Marx-Engels-Werke

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Das Kapital in einer separaten Ausgabe (MEW Bd. 23–25), 1973.

Die Bezeichnung Marx-Engels-Werke (MEW, auch bekannt als Blaue Bände) steht für eine verbreitete und vielzitierte Sammlung der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels. Es handelt sich dabei um 43 Bände (in 48 Büchern), die von 1956 bis 1990 vom Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED (Bd. 1–42) bzw. vom Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung (Bd. 43) im Dietz Verlag, Berlin herausgegeben wurden.[1]

Seit 1989 werden die MEW von der Rosa-Luxemburg-Stiftung vom Karl Dietz Verlag herausgegeben. Erstmals seit 1989 sind die Marx-Engels-Werke inzwischen wieder vollständig lieferbar.[2] An der Herausgabe von Band 44 und eines Ergänzungsbandes zu 23 wird gearbeitet.[3]

Oft werden die Marx-Engels-Werke als Quelle angegeben (Beispiel: „Marx, MEW 25, 397“). Zuerst wird angegeben, ob es sich um eine Schrift von Marx oder von Engels handelt, dann der Band und schließlich die Seitenangabe.

Da die MEW eine Studienausgabe war, wurde ab 1975 eine neue Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2) als vollständige, historisch-kritische Edition der Handschriften, des Briefwechsels und der Exzerpte und Notizen von Karl Marx und Friedrich Engels publiziert.

„Die akademische Auseinandersetzung mit dem Marxismus wurde in der Adenauer-Ära und Zeiten des Kalten Krieges auch juristisch unter die Lupe genommen.“[4] So zitiert Oskar Negt aus einem Schreiben vom Amtsgericht in Frankfurt am Main: „Es wird Ihnen mitgeteilt, dass ein an Sie gerichtetes Paket aus der Sozialistischen Besatzungszone, in welchem sich staatsgefährdendes Propagandamaterial [gemeint waren bestellte MEW-Bände] befand, auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen von dem Amtsgericht in Rothenburg beschlagnahmt worden ist.“

Bisher erschienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Blauen Bände“ der MEW in einem Bücherregal.
Theorien über den Mehrwert, 1956
  • Bd. 1–22: Schriften und Artikel[5]
  • Bd. 23–25: Das Kapital I–III
  • Bd. 26.1–26.3: Theorien über den Mehrwert
  • Bd. 27–39: Briefe 1842–1895
  • Bd. 40–41: Ergänzungsbände (Schriften und Briefe) – früher als Ergänzungsband 1 und 2 bekannt
  • Bd. 42–43: Ergänzungsbände (Ökonomische Schriften 1857/58 bzw. 1861–63)
  • Zwei Verzeichnisbände[6][7]
  • Sachregister für Bd. 1–39[8]

Besonderheiten:

  • Bd. 42 (Ökonomische Manuskripte 1857/1858) ist in einer anderen Schriftart gesetzt als die übrigen Bände.
  • Bd. 43 (Ökonomisches Manuskript 1861–1863, Teil I) erschien noch 1990, ist nur etwa halb so stark wie die anderen Bände und sollte in einem zweiten Buch (Bd. 44, Teil II) fortgesetzt werden. Das Ende der DDR verhinderte dies.

Neuauflagen:

Vom Karl Dietz Verlag werden Neuauflagen veranstaltet, die zwar text- und seitenidentisch mit den bisherigen Ausgaben sind, aber in Vorworten, Anmerkungen, Chroniken und Personenregistern vollständig neu herausgegeben sind.

Dazu zählen Band 1 (2006, ISBN 3-320-02088-9), Band 8 (2009, ISBN 978-3-320-02193-1), Band 40 (2012, ISBN 978-3-320-02273-0), Band 41 (2008, ISBN 978-3-320-02145-0) und Band 13 (2015) ISBN 978-3-320-02306-5.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitens der Philosophiegeschichte und innerhalb des Marxismus selbst sind MEW teils umstritten. Dies ist den Umständen geschuldet, unter welchen sie in den 1950er Jahren entstanden: Die deutsche Ausgabe fußt auf der vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU besorgten zweiten russischen Ausgabe.[9] Sowohl die Auswahl der Texte, als auch die Vorworte sowie das System der Anmerkungen und Register wurden hierbei von der russischen Vorlage größtenteils übernommen. Die benannten Vorworte, Anmerkungen und Registereinträge[10] geben hierbei subjektiv-wertend Standpunkte und/oder Textinterpretationen seitens der KPdSU wieder. Insofern wurden den MEW von Kritikern Kanonisierung und Dogmatisierung vorgeworfen, welche dem Zwecke dienten, den Leser zu der Auffassung hinzuführen, dass der Marxismus-Leninismus die einzig korrekte Marx-Interpretation sei.

Da die deutsche Ausgabe jedoch auf den Originalmanuskripten basiert, ist die Korrektheit der Texte selber unumstritten und die MEW wird von Wissenschaftlern verschiedener Schulen und Strömungen als maßgebliche Ausgabe anerkannt. Die Kommentierung wird dabei mehrheitlich ignoriert.

Die Kontroversen um die Auswahl haben sich zudem in den meisten Fällen erledigt. So erzeugte etwa die Auslassung der Ökonomisch-philosophischen Manuskripte (1844) Karl Marx' im ersten Band von 1956 Kritik und Widerspruch, denn hier wurde ein zentrales Dokument unterschlagen, das etwa den undogmatischen Marxismus von Herbert Marcuse sehr geprägt hat. Durch die spätere Aufnahme dieser Manuskripte in die Ergänzungsbände wurde jedoch der Kritik begegnet. Auch das ambitionierte Projekt der MEGA hat dazu beigetragen, dass der Vorwurf der Auslassung bereits nach 1968 an Bedeutung verlor.

Hinzu kommt, dass die seit den 1990er Jahren im Karl-Dietz-Verlag neu aufgelegten Bände der MEW jeweils aktualisierte Vorwörter enthalten, die sich vom ML-Marxismus abgrenzen und den neueren Forschungsstand einarbeiten. Spätestens an diesem Punkt hatte sich der Vorwurf der Kanonisierung erledigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommentare
  • Carl-Erich Vollgraf, Richard Sperl, Rolf Hecker (Hrsg.): Die Marx-Engels-Werkausgaben in der UdSSR und DDR (1945–1968). Argument Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-88619-691-7.
Sachregister
  • Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.) Karl Marx – Friedrich Engels Werke. Sachregister (Band 1–39), Dietz Verlag 1989.
  • Willi Herferth: Sachregister zu Karl Marx / Friedrich Engels Werke (MEW). 3 Bde., (A–E, F–M, N–Z). Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED, Berlin 1980.
  • Willi Herferth, Hans Heinz Holz, Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Sachregister zu den Werken Karl Marx und Friedrich Engels (MEW). Pahl-Rugenstein, Köln 1983.
  • Jutta Nesler: Zur Gestaltung des Sachregisters zur Marx-Engels-Werkausgabe (Band 1–39). In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. 17, Berlin 1984, S. 158–161.
  • Jutta Nesler: Ausgewählte Schlagworte aus dem Sachregister zur Marx-Engels-Werkausgabe (Band 1–39). In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. 17, Berlin 1984, S. 162–189.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ergänzend wurde in dem Band: Karl Marx Friedrich Engels: Über Deutschland und die deutsche Arbeiterbewegung. Bd. 1. Dietz Verlag, Berlin 1953 (6. Aufl. 1978) von Friedrich Engels: [Konspekt] G. von Gülich - Deutschland. Geschichteliche Darstellung des Handels, der Gewerbe und des Ackerbaus. Jena 1830. 2. Bd. (6. Aufl., S. 523–561) und Karl Marx: Chronologische Auszüge zur deutschen Geschichte vom Ende des ¹5. Jahrhunderts bis zum Westfälischen Frieden aus der „Weltgeschichte für das deutsche Volk“ von Friedrich Christoph Schlosser 1. Ausgabe, Bd. 11–14. (6. Aufl., S. 287–516) herausgegeben, die nicht in der MEW enthalten sind.
  2. Onlineshop des Dietz-Verlages abgerufen am 3. Dezember 2013
  3. Website des Berliner Vereins zur Förderung der MEGA-Edition e.V. abgerufen am 3. Dezember 2013
  4. Oskar Negt hält Vortrag: „Mein Verhältnis zur Frankfurter Schule“
  5. Eine Übersicht der Inhalte der einzelnen Bände auf DEA Archiv.de.
  6. Marx Engels Verzeichnis – Erster Band: Werke Schrift Artikel, Dietz Verlag, Berlin 1968.
  7. Marx Engels Verzeichnis - Zweiter Band. Briefe Postkarten Telegramme, Dietz Verlag, Berlin 1971.
  8. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.) Karl Marx – Friedrich Engels Werke. Sachregister (Band 1–39), Dietz Verlag 1989.
  9. Vgl. MEW Band 1, S. 45 (Vakatseite). Auch in den anderen Staaten des Warschauer Paktes entstanden einheitliche, in der Landessprache erscheinende Nachempfindungen der in der UdSSR besorgten zweiten russischen Ausgabe der Werke von Marx und Engels. Im Falle mancher Länder (z.B. China) wurden sogar die Schriften selbst vom Russischen in die Landessprache übersetzt.
  10. Vgl. hierzu insbesondere Einträge im Personenverzeichnis über politische Gegner W.I. Lenins, zum Beispiel: „Kautsky, Karl (1854–1938) Schriftsteller, Redakteur, entwickelte sich Ende der siebziger Jahre vom Vulgärsozialisten zum Marxisten; 1883–1917 Redakteur der 'Neuen Zeit', des theoretischen Organs der Sozialdemokratischen Partei; entwickelte sich in den neunziger Jahren zum Theoretiker der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der II. Internationale, trug zunächst viel zur Verbreitung des Marxismus bei, wurde später, besonders ab 1910, Wortführer des Zentrismus, verriet während des ersten Weltkriegs den Marxismus und wurde zum Gegner der revolutionären Arbeiterbewegung.“ MEW Bd. 39, S. 665.