Datafizierung

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Datafizierung (englisch datafication) ist ein Trend, bei dem mit dem Wachstum des Internets seit den 1990er Jahren Vorgänge in vielen Bereichen der Gesellschaft mit digitalen Daten erfasst, gespeichert und ausgewertet werden. Kenneth Neil Cukier und Victor Mayer-Schönberger haben den englischen Begriff datafication im Jahr 2013 im Zusammenhang mit dem Begriff Big Data eingeführt.[1][2] Datafizierung als Quantifizierung und "Vermessung der Welt" gehört zwar zu den ältesten Techniken der Menschheit, aber erst die Digitalisierung ermöglichte es, dass mit digitalen Mess- und Speichergeräten nahezu alles erfasst, vermessen und analysiert werden kann.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel für Datafizierung ist etwa die Art und Weise, wie Facebook Verbindungen mit Nutzern dazu verwendet, relevante Informationen über diese zu sammeln, und diese anschließend in Daten umwandelt oder wie Google Suchanfragen und Informationsabrufe datafiziert. LinkedIn wandelt professionelle Verbindungen in Daten um und Twitter nutzt Neuigkeiten und Echtzeitinformationen. Außerdem datafiziert die App Waze Informationen in Bezug auf Fahrverhalten und General Electric verwendet Informationen, die zum Beispiel Motoren und Maschinen betreffen.[3]

Aus der Sicht der Science and Technology Studies beinhaltet eine verantwortungsvolle Datafizierung, dass bei der Datafizierung von Alltagspraktiken, bspw. das Einkaufen mit Kundenkarten, Aushandlungsprozesse ermöglicht werden.[4]

Eine körper- und bewegungsbezogene Datafizierung wird zunehmend auch in der Sportpädagogik angewendet.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Houben, Bianca Prietl (Hrsg.): Datengesellschaft: Einsichten in die Datafizierung des Sozialen. (Digitale Gesellschaft; 17) transcript, Bielefeld [2018], ISBN 978-3-8376-3957-5.
  • Stefan Iske, Johannes Fromme, Dan Verständig, Katrin Wilde (Hrsg.): Big Data, Datafizierung und digitale Artefakte, Medienbildung und Gesellschaft Band 42, Springer VS 2020, ISBN 978-3-658-28397-1
  • Bernward Baule, Dirk Hohnsträter, Stefan Krankenhagen, Jörn Laila (Hrsg.): Transformationen des Konsums. Vom industriellen Massenkonsum zum individualisierten Digitalkonsum, Nomos Verlag 2019, ISBN 978-3-848-76282-8
  • Arne Hinz, Lina Dencik, Karin Wahl-Jorgensen: Digital Citizenship in a Datafied Society, Polity Press 2019, ISBN 978-1-5095-2715-1
  • Klaus Wiegerling, Michael Nerurkar, Christian Wadepuhl (Hrsg.): Datafizierung und Big Data. Ethische, anthropologische und wissenschaftstheoretische Perspektiven, Springer VS 2020 ISBN 978-3-658-27148-0
  • Kira Krüger: Die Ära der Datafizierung. Medieninnovation als Wandel der Medientypologien, Springer Gabler 2021, ISBN 978-3-658-34018-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kenneth Neil Cukier, Viktor Mayer-Schoenberger: The Rise of Big Data. In: Foreign Affairs. May/June 2013, 1. Mai 2013, ISSN 0015-7120 (foreignaffairs.com [abgerufen am 10. November 2017]).
  2. Patrick Biltgen, Stephen Ryan: Activity-Based Intelligence: Principles and Applications. Artech House, 2016, ISBN 978-1-60807-877-6 (google.co.uk [abgerufen am 10. November 2017]).
  3. Josh Bersin: The Datafication of Human Resources. In: Forbes. (forbes.com [abgerufen am 10. November 2017]).
  4. Tanja Schneider, Klaus Fuchs, Simon Mayer: Science and Technology Studies: Die Datafizierung von Alltagspraktiken. Datenaktivismus als neue Verantwortung ? In: Anna Henkel (Hrsg): 10 Minuten Soziologie: Verantwortung. transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8394-5112-0, S. 183 – 196.
  5. Benjamin Bonn: Datafizierung der Bewegung. Sportpädagogische Einblicke und ein Transferbeispiel. In: Claudia Steinberg, Benjamin Bonn (Hrsg.): Digitalisierung und Sportwissenschaft. 1. Auflage. Academia Verlag, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-9857200-2-6, S. 113 – 122.