Das Eva-Prinzip

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Kurze Inhaltsangabe bzw. Zusammenfassung der Thesen, Auflagen, Verkäufe bzw Bestsellerstatistiken
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.
Dieser Artikel beschreibt ein Buch von Eva Herman. Zum EDV-Prinzip siehe EVA-Prinzip.
Eva Herman bei der Pressekonferenz zur Veröffentlichung ihres Buches.

Das Eva-Prinzip ist der Titel eines im September 2006 veröffentlichten Buchs der Journalistin und ehemaligen Fernsehmoderatorin Eva Herman[1], das zeitweise eine breite Debatte auslöste.

Cicero-Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Politikmagazin Cicero veröffentlichte im Mai 2006 einen Artikel von Eva Herman und der Ressortleiterin Christine Eichel zur Kinderlosigkeit der Deutschen, den die Titelseite mit der Zeile „Zurück an den Herd!“ einführte.[2] Darin setzte sich Herman für die klassische Rollenverteilung von Frau und Mann in einer Ehe ein: Die Frau sei Mutter, der Mann sei der „starke und beschützende Part“. Sie erteilte dem Feminismus eine Absage. Der Lebensabend karriereorientierter Frauen werde „in vielen Fällen eine Zeit des schmerzvollen Nachdenkens und der tiefen Reue“. Kinder zu bekommen, sei für Frauen nicht mehr selbstverständlich, sondern bloß noch eine Möglichkeit. Sie vermutete, die Frauen seien infolge der Emanzipationsbewegung vermännlicht. Statt einem „fremdbestimmten Anspruch an die Frau, es gefälligst den Männern gleichzutun“, forderte sie „das Recht auf die traditionelle Rolle als Frau und Mutter“ und betonte dabei deren „Bestimmung“ mit Berufung auf die biblische Schöpfungsgeschichte.

Diese Thesen lösten bereits eine Debatte in den Medien aus, die auch die Aufnahme von Hermans Buch im Herbst 2006 prägte.

Hauptthesen des Buchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prinzip steht vereinfachend für die Rolle der Mutter zu Hause in den für die Entwicklung eines Kindes entscheidenden ersten drei Jahren nach der Geburt und dem Mann in der Erwerbstätigkeit. Familie und Mutterschaft seien letztlich für „Glück und Zufriedenheit“ einer Frau wichtiger als berufliche Karriere und vollständige Unabhängigkeit. Die Frau solle sich wieder mehr auf ihre „Weiblichkeit“ besinnen und auf „egoistische“ Alleingänge verzichten. Weiblichkeit beruhe auf grundsätzlichen biologischen Unterschieden von Mann und Frau.

In einem Kapitel des Buchs äußerte sich Herman auch kritisch zur Familienpolitik des Nationalsozialismus.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alice Schwarzer reagierte auf den Cicero-Artikel im April 2006 mit dem Kommentar: „Frauen sollten mit so einem Quatsch im Jahre 2006 keine Zeit mehr verlieren.“ Die ARD müsse sich fragen, „ob ihre Tagesschau-Sprecherin mit so sexistischen Elaboraten nicht gegen die Grundsätze der Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten verstößt — und die vorgeschriebene ‚Glaubwürdigkeit‘ einer Nachrichtensprecherin demontiert!“[4]

In einem Interview Ende Mai 2006 nannte sie Hermans bis dahin veröffentlichte Thesen eine „Suada zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule“. Sie seien ein Beispiel dafür, dass Frauen sich in der aktuellen Debatte um Elterngeld, Familienpolitik und Demografie daran beteiligten, berufstätigen, alleinerziehenden und kinderlosen Frauen ein „schlechtes Gewissen“ zu machen, sie einzuschüchtern und so die Frauenemanzipation zu schwächen. Sie erklärte den auch von Herman konstatierten Geburtenrückgang als „stillen Gebärstreik“ deutscher Frauen, „weil sie nicht mehr um jeden Preis Mutter werden müssen. Die meisten wollen Kinder, aber sie wollen auch einen Beruf. Und vor allem: sie wollen Unterstützung von den Vätern und vom Staat.“[5]

Konservative Katholiken befürworteten im April 2006 und öfter Hermans Thesen zur Frauen- und Mutterrolle und begrüßten ihre Feminismuskritik.[6]

Im August 2006, noch vor Erscheinen des Eva-Prinzips, hielten nach einer Forsa-Umfrage drei Viertel der Deutschen „Eva Hermans Frauenbild für falsch und überholt“.[7] Eine am 8. September 2006 veröffentlichte Emnid-Umfrage kam zu dem Ergebnis: „Kinder, Familie und ein harmonisches Heim halten 50 Prozent der Deutschen […] auch heute noch für die wichtigste Aufgabe von Frauen. 47 Prozent der 1005 befragten Personen über 14 Jahren lehnen diese Ansicht ab. Mehr als die Hälfte der Befürworter waren zwischen 40 und 49 Jahre alt.“[8]

Am 7. September 2006 in der Berliner Bundespressekonferenz stellte Herman ihr Buch vor und erklärte dazu: „Die Reduzierung meiner Thesen auf den Slogan ‚zurück zum Herd’ ist falsch.“[9]

Die ehemalige Familienministerin Renate Schmidt kritisierte das Buch am Folgetag in der tageszeitung als „schwülstiges Geschreibsel“ mit einem „pastoralen und selbstgerechten Stil“ von „weinerlicher Überheblichkeit“. Herman vertrete darin ein „Barbiepuppen-Weltbild“ und versuche, die von Feministinnen erkämpfte Frauenemanzipation, ohne deren Erfolge Herman kaum Berufschancen gehabt hätte und weder Nachrichtensprecherin noch Buchautorin geworden wäre, zurückzudrehen. Sie dämonisiere pauschal die Kinderbetreuung, indem sie Verhaltensauffälligkeiten, Drogenkonsum, Gewalttätigkeit und Kriminalität von Kindern als deren zwangsläufige Folge darstelle. Dem widersprächen die empirischen Fakten. Herman hätte ihrem eigenen Rat folgen sollen, dass „Frauen häufiger mal den Mund halten sollten“.[10]

Die Entertainerin Désirée Nick bezeichnete Hermans Thesen in ihrer Gegenschrift Eva go home! Anfang 2007 als „Kette von Falschmeldungen“ und „menschenverachtende, volksverhetzende und rassistische Parolen“. Herman sei unglaubwürdig, da sie selbst als berufstätige Frau anders lebe, als sie es von deutschen Frauen verlange. Sie diskriminiere die Ostdeutschen als „Krippenopfer“, beschreibe berufstätige Frauen als abhängig von der „Droge Arbeit“, die ihren Hormonhaushalt störe und ihr Aussehen so verändere, dass es Männer in die Zeugungsverweigerung treibe. Sie beschreibe alleinerziehende Mütter ohne statistische Belege als selbstmordgefährdet. Herman sei eine „unseriöse Hobbysoziologin“, die sich als „Heilsbringerin“, „Mutter Genesungsanwärterin“ und „Weltretterin“ aufspiele.[11]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva Herman: Das Eva-Prinzip: Für eine neue Weiblichkeit. Goldmann TB, ISBN 3442154626

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stellungnahmen Hermans

Rezensionen

Analyse im sozialen Kontext

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva Herman: Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit. Pendo Verlag, 1. Auflage, Starnberg 2006, ISBN 3-86612-105-9
  2. Eva Herman: Die Emanzipation – ein Irrtum?, Cicero, Mai 2006
  3. Eva-Herman.de: Buchauszug (pdf, kein Impressum; 49 kB)
  4. Emma, 27. April 2006: Satire oder Stimme aus der Steinzeit?
  5. Der Spiegel, 29. Mai 2006: Panik im Patriarchat
  6. kath.net, 26. April 2006: Eva Herman: Suizidale Karrierefrauen sind am Ende ihrer Kräfte
  7. Sueddeutsche Zeitung, 23. August 2006: Studie widerlegt „Eva-Prinzip“
  8. dpa: Umfrage: Eva Hermans Thesen spalten die Nation (Memento vom 22. Februar 2010 auf WebCite). In: Märkische Oderzeitung, 8. September 2006.
  9. Die Zeit/dpa, 7. September 2006: Die Anti-Alice – Eva Herman stellt ihr Buch vor (Memento vom 22. Oktober 2006 im Internet Archive)
  10. Renate Schmidt (taz, 8. September 2006): Die Tränen des Muttertiers
  11. Deutschlandradio, 19. Januar 2007: Zurück an den Herd? Désiréé Nick kritisiert das „Eva-Prinzip“