New York. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen, Bd. 11 (1894), S. 272–277 (online).
  • Die Volksbibliothek: ihre Aufgabe und ihre Reform. Referat auf der 25. Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung in Hamburg am 19. Mai 1895. Sonderdruck. Berlin 1985. (Digitalisat auf openlibrary.org, abgerufen am 16. Dezember 2025)
  • Kieler Bruchstücke aus Heinrichs von dem Türlin Crone. In: Beiträge zur Bücherkunde und Philologie. August Wilmanns zum 25. März 1903 gewidmet. Harrassowitz, Leipzig 1903, S. 405–418.(Digitalisat auf dibiki.ub.uni-kiel.de, abgerufen am 16. Dezember 2025)

Einzelnachweise

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  1. Alexandra Habermann, Rainer Klemmt, Frauke Siefkes: Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925–1980. Klostermann, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 978-3-465-03343-1, S. 233f.
  2. a b c Max Plassmann: Düsseldorf im Ersten Weltkrieg. Das Kriegs- und Revolutionstagebuch des Constantin Nörrenberg. Verlag Lebensreise, Saarbrücken 2013, ISBN 9783639624847, S. 4. (Digitalisat auf academia.edu, abgerufen am 16. Dezember 2025)
  3. a b c d Nörrenberg, Constantin. In: die-bonn.de (Meta-Archiv für Erwachsenenbildung). Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  4. a b c d e Nachlass Dr. Constantin Nörrenberg. Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf – Findbuch. Vorarbeit von Fabian Rijkers. 2012. (PDF, Digitalisat auf ulb.hhu.de, abgerufen am 16. Dezember 2025)
  5. Die Volksbibliothek: ihre Aufgabe und ihre Reform. Referat auf der 25. Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung in Hamburg am 19. Mai 1895. Sonderdruck. Berlin 1985. (Digitalisat auf openlibrary.org, abgerufen am 16. Dezember 2025)
  6. Düsseldorf im Ersten Weltkrieg. Autor. In: buecher.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  7. Marie Czarnikow: Diaristik im Ersten Weltkrieg. Zwischen Alltagspragmatik und Privathistoriographie (= Minima. Literatur und Wissensgeschichte in kleiner Form. 5). De Gruyter Berlin 2022, ISBN 978-3-11-076497-0. (Digitalisat auf ebin.pub, abgerufen am 16. Dezember 2025)
  8. Düsseldorf im Ersten Weltkrieg. In: buecher.der. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  9. Düsseldorfer Geschichtsverein - Ehrenmitglieder. In: duesseldorfer-geschichtsverein.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  10. Nachlässe. In: ulb.hhu.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025 (mit Porträtgemälde).