Cross-Gender

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Cross-Gender (dt. etwa: „dem anderen Geschlecht entsprechend“) werden einerseits diejenigen Erscheinungsformen und Praktiken bezeichnet, bei denen sich Personen nicht gemäß ihren kulturell spezifischen Geschlechterrollen verhalten. Andererseits kann der Begriff eine Kommunikation zwischen Partnern verschiedenen Geschlechts bezeichnen.

Merkmale des Cross-Gender als Übernahme der jeweils anderen Geschlechterrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies kann sich z. B. in Kleidung oder Verhalten widerspiegeln, die kulturell dem anderen Geschlecht zugeschrieben sind (Cross-Dressing). Vereinfacht gesagt handelt es sich um Männer, die sich nach der klassischen westlichen Definition wie Frauen kleiden und/oder verhalten oder umgekehrt. Die Annahme des anderen Geschlechts kann rein spielerischen Charakter haben, aber auch Ausdruck einer Transgender- bzw. transsexuellen Identität sein.

Menschen mit einer Cross-Gender-Identität können sowohl homosexuell, bisexuell, asexuell, als auch heterosexuell veranlagt sein. Fühlen sie sich jedoch zum gleichen biologischen Geschlecht hingezogen, empfinden das die Betroffenen oft nicht als homosexuelle Neigung, da sie sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen.

Cross-Gender in Film und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cross-Gender im Gesellschaftstanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Queer Tango wird das traditionelle Geschlechterrollenverhalten umgedreht und beliebig gewechselt: Frauen führen, Männer folgen. Männer tanzen die traditionell weiblichen Bewegungsmuster und Frauen lernen, sich auf das konventionell männliche Bewegungsrepertoire umzustellen. Beim queeren Tangotanzen jenseits der Gender-Grenzen bilden sich Frau-Mann, Frau-Frau-, Mann-Mann- als auch traditionelle Mann-Frau-Tanzpaare mit häufigem Rollentausch.

Grammatisches Cross-Gender im lateinamerikanischen Bolero[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im gesungenen, lateinamerikanischen Bolero begegnet man dem Phänomen einer grammatischen Cross-Gender-Darbietung, was durch eine Eigenart der spanischen Sprache ermöglicht wird. Im Spanischen markieren Morpheme das Geschlecht des Sprechers. Je nachdem, ob eine Frau oder ein Mann denselben Bolero singt, müssten diese Morpheme geschlechtsspezifisch angepasst werden. Manche Bolerosänger und Bolerosängerinnen passen diese Morpheme bewusst nicht heterosexuell an, sondern singen aus der Perspektive des anderen Geschlechts, ein „Bolereo“-Phänomen, das Roberto Strongman „Queering Grammatical Gender“ nennt.[1]

Cross-Gender als Kommunikationsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Cross-Gender können auch Kommunikationsprozesse bezeichnet werden, in denen die beteiligten Partner unterschiedliche Geschlechter haben, z. B. beim Cross-Gender Mentoring. Hier werden gezielt Personen des anderen Geschlechts gewählt, um Verständniskompetenz für spezifisch "weibliche" bzw. "männliche" Lebenswelten, Verhaltensweisen und Probleme zu gewährleisten. Der Gegensatz ist equal gender mentoring, Beratung durch das gleiche Geschlecht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magali Saikin: Tango und Gender. Identitäten und Geschlechterrollen im Argentinischen Tango. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-896-57611-9.
  • Clare L. Taylor: Women, writing, and fetishism, 1890-1950 : female cross-gendering, Oxford University Press, New York 2003, ISBN 0-19-92-4410-3, (google books).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roberto Strongman: The Latin America Queer Aesthetics of El Bolereo. In: Canadian Journal of Latin America and Caribbean Studies / Revue canadienne des études latino-américaines et caraïbes, Vol. 32, No. 64 (2007), S.52: Abstract auf jstor.org und Volltext auf The Free Library, Farlex Inc.