Das Jüngste Gericht (Hans Memling)

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Mitteltafel mit der Auferstehung der Toten und der Seelenwägung; linke Tafel: die Geretteten auf ihrem Weg ins Himmlische Jerusalem; rechte Tafel: die Verdammten in der Hölle

Das Jüngste Gericht, auch Triptychon des Weltgerichts, ist ein Triptychon von Hans Memling. Das Bildthema ist der Offenbarung des Evangelisten Johannes entnommen. Dargestellt ist der Weltenrichter am Tag des Jüngsten Gerichts, die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, die Seelenwägung durch den Erzengel Michael und der Einzug der Geretteten in das Himmlische Jerusalem (Paradies) sowie der Gang der Verdammten in die Hölle. Wahrscheinlich waren wochentags nur die beiden Stifterbildnisse zu sehen; nur an Sonn- und Feiertagen wurden die beiden Flügel aufgeklappt und gaben so den Blick auf die drei Mitteltafeln frei.

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Stifterbildnis von Angelo di Jacopo Tani; darüber die Gottesmutter mit Kind
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Stifterbildnis der Ehefrau Caterina di Franceso Tangeli; darüber der Erzengel Michael

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitteltafel des mit Öl und Tempera auf Holz gemalten Altarbildes ist 242x180 cm groß, die beiden Flügel messen je 242x90 cm. Das Gemälde entstand wahrscheinlich in den Jahren 1467 bis 1471. Das Original befindet sich im Nationalmuseum Danzig und eine Kopie in der Gemäldegalerie in Berlin.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Mitteltafel sieht man Jesus als Weltenrichter sitzend auf einem Regenbogen (Offb 4,3 EU). Lilie und Schwert befinden sich links und rechts seines Mundes und bezeichnen die Seiten der Erlösten und der Verdammten. An seiner rechten Seite kniet Maria, an seiner linken Seite Johannes der Täufer mit einem rotgefütterten schwarzen Mantel über seinem Fellgewand. Im Halbkreis sind die zwölf Apostel angeordnet. Unter Jesus der Erzengel Michael, gewappnet in einen Harnisch, als Seelenwäger. Das Schicksal der Verdammten ist auf der rechten Tafel dargestellt. Von Teufeln ergriffen werden sie in die Hölle gezogen. Auf der linken Seite ist die Aufnahme der Glückseligen ins Paradies (Himmlisches Jerusalem) zu sehen; sie werden von Petrus begrüßt und anschließend neu eingekleidet.

Auf den Rückseiten der beiden Flügel ist der Erzengel Michael beim Kampf gegen einen am Boden liegenden Lindwurm (Teufel) und eine gekrönte Madonna mit dem Jesusknaben dargestellt. Beide Figuren stehen auf Podesten und sind in Grisaille-Technik ausgeführt. In der unteren Zone der beiden Seitenflügel ist das schwarz und rot gekleidete Stifterpaar, Angelo di Jacopo Tani, Vertreter des Bankhauses der Medici in Brügge, und seine Frau Caterina di Franceso Tangeli, jeweils mit ihren Wappen dargestellt.

Der Weg nach Danzig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Triptychon wurde um 1467 für die Michaelskapelle der Badia Fiesolana, die von den Medici in Fiesole gestiftet worden war, von Angelo di Jacopo Tani (1415–1482) in Brügge in Auftrag gegeben. Tani war von 1455 bis 1460 Geschäftsführer der Medici-Bank in Brügge.[1] Das Schiff, mit dem das Bild im Jahr 1473 nach Florenz gebracht werden sollte, wurde jedoch kurz nach dem Auslaufen von der Peter von Danzig, einem Schiff der Hanse gekapert. Ein Teil der Prise, darunter auch das Gemälde wurde nach Danzig gebracht. Es wurde von Reinhold Niederhoff, dem damaligen Bürgermeister von Danzig, der Marienkirche geschenkt, wenngleich sich die rechtmäßigen florentinischen Eigentümer, die Portinari, um Rückgabe bemühten. Trotz Intervention Karls des Kühnen, des damaligen Herzogs von Burgund, und von Papst Sixtus IV. behielt man die Beute in Danzig. Allerdings leistete die Stadt Brügge eine Schadenersatzzahlung an Tommaso Portinari.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk de Vos: Hans Memling. Das Gesamtwerk. Stuttgart/Zürich 1994, ISBN 3-7630-2312-7,
  • Flämische Meister : Jan van Eyck, Rogier van der Weyden, Hans Memling, Dirk de Vos. DuMont, Köln, ISBN 3-8321-7201-7.
  • Karl Schütz: Der Danziger Weltgerichtsaltar von Hans Memling. In: Museumsbund. Wien 2002. S. 13-18. pdf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Das Jüngste Gericht (Hans Memling) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Schütz. 2002. S. 15.