Debellatio

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Mit Debellatio bzw. Debellation (lat.: „vollständige Besiegung, Kriegsbeendigung“; bellum ‚Krieg‘, auch kriegerische Niederwerfung) bezeichnet man das durch vollständige Zerstörung und militärische Niederringung eines feindlichen Staates herbeigeführte Ende eines Krieges.

Nach traditionellem („klassischem“) Völkerrecht konnte, aber musste nicht damit einhergehen die Annexion, das heißt die Beseitigung der Staatsgewalt des debellierten Staates und die Inanspruchnahme des fremden Territoriums oder eines Teils davon durch den Sieger.[1] Das allgemeine Gewaltverbot der Charta der Vereinten Nationen und das daraus folgende Annexionsverbot beschränken seit 1945 die Bedeutung der Debellation.

Von manchen wird die Situation des Deutschen Reichs am Ende des Zweiten Weltkriegs als Debellation gesehen, was aus militärischer Sicht zutrifft. Eine Debellation hat aber in der Regel eine vollständige Auflösung („Untergang des Staates“) – wenngleich der reine Tatbestand der debellatio für sich allein kein Grund für den Staatsuntergang ist[2] – und Eingliederung des Gebiets des besiegten Landes in das eigene Staatsgebiet zur Folge (Total- oder Vollannexion).[1] Im Falle Deutschlands ist dies jedoch nach ganz herrschender Meinung nicht geschehen, was auch durch die Berliner Erklärung der Alliierten ausdrücklich verneint wurde. Die deutschen Ostgebiete fielen indessen der Abtrennung und letztendlich zum einen per Erlass[3], zum anderen faktisch[4] der Annexion zum Opfer. Es ist zudem fraglich, ob die Staatsgewalt im Deutschen Reich ab 1945 vollständig ersetzt worden war.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Debellation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Achim Tobler, Eroberung, in: Karl Strupp/Hans-Jürgen Schlochauer: Wörterbuch des Völkerrechts, Bd. I, Berlin 1960, S. 438.
  2. Hermann Mosler, Kriegsende, in: Karl Strupp/Hans-Jürgen Schlochauer: Wörterbuch des Völkerrechts, Bd. II, 2. Aufl., Berlin 1961, S. 336.
  3. Nachdem am 17. Oktober 1945 das nördliche Ostpreußen von der Sowjetunion offiziell annektiert worden war, wurde es per Erlass des Ministerrates der UdSSR vom 7. April 1946 als „Königsberger Gebiet“ in die RSFSR eingegliedert. – V. S. Isupov et al. (Hgg.): Samaja Zapadnaja. Sbornik dokumentov i materialov o stanovlenii i razvitii Kaliningradskoj oblasti (Bd. 1), Dokument No. 1, Kaliningrad 1980, S. 17.
  4. Vgl. das Dekret vom 13. November 1945 über die Verwaltung der wiedergewonnenen Gebiete, die Verordnungen des Ministerrats vom 29. Mai 1946 über die vorläufige Verwaltungseinteilung der wiedergewonnenen Gebiete sowie das Gesetz vom 11. Januar 1949 über die Eingliederung der wiedergewonnenen Gebiete (Dziennik Ustaw Rzeczypospolitej Polskiej [Gesetzblatt der Republik Polen], 1945, Nr. 51, Pos. 295; 1946, Nr. 28, Pos. 177, 178; 1949, Nr. 4, Pos. 22).
  5. Frotscher/Pieroth: Verfassungsgeschichte, Rn. 648.