Krieg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Krieg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bilder eines modernen Krieges (Zweiter Golfkrieg)

Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt,[1][2] an dem mehrere planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind. Ziel der beteiligten Kollektive ist es, ihre Interessen durchzusetzen. Der Konflikt soll durch Kampf und Erreichen einer Überlegenheit gelöst werden. Die dazu stattfindenden Gewalthandlungen greifen gezielt die körperliche Unversehrtheit gegnerischer Individuen an und führen so zu Tod und Verletzung. Neben Schäden an am Krieg aktiv Beteiligten entstehen auch immer Schäden, die meist eher unbeabsichtigt sind. Sie werden heute euphemistisch als Kollateralschäden, bzw. Begleitschäden bezeichnet. Krieg schadet auch der Infrastruktur und den Lebensgrundlagen der Kollektive.

Kriegsformen sind vielfältig und nicht unbedingt an Staaten oder Staatssysteme gebunden: Sie können auch innerhalb von Staaten stattfinden, etwa als Bürgerkrieg, Unabhängigkeitskrieg oder bewaffneter Konflikt, und zum Weltkrieg oder zum Völkermord führen.

In der historisch belegten Menschheitsgeschichte haben knapp 14.400 Kriege stattgefunden, denen ungefähr 3,5 Milliarden Menschen zum Opfer gefallen sind. Da bisher schätzungsweise 100 Milliarden Menschen gelebt haben, musste somit jeder dreißigste Erdenbürger sein Leben durch kriegerische Handlungen lassen.[3]

Begriff[Bearbeiten]

Das Wort „Krieg“ bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“, „Anstrengung“, „Streit“.[4] Das Verb „kriegen“ heißt einerseits „Krieg führen“, andererseits „bekommen, erhalten“: Dies kann Herkunft und Charakter dieser kollektiven Gewaltanwendung anzeigen. Auch wo andere Kriegsanlässe im Vordergrund stehen, fehlt selten ein ökonomischer Hintergrund.

Die genaue Herkunft des neuhochdeutschen Begriffes „Krieg“ ist unklar, lässt sich jedoch auf mittelhochdeutsch kriec, althochdeutsch krēg sowie mittelniederdeutsch krich und mittelniederländisch crijch zurückführen. Akademische Rekonstruktion führt nhd. „Krieg“ auf die indogermanische Wurzel *gwrei-. Diese hat ihre Entsprechung in griechisch brímē mit der Bedeutung „Gewalt, Wucht, Ungestüm“ und hýbris mit der Bedeutung „Überheblichkeit, Gewalttätigkeit“. In weiteren sprachgeschichtlichen Zusammenhang wird auch nhd. „Kraft“ gesehen, welches möglicherweise aus der gleichen indogermanischen Grundlage entstanden ist.[5] Die große Bandbreite der Bedeutungen spiegeln das altfriesische halskrīga mit der Bedeutung „Halssteifheit“ sowie die vermutlich in Verbindung stehenden Begriffe altirisch bríg mit der Bedeutung „Kraft, Macht“ und lettisch grînums für „Härte, Strenge“ wider.[6]

Während individuelles oder kollektives Rauben und absichtliches Töten von Menschen heute generell als Verbrechen gilt und in einem Rechtsstaat strafbar ist, wird „Krieg“ nicht als gewöhnliche Kriminalität betrachtet, sondern als bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Kollektiven, die sich dazu legitimiert sehen. Damit hebt ein Krieg die zivilisatorische Gewaltbegrenzung auf eine Exekutive, wie sie der Rechtsstaat als Regelfall voraussetzt, partiell oder ganz auf: Es stehen sich bewaffnete Armeen gegenüber, die ganze Völker oder Volksgruppen repräsentieren. Diese sind damit Kriegspartei.

Kriegsparteien beurteilen ihre eigene Kriegsbeteiligung immer als notwendig und gerechtfertigt. Ihre organisierte Kollektivgewalt bedarf also einer Legitimation. Krieg als Staatsaktion erfordert daher ein Kriegsrecht im Innern eines Staates sowie ein Kriegsvölkerrecht zur Regelung zwischenstaatlicher Beziehungen. Dieses unterscheidet vor allem Angriffs- von Verteidigungskrieg.

Typen[Bearbeiten]

Atombombentest "Romeo" (Sprengkraft 11 Megatonnen) - Beispiel für ein "Worst-Case-Szenario"

Kriege lassen sich in verschiedene Grundtypen einordnen:

Ein zwischenstaatlicher Krieg findet zwischen zwei oder mehreren Staaten statt. Dazu gehört der Koalitionskrieg: Mehrere Staaten verbinden sich zu einer gemeinsam agierenden Kriegspartei. Ist ein Land bereits besetzt und seine Regierung entmachtet, kann der Kampf zwischen Staaten als Partisanen- oder Guerillakrieg zwischen Bevölkerung und feindlicher Staatsarmee fortgesetzt werden: Nichtreguläre Streitkräfte kämpfen militärisch gegen die Armee einer Besatzungsmacht.

In einem Bürgerkrieg dagegen kämpfen verschiedene Gruppen innerhalb eines Staates, teilweise auch über Staatsgrenzen hinweg, oft nicht staatlich organisiert. Auch dieser kann mit nichtregulären Streitkräften, „Privatarmeen“ und/oder Söldnern gegen die Armee der eigenen Staatsregierung geführt werden.

In einem Unabhängigkeitskrieg kämpft ein Volk um einen eigenen Staat: z. B. als Dekolonisationskrieg gegen eine Kolonialmacht, als Sezessionskrieg für die Loslösung eines Teilgebiets vom Staatsverband oder als Krieg um Autonomie für eine regionale Autonomie innerhalb eines Staates. Bei diesen Arten handelt es sich oft um die Folge eines Nationalitätenkonflikts.

Ob es sich um einen Bürgerkrieg oder einen Unabhängigkeitskrieg handelt, hängt oftmals vom Standpunkt der jeweiligen Kriegspartei ab. So wird die Partei, die sich abspalten möchte, eher von einem Sezessionskrieg sprechen, während die Partei, die auf einem einheitlichen Staat beharrt, denselben Konflikt als (innerstaatlichen) Bürgerkrieg ansehen wird.

Als bewaffneter Konflikt gilt ein sporadischer, eher zufällig und nicht strategisch begründeter bewaffneter Zusammenstoß zwischen kämpfenden Parteien. Die bloße Anzahl von Verletzten und Getöteten ist kein verlässliches Kriterium. Trotzdem nehmen große Forschungsprojekte das Maß von 1.000 Toten pro Jahr als groben Indikator dafür, dass ein bewaffneter Konflikt sich zum Krieg gesteigert hat. Manche Kriegsdefinitionen verlangen auch ein Minimum an kontinuierlichem planerischem und organisatorischem Vorgehen bei mindestens einem der Kontrahenten. Als weiteres Kriterium wird manchmal angesehen, dass mindestens eine der kämpfenden Parteien ein Staat sein muss, der sich mit seinen Streitkräften an der Auseinandersetzung beteiligt.[7][8]

Ein bewaffneter Konflikt, der sich weder als zwischenstaatlicher Krieg noch als Bürgerkrieg einordnen lässt, gilt als asymmetrischer Konflikt: Eine Staatenkoalition (Koalitionskrieg) kämpft gegen eine als weltweite Kriegspartei auftretende terroristische Gruppierung (Partisanen- oder Guerillakrieg, wobei die Eigensicht – Kriegspartei – der Außensicht – Gruppenkriminalität – widerspricht). Dabei verfolgen beide Parteien auf strategischer, taktischer und operativer Ebene unverkennbar typische Kriegsziele: politische Hegemonie, ideologische Vorherrschaft, wirtschaftliche Vorteile. Beispiel dafür ist der heutige „Krieg gegen den Terror“, den die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen haben.

Ob eine bewaffnete Auseinandersetzung – u. a. in den Medien – als „Konflikt“ oder als „Krieg“ bezeichnet wird, ist oft von politischen oder propagandistischen Erwägungen abhängig. Eine Auseinandersetzung, die schon den politikwissenschaftlichen Kriterien eines Krieges entsprechen würde, kann z. B. in der Sprachregelung von Drittstaaten bewusst weiterhin als Konflikt bezeichnet und behandelt werden, um sich damit besser einem Beistandsversprechen „im Kriegsfalle“ oder anderem angemessenem Druck auf die Konfliktparteien entziehen zu können. Bei der Höherstufung eines einfachen bewaffneten Konflikts zu einem Krieg gilt analog das Gleiche.

Sonderformen des Krieges sind unter anderem die Fehde, Bandenkriege, Blumenkriege und Wirtschaftskriege.

Ebenen der Kriegsführung[Bearbeiten]

Kriege werden immer auf drei Ebenen mit unterschiedlicher Entscheidungsgewalt organisiert und geführt:

  • die strategische Ebene: Die strategische Ebene ist nach westlichem Verständnis der Politik zuzuordnen. Die Politik formuliert die Zielsetzung in einem Interessenkonflikt. Sie legt das grundsätzliche Vorgehen fest und bedient sich dabei im Hinblick auf die Zielerreichung aller zur Verfügung stehenden Machtmittel wie Diplomatie, Wirtschaft, Information und Militär. Dabei wird zwischen direkter und indirekter Strategie unterschieden. Die direkte Strategie versucht der Gegenseite unter hauptsächlichem Einsatz bzw. Androhung des Machtmittels „Militär“ den eigenen Willen aufzuzwingen. Die indirekte Strategie dagegen versucht unter hauptsächlichem Einsatz anderer Machtmittel als dasjenige der Streitkräfte seinen eigenen Willen durchzusetzen. Indirekte und direkte Strategie schließen einander nicht aus, sondern sind vielmehr komplementär. Sie harmonisieren im Zusammenspiel. Die Wahl der Machtmittel und Vorgehensweisen zur Zielerreichung – also die Gewichtung von indirekter und direkter Strategie – hängt sowohl von der Verwundbarkeit der Gegenseite als auch von den eigenen Möglichkeiten ab.
  • die operative Ebene: Die operative Führung setzt politische Absichten und militärstrategische Vorgaben in Befehle an die taktische Führung um. Sie definiert operative Ziele, fasst diese in operative Konzepte, Operationspläne sowie Operationsbefehle und koordiniert die Gesamtheit der dazu erforderlichen taktischen und logistischen Maßnahmen.
  • die taktische Ebene: Unter taktischer Ebene sollen alle Dinge subsumiert werden, die in die Sphäre des Gefechts fallen. Die taktische Ebene setzt die Zielsetzungen der operativen Stufe um, indem sie ihre Mittel im bestmöglichen Zusammenwirken auf dem Gefechtsfeld einsetzt.

Hauptursachen[Bearbeiten]

Beim Krieg sind die vordergründigen Kriegsanlässe von den tieferen Kriegsursachen zu unterscheiden. Die meisten Kriege lassen sich auf einige Hauptursachen zurückführen. Dazu gehören vor allem:

Siehe auch: Der Angreifer und seine Kriegsziele.

Krieg ist jedoch selten monokausal zu erklären: Viele der hier genannten ökonomischen, politischen, ideologischen, religiösen und kulturellen Kriegsgründe spielen in der Realität zusammen, bedingen sich gegenseitig und gehen ineinander über. Darum lässt sich der Kriegsbegriff auch nicht auf militärische Aggressionshandlungen einengen. Diese durchlaufen fast immer eine Vorbereitungsphase: Krieg beginnt in der Regel im „Frieden“. Wirklicher Frieden ist also mehr als die Abwesenheit von Krieg.

Geschichte[Bearbeiten]

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Steinzeit[Bearbeiten]

Kriegerische Auseinandersetzungen beobachteten Enthnologen schon zwischen Dörfern und Sippenverbänden bei reszenten Steinzeitvölkern wie den Yanomami oder den Maring in Papua-Neuguinea.[10]

Antike und europäisches Mittelalter[Bearbeiten]

„Alexanderschlacht“ (Mosaik, Pompeji, ca. 150-100 v. Chr.)

Kriege begleiten die menschliche Kulturgeschichte seit der Hochkulturphase. Für vorstaatliche Stammesgesellschaften war der bewaffnete Raubzug ein nicht belegtes Mittel des Überlebens jedoch kein Krieg im clausewitzschen Sinne. Die Stammesfehde entsprach in etwa dem, was heute als Scharmützel oder bewaffneter Konflikt gilt: Kleinere lokale Gruppen bekämpften sich in spontaner, ungeplanter Form und mit ständig wechselnden Allianzen. Häufig wegen Verletzung des Jagd­territoriums, der Jäger wurde zum Krieger.

Erst mit dem Aufkommen von staatsähnlichen Gebilden, die im Altertum fast immer Monarchien waren, entstanden Kriege mit speziell zum Kämpfen abgestellten Heeren. Die Machthaber bedienten sich der Heere in Konflikten um Ressourcen, die von ihnen als persönliches Duell verstanden wurden.

Die herrschenden Oberschichten der späteren Zeit sahen den Krieg als Normalzustand an. Der darauf folgende Friede bedurfte besonderer Vertragsschlüsse. Im Griechenland des 4. vorchristlichen Jahrhunderts gab es infolge der Entwicklung nach dem Peloponnesischen Krieg, der die Polis-Ordnung Griechenlands destabilisiert hatte, dagegen mehrere Versuche, durch die Idee des Allgemeinen Friedens eine dauerhafte Friedensordnung zu begründen.

Antike Großreiche entstanden oft aus organisierten Raubzügen. Sie stellten die eroberten Gebiete unter Tributzwang, versklavten oder deportierten Teile der Bevölkerung. Sie setzten militärische Siege in eine dauerhafte Herrschaft um. Auch das römische Reich besetzte die eroberten Gebiete und nutzte sie ökonomisch aus. Die Pax Romana der römischen Kaiserzeit beruhte auf ständiger militärischer Präsenz der Besatzungsmacht.

Kriege und Bürgerkriege stellten auch später weiterhin einen Normalzustand dar. Dabei durchlief die Kriegsführung unterschiedliche Phasen. Die Waffentechnologie entwickelte sich dort am schnellsten weiter, wo Herrscher über Mittel und Absichten zum Krieg verfügten.

Die Unterhaltung eines Heeres unterlag einer gewissen Eigendynamik. Wer Kriegsdienst leistete, konnte nicht gleichzeitig als Leibeigener in der Landwirtschaft oder sonstwie arbeiten. Gleichzeitig musste die Versorgung der Truppe gewährleistet werden und dies gelang am einfachsten durch Raub in eroberten Gebieten. Die Soldaten und Söldner einer nichtkämpfenden Truppe wären „nutzlose Esser“ und mussten daher im Kampf und in der Eroberung beschäftigt werden (um ihre eigene Versorgung zu sichern). Heere wurden im europäischen Mittelalter aber nur dann aufgeboten, wenn ein Kriegszug geplant war oder eine feindliche Invasion abgewehrt werden musste. Begründet wurde die Verpflichtung zum Heeresdienst durch die feudalen Abhängigkeiten.

Neuzeit bis 1914[Bearbeiten]

Krieg – Illustration von Gustav Süs zu Franz Wiedemann: Geschichten, wie sie Kinder gern haben (Dresden 1860)

Im Gefolge der Reformation zerfiel die relativ stabile Einheit des Mittelalters, das Heilige Römische Reich unter Führung von Kaiser und Papst. Die Verbindung von konfessionellen und machtpolitischen Gegensätzen führte schließlich zum Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648. Dabei gingen angekündigte Feldschlachten oft mit Raubzügen, Plünderungen und Massakern an der Zivilbevölkerung einher. Im Verlauf starb etwa ein Drittel der mitteleuropäischen Bevölkerung, sei es durch unmittelbare Kriegswirkungen, sei es durch Kriegsfolgen wie Missernten und eingeschleppte Seuchen.

Diese Geschehnisse bewirkten einen Gesinnungswandel. Der Westfälische Frieden 1648 brachte zum ersten Mal das Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten fremder Staaten in die Diskussion. Der Krieg entwertete den Anspruch, religiöse Standpunkte mit Waffengewalt durchzusetzen. Der Westfälische Friede leitete in Europa die Trennung von Politik und Religion ein.

Die darauf folgende vergleichsweise friedliche Periode begünstigte die Aufklärung. Aus der Idee der allgemeinen Menschenrechte entwickelte sich die Idee des gehegten Krieges im zivilen Rahmen. Hatte seit Augustinus von Hippo die kirchliche Lehre vom gerechten Krieg die Kriterien zur Legitimation geliefert, so übernahmen dies nun aufgeklärte Juristen wie Hugo Grotius. Machthaber folgten den Kriterien vor allem aus pragmatischen und finanziellen Gründen. Frieden als Ziel der Politik wurde denkbar und streckenweise auch erreicht: etwa in der Epoche nach dem Wiener Kongress 1815.

Die moderne Form des Krieges setzte Nationalstaaten voraus, die über ein Steueraufkommen und Verteidigungsetat verfügen und damit eine stehende Armee aufstellen können. Die Entwicklung führte zu immer größeren Armeen mit immer stärkeren Waffen und entsprechend höheren Opferzahlen.

Im 19. Jahrhundert finden sich auch erste Ansätze zur Begrenzung und Regulierung von bewaffneten Konflikten, die sich als modernes Völkerrecht etablierten. Daraus abgeleitet wurde auch das kodifizierte Kriegsrecht und das Kriegsvölkerrecht. Seine bedeutendsten Errungenschaften vor 1914 waren:

Die Kriegsgründe blieben bei dieser Kodifizierung des Kriegsverlaufs ausgeklammert, und die Wahl der Mittel wurde ebenfalls noch nicht verbindlich geregelt.

Das Zeitalter der Weltkriege[Bearbeiten]

Finnische Kriegstote, 1944
Die im Ersten Weltkrieg zerstörte Stadt Ypern, 1919

Im Ersten Weltkrieg führte der Einsatz von Panzern, U-Booten, Schlachtschiffen, Giftgas sowie die totale Kriegswirtschaft zu einem neuen Gesicht des Krieges. Feld- und Seeschlachten forderten Millionen Todesopfer und Abermillionen von Schwerverletzten.

Die bisherige europäische Bündnis-, Gleichgewichts- und Vertragspolitik mit ihrer Doppelstrategie von Hochrüstung und Diplomatie war nicht zuletzt am Konkurrenzkampf um Kolonien gescheitert. Darum wurde vor allem auf Initiative des US-Präsidenten Woodrow Wilson nach 1918 versucht, eine internationale Konfliktregelung zu institutionalisieren. Die Gründung des Völkerbunds stellte den Frieden als gemeinsames Ziel der Staaten heraus und gab dem Völkerrecht eine organisatorische Basis.

Der Briand-Kellogg-Pakt zur Ächtung des Angriffskrieges war ein weiterer Schritt, um nicht nur den Kriegsverlauf, sondern die Staatssouveränität bei der Entscheidung zum Krieg zu begrenzen und den Verteidigungskrieg international akzeptierten Kriterien zu unterwerfen.

Angesichts der neuen Kriegsqualität, die die Massenvernichtungsmittel bedeuteten, wurde ferner versucht, bestimmte als unnötig grausam verstandene Waffen zu ächten und zu verbieten. Dies gelang bis 1939 jedoch noch nicht, obwohl die prinzipielle juristische Handhabe dafür mit der Haager Landkriegsordnung gegeben war.

Durch deutsche Angriffe zerstörte Gebäude in London während des Zweiten Weltkrieges

Der Aufstieg des Nationalsozialismus beendete diese Bemühungen. Systematisch ignorierte Adolf Hitler von 1933 bis 1939 die völkerrechtlichen Obligationen Deutschlands und bereitete seinen Eroberungs- und Vernichtungskrieg vor. Die Appeasement-Politik Großbritanniens scheiterte 1938 trotz der durch Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland der Tschechoslowakei aufgezwungenen Abtretung des Sudetenlandes und der deutschen Besetzung von Böhmen und Mähren 1939. Der Weg in den Zweiten Weltkrieg war damit frei.

Dieser begann wie der erste als konventioneller Krieg, wurde aber rasch und unaufhaltsam zum totalen Krieg. Staatlich gelenkte Kriegswirtschaft, Kriegsrecht, allgemeine Wehrpflicht und Propagandaschlachten an der Heimatfront bezogen die Völker ganz und gar in die Kampfhandlungen ein. Die Mobilisierung aller nationalen Reserven für Kriegszwecke hob die Unterscheidung zwischen beteiligten Zivilisten und Kombattanten auf. Die Kriegsführung ignorierte, insbesondere in Osteuropa, in hohem Maße das Kriegs-Völkerrecht.

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So kam es im Kriegsverlauf

  • zum immer weiter eskalierenden Bombenkrieg auch auf Ziele in dicht besiedelten Gebieten, beginnend mit dem Bombenangriff auf die polnische Stadt Wieluń durch die deutsche Luftwaffe am 1. September 1939. Später wurde vor allem von britischer und amerikanischer Seite auch gezielt die deutsche Zivilbevölkerung angegriffen um die Kampfmoral zu brechen (sog. „moral bombing“),
  • zur Verbindung von territorialer Eroberung und Massentötungen von Zivilisten an der Ostfront. Dabei wurden nach der Besetzung Polens durch Deutschland und der Sowjetunion zunächst gezielt die polnischen Eliten (Intellektuelle, Klerus, Adel und höhere Staatsbedienstete) durch deutsche Einsatzgruppen und den sowjetischen NKWD interniert oder ermordet, um die beiderseits geplante Kolonisierung Polens zu erleichtern. Beispielhaft steht dafür die Ermordung der Professoren der Universität Krakau durch deutsche Einsatzgruppen und das Massaker von Katyn durch den NKWD. Mit dem Beginn des Russlandfeldzugs ab 1941 wurden die Einsatzgruppen vorwiegend zur Ermordung von sowjetischen Juden, Kommunisten und höheren Staatsbediensteten eingesetzt. Begründet wurde dies zwar in erster Linie mit der „Befriedung“ der eroberten Gebiete, da oben genannte Gruppen besonders verdächtigt wurden Widerstand gegen die Besetzung zu leisten. Die unterschiedslose Ermordung der jüdischen Bevölkerung ist jedoch auf die antisemitischen Verschwörungstheorien der Nationalsozialisten und ihren von vornherein feststehenden Vernichtungswillen zurückzuführen. Die Wehrmacht unterstützte, die als „Partisanen- oder Bandenbekämpfung“ verharmlosten Massentötungen logistisch, da sie sich davon eine Verringerung der Partisanenaktivitäten im Hinterland versprach. Auch lieferte sie gefangengenommene Politkommissare und jüdische oder kommunistische Kriegsgefangene den Einsatzgruppen aus, die diese fast immer ermordeten. Die Wehrmacht stellte ebenfalls eigene „Bandenbekämpfungseinheiten“ auf, die zumeist aus nichtdeutschen Freiwilligen rekrutiert und von deutschen Offizieren geleitet wurden und sich bei Vergeltungsaktionen für Partisanenangriffe zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig machten,
  • zum massenhaften und zum Teil gezielt herbeigeführten Zugrundegehen sowjetischer, polnischer und deutscher Kriegsgefangenen,
  • zur Strategie der „verbrannten Erde“, zunächst durch die Rote Armee und später durch die Wehrmacht
  • zu massenhaften Vergewaltigungen und Morden an deutschen Zivilisten durch Rotarmisten nach der Besetzung Ostdeutschlands durch die Rote Armee gegen Kriegsende,
  • und schließlich zu den US-amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945.
Atombombe über Hiroshima

Die Nürnberger Prozesse schufen den neuen Straftatbestand des „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“: dies war der erste Versuch, Menschen nach dem Völkerrecht aufgrund von Kriegsverbrechen zu verurteilen.

UNO und Kalter Krieg (1945–1990)[Bearbeiten]

Die ungeheure Steigerung der Vernichtungskapazitäten und Verselbstständigung der Kriegsführung verstärkte nach 1945 die Bemühungen, Kriege generell zu vermeiden. In Europa, besonders in Deutschland herrschte bei weiten Teilen der Zivilbevölkerung die Einstellung vor: Nie wieder Krieg!

Erneut wirkten nun vor allem die USA auf die Einrichtung einer Weltorganisation zur diplomatischen Konfliktlösung und Kriegsverhütung hin: die Vereinten Nationen (UNO). Die Erfahrung der Ohnmacht des Völkerrechts in den Weltkriegen fand ihren Niederschlag in ihrer Charta, hier vor allem in Kapitel II, Absatz 4:

„Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“

Dies verbot erstmals allgemeinverbindlich jeden Angriffskrieg und jede militärische Erpressung. Die Charta bekräftigt das Prinzip der Nichteinmischung und das natürliche Recht zur Selbstverteidigung im Fall eines feindlichen Angriffs. Sie verpflichtet alle Mitglieder zu gemeinsamen friedenserhaltenden oder wiederherstellenden Maßnahmen und machte diese von einem Mandat des UN-Sicherheitsrats abhängig. Dabei stand auch die Sorge vor einem neuen weltumspannenden Konflikt Pate, die durch den Zerfall der Anti-Hitler-Koalition bereits auf der Konferenz von Potsdam im Juli 1945 am Horizont auftauchte.

Auch die Bemühungen zur Ächtung bestimmter Waffengattungen wurden seit 1945 verstärkt. Doch während das Verbot von B- und C-Waffen weithin akzeptiert wurde, misslang das universale Verbot der Atomwaffen. Bis 1949 besaßen die USA das Atommonopol; bis 1954 erreichte die Sowjetunion ein strategisches „Atompatt“, das vor allem auf der Bereithaltung von Wasserstoffbomben und Fernlenkwaffen beruhte. Beide weltpolitischen Kontrahenten waren von nun an zum atomaren Zweitschlag mit unkalkulierbaren Folgen im Feindesland fähig.

Seit dem Beinahe-Zusammenstoß der Supermächte in der Kubakrise von 1962 wurden ergänzend aber erste Schritte zur gemeinsamen Rüstungskontrolle gemacht. Die KSZE wurde 1973 eingerichtet und erlaubte den Europäern gewisse eigenständige Abrüstungsinitiativen mit der Sowjetunion. Hinzu kam die seit 1979 wachsende Friedensbewegung, die den innenpolitischen Druck zu Abrüstungsvereinbarungen vor allem in Westeuropa und den USA verstärkte. Mit Gorbatschows Angeboten gelang 1986 in Reykjavík ein Durchbruch zum vollständigen Rückzug aller Mittelstreckenraketen aus Europa, der eine Reihe Folgeverträge nach sich zog.

Koreakrieg (ca. 1951)

Unterhalb der Atomkriegsschwelle fanden jedoch zwischen 1945 und 1990 laufend so genannte konventionelle Kriege vor allem in Ländern der so genannten Dritten Welt statt. Eine Reihe davon waren Stellvertreterkriege, z. B. der Koreakrieg (1950 bis 1953), der Vietnamkrieg (1964-1975) sowie zahlreiche Konflikte in Afrika und Lateinamerika. Dort verhinderte der Kalte Krieg und das gegenseitige Abstecken von Einflusszonen der Supermächte häufig regionale Konfliktlösungen und begünstigte verlängerte Bürgerkriege mit vom Ausland finanzierten Guerillakämpfern.

Tendenzen seit 1991[Bearbeiten]

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 endete der Kalte Krieg. Ihre Auflösung und die Jugoslawiens führte Anfang der 1990er Jahre zu neuen Kriegen. Seit 1992 hat sich die Zahl der pro Jahr laufenden Kriege jedoch nahezu halbiert.[11] Jedoch wird Krieg seit dem ersten Golfkrieg der USA und dem Falklandkrieg Großbritanniens nun auch in Europa wieder als Mittel zum Erreichen legitimer Ziele wie der Durchsetzung von Menschenrechten oder der Prävention gegen tatsächliche oder vermutete Rüstungs-, Terror- und Angriffspläne angesehen.

Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 rief US-Präsident George W. Bush den Krieg gegen den Terror aus. Auch Deutschland unterstützt diesen Sonderfall in Teilbereichen mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und anderen Auslandseinsätzen.

Auffallend an den Konflikten des 21. Jahrhunderts ist, dass sie nur noch in seltenen Fällen zwischen Staaten stattfinden. Der typische Krieg ist ein interner Konflikt, so gab es 2013 keinen Krieg über Staatsgrenzen hinweg.[12] Verschiedene Institute grenzen interne Konflikte unterschiedlich ab, so dass sie zu abweichenden Einschätzungen über die Häufigkeit und kurzfristiger Schwankungen kommen.[13]

Krieg und Politik[Bearbeiten]

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bestimmt im Artikel 26 (1):

„Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“

Seit der Neuzeit wird Krieg eng mit der Politik souveräner Nationalstaaten verknüpft, die innenpolitisch über ein Gewaltmonopol verfügen. Der preußische Militärtheoretiker Clausewitz sah Krieg als „Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“. Weil diese Gewalt von einem souveränen Staatswesen ausgeht, definierte er sie als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“:

„So sehen wir also, dass der Krieg nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument ist, eine Fortsetzung des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln. Was dem Kriege nun noch eigentümlich bleibt, bezieht sich bloß auf die eigentümliche Natur seiner Mittel.“

Eine politische Orientierung, die Krieg für natürlich, unvermeidbar, sogar fortschrittsfördernd hält und Rüstungsanstrengungen prinzipiell bejaht, nennt man Militarismus.

Die entgegengesetzte Haltung will Kriege nicht nur vermeiden, sondern langfristig als Mittel der Konfliktaustragung ausschließen, abschaffen und überflüssig machen: Der Pazifismus (von Lateinisch pacem facere: „Frieden schaffen“). Für ihn ist Krieg „eine Geißel der Menschheit“ (UN-Charta).

Zwischen diesen Polen bewegt sich die so genannte „Realpolitik“ des Großteils aller Staaten, die militärische Gewalt als ultima ratio – „letztes Mittel“ – nie ganz ausschließt und von Fall zu Fall als unvermeidlich anwendet. Dabei ist in heutigen Gesellschaften vor, in und nach einem Krieg meist heftig umstritten, ob und wann dieses Mittel tatsächlich das letzte, der Krieg also wirklich unvermeidbar war und ist.

Auslöser[Bearbeiten]

Hierzu werden mitunter kriegsauslösende Einzeltaten inszeniert (Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg) oder wirtschaftliche Konflikte provoziert (beispielsweise mittels Zöllen, Patentrechten, Einfuhrbeschränkungen). Allerdings kann sich ein bestehender Konflikt auch an profanen Dingen wie einem Fußballspiel entzünden.

Da sowohl Attentate als auch Terrorakte die moralische Rechtfertigung für einen Krieg bilden können, kommt der Inszenierung eines Krieges oft höhere Bedeutung zu als der späteren Durchführung. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass Kriegsführung neben logistischen und humanitären Gesichtspunkten vor allem wirtschaftliche Zwänge birgt.

Besondere regierungspolitische Motive[Bearbeiten]

In ärmeren Ländern dienen Kriege oft innenpolitischem Kalkül. Dabei rechnet die Regierung eines solchen Landes damit, dass das Volk durch das durch den Krieg erzeugte Härteklima mit unmittelbaren Lebensfunktionen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung so beschäftigt ist, dass es keine Zeit mehr hat, sich Themen wie Regierung, Politik oder Wirtschaft zu widmen. Eine Regierung kann so versuchen, Kritik zu unterdrücken.

Wohlstandsnationen führen Kriege meist abseits der eigenen Heimat. Eine drastische Einengung der Lebensgrundlage ist in diesen, eher höher gebildeten Bevölkerungen meist nicht vermittelbar und würde nicht breit akzeptiert. Dennoch wird in der Heimat eine „psychologische Militarisierung“ auf das gesamte Volk übertragen, welche auf Patriotismus und Duldung der Beschneidung von Grundrechten, beispielsweise im Wege der Terrorismusbekämpfung, abzielen.

In beiden Fällen handelt es sich um eine Art Flucht nach vorn, im Zusammenhang mit bereits unabhängig vom Krieg bestehenden Strukturproblemen im eigenen Land beziehungsweise drohendem Machtverlust der Regierung. Der Krieg kann als Rechtfertigung für unterschiedliche Einschränkungen (zum Beispiel der Menschenrechte oder der Sozialversorgung) verwendet werden.

Da eine Bevölkerung sich zumeist in relativer Akzeptanz mit ihrer Regierung befindet (gestützt durch staatlich gelenkte Medien oder durch echte Akzeptanz von aggressiven Expansionsabsichten beziehungsweise durch stillschweigendes Erdulden der Staatsführung), stellt die Wechselwirkung zwischen der Volksmeinung einerseits und der Legitimation einer Regierung Krieg zu führen andererseits, ein besonders wichtiges Instrument der Militarisierung im Vorfeld der Kriegsführung dar.

Ausnahmezustand[Bearbeiten]

Zu diesen kleinen Kriegen zählen Krawalle, Aufstände, der Staatsstreich, Bürgerkriege usw. Sie bilden die überwältigende Mehrzahl aller Kriege; die „regulären“ Kriege zwischen Staaten und regulären Truppen demgegenüber die Ausnahme. Einige Autoren (Agamben, Hardt und Negri) hinterfragen diese Ansicht mittlerweile, so werde Ausnahmezustand zum Normalzustand erklärt:

  • Aktionen, die man früher in einem Krieg durchführte, werden nun als so genannte „Polizeimaßnahmen“ durchgeführt
  • Die Bekämpfung des Terrorismus steht in einem Spannungsverhältnis zu Demokratie, etwa durch die Beschneidung von bürgerlichen Freiheiten.

Die Politik sehe Krieg nicht mehr als letztes Mittel, sondern als Werkzeug zur Kontrolle und Disziplinierung.

Ressourceneinsatz[Bearbeiten]

Wegen der extremen Belastung, die der Krieg den beteiligten Parteien auferlegt, ist eine positiv gestimmte eigene Öffentlichkeit für eine kriegführende Institution oder Nation von kriegsentscheidender Bedeutung.

Militärstrategie[Bearbeiten]

Die militärische Strategie ist der Plan, um den Zweck des Krieges zu erreichen. Zweck des Krieges ist nach Clausewitz immer der Friede, in dem die eigenen Interessen dauerhaft gesichert sind.

Militärische Strategien ändern sich mit der Waffenentwicklung. In der Geschichte wurden häufig dominante Mächte zurückgeworfen, weil neuere, wirksamere Waffen entwickelt wurden. Aber auch ohne Neuentwicklung von Waffen können bessere strategische Planungen einen Krieg entscheiden, u. U. auch aus der Unterlegenheit heraus.

In der Militärstrategie geht es immer darum, durch geschickte räumliche und zeitliche Anordnung der Gefechtssituationen den Erfolg herbeizuführen. Als Krönung gilt es allgemein, wenn man ohne einen Kampf den Sieg davon trägt. Kriegslisten sind daher ein wesentliches Element des Krieges. Die wohl berühmteste Kriegslist der Geschichte ist die des trojanischen Pferdes.

Militärstrategie lässt sich nach Edward Luttwak in zwei Dimensionen aufspannen. Einer Horizontalen und einer Vertikalen. Die Horizontale Ebene entspricht der temporären Abfolge jeder strategischen Operation inklusive Clausewitzs Kulminationspunkt. Die Vertikale Dimension gliedert sich in mehrere Ebenen. Die unterste ist die technische Ebene, diese umfasst die Effektivität, als auch die Kosten von Waffensystemen, und damit auch den Ausbildungsstand und Leistungsfähigkeit der einzelnen Soldaten.

Als Nächstes folgt die taktische Ebene. Sie umfasst die untere Militärische Führung also alles bis Bataillons- oder Brigadeebene, sowie die Moral der Truppe und beinhaltet vor allem die Geländeausnutzung.

Als Nächstes folgt die operative Ebene. In dieser findet sich die militärische Strategie von Divisionsebene und aufwärts. Hier werden größere militärische Manöver unter anderen Gesichtspunkten wie in der taktischen Ebene geplant und ausgeführt. Hier entscheiden weniger das Gelände als beispielsweise die zur Verfügung stehenden Ressourcen inklusive die Einbeziehung wirtschaftlicher Kapazität.

Als oberste Ebene gilt die Gefechtsfeldstrategie. In ihr entscheiden einzig und alleine die politischen Ziele und Eigenheiten der kriegführenden Parteien. Auf einem Kriegsschauplatz wird die Strategie im Rahmen von Feldzügen durch Operationen umgesetzt. Für Operationen werden Weisungen und Operationspläne erstellt, die die übergeordneten strategischen Ziele in praktische, militärische Aufträge und Handeln umsetzen.

Zu den berühmtesten strategischen Denkern gehören Sun Zi (Die Kunst des Krieges) und Carl von Clausewitz (Vom Kriege).

Ethische Aspekte[Bearbeiten]

Wereschtschagin: Apotheose des Krieges (1871)

Die ethische Bewertung des Krieges als gewalttätige zwischenmenschliche Handlung unterliegt im Wesentlichen drei zeitlichen Kriterien. Seit dem Mittelalter ist das Recht zum Krieg und seit der frühen Neuzeit das Recht im Krieg als Betrachtungsdomäne etabliert, während seit dem Ende des Kalten Krieges die Verantwortlichkeit einer Besatzungsmacht oder eines konfliktlösenden politischen Akteurs als Nachkriegsrecht verstanden wird.[14]

Der Politikwissenschaftler A.J. Coates identifiziert den Realismus, den Militarismus, den Pazifismus und die Theorie vom gerechten Krieg als die vier wesentlichen ethischen Grundhaltungen zum Krieg.[15]

Wirkungen[Bearbeiten]

Ein serbischer Soldat erschießt sein wehrloses muslimisches Opfer (Brčko, Bosnienkrieg, 1992)
Massaker an iranischen Zivilisten durch irakische Truppen im ersten Golfkrieg.

Jeder Krieg ist, neben dem Verlust von Infrastruktur oder Arbeitsplätzen, immer auch mit Tod und menschlichem Leid verbunden. Diese entstehen einerseits als gewollte oder hingenommene Folgen des Waffeneinsatzes gegen Menschen, andererseits aus strategischen Gründen (zum Beispiel beim Sprengen von Brücken oder durch Vergiftung von Grundnahrungsmitteln); zum Teil wird die Zerstörung von Gebäuden bzw. der allgemeinen Infrastruktur des Kriegsgegners aber auch bewusst herbeigeführt, um die Zerstörungskraft einer Armee zu demonstrieren und den Gegner einzuschüchtern (z. B. „Shock and awe“-Strategie im Irak-Krieg).

In vielen Kriegen wurden und werden Kriegsverbrechen begangen (z. B. Folterungen, Übergriffe auf die Zivilbevölkerung etc.). Das große Machtgefälle in Kriegsgebieten und die weitgehende Freiheit vor Strafverfolgung können in Verbindung mit der Allgegenwart des Todes natürliche Hemmschwellen abbauen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Kriege waren für die betroffenen Gesellschaften von entscheidender Bedeutung. Durch die offensive Kriegsführung des Römischen Reichs verbreitete sich die lateinische Zivilisation in weiten Teilen Europas, während die Kulturen der eroberten Völker sich entweder anpassten oder weitgehend verschwanden. Durch die mit der Völkerwanderung verbundenen Kriege wurden wiederum das Ende des Weströmischen Reiches und durch die Kriege im Zuge der Islamisierung das Ende des Oströmischen Reiches herbeigeführt. Die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Weströmischen Reiches waren so gravierend, dass das zivilisatorische Niveau Süd- und Mitteleuropas Jahrhunderte benötigte, um wieder auf den Stand während der Hochkaiserzeit Roms zurückzufinden.

Vielen mesoamerikanischen Kulturen des Mittelalters diente die Kriegsführung zur Erlangung von Ansehen vor ihren eigenen Göttern sowie der Gefangennahme von Kriegen und Sklaven zur Opferung, so dass die unterworfenen Kulturen neben Tributzahlungen auch bevölkerungsseitig dezimiert wurden. Die permanente Kriegsführung unterband wirksam eine gesellschaftliche und kulturelle Weiterentwicklung, so dass alle mesoamerikanischen Kulturen beim Eintreffen der Europäer in Mittelamerika technologisch stark unterlegen waren und ihrerseits von diesen besiegt wurden.

Durch die Revolutionskriege wurde der demokratische Gedanke in Europa verbreitet, durch die Bauernkriege der Protestantismus. Durch den Faschismus in Deutschland wurden in Europa im Zweiten Weltkrieg fast 50 Millionen Menschen getötet und ganze Länder verwüstet. Hier benötigte es Jahre bzw. Jahrzehnte, um die Folgen dieses globalen Krieges zu bewältigen. Als direkte Folge des Zweitens Weltkrieges entstand die Montanunion, deren Nachfolger die heutige Europäische Union ist.

Neben den politischen Auswirkungen hat ein Krieg immer eine Vielzahl an negativen Folgen: So kann er die Bevölkerung eines Landes stark dezimieren. Durch den Zweiten Weltkrieg wurden bspw. ganze Jahrgänge und eine Vielzahl an Bevölkerungsschichten nahezu ausradiert. Ebenso drastisch sind die vielseitigen wirtschaftlichen Folgen. Die sozialen und psychischen Folgen eines Krieges, etwa durch extreme Verwerfungen in den Moralvorstellungen, durch das Zerreißen sozialer Bindungen, durch Spätfolgen von Misshandlungen und Vergewaltigungen, können bis in spätere Generationen nachwirken. Als ebenfalls schwerwiegende Auswirkung eines Krieges sind ggf. jahrzehntelanges Leid der Kriegsversehrten und die langdauernden Folgekosten für diese aufzuführen. Auch haben Kriege immer stark negative Auswirkungen auf die Umwelt, da Landstriche durch Kriegshandlungen selbst zerstört und Ressourcen für die Kriegsführung ausgebeutet werden.

Alternativen[Bearbeiten]

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Da als eine der rationalen Kriegsursachen der Kampf um Ressourcen gilt, werden Kriege umso unwahrscheinlicher, je günstiger Ressourcen einer Region für eine andere Region verfügbar werden, ohne in einer kriegerischen Auseinandersetzung unter Lebensgefahr erobert werden zu müssen. Damit sind Kriege wirtschaftlich umso uninteressanter, je besser die bestehenden Ressourcen im Wege von Vereinbarungen genutzt werden.

Alternativen zum militärischen Widerstand („Krieg“) sind, wenn man angegriffen wird, die Konzepte des „zivilen Widerstands“.

Da Volkswirtschaften (ebenso wie Regionen, Städte und Familien) in erster Linie ihre eigenen Interessen vertreten und Ressourcen zurückhalten, erscheint dieses „Idealbild“ der Welt utopisch.

Ablehnung des Krieges[Bearbeiten]

Das Peace-Symbol - Zeichen des Friedens
Kindersoldat in der Elfenbeinküste, Afrika“, Gilbert G. Groud, 2007, Mischtechnik Tusche und Wachs
US-Soldaten Charles Graner und Sabrina Harman mit gefesselten, nackten Gefangenen, die dazu gezwungen wurden, eine menschliche Pyramide zu bilden
US-Soldat Charles Graner schlägt mehrere gefesselte Gefangene in Abu-Ghraib.

Die menschliche Sehnsucht nach einem Frieden, der die „Geißel der Menschheit“ überwindet, ist uralt. Politische Friedensarbeit kann sich daher auf breite und heterogene Traditionen stützen. Nach verlorenen Kriegen neigt die Bevölkerung der besiegten Staaten dazu, Krieg generell abzulehnen. So kamen in Deutschland nach 1918 Formeln wie „Nie wieder Krieg“ auf (bekannt ist das Plakat von Käthe Kollwitz mit diesem Titel). Nach Siegen hingegen wird der Krieg oft verherrlicht. So gibt es zahlreiche Siegesdenkmale, Triumphbögen und anderen Erinnerungen an große militärische Erfolge.

In der chinesischen Kosmologie des Taoteking und der Philosophie des Laotse spielte die Kriegsvermeidung durch harmonischen Interessenausgleich eine wichtige Rolle.

In Indien, China und Japan breiteten Jainismus und Buddhismus eine Ethik der Gewaltlosigkeit, Toleranz und Friedensliebe aus, die seit 500 v. Chr. die Gestalt einer Weltreligion gewann.

In der griechischen Philosophie der Antike stellten Sokrates und die Skeptiker die Selbstverständlichkeit in Frage, mit der Wahrheitsbesitz beansprucht und angeblich ewige Rechte gegen andere verteidigt werden. Die Stoiker Zenon und Chrysippos wandten sich gegen das Kriegführen und stellten Überlegungen an, ob Kriege notwendig seien oder wie man sie vermeiden könne.

In allen europäischen Staatsutopien von Platon bis Thomas Morus spielte die Gewaltminderung durch ideale Gesetzgebung und Menschenbildung eine Rolle. Eine eindrucksvolle Anti-Kriegsschrift stammt von Erasmus von Rotterdam: Die Klage des Friedens.

Das Gottesbild des Judentums hat den weithin üblichen Einsatz der eigenen Religion zur Rechtfertigung der eigenen Kriege erschwert. In den Visionen der biblischen Heilsprophetie erscheint Gott als kommender Weltrichter, der die Völker zu endgültiger Abrüstung anweist: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth (der Heerscharen) hat es geredet.“ (Mi 4,2-4 EU)

Diese Weisung zur universalen Abrüstung hat Jesus Christus durch das prophetische Zeichen des Gewaltverzichts (Mk 11,7 EU/Sach 9,9 EU) und die Selbsthingabe zur Versöhnung (Mk 14,22-24 EU) im Neuen Testament bekräftigt. Darum ist der tätige Einsatz für weltweiten Frieden (Lk 2,14 EU) für Christen wie für Juden integraler Bestandteil ihres Glaubens. (Röm 12,18 EU)

In der Neuzeit wurde der Gewaltverzicht im Westen von den Religionen entkoppelt. Immanuel Kant, Jean-Jacques Rousseau und andere Aufklärer strebten den „ewigen Frieden“ an und entwarfen rechtsstaatliche und demokratische Konzepte, um ihn herbeizuführen. Ludwig van Beethoven hat diesem Traum am Ende der 9. Sinfonie mit seiner Vertonung von Schillers Gedicht An die Freude („alle Menschen werden Brüder“) ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Im Zeitalter der europäischen Nationalkriege gewann das Völkerrecht, nach den verheerenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs der Gedanke eines Völkerbunds zur Kriegsverhinderung Akzeptanz. Der Briand-Kellogg-Pakt galt der Ächtung des Krieges als eines Mittels der Politik. Die UNO hat den Angriffskrieg verboten, den Weltfrieden zum Ziel aller Politik erhoben und erstmals ansatzweise wirksame Formen der Konfliktvermeidung und Konfliktlösung ermöglicht.

Diese Tendenzen wurden durch die ungeheure Steigerung der Vernichtungsmöglichkeiten im Krieg notwendig und gestärkt. Die UNO konnte Kriegsursachen wie ökonomische und politische Interessengegensätze jedoch nicht aufheben und viele Kriege nicht verhindern. Auch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ließ sich bis heute nicht wirksam stoppen. Der am Ende des Kalten Kriegs eingeleitete Abrüstungsprozess kam seit den „neuen Kriegen“ zum Erliegen und wurde durch neue Aufrüstungstendenzen abgelöst. Internationaler Terrorismus und Antiterrorkrieg lassen die Gewaltbereitschaft weltweit noch weiter wachsen.

Eine Alternative zum Frieden gibt es im Zeitalter der Massenvernichtungsmittel nicht mehr. Spätestens seit Erfindung der Atombombe ist er „die Überlebensbedingung des technischen Zeitalters“ geworden (Heidelberger Thesen der EKD 1959).

Aufwertung des Krieges[Bearbeiten]

Oft wird der Krieg heroisiert. Kant beispielsweise schreibt:

„Selbst der Krieg, wenn er mit Ordnung und Heiligachtung der bürgerlichen Rechte geführt wird, hat etwas Erhabenes an sich und macht zugleich die Denkungsart des Volks, welches ihn auf diese Art führt, nur um desto erhabener, je mehreren Gefahren es ausgesetzt war und sich mutig darunter hat behaupten können: da hingegen ein langer Frieden den bloßen Handelsgeist, mit ihm aber den niedrigen Eigennutz, Feigheit und Weichlichkeit herrschend zu machen und die Denkungsart des Volks zu erniedrigen pflegt.“

– Kritik der Urteilskraft, § 28. Von der Natur als einer Macht.

Als Kriegsfetischismus bezeichnet man eine übersteigerte Begeisterung für den Krieg. Der Krieg wird dabei zumeist idealisiert. Kriegsfetischismus fand sich beispielsweise im Ersten Weltkrieg wie auch später im Nationalsozialismus. Der Krieg wurde dort als ehrenvoll, männlich und bewundernswert stilisiert.

Der klassische, konservative und fundamentalistische Islam sieht Frieden nach der kriegerischen Eroberung des gesamten Dar al-Harb (Gebiet der Nichtmuslime) vor. Danach soll die gesamte Erde unter der Scharia in einer „pax islamica“ leben. Die Welteroberung geschieht mittels bewaffnetem Dschihad mit dem Ziel eines „Paradieses unter dem Schwert des Islam“.

Die Instrumentalisierung religiöser Ideale für politische Interessen fand einen Höhepunkt mit den Kreuzzügen des Mittelalters, die die heiligen Stätten „befreien“ und christliche Staaten errichten wollten. Die Kreuzzugs-Ideologie des ewigen Kampfes des „Guten“ gegen das „Böse“ spielt noch heute eine bedeutende Rolle – nicht nur im Islamismus oder bei US-amerikanischen Neokonservativen.

Einordnung, Kontrolle und Kriegsrecht[Bearbeiten]

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Das Bild des mit Elektroschocks gefolterten Satar Jabar wurde zum Symbol des Abu-Ghuraib-Folterskandals. An beiden Händen und am Penis waren stromführende Drähte befestigt. Ihm wurde angedroht, dass er durch Elektroschocks hingerichtet würde, falls er von der Kiste falle. Als das Foto an die Öffentlichkeit gelangte, leugneten die US-Stellen, dass die Kabel stromführend gewesen seien.

Immer wieder wurde in der Geschichte versucht, die Kriegsführung bestimmten Regeln oder moralischen Vorgaben zu unterwerfen, also zu einer Art Verhaltenskodex zu finden (siehe zum Beispiel Haager Landkriegsordnung). Die sich im Krieg Bahn brechende Aggression wird „höheren Werten“ unterworfen – und letztlich damit in Augen vieler Kritiker auch relativiert.

In der europäischen Literatur wird häufig so zwischen dem „geordneten“ und dem nicht geordneten Krieg unterschieden. Auf der anderen Seite stehen die, die - im Prinzip mit der gleichen Grundüberlegung - wirtschaftlichen Wohlstand als beste Kriegsprävention ansehen. Hier neigt man dazu, die Perversionen des ungehegten Krieges als Normalzustand des Krieges darzustellen. Daraus folgen Überlegungen, wie Krieg vermieden werden kann und wie man versuchen kann, einen ewigen Frieden zu erreichen. Der Krieg wird so als das absolute Böse angesehen, als das Werk von moralisch verkommenen Machthabern, die aus niederen Motiven ihr Land in einen Krieg stürzen.

Es gibt auch Ansichten, dass sich der Charakter des Krieges geändert habe und folglich heute ein „gehegter Krieg“ nicht mehr möglich sei. Dass sich die Formen des Krieges ändern, ist aber eine Feststellung, die so alt ist wie die Geschichte der Menschheit. Neue Kriegsformen wurden zu allen Zeiten als ordnungswidrig geachtet, häufig als Verstöße gegen eine göttliche Ordnung. Heute werden in der abendländischen Kultur bestimmte Kriegsformen als zulässig dargestellt (etwa Bombenabwürfe auf Städte, die Militär treffen sollen, aber auch Zivilpersonen gefährden), während andere Kriegsformen (etwa Selbstmordattentate, die nicht militärische Einrichtungen treffen) als unzulässig interpretiert werden. In der islamischen Welt halten viele Menschen dagegen Selbstmordattentate für legitim, wie nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 erkennbar wurde.

Krieg ist nicht nur ein Mittel staatlich organisierter und gelenkter Politik. Neben den Staaten, die als kriegführende Seite ein Heer hatten, spielten offenbar zu allen Zeiten „nichtreguläre“ Gruppen im Krieg eine erhebliche Rolle: Kosaken, Jäger, Husaren, Rōnin, Partisanen, in der neuerer Zeit die Guerilla, Freischärler, Milizen und Taliban. Was nicht regulär ist, wird politisch diskutiert. Bei noch genauerem Hinsehen allerdings merkt man, dass die Theorie des irregulären Kämpfers (Partisanen) eine Weiterentwicklung der Clausewitzschen Theorie ist, wie sie die Clausewitz-Kenner Lenin und Carl Schmitt vorgenommen haben.

Somit scheitert auch der Versuch, zwischen einem Konflikt und einem formal erklärten Krieg zu unterscheiden und die Bezeichnung „Krieg“ auf jene Konflikte einzuschränken, die mit einer formalen Kriegserklärung einhergehen.

Völkerrecht[Bearbeiten]

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Krieg ist kein Begriff des modernen Völkerrechts. Es versucht, bewaffnete zwischenstaatliche Konflikte von anderen Formen gewaltsamer Konfliktaustragung wie etwa innerstaatlichen Konflikten zu unterscheiden. Angriff und Verteidigung, Zivilisten und Militärpersonal sind dabei wesentliche Kriterien. Sie unterscheiden legitime von illegitimen Kriegshandlungen.

Der zwischenstaatliche Krieg soll gemäß seinen Regeln mit einer Kriegserklärung beginnen. Diese war im Mittelmeerraum schon seit der Antike vorgesehen. Sie wird seit der Neuzeit aber sehr oft übergangen und durch den Angriff selbst ersetzt.

Ein erklärter Kriegszustand, bei dem jedoch die Waffen schweigen, heißt Waffenstillstand, ein formales Eingeständnis der Niederlage Kapitulation. Diese beendet regulär die Kriegshandlungen, aber noch nicht den Krieg selbst.

Gegenbegriff zum „Krieg“ ist der „Frieden“. Dieser setzt völkerrechtlich wiederum einen wie auch immer gearteten Friedensabschluss zwischen ehemaligen Kriegsgegnern voraus. Wird eine Kriegspartei im Krieg jedoch weitgehend oder vollständig zerstört, so dass sie nicht mehr Vertragspartner sein kann, spricht das Völkerrecht von Debellation (Lateinisch: „Besiegung“).

Historisch häufiger aber sind Zwischenzustände wie der einer dauerhaften Besetzung ohne geltenden Friedensvertrag oder ein Zustand, bei dem sich die Gegner ständig auf einen offenen Krieg vorbereiten, dessen Verlauf planen und einüben. Paradebeispiel dafür ist der Kalte Krieg.

Der organisierte Einsatz von Waffen bedeutet immer die massenhafte Tötung von Menschen. Schon die ständige Rüstung zum Krieg erfordert Aufwendungen und verschlingt Mittel, die für andere Aufgaben fehlen. Auch wenn eine kriegführende Partei Todesopfer nicht anstrebt, werden sie immer als unvermeidbar in Kauf genommen. Wer diese Wirkung betrachtet, nennt diese Form der gewaltsamen Konfliktaustragung daher meist „staatlich organisierten Massenmord“ (Bertha von Suttner, Karl Barth). Darin kommt zum Ausdruck, dass das Phänomen des Krieges kaum wertneutral zu betrachten ist, weil es dabei immer auch um das Leben vieler und die langfristigen Perspektiven aller Menschen geht.

Zugleich zeigt die Verbindung von Staat und Krieg sowie die Schwierigkeiten bei der Unterscheidung von Krieg, Raub und Mord das Fehlen einer allgemein akzeptierten Rechtsinstanz an. Die UN-Charta und der Internationale Strafgerichtshof können als Schritte zur verbindlichen Durchsetzung des Völkerrechts angesehen werden. Ob sie eher zur Rechtfertigung oder Reduktion neuer Kriege beitragen, ist noch nicht entschieden.

Finanzieller Aspekt[Bearbeiten]

Ein Krieg verursacht hohe Kosten in der Planung, Vorbereitung und Durchführung (siehe dazu Kriegsökonomie). Der finanzielle Aspekt spielt somit eine bedeutende Rolle in der Art und Weise der Kriegsführung. Je mehr Ressourcen einer Partei zur Kriegsführung zur Verfügung stehen, umso mehr Möglichkeiten hat sie den Gegner zu bezwingen.

Die Rüstungsindustrie entwickelt und produziert Waffen. Sie erhält die Aufträge überwiegend im Auftrag einer Regierung oder Staatengemeinschaft. Die Rüstungsindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der in Europa und den USA um etwa 1850 eine eigenständige Industrie wurde. Die Rüstungsindustrie ist in Friedenszeiten an den Kapitalmarkt gekoppelt.

Die größten Waffenlieferanten der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika, gefolgt von Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.[16] All diese Länder besitzen hochentwickelte Rüstungsbetriebe und stehen im gegenseitigen Konkurrenzkampf um die neuesten und wirkungsvollsten Waffensysteme.[17]

Geographische Gegebenheiten des Krieges[Bearbeiten]

Geographische Aspekte spielen bei der Kriegsführung eine entscheidende Rolle. Mit der Erforschung geographischer Umstände bei der politischen Entscheidungsfindung und bei der Kriegsführung befassen sich vor allem die Geopolitik und die Geostrategie.

Die Kriegsführung hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte zunehmende geographischen Dimensionen erschlossen. Traditionell fand sie vor allem zu Land und auf dem Wasser statt. Im 20. Jahrhundert reifte der Luftkrieg aus, und die Militarisierung des Weltraums und des Internet, deren militärische Nutzung von Beginn an einen Anreiz zu ihrer Nutzung dargestellt hatte, schritt voran.

Der Bodenkrieg ist von allen geographisch definierten Dimensionen der Kriegsführung die bedeutsamste, weil der Mensch dauerhaft ausschließlich zu Lande überleben kann. Darüber hinaus sind politisch verfasste Gemeinwesen nur zu Lande aufzufinden. Eine militärische Lösung eines Interessenkonflikts kann daher nur an Land stattfinden. Gegenüber anderen Militärgeographien unterscheidet sich der Krieg zu Lande vor allem darin, dass dieser trotz der jüngsten Mechanisierung weiterhin personalintensiv bleibt.[18]

Der Seekrieg ist von den physikalischen Eigenschaften der weltweiten Wasservorkommen und von ihrer menschlichen Nutzung geprägt. Zwischen 70 % und 75 % der Erdoberfläche besteht aus Wassermassen, die bis auf wenige Ausnahmen miteinander verbunden sind. Der Seekrieg ist vor allem plattformzentriert und strategisch dem Krieg zu Lande untergeordnet, da der Mensch mangels relevanter Wassertauglichkeit über keine natürliche Seekriegsfähigkeit verfügt. Die Weite und die Unbewohnbarkeit der Weltmeere verschafft der Aufklärung und Ausweichmanövern eine wesentlich höhere Bedeutung als an Land.[19]

Der Luftkrieg ist ebenfalls der Lebensfeindlichkeit seiner Umgebung durch Höhe, Temperatur und Sauerstoffmangel unterworfen und daher plattformzentriert. Obwohl bereits zuvor Luftkriegsmittel zum Einsatz kamen, ermöglichten technische Neuerungen eine systematische Erschließung der Luft erst im 20. Jahrhundert. Das entscheidende Merkmal der Luft, ihre Unbeständigkeit, ordnet den Luftkrieg dem Krieg zu Lande unter. Obwohl der systematische Luftkrieg die Gestalt des Krieges entscheidend verändert und Luftstreitkräfte hervorgebracht hat, ist dies keine hinreichende Bedingung für militärisches Fortkommen.[20]

Kriege im Tierreich[Bearbeiten]

Kriegsähnliche Verhaltensweisen lassen sich auch im Tierreich beobachten. So führen rivalisierende Staaten (vor allem Ameisenstaaten) Kriege um Gebiete und Nahrung. Manche Ameisen-, Wespen-, Bienen- und Hornissenarten überfallen andere Staaten um sie ihrer Rohstoffe und Nahrungsmittel zu berauben. Hierbei stellen sie implizit sehr genaue Rechnungen darüber auf, ob sich der Überfall in materieller Hinsicht lohnt – also der Verlust eigener Individuen durch den zu erwartenden Gewinn an Ressourcen in einem günstigen Verhältnis steht. Auch attackieren sich Ameisen, wenn ein Teil der Kolonie nicht mehr genetisch so homogen ist, wie der Rest (durch Gendrift oder schwindender Verwandtschaft zwischen den Königinnen).

Auch bei Schimpansen wurden schon wiederholt kriegerische Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Gruppen beobachtet. In manchen Fällen versuchte eine Gruppe Schimpansen, das eigene Gebiet auf Kosten der Nachbarn zu vergrößern.[21] Schon Jane Goodall berichtete über solche Beobachtungen.[22] In anderen Fällen fühlten sich Schimpansen vermutlich durch Holzfäller bedroht und flohen auf das Territorium einer benachbarten Gruppe, die ihr Revier gegen die Flüchtlinge mit Gewalt verteidigte.[22]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Überblick

Anthropologische Untersuchungen

  • Gat, Azar: War in Human Civilization, Oxford: Oxford University Press 2008, ISBN 0-19-923663-1
  • Keeley, Lawrence: War before Civilization: The Myth of the Peaceful Savage, Oxford: Oxford University Press 1996, ISBN 0-19-511912-6

Militärgeschichte

  • Matthew Bennett et al.: Kriege im Mittelalter. Schlachten – Taktik – Waffen. Theiss, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2223-4.
  • Matthew Bennett u. a.: Kriege im Mittelalter., Theiss, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-8062-2223-4.
  • Martin Clauss: Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter (= Geschichte erzählt, Band 20). Primus Verlag, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-89678-395-0.
  • Martin van Creveld: Die Gesichter des Krieges. Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute. München 2009.[23]
  • Saul David: Die Geschichte des Krieges. Vom Altertum bis heute. Dorling Kindersley, München 2010, ISBN 978-3-8310-1706-5.
  • Franz Georg Maier: Neque quies gentium sine armis: Krieg und Gesellschaft im Altertum (Gerda Henkel Vorlesung, hrsg. von der gemeinsamen Kommission der Gerda Henkel Stiftung), Opladen 1987
  • Malte Prietzel: Krieg im Mittelalter., Darmstadt 2006, ISBN 3-534-16715-5

Strategietheorie

Krieg und Medien

  • Gerhard Paul: Bilder des Krieges – Krieg der Bilder: Die Visualisierung des modernen Krieges. München, Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh / Wilhelm Fink Verlag 2004
  • David D. Perlmutter: Visions of War: Picturing Warfare from the Stone Age to the Cyber Age. New York: St. Martin’s Press 1999
  • Georg Seeßlen; Metz, Markus: Krieg der Bilder – Bilder des Krieges: Abhandlung über die Katastrophe und die mediale Wirklichkeit. Verlag Klaus Bittermann, Berlin 2002
  • Paul Virilio: Krieg und Fernsehen. Frankfurt/M.: Fischer 1997
  • John Taylor: Body Horror: Photojournalism, Catastrophe and War. New York: New York University Press 1998
  • Robert Capa: Slightly Out of Focus. New York: The Modern Library 1999.
  • Thomas Knieper, Marion G. Müller (Hrsg.): War Visions: Bildkommunikation und Krieg. Köln: Herbert von Halem, 2005
  • Harold Evans: War Stories: Reporting in the Time of Conflict. Arlington: The Freedom Forum Newseum 2001.
  • Natascha Zowislo-Grünewald, Jürgen Schulz, Detlef Buch (Hrsg.): Den Krieg erklären. Sicherheitspolitik als Problem der Kommunikation. Peter Lang, Frankfurt am Main [u.a.] 2011, ISBN 978-3-631-61311-5.

Krieg in der moralischen und theologischen Reflexion

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Krieg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Krieg – Zitate
 Wikisource: Krieg – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Definition im Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung
  2. Definition durch Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg
  3. Vgl. Baylis, John et al.: The Globalization of World Politics – An Introduction to International Relations, Oxford: Oxford University Press, 2008, S. 212
  4. Großer Duden 1978 (Band 4, S. 1583)
  5. Vgl. Eintrag Kraft. In: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar bSeebold. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Berlin, New York 242002.
  6. Vgl. Eintrag Krieg sowie kriegen. In: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar bSeebold. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Berlin, New York 242002.
  7. Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung
  8. Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF)
  9. Richard M. Auty: Sustaining Development in Mineral Economies: The Resource Curse Thesis. London: Routledge, 1993
  10. John Keegan: Die Kultur des Krieges, Kapitel Die Yanomani, S. 149-155 und Die Maring, S. 156-163, Berlin 1995, Rowolth, ISBN 3871342262
  11. Department Sozialwissenschaften : Institut für Politische Wissenschaft : Arbeits- und Forschungsstellen : Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung
  12. Spiegel-online: Konfliktbarometer 2013: Naher Osten wird zum dauerhaften Kriegsschauplatz, 25. Februar 2014
  13. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählt 2013 20 Kriege und damit den höchsten Wert seit 1945 (gleichauf mit 2011): HIIK: Conflict Barometer2013, während die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) ebenfalls für 2013 30 Kriege und bewaffnete Konflikte zählt, was einem zumindest kurzfristigen Rückgang entspricht: AKUF: Zahl der kriegerischen Konflikte erneut leicht zurückgegangen, Pressemitteilung 19. Dezember 2013
  14. Vgl. Stahn, Carsten (2007): Jus Post Bellum: Mapping the Discipline(s), American University International Law Review, Volume 23, S. 311–348
  15. vgl. Coates, A. J.: The Ethics of War, Manchester: Manchester University Press 1997. ISBN 0-7190-4046-9
  16. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance 2004-5. 5, 2004.
  17. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance 2004-5. 5, 2004.
  18. Vgl. Gray, Colin: Modern Strategy, Oxford: Oxford University Press 1999, S. 212–217
  19. Speller, Ian: Naval warfare, in: Jordan, David et al.: Understanding Modern Warfare, Cambridge: Cambridge University Press 2008, S. 124-177
  20. Jordan, David: Air and space warfare, in: Jordan, David et al.: Understanding Modern Warfare, Cambridge: Cambridge University Press 2008, S. 178-223
  21. Schimpansen führen Krieg im Dschungel
  22. a b  Krieg der Affen. In: Der Spiegel. Nr. 22, 1997, S. 191 (26. Mai 1997, online).
  23. Vgl. Erik Fischer: Rezension zu: van Creveld, Martin: Die Gesichter des Krieges. Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heute. München 2009. In: H-Soz-u-Kult, 7. Januar 2010.