Der schwarze Kanal kehrt zurück

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Der schwarze Kanal kehrt zurück ist ein satirischer Geschichtsfilm der Autoren Werner Doyé und Andreas Wiemers. Im Stil einer klassischen Fernsehdokumentation erzählen sie eine weitgehend erfundene Geschichte. Das ZDF zeigte den Film erstmals im Rahmen des 20. Jahrestags des Mauerfalls am Abend des 9. November 2009.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film ist eine Mockumentary, eine Persiflage auf die klassische Form des Historienfilms im Fernsehen und spielt auf die Sendung Der schwarze Kanal an, die zwischen 1960 und 1989 im DDR-Fernsehen gezeigt wurde.

In dem satirischen Fernsehfilm sollen angebliche historische Dokumente und noch nie gezeigte Filmaufnahmen belegen, dass die Geschichte der DDR anders war als bisher bekannt sei und „neu geschrieben“ werden müsse. So wäre die DDR der Bundesrepublik weit überlegen und der Mauerfall von der SED-Führung geplant gewesen. Schauspieler treten als Zeitzeugen oder „Experten“ auf und belegen diese Thesen, unter anderem auch der „DDR-Experte“ Karl-Eduard von Schnitzler. So will sich beispielsweise eine als Pädagogin erkennbare „Zeitzeugin“ daran erinnert haben, dass der in den Kindertagesstätten umstrittene „Töpfchenzwang“ nichts weiter als ein gruppendynamischer Prozess gewesen sei. Weiter werden die Finanzkrise, die Verstaatlichungen von Banken sowie die ostdeutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Plan“ des realsozialistischen Staates dargestellt.

Der Film persifliert neben den Medien auch das Zuschauerverhalten, wenn z. B. Verschwörungstheorien zur Mondlandung aufgegriffen werden und der erste Kosmonaut im Weltall und danach die Mondlandung der Amerikaner als Filmdreh in der Sowjetunion „aufgedeckt“ werden.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erreichte bei der Erstausstrahlung um 23:50 Uhr mit 1,1 Millionen Zuschauern eine Einschaltquote von 11,1 %.

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den Film als „wirklich hinreißend“ und resümierte: „Von Zeigefinger keine Spur. Eher von Mittelfinger. Ja, wie kommt so etwas ins ZDF?“ Die Ironisierung der DDR erscheine „unerhört und teils wirklich sehr, sehr komisch“, vor allem deshalb, „weil sie sich genau der gleichen Mittel und Mechanismen bedient wie die unzähligen Dokumentationen, die gerade durchs Fernsehen seifen“.[1]

Die tageszeitung hingegen bezeichnete die Doku-Satire als „misslungen“ und als „nicht besonders lustig“: „Mag ja sein, dass es sein muss, sich über das die Medien beherrschende ‚Jubiläumspathos‘ und die ‚Einheitsduselei‘ lustig zu machen. Das geht aber nicht, indem man den vermeintlichen Fahrer Honeckers erzählen lässt, dass sein Chef Paraden eigentlich gehasst habe, weil er da stundenlang in der Kälte rumstehen musste. ‚Hermann, ist das langweilig‘, hat er nachher zu mir gesagt. Hermann, für das, was du da erzählst, gilt das leider auch.“[2]

Die Berliner Morgenpost bilanzierte, der Film war „nicht nur ausgesprochen witzig, was die Veralberung der Historie betraf, sondern auch eine treffende Satire auf normale Dokus mit ihrem schematischen Mix aus Zeitzeugen und Archivmaterial“.[3]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film war in der Kategorie „Unterhaltung“ für den Adolf-Grimme-Preis 2010 nominiert.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Moorstedt: Ballett statt Bruderkrieg, in: Süddeutsche Zeitung vom 9. November 2009, S. 17.
  2. Peer Schrader: Achtung, Satireversuch!, in: die tageszeitung vom 9. November 2009
  3. Herrlich albern, in: Berliner Morgenpost vom 10. November 2009
  4. Nominierungen Kategorie Unterhaltung 2010 auf der Seite des Grimme-Preises (Memento des Originals vom 29. Dezember 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.grimme-institut.de