Düsseldorfer Jazz-Rally

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Klaus Doldinger 2004 bei der
12. Düsseldorfer Jazz Rally

Die Düsseldorfer Jazz-Rally (auch: Düsseldorfer Jazz Rally) ist ein renommiertes Musikfestival in Düsseldorf, das seit 1993 alljährlich an einem Wochenende im Frühsommer stattfindet, seit 2006 immer zu Pfingsten. Es ist das mit Abstand meistbesuchte Jazzfestival in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Veranstaltung orientierte sich zunächst an der Jazz Rally von Brüssel[1] und fand erstmals vom 25. bis 27. Juni 1993 unter dem Namen Brussels Jazz Rally statt.[2]

Bei der neunten Auflage des inzwischen Düsseldorfer Jazz Rally genannten Festivals vom 25. Juni bis 1. Juli 2001 kamen zu den teilweise im Freien stattfindenden Konzerten trotz zwischenzeitlichen Regens bereits 280.000 Besucher.[3] In den letzten Jahren lag die Besucherzahl regelmäßig bei einer viertel Million Menschen und mehr.[4]

Sparda Jazz Award

Seit 2012 wird jährlich ein Jazz Award der Jazz Rally verliehen, ein Nachwuchspreis exklusiv für Jazzmusiker im Alter von 18 bis 28 Jahren. Sponsor ist die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.[5] Die drei Bestplatzierten erhalten neben einem Live-Auftritt während der Rally ein Preisgeld in Höhe von 3.000 € (1. Platz) bzw. 1.500 € (jeweils 2. und 3. Platz). In der wechselnd 4-5-köpfigen Jury vertreten sind Musiker, Jazz-Produzenten, Musikjournalisten und der Vorstand der Sparda-West-Stiftung. Ständige Mitglieder sind Schirmherr Klaus Doldinger sowie Ursula Wißborn vom Vorstand der Stiftung. Als Musiker waren beispielsweise der Bassist Nico Brandenburg (2012, 2014) oder der Pianist Sebastian Gahler (2013) dabei. Aus der Jazz-Szene kamen der Elbjazz-Programmmacher Götz Bühler (2012), der Jazz-Autor Klaus Hübner[6] (2013), sowie WDR-Musikjournalist Karsten Mützelfeldt und Jazz-Produzent Rüdiger Herzog (beide 2014). Der zunächst auf drei Jahre geplante Jazz-Nachwuchsförderpreis wurde zuletzt um zwei weitere Jahre bis 2018 vertraglich verlängert.[5]

Für 2016–2020 erwarb Schauinsland-Reisen im Rahmen eines Sponsoring-Vertrages die Namensrechte des Festivals, das daher nun für zunächst fünf Jahre Schauinsland-Reisen Jazz Rally Düsseldorf heißt.[7]

Ablauf

Den Zuschauern wird von donnerstags bis sonntags an etwa 30 Spielstätten eine Reihe von über 80 Konzerten geboten. Für die außerordentliche Popularität ist es einerseits bedeutsam, dass nahezu sämtliche Auftritte mit nur einer einzigen Eintrittskarte besucht werden können, das in Form „Buttons“ plus „Tagesbändchen“ ausgegeben wird, und andererseits, dass sich ein Großteil der Spielstätten in der Düsseldorfer Innenstadt befindet und prinzipiell die eine von der anderen aus zu Fuß erreichbar ist, was durch die Bezeichnung „Rally“ versinnbildlicht werden soll. Wichtig ist zudem, dass mehrere Spielstätten in der ohnehin stark frequentierten Düsseldorfer Altstadt offen und kostenfrei zugänglich sind. Nur wenige Sonderkonzerte sind allein mit eigens zu erwerbender Eintrittskarte zugänglich.

Schirmherr der Jazz Rally ist seit einigen Jahren Klaus Doldinger, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind mit seiner Familie von Wien nach Düsseldorf geflüchtet war und dort als Jugendlicher seine ersten Schritte als Jazzmusiker tat. Zweiter Schirmherr ist traditionell der Düsseldorfer Oberbürgermeister, seit dem Jahr 2014 Thomas Geisel.

Das Festival wird von der Destination Düsseldorf veranstaltet, in der etwa 150 Düsseldorfer Unternehmen vereinigt sind. Es wird ohne direkte öffentliche Zuschüsse privatwirtschaftlich finanziert, was die Jazz Rally einmalig in Deutschland macht.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In extra zu bezahlenden Sonderkonzerten werden auch populäre Musikrichtungen jenseits des Jazz dargeboten, so zum Beispiel 2007–2009 Roger Cicero, Die Fantastischen Vier und Jan Delay. Dagegen wird ein Großteil der Konzerte von zwar renommierten, aber weniger etablierten Musikern oder kaum bekannten Nachwuchskünstlern bis hin zu Musikschülern getragen und zugleich wenig Stellenwert auf internationale Stars gelegt. Dies ermöglicht die publikumswirksame, einer Flatrate vergleichbaren Preisgestaltung und erlaubt es Besuchern, zum Preis üblicher Konzertkarten an jedem der vier Veranstaltungstage mehrere Konzerte hintereinander besuchen.

In diesem im Laufe der Zeit vorangetriebenen Konzept kann einerseits sowohl eine Verwässerung der Qualität entdeckt werden als auch andererseits eine erfolgreiche Möglichkeit, ein Publikum zu erreichen, das über den üblichen Besucherkreis von Jazzkonzerten und -festivals weit hinausgeht. Zum Beispiel übertrifft die Besucherzahl die der Leverkusener Jazztage, eines der renommiertesten Jazzfestivals in Deutschland, um mehr als das Zehnfache.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Warum die Jazz Rally nach Düsseldorf gehört Westdeutsche Zeitung, 19. Mai 2012
  2. Chronik 1993 im Stadtarchiv Düsseldorf
  3. Chronik 2001 im Stadtarchiv Düsseldorf
  4. 2012 kamen 300.000 Besucher. Vgl. Jazz Rally lockt 300.000 Musikfans, Die Welt 27. Mai 2012
  5. a b Der Sparda Jazz Award bis 2016 verlängert
  6. Autorenprofil Klaus Hübner, Literatur im Netz NRW, abgerufen 22. Oktober 2014
  7. Meilenstein in der fast 25-jährigen Geschichte des Musikfestivals. Startseite der Jazz Rally-Homepage. Abgerufen am 12. März 2016.