Davidson Black

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Davidson Black (* 25. Juli 1884 in Toronto, Kanada; † 15. März 1934 in Peking) war ein kanadischer Arzt im Fachgebiet Anatomie und ein Paläoanthropologe. Er wurde international bekannt, nachdem er die unter Leitung von Otto Zdansky 1926 in der Unteren Höhle von Zhoukoudian entdeckten und von diesem bereits der Gattung Homo zugeordneten fossilen Zähne 1927 als Überreste von Sinanthropus pekinensis („Peking-Mensch“)[1] beschrieb.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Davidson Black studierte zunächst Medizin und ab 1906 zusätzlich Vergleichende Anatomie an der University of Toronto. 1914 arbeitete er ein halbes Jahr lang in England im Institut von Grafton Elliot Smith, wo sein Interesse an der Stammesgeschichte des Menschen geweckt wurde. Ab 1917 leistete er Wehrdienst im Ersten Weltkrieg im Royal Canadian Army Medical Corps. Nach der Entlassung aus der Armee nahm er 1919 das Angebot an, in Peking am Union Medical College der Tsinghua-Universität zu arbeiten. Dort wurde er als Professor für Neuroanatomie und Embryologie beschäftigt, er interessierte sich aber weiterhin für die Stammesgeschichte des Menschen.

1921 begann die geologische Behörde Chinas mit Ausgrabungen in der Unteren Höhle von Zhoukoudian. Als er 1926 erfuhr, dass dort zwei Zähne entdeckt und der Gattung Homo zugeordnet worden waren, warb er eine großzügige Zuwendung der Rockefeller-Stiftung ein und begann im März 1927 mit eigenen Ausgrabungen. Nachdem auch er einen Zahn entdeckt hatte, benannte er die Funde als Hinterlassenschaften von Sinanthropus pekinensis (wörtlich: „Chinamensch aus Peking“). Dank der finanziellen Unterstützung konnte sein Team in den beiden folgenden Jahren weitere Schädelfragmente und zwei Schädel sowie zahlreiche Steinwerkzeuge bergen. Bereits 1932 wies er auf die große Ähnlichkeit der Peking-Menschen und der auf Java entdeckten Fossilien (Pithecanthropus erectus) hin, die Jahrzehnte später tatsächlich unter dem Artnamen Homo erectus zusammengeführt wurden.

Davidson Black litt an einem angeborenen Herzfehler, der sich infolge seiner körperlich anstrengenden Beteiligung an den Ausgrabungen und deren Dokumentation verschlimmerte. Er starb 1934 während einer nächtlichen Begutachtung von Fossilien. Franz Weidenreich wurde sein Nachfolger.

1932 war Davidson Black zum Fellow der Royal Society gewählt worden. 1931 hatte er die Daniel Giraud Elliot Medal der National Academy of Sciences erhalten.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • On a lower molar hominid tooth from the Chou Kou Tien deposit. In: Palaeontologia Sinica.Serie D, Band 7, Nr. 1, 1927, S. 1–29.
  • Evidences of the use of fire by Sinanthropus. In: Bulletin of the Geological Society of China. [= Acta Geologica Sinica] Band 11, Nr. 2, 1931, S. 107–108, doi:/10.1111/j.1755-6724.1932.mp11002002.x.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alan Walker und Pat Shipman: Chinesische Glücksfälle. Kapitel 3 in: Dieselben: Turkana-Junge. Auf der Suche nach dem ersten Menschen. Galila Verlag, Etsdorf am Kamp 2011, S. 71–82, ISBN 978-3-902533-77-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gary J. Sawyer, Viktor Deak: Der lange Weg zum Menschen. Lebensbilder aus 7 Millionen Jahren Evolution. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2008, S. 128 f.