Deuna

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Deuna
Deuna
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Deuna hervorgehoben
Koordinaten: 51° 21′ N, 10° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Eichsfeld
Verwaltungs­gemeinschaft: Eichsfelder Kessel
Höhe: 340 m ü. NHN
Fläche: 12,82 km2
Einwohner: 1176 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner je km2
Postleitzahl: 37355
Vorwahl: 036076
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 022
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Bergstraße 51
37355 Niederorschel
Webpräsenz: www.eichsfelder-kessel.de/
Bürgermeister: Alfons Müller (CDU)
Lage der Gemeinde Deuna im Landkreis Eichsfeld
Niedersachsen Hessen Kyffhäuserkreis Landkreis Nordhausen Unstrut-Hainich-Kreis Am Ohmberg Am Ohmberg Am Ohmberg Arenshausen Asbach-Sickenberg Berlingerode Bernterode (bei Heilbad Heiligenstadt) Birkenfelde Bodenrode-Westhausen Bornhagen Brehme Breitenworbis Büttstedt Buhla Burgwalde Deuna Dieterode Dietzenrode/Vatterode Dingelstädt Ecklingerode Effelder Eichstruth Ferna Freienhagen (Eichsfeld) Fretterode Geisleden Geismar Gerbershausen Gernrode (Eichsfeld) Gerterode Glasehausen Großbartloff Hausen (Eichsfeld) Haynrode Heilbad Heiligenstadt Helmsdorf (Eichsfeld) Heuthen Hohengandern Hohes Kreuz Hundeshagen Kallmerode Kefferhausen Kella Kella Kirchgandern Kirchworbis Kleinbartloff Kreuzebra Krombach (Eichsfeld) Küllstedt Leinefelde-Worbis Lenterode Lindewerra Lutter (Eichsfeld) Mackenrode (Landkreis Eichsfeld) Marth Niederorschel Pfaffschwende Reinholterode Röhrig Rohrberg (Eichsfeld) Rustenfelde Schachtebich Schimberg Schönhagen (Eichsfeld) Schwobfeld Silberhausen Steinbach (Eichsfeld) Sonnenstein (Gemeinde) Steinheuterode Tastungen Teistungen Thalwenden Uder Volkerode Deuna Wachstedt Wahlhausen Wehnde Wiesenfeld (Eichsfeld) Wingerode WüstheuterodeKarte
Über dieses Bild

Deuna ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Eichsfelder Kessel. Seit 31. Dezember 2013 gehört Vollenborn als Ortsteil zur Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung fand Deuna im Jahre 1162, als der Mainzer Erzbischof Konrad I. von Wittelsbach dem Kloster Gerode mehrere Güter in Deuna schenkte.[2] Der Ort gehörte der im benachbarten Rüdigershagen lebenden Familie vom Hagen als Mainzer Lehen. Nach der Zerstörung ihres Wohnsitzes 1315 zogen sie in die Wasserburg Deuna. 1515 wohnte auch Martin Luther auf der Burg. Diese wurde 1525 von Bauern gestürmt und abgebrannt. Die Reichsfreiherren vom Hagen baute sie 1540 wieder auf. Bis 1896 blieb Deuna Eigentum der Grafen vom Hagen. Eine Seitenlinie war dann bis zur Enteignung nach 1945 Besitzer. Jetzt befindet sich ein Altersheim im Anwesen.[3][4]

Im Zuge der Säkularisation im Jahre 1802 kam Deuna an Preußen. 1807 bis 1813 lag der Ort im Königreich Westphalen, um ab 1813 wieder zum preußischen Landkreis Worbis zu gehören.

Das Dorf Deuna zählte um 1840 laut einer statistischen Untersuchung 1068 katholische und 14 evangelische Einwohner. Das Patronat über die Katholische Kirche übte die Adelsfamilie Graf vom Hagen aus. Diese besaßen im Ort 2 Rittergüter, auch eine Schäferei. Weiterhin zählte Deuna 179 Wohnhäuser, 263 Stallungen und Scheunen, drei Krüge und Schenken und vier Gemeindehäuser. Die Schule besuchten schulpflichtige 113 Knaben und 100 Mädchen. In Deuna betrieb man zu dieser Zeit überwiegend handwerkliche Leinenweberei und Textilfertigung, 134 Leinwebstühle wurden verzeichnet, auch ein Strumpfwebstuhl. Als sonstige Gewerbe- und Handwerksbetriebe nennt die Übersicht zwei Tischler, drei Schneider, vier Schuhmacher, ein Böttcher, ein Glaser, zwei Grobschmiede, drei Schlächter, 23 Knechte und 24 Mägde. Es gab eine Bierbrauerei, eine Essigbrauerei. Vier Lebensmittelhändler (Victualienhändler) und drei Schankwirte versorgten die Lebensmittel. Der gesamte Viehbestand umfasste 75 Pferde, 282 Rinder, 815 Schafe, 65 Ziegen und 203 Schweine. Die Dorfflur umfasste 4820 Morgen Fläche, die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste davon 3433 Morgen Ackerland, 37 Morgen Gartenland, 30 Morgen Weiden, 108 Morgen Wiesen. Ferner wurden zwei Teiche, 1185 Morgen Privatwald und 18 Morgen Brachland genannt. Der Ertrag aus Obstanbau und Bienenzucht wurde als gering bewertet.[5]

Der römisch-katholische Pfarrer Gustav Vogt feierte mit polnischen Zwangsarbeitern 1940 unerlaubt Gottesdienst, weshalb er wegen „Heimtücke“ zu Gefängnishaft verurteilt und anschließend in das KZ Dachau überstellt wurde, wo er an den Folgen von Folter und Hunger starb. Eine Gedenktafel an seiner Kirche und eine Straße des Ortes erinnern an ihn. Mindestens 14 Frauen und Männer aus Polen und der Ukraine mussten bei Bauern und in der Schäfereigenossenschaft Zwangsarbeit leisten.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 1127
  • 1995: 1130
  • 1996: 1125
  • 1997: 1122
  • 1998: 1126
  • 1999: 1120
  • 2000: 1112
  • 2001: 1126
  • 2002: 1126
  • 2003: 1120
  • 2004: 1088
  • 2005: 1061
  • 2006: 1039
  • 2007: 1012
  • 2008: 0999
  • 2009: 0985
  • 2010: 0960
  • 2011: 0950
  • 2012: 0931
  • 2013: 1168
  • 2014: 1175
  • 2015: 1176
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Deuna setzt sich aus zwölf Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

  • CDU: 7 Sitze
  • FFW Deuna/SV Grün-Weiß Deuna: 2 Sitze
  • Wählergemeinschaft Vollenborn: 3 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[7]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Ewald Müller (CDU) wurde am 5. Juni 2016 wiedergewählt.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten mit einer flachen aufsteigenden Spitze; rechts in Rot ein silbernes sechsspeichiges Rad (Mainzer Rad); links in Grün ein auf einem silbernen wachsenden Doppelsockel stehendes silbernes Passionskreuz; in der Spitze in Silber ein erniedrigter gewellter blauer Schildfuß, darüber eine schwarze Wasserburg mit silbernen Fenstern.“

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deuna ist Sitz der katholischen Filialgemeinde „St. Peter und Paul“, welche zur Pfarrei „St. Marien“ in Niederorschel gehört.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau des Zementwerks Deuna (1974)

Zementwerk Deuna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach fünf Jahren der Bauplanung war Baubeginn im Jahre 1968.[9] Das Zementwerk wurde 1975 als VEB Eichsfelder Zementwerk Deuna (kurz EZW) in Betrieb genommen. 1988 wurden im Zementwerk ungefähr 2,9 Millionen Tonnen Zementklinker und 2,8 Millionen Tonnen Zement erzeugt.[10] Seit 1991 gehört es als Deuna Zement GmbH dem Zementhersteller Dyckerhoff. Mit etwa 200 Mitarbeiter ist der Betrieb der wichtigste Arbeitgeber des Ortes und ein bedeutender des Landkreises Eichsfeld. Zum Betrieb gehört ein eigener Steinbruch auf dem Kamm des Dün und eine eigene Werksbahn mit 24 km Gleisen. Das Zementwerk in Deuna ist eines der sieben Werken, die zur Dyckerhoff-Gruppe gehören.[11]

Weitere Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Umfeld des Zementwerkes haben sich weitere Unternehmen angesiedelt, unter anderem die Spedition Werner Ruploh GmbH & Co. KG. Außerdem besitzt Deuna eine eigene Bäckerei und kleinere Handwerksbetriebe. Neben der traditionellen Landwirtschaft war früher die Hausweberei ein bedeutender Erwerbszweig der hiesigen Bevölkerung.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deuna befinden sich ein berufliches Aus- und Weiterbildungszentrum, der Katholische Kindergarten und die Staatliche Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deuna war am 6. bis 8. Juli 2001 Gastgeber des 5. Thüringer Landestrachtenfestes. Der Ort feierte am 8. Juli 2012 sein 850-jähriges Bestehen mit einem großen Festumzug. An diesem nahm auch die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht teil.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes zählen die Wasserburg Deuna, im Ort nur das Schloss genannt, dies ist eine kompakte, kastellartige, dreiflüglige Anlage und verfügt noch über drei Ecktürme. Die Deunaer Kirche St. Peter und Paul befindet sich etwa einhundert Meter westlich vom Schloss in der Ortslage. Über eine kleine Sammlung orts- und volkskundlicher Exponate verfügt die Heimatstube Deuna in der Hauptstraße 32.

Hochaltar der Kirche St. Peter und Paul in Deuna

Unübersehbar sind die Industrieanlagen des Zementwerkes und der südlich vor dem Ort befindliche Steinbruch, welcher die erforderlichen Kalksteinmassen zur Zementproduktion liefert. Vom südwestlichen Rand der Gemeinde führt ein Stationsweg zum Dünkreuz Deuna, auch als „St. Josef-Heinrich-Kreuz“ bezeichnet. Neben diesem Kreuz befindet sich ein Lindenbaum von beträchtlicher Größe und eine Andachtskapelle. Im nordwestlichen Vorland von Deuna wurde der etwa 9 Hektar große Ahlenbachstausee angelegt.

Bedeutende Bürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Brodmann (1763–1848), bedeutender Hammerklavierbauer in Wien
  • Gustav Vogt (1890–1942), Pfarrer des Ortes, der sich mit polnischen Zwangsarbeitern solidarisierte, dafür verfolgt wurde und im KZ Dachau ums Leben kam.
  • Josef Pfeiffer (1927–2013), Pfarrer des Ortes (1971–1993), der volkstümlich und beliebt war; liegt auf dem Friedhof in Deuna beerdigt.
  • Elisabeth Vaterodt OCist (geb. am 2. Februar 1956, in Deuna), seit 2016 ist sie die 56. Äbtissin des Klosters St. Marienthal bei Ostritz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Deuna (Hrsg.): Deuna im Eichsfeld – Erinnerungen in Wort und Bild. Mecke, Duderstadt 2001, ISBN 3-932752-73-2, S. 132.
  • Eichsfelder Dorfchroniken. Bernterode, Breitenworbis, Deuna, Gernrode, Hüpstedt, Kirchworbis, Vollenborn. In: Maik Pinkert, Alfons Montag, André Sieland (Hrsg.): Quelleneditionen aus dem Bischöflichen Kommissariat Heiligenstadt. Band 1. Eichsfeldverlag, Dortmund 2001, ISBN 3-935782-02-0, S. 456.
  • Edgar Rademacher: Das Dorf Deuna im Jahre 1836. In: Eichsfelder Jahrbuch. Band 7. Mecke, Duderstadt 1999, S. 283–292.
  • Edgar Rademacher: Seit 25 Jahren Zement aus Deuna. In: Eichsfelder Jahrbuch. Band 8. Mecke, Duderstadt 2000, S. 220–230.
  • Wolfgang Große (Red.): Festschrift zum 5. Thüringer Landestrachtenfest Deuna 6. bis 8. Juli 2001. Hrsg.: Organisationsbüro des 5. Thüringer Landestrachtenfestes, Deuna 2001. 2001, S. 68.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deuna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Otto Dobenecker (Bearb. und Hg.): Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae (1152–1210). Band 2 Teil 1. Fischer, Jena 1898. Nr. 266.
  3. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen Wartberg Verlag 2000 ISBN 3-86134-631-1 S.31
  4. Wasserburg
  5. Carl August Nobrack: Ausführliche geographisch-statistisch-topographische Beschreibung des Regierungsbezirks Erfurt. Erfurt 1841, S. 196–197.
  6. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 32, ISBN 3-88864-343-0
  7. Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen - endgültiges Ergebnis. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 29. Mai 2017.
  8. Bürgermeisterwahlen in Thüringen. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 29. Mai 2017.
  9. Seit 40 Jahren wird in Deuna Zement produziert: Ein Rückblick. Thüringer Allgemeine vom 20.August 2015
  10. Harald Löffelholz: Der VEB Eichsfelder Zementwerke Deuna - mein Arbeitsplatz In: Eichsfelder Heimathefte 29. Jg., Seite 228-232
  11. Info Flyer Deuna Zement