ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften

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ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften
Gründung 1973
Bestand 1,6 Millionen Bücher und Zeitschriftenbände
Bibliothekstyp Spezialbibliothek
Ort Köln und Bonn
ISIL DE-38M
Betreiber Deutsche Zentralbibliothek für Medizin
Leitung Dietrich Nelle (komm.)
Website https://www.zbmed.de/
Deutsche Zentralbibliothek für Medizin in Köln

Das ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften in Köln ist zusammen mit dem Standort Bonn die zentrale Fachbibliothek für Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften in Deutschland. Schwerpunkte sind Bestandsentwicklung, Volltextversorgung und Projekte im Bereich der Informationswissenschaften. Die ZB MED versorgt Wissenschaft, Forschung, Studierende und sonstige Interessierte mit Fachliteratur und Information. Sie wird von Bund und Ländern finanziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ZB MED geht zurück auf die 1847 gegründete „Höhere Landwirthschaftliche Lehranstalt Bonn-Poppelsdorf“ und die 1908 in Köln gegründete „Bibliothek der Akademie für praktische Medizin“. Da beide Einrichtungen den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden, wurden ihnen nach dem Krieg von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) überregionale Zuständigkeiten zugewiesen. 1964 empfahl der Wissenschaftsrat, die „Medizinische Abteilung der Universitäts- und Stadtbibliothek“ Köln zur „Zentralbibliothek der Medizin (ZBM)“ auszubauen. Diese wurde fünf Jahre später, 1969, gegründet. Die Einrichtung wurde 1973 gegründet.[1] Ihre erste Satzung erhielt die Bibliothek am 3. Juli 1973. Die Bonner Bibliothek wiederum wurde 1962 zur „Zentralbibliothek der Landbauwissenschaft (ZBL)“. Ihre Sammelgebiete wurden 2001 (Ernährung und Umwelt) und 2003 (Agrarwissenschaften) der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin zugeschlagen. Seitdem fungiert die ZB MED als Zentralbibliothek für die Fächerkombination Medizin, Gesundheit, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften.

Am 1. Januar 2014 wurde die ZB MED in eine Stiftung umgewandelt und erhielt den Namen ZB MED - Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften (vorher Deutsche Zentralbibliothek für Medizin).[2]

Am 18. März 2016 empfahl die Leibniz-Gemeinschaft die Beendigung der Bund-Länder-Förderung für die ZB MED.[3] Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) beschloss am 24. Juni 2016, dass die Bund-Länder-Förderung von ZB MED zum 31. Dezember 2016 beendet wird. Damit verbunden ist das Ausscheiden aus der Leibniz-Gemeinschaft. Eine Auslauffinanzierung sichert den Erhalt der Stiftung „Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED)“ bis zum Ende des Jahres 2019.[4][5]

Im Juli 2013 feierte die ZB MED ihr 40-jähriges Bestehen. Ende April 2016 wurde die ZB Med vom Deutschen Kulturrat auf Die Rote Liste gesetzt und in die Kategorie 2 (gefährdet) eingestuft. Die bisherige Förderung durch Bund und Länder steht infrage. [6]

Auftrag und Zielgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als überregionale Informationseinrichtung ergänzt die ZB MED die Bestände anderer Bibliotheken. Sie verhandelte Nationallizenzen und engagiert sich in Projekten für die Bestandserhaltung, wie die Digitalisierung alter Buchbestände und die Langzeitarchivierung.

Primäre Zielgruppen sind die Forschenden in den Lebenswissenschaften an deutschen Hochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen in der Leibniz-Gemeinschaft und darüber hinaus.[7]

Open Access[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ZB MED setzt sich für Open Access, zum Beispiel im Rahmen der Initiative „Digitale Information“, der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, ein. 2003 wurde „German Medical Science“ (gms) gegründet, ein Open-Access-Portal mit Publikationsservice für medizinische Fachzeitschriften, Kongressveröffentlichungen und Forschungsberichte. Im Januar 2011 wurde das Open-Access-Portal zu einem ausgewählten Ort der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ernannt.[8]

Im Oktober 2015 ging das Open-Access-Publikationsportal PUBLISSO online. Es bündelt alle Aktivitäten von ZB MED im Bereich Open-Access-Publizieren, -Beraten und -Vernetzen für die Lebenswissenschaften.

Seit Dezember 2010 können die Katalogdaten unter CC0-Lizenz frei genutzt werden.[9]

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Livivo: Internetbasiertes Suchportal für die Lebenswissenschaften (Medizin, Gesundheit, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften). Bietet einen Zugriff auf über 55 Millionen Datensätze aus über 45 Fachdatenquellen und ist im April 2015 online gegangen. Nach einer Testphase hat Livivo die bisherigen Suchportale Medpilot und Greenpilot abgelöst.[10]
    • Medpilot: Internetbasiertes Suchportal, das neben den eigenen Beständen der ZB MED eine vollständige Pub-Med-Recherche sowie einen Zugang zu einer breiten Auswahl internationaler und nationaler Medizinliteratur aus über 38 Fachdatenbanken bot. Alle Katalogfunktionen der ZB MED waren über Medpilot nutzbar.[11] Über Medpilot bot die ZB MED den Zugang zu elektronischen Volltexten sowie die Lieferung von Volltexten an.
    • Greenpilot: Internetbasiertes Suchportal für wissenschaftliche Fachliteratur aus dem Bereich Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Das Portal bot Zugriff auf die Bestände der ZB MED, Pub-Med sowie weitere Fachdatenbanken. Im Jahr 2009 wurde Greenpilot als ausgewählter Ort im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet.[12]
  • DOI-Service: Die ZB MED agiert als DOI-Vergabestelle für gemeinnützige Online-Angebote aus den Bereichen Medizin, Gesundheit, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. DOI (Digital Object Identifier) gewährleisten die dauerhafte Zitierbarkeit von elektronischen Publikationen und Forschungsdaten. Die ZB MED vergibt DOI als Mitglied im DataCite-Konsortium und in Kooperation mit der TIB Hannover, die als DOI-Registrierungsagentur fungiert und die technische Infrastruktur zur Verfügung stellt. Die DOI-Vergabe ist für akademische Einrichtungen kostenlos.[13]

Laufende Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • eyeMoviePedia: Videoportal und virtuelle Forschungsumgebung für den Bereich der operativen Augenheilkunde.
  • Virtuelle Mikroskopie: Durch die Kooperation der ZB MED und der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln wird eine neue Informationsinfrastruktur in Form der virtuellen Mikroskopie in der Hämatologie und Hämatopathologie entwickelt.

Partnerschaften und Netzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ZB MED ist in ihren Fachgebieten eine zentrale Einrichtung in Europa. Sie hat Partnerschaften und Netzwerke mit nationalen wie internationalen Bibliotheken, Instituten und Verbänden aufgebaut und ist Mitglied im Leibniz-Bibliotheksverbund Forschungsinformation Goportis. Gemeinsam mit den Partnern Technische Informationsbibliothek (TIB) und Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) ist die ZB MED in diesem Verbund deutschlandweite Ansprechpartnerin für Volltextversorgung, Lizenzierung, Open Access, Langzeitarchivierung und nicht-textuelle Materialien (Forschungs-, Audio- und Videodaten). Seit der Gründung von Goportis führt sie gemeinsam mit Partnern jährlich im Wechsel Konferenzen durch.

Die ZB MED gehört dem Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 an. Unter der Federführung der ZBW in Kiel untersuchen verschiedene Leibniz-Institute und weitere Forschungsinstitutionen, wie neue Webtechnologien die Wissenschaft verändern, wie Wissenschaftler von neuen Webtechnologien profitieren können und wie das Internet wissenschaftliche Arbeitsabläufe prägt.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte, Zahlen und Fakten. In: www.zbmed.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  2. Zur Geschichte von ZB MED. ZB MED, abgerufen am 16. August 2017.
  3. Christoph Herbort-von Loeper: Leibniz-Einrichtungen in Dresden, Köln/Bonn, Großbeeren/Erfurt und Kühlungsborn evaluiert. Leibniz-Gemeinschaft, Pressemitteilung vom 18. März 2016 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 21. Oktober 2016.
  4. Ulrike Ostrzinski: GWK beschließt Ende der Bund-Länder-Finanzierung von ZB MED. ZB MED, Pressemitteilung vom 27. Juni 2016 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 21. Oktober 2016.
  5. Rebekka Kötting (presse@gwk-bonn.de): Pressemitteilung Gemeinsame Wissenschaftskonferenz Nr. 11/2016. GWK Bonn, 24. Juni 2016, abgerufen am 21. Oktober 2016 (PDF).
  6. 23. Rote Liste der bedrohten Kultureinrichtungen erschienen, abgerufen am 16. August 2017
  7. Über ZB MED, aufgerufen am 24. August 2017
  8. Anita Eppelin: German Medical Science: Vorreiter für Open Access. In: Deutsches Ärzteblatt. 21. September 2012, abgerufen am 19. Juli 2013.
  9. Heike Grelka: Die ZB MED unterstützt mir der Freigabe ihrer Katalogdaten eine stärkere Integration der Bibliotheken ins Web. In: idw-online. 13. Dezember 2010, abgerufen am 25. August 2011.
  10. Suchportale für Lebenswissenschaften: Livivo zukünftig einzige Plattform. In: Ernährungs-Umschau. 15. April 2015, abgerufen am 23. April 2015.
  11. Elke Roesner: ZB MED hat MEDPILOT weiterentwickelt: Virtuelle Fachbibliothek jetzt mit Bibliothekskontofunktion. In: idw-online. 4. Juli 2012, abgerufen am 19. Juli 2013.
  12. Heike E. Krüger Brand: Wissensportal Greenpilot: Umwelt, Ernährung und Agrar im Fokus. In: Deutsches Ärzteblatt. 21. Dezember 2009, abgerufen am 19. Juli 2013.
  13. EB: Digital Object Identifier: Kostenfrei für die Forschung. In: Deutsches Ärzteblatt. 1. März 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.
  14. EB: Web 2.0 und Social Media: Wie prägt das Internet wissenschaftliches Arbeiten? In: Deutsches Ärzteblatt. 16. November 2012, abgerufen am 19. Juli 2013.

Koordinaten: 50° 55′ 28″ N, 6° 54′ 59″ O