Deutsche-Brüsseler-Zeitung

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Die Deutsche-Brüsseler-Zeitung (DBZ) war eine von Adelbert von Bornstedt 1847 in Brüssel gegründete Zeitung, die zweimal wöchentlich erschien. Bereits im November 1846 erschien ein „Prospectus“. Die Zeitung erschien vom 1. Januar 1847 bis zum 27. Februar 1848. Die Auflage betrug 200 bis 300 Exemplare. Die DBZ war zeitweilig Organ des Deutschen Arbeiter Vereins in Brüssel und der Association Démocratique. Bekannt wurde die Zeitung durch die Mitarbeit von Karl Marx, Friedrich Engels und Wilhelm Wolff.

Die Deutsche-Brüsseler-Zeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DBZ wurde von Bornstedt nach seiner erzwungenen Ausweisung aus Paris in Brüssel herausgegeben. Ursprünglich sollte Julius Behrens Mitherausgeber sein. Die erste Probenummer erschien nach dem 5. November und die zweite am 22. November 1846. Die ersten Redakteure waren Bornstedt und Hermann Freidanck, der von Friedrich Krüger abgelöst wurde. Die Zeitung wurde von der Druckerei Friedrich Wilhelm Köthers hergestellt. In London veröffentlichten die Deutsch-Londoner Zeitung und der von George Julian Harney herausgegebene Northern Star Nachdrucke von einzelnen Artikeln, in Deutschland konnte keine Zeitung Artikel der DBZ veröffentlichen. In der Schweiz und in Paris gab es wenige Erwähnungen der DBZ. Verschiedene Versuche Preußens und Österreichs, die Zeitung gar nicht erst erscheinen zu lassen, waren erfolglos, da § 18 der belgischen Verfassung die Pressefreiheit garantierte.

Aus dem Umfeld von Marx war Wilhelm Wolff der erste Mitarbeiter der DBZ. Wolff schrieb dreißig Artikel für die Zeitung.[1] Seine Mitarbeit begann mit einem Bericht: „Wer wird durch den vereinigten Landtag in Preußen vertreten?“[2] Auch der Artikel „Schutzzoll oder Freihandels-System“[3] stammt von ihm und nicht von Friedrich Engels.[4]

Karl Marx' erster Artikel war die Erklärung gegen Karl Grün.[5] Seine regelmäßige Mitarbeit setzte aber erst mit dem Artikel Der Kommunismus des „Rheinischen Beobachters“[6] im September 1847 ein. Friedrich Engels begann seine Mitarbeit zum selben Zeitpunkt wie Marx mit seiner Auseinandersetzung mit dem „wahren Sozialismus“ (Deutscher Sozialismus in Versen und Prosa).[7] Stephan Born schrieb sechs namentlich gekennzeichnete Artikel, ebenso Karl Heinzen und Moses Heß. Von Georg Weerth druckte Bornstedt einige zuvor veröffentlichte Gedichte ab, und Weerth schrieb vor allen Dingen über die Chartisten in England und über den Brüsseler Freihandelskongress.[8] Ferdinand Wolff steuerte einen namentlich gekennzeichneten Artikel sowie drei weitere bei, die den Titel „Zeitskizzen“ trugen.[9]

Wesentliche Themen in der DBZ waren die Solidarität mit Polen, Berichte über den Brüsseler Deutschen Arbeiter Verein, die Gründung und Entwicklung der Association Démocratique, einer internationalen Gesellschaft aus Belgiern, Polen, Franzosen und Deutschen. Außerdem setzte sie sich mit den Schutzzoll- und Freihandelsdebatten auseinander. Mit Ausbruch der Pariser Februarrevolution 1848 und der Angst der belgischen Behörden unter Leopold I. wurden zahlreiche Mitglieder der Association Démocratique und Mitarbeiter der DBZ verhaftet.[10] Bornstedt und Marx gingen, weil ausgewiesen, wie viele andere nach Paris.

Von Heinrich Heine erschienen sechs Gedichte im Feuilleton der DBZ,[11] darunter das Weberlied und „Die Lobgesänge auf König Ludwig“.[12] Außerdem veröffentlichte die DBZ in Beilagen vier Karikaturen, darunter eine von Friedrich Engels („Eröffnung der preußischen Landstände“).[13]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Der mehrmals mißlungene Versuch, eine deutsche Zeitung hier zu gründen, soll, wie wir hören, abermals gemacht werden. Mit dem 1. Januar 1847 wird hier eine ‚Deutsch Brüsseler Zeitung‘ ins Leben treten. Als Herausgeber derselben werden uns genannt: der wegen seiner legitimistischen Verwickelungen aus Paris ausgewiesene sehr bekannte A. V. Bornstedt und ein Hr. Behrens aus Berlin. Die in den nächsten Tagen erscheinende Probenummer wird zeigen, in wie fern sich die angeblich socialistische Tendenzen des Hrn. Behrens mit der legitimistisch-ultramontanen des Hrn. Bornstedt verschmelzen.“

Frankfurter Ober-Post-Amts-Zeitung Nr. 309 vom 9. November 1846.[14]

„Die Pietät gegen das Vaterland wird, dies ist nur zu wahr, von keiner Nation mehr verletzt, als von den Deutschen, und es ist dies eine der Hauptursachen des üblen Geruches, in welchem wir bei andern Völkern stehen. Feile oder herzlose Schreiber deutscher Herkunft haben so ziemlich überall, wo es eine Presse giebt, unsere Nationalität an den Pranger gestellt. Nirgends indessen geschieht dies auf schamlosere Weise, als in Brüssel. Die ‚deutsche Brüsseler Zeitung‘ ist ein Schandblatt, das um einige Judaspfennige das Heiligste in den Koth tritt, was die roheste Pöbelseele unangetastet läßt; ein gewerbsmäßig betriebener Vaterlandsverrath um den Lohn eines elenden Sündengeldes, das man auf Bierbänken verpraßt. Die ‚deutsche Brüsseler Zeitung‘ hat dabei die Schamlosigkeit, ihr buhlerisches Gewerbe sich offen auf die Stirne zu schreiben. Ihr Octoberquartal kündigte sie durch folgende Benachrichtigung an: Jeder neue Abonnent auf ein Jahr erhält beim Erscheinen der ‚Memoiren von Fräulein Tschech‘[15] ein Freiexemplar. Vom 1. October an begann der Abdruck der ‚Memoiren zur geheimen Geschichte des preußischen Hofes‘. — Man kann auch einzelne Nummern der Zeitung und der Carricaturen im Café Hôtel du Domino, in dem Estaminet à la ville de Mallines und an den verschiedenen Eisenbahnstationen haben.“

Adolph Helfferich 1848[16]

„Der Kampf mit Herrn Engels entspann sich durch eine Bemerkung der ‚Brüßeler Deutschen Zeitung‘; deren Redakteur, der berühmte Herr von Bornstadt, auf kommunistischer Inspiration (er selbst wußte von der Sache nichts) mir den vorwurf machte, ich habe den Krieg mit den Kommunisten begonnen. Eine Erklärung, worin ich diese Unwahrheit zurückwies und zugleich ein Paar allgemeine Bemerkungen über Kommunisten und Kommunismus machte, nahm Herr Engels als Fehdehandschuh auf.“

Karl Heinzen: Die Helden des teutschen Kommunismus. 1848, S. 7.[17]

Nachdruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsche-Brüsseler-Zeitung. Edition Culture et Civilisation, Bruxelles o. J. [1981]
    • Deutsche-Brüsseler-Zeitung. 1. Januar 1847 – 27. Februar 1848. Faksimile mit Einführung und Anmerkungen von Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger. Edition Culture et Civilisation, Bruxelles o.J.[1981]

Teilnachdrucke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marx-Engels-Werke Bd. 4 (siehe Weblinks)
  • Der Bund der Kommunisten. Dokumente und Materialien. Bd. 1 1836–1849. Dietz Verlag, Berlin 1970
  • Walter Schmidt(Hrsg.): Wilhelm Wolff. Aus Schlesien, Preußen und dem Reich. Ausgewählte Schriften. Dietz Verlag, Berlin 1985, S. 114–183
  • Association Démocratique, ayant pour but l´union et la fraternité de tous les peuples. Eine frühe internationale demokratische Vereinigung in Brüssel 1847–1848. Hrsg. von Bert Andréas, Jacques Grandjonc und Hans Pelger. Bearb. von Helmut Elsner und Elisabeth Neu. Trier 2004 ISBN 3-86077-847-1 (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus Heft 44)

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer Bornstedt, Wilhelm Wolff, Marx und Engels

Beiträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter von Struve: Zwei bisher unbekannte Aufsätze von Karl Marx aus den vierziger Jahren. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des wissenschaftlichen Sozialismus. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 14.1895–96, 2. Bd.(1896), Heft 27, S. 4–11 Online
  • Peter von Struve: Zwei bisher unbekannte Aufsätze von Karl Marx aus den vierziger Jahren. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des wissenschaftlichen Sozialismus II. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 14.1895–96, 2. Bd.(1896), Heft 28, S. 48–55 Online
  • Peter von Struve: Die Deutsche Brüsseler Zeitung vom Jahre 1847. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. – 15.1896–97, Heft 12, S. 380–381 Online
  • Franz Mehring: Nochmals Marx und der „wahre“ Sozialismus. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 4.1895–96, 2. Bd.(1896), Heft 39, S. 395–401 Online
  • Franz Mehring: Einiges zur Parteigeschichte. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 20.1901–1902, 1. Bd.(1902), Heft 18, S. 545–548 Online
  • H. Uyttersprot: Adalbert von Bornstedts „Deutsche-Brüsseler-Zeitung“ van 1847. In: Vlaamse Gids. Bruxelles 1951 XXXV. Jg. Nr. 1, S. 12–27
  • Walter Schmidt: Zur Mitarbeit von Wilhelm Wolff an der „Deutschen Brüsseler Zeitung“. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz Verlag, Berlin 1961 Heft 2, S. 318–348
  • Walter Schmidt: Die polnische Frage in der „Deutschen Brüsseler Zeitung“ 1847/48. In: Jahrbuch für die Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas. Berlin 1964. Bd. 8, S. 214–245
  • Walter Schmidt: Der Vereinigte Landtag in Preußen und die Ausarbeitung der Strategie und Taktik der Kommunisten (Februar bis September 1847). In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Sonderheft Karl Marx, Berlin 1968, S. 51–74
  • Walter Schmidt: Wilhelm Wolff. Kampfgefährte und Freund von Marx und Engels. 1846–1864. Dietz Verlag, Berlin 1979 Bibliografie der Beiträge von Wilhelm Wolff in der DBZ S. 423–426.
  • Zeitgenossen von Marx und Engels. Ausgewählte Briefe aus den Jahren 1844 bis 1852. Hrsg. und annotiert von Kurt Koszyk und Karl Obermann. Van Gorcum & Comp, Assen / Amsterdam 1975 (= Quellen und Untersuchungen zur Geschichte der deutschen und österreichischen Arbeiterbewegung. Neue Folge. Hrsg. Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis, Amsterdam Band VI.)
  • Guido Ros: Adalbert von Bornstedt und seine Deutsche-Brüsseler-Zeitung. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Emigrantenpublizistik im Vormärz. K. G. Saur, München 1993

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 19 f. (Liste III).
  2. DBZ 28. Februar 1847.
  3. DBZ 10. Juni 1847.
  4. Walter Schmidt: Der vereinigte Landtag, S. 63; Walter Schmidt (1985), S. 114 f.; Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, Note 49 und 57.
  5. „Wir erhalten von Herrn Karl Marx folgende Mittheilung mit der Bitter, um Aufnahme in unser Blatt.“ (DBZ, Nr. 28 vom 8. April 1847.)
  6. DBZ Nr. 73 vom 12. September 1847.
  7. DBZ 12. und 16. September.
  8. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 72–74.
  9. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 74.
  10. Bert Andréas: Marx´ Verhaftung und Ausweisung Brüssel Februar / März 1848. Trier 1978 (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus Heft 22)
  11. DBZ 14. Februar, 23. Mai, 6. Juni, 22. Juli und 29. August 1847
  12. DBZ 14. Februar 1847 und 29. August 1847.
  13. Abgedruckt in Marx-Engels-Werke Bd. 4 gegenüber S. 32.
  14. Frankfurter Ober-Post-Amts-Zeitung Online
  15. Elisabeth Tschech: Leben und Tod des Bürgermeisters Tschech, welcher am 26. Juli 1844 auf den König von Preußen schoß und den 14. Dezember 1844 in Spandau hingerichtet wurde. Druck und Verlag von Jenni Sohn, Bern 1849.
  16. Belgien in politischer, kirchlicher, pädagogischer und artistischer Beziehung. Flammer und Hoffmann, Pforzheim 1848, S. 172–173.
  17. Die Helden des teutschen Kommunismus Online
  18. (Rede des Deutschen Friedrich Crüger 27. September 1847. (Association Démocratique, S. 284 f.)
  19. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 17, 25, 42, 59, 64 f., 78 f.
  20. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 25, 65 f.
  21. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 67 f.
  22. Bericht über den Kongress über das Gefängniswesen. (Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 68.)
  23. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 68 f.
  24. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 69.
  25. Privatkorrespondenz. In: DBZ 7. Februar 1847.(Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 70).
  26. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 71 f.
  27. (Rede des Schweizers Mathias Marti 27. September 1847). (Association Démocratique, S. 279 f.)
  28. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 71.
  29. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 70 f.
  30. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 72 ff.
  31. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 74 f.
  32. Cluß schrieb unter seinem Decknamen „C. Lange“ in: DBZ 4. November 1847. (Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 80). Abgedruckt in: Der Bund der Kommunisten, S. 583–584.
  33. Zwei Gedichte und ein Auszug eines Briefes von Freiligrath an Bornstedt.(Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 75).
  34. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 75 f.
  35. Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 76 f.
  36. Es handelt sich um das Gedicht „Waldstätte“. In: DBZ 23. Dezember 1847. (Bert Andréas; Jacques Grandjonc; Hans Pelger, S. 77).