Technische Informationsbibliothek

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Technische Informationsbibliothek (TIB)
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Gründung 1959
Bestand über 9 Millionen Medieneinheiten
Bibliothekstyp Spezialbibliothek
Ort Hannover
ISIL DE-89 (Technische Informationsbibliothek (TIB) / Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek)
Leitung Uwe Rosemann
Website www.tib.eu
TIB-Standort Technik/Naturwissenschaften im Stadtteil Nordstadt von Hannover, Fassade mit dem Haupteingang

Die Technische Informationsbibliothek (TIB) ist die Deutsche Zentrale Fachbibliothek für Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik mit Sitz in Hannover. Die TIB ist die weltweit größte Spezialbibliothek für Technik und Naturwissenschaften.[1][2] Sie hat den Auftrag, in ihren Spezialgebieten die nationale wie internationale Forschung und Industrie sowie als Universitätsbibliothek Studierende, Forschende und Lehrende aller Fakultäten der Leibniz Universität Hannover sowie Bürger aus der Region mit Literatur und Information in gedruckter und elektronischer Form zu versorgen.

Die TIB ist Teil der nationalen Forschungsinfrastruktur und zugleich die größte Fachbibliothek in ihren Bereichen. Zu ihren Kernkompetenzen gehört die Volltextversorgung.

Die TIB ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Niedersachsen. Sie trägt die Zusatzbezeichnung Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek.

Die TIB ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.[3]

Sammelschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TIB sammelt Literatur aus den Bereichen Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik in diversen Sprachen und unterschiedlichen Medien. Darüber hinaus verfügt die TIB über eine große Anzahl von Normen und Patentschriften. Ein regionaler Schwerpunkt liegt auf der technisch-naturwissenschaftlichen Literatur aus Ostasien und Osteuropa. Die schwer beschaffbare, nicht im Buchhandel erhältliche sogenannte graue Literatur, ist ein Spezialgebiet der TIB. Darunter fallen unter anderem Konferenzbeiträge, Forschungsberichte und Dissertationen.[4]

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bestand der TIB umfasst insgesamt 9 Millionen Medieneinheiten (Stand Anfang 2013):

  • 5.600.000 Bücher
  • 3.400.000 Mikromaterialien
  • 78.000 Digitale Einzeldokumente (wie E-Books, E-Dissertationen)
  • 37.400 Elektronische Zeitschriften
  • 16.400 Fachzeitschriften (Print)
  • 4.400 Fachdatenbanken
  • 17,3 Millionen Patentschriften, Normen, Standards

TIB-Dokumentlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem TIB-Portal bietet die TIB ein Recherche- und Bestellportal für Fach- und Forschungsinformationen mit dem Fokus auf Technik und Naturwissenschaften. Verfügbar sind zurzeit mehr als 175 Millionen Datensätze, darunter 70 Millionen TIB-eigene. Verschiedene multimediale Objekte wie Forschungsdaten, audiovisuelle Medien und 3D-Modelle sind im TIB-Portal integriert. Über die TIB-Dokumentlieferung bietet die TIB eine schnelle Bereitstellung von Dokumenten in elektronischer oder gedruckter Form beziehungsweise einen Direktzugriff auf elektronische Dokumente und multimediale Objekte.

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TIB-Standort Technik/Naturwissenschaften, Ansicht von der Nienburger Straße
Marstall beim Welfenschloss: Patente, Normen und Standards

DOI-Registrierung von Forschungsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 war die TIB die weltweit erste DOI-Registrierungsagentur für Forschungsdatensätze aus dem Bereich Technik und Naturwissenschaften sowie Medizin. Zusätzlich ist bei der TIB die Registrierung jeder Art von naturwissenschaftlichen Inhalten möglich, die Resultat von öffentlich geförderter Forschung in Europa sind. Sie sichert durch die Vergabe sogenannter Digital Object Identifier (DOI) und deren Nachweis und Zugriff über das TIB-Portal die Qualitätssicherung sowie die dauerhafte Verfügbarkeit und Referenzierbarkeit von Forschungsdaten.

DataCite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 war die TIB Gründungsmitglied des internationalen Konsortiums DataCite, ein Zusammenschluss der weltweit führenden Forschungsbibliotheken und Informationszentren. Der Verein hat zum Ziel, Wissenschaftlern den Zugang zu Forschungsdaten über das Internet zu erleichtern und dabei weltweit einheitliche Standards zu gewährleisten. Die Vergabe von DOI für Forschungsdaten steht dabei im Mittelpunkt. DataCite möchte die Akzeptanz von Forschungsdaten als eigenständige, zitierfähige wissenschaftliche Objekte steigern und somit die Einhaltung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis gewährleisten. Das Konsortium orientiert sich an der Arbeit der TIB als weltweit erste Registrierungsagentur für Forschungsdaten. Die Geschäftsstelle von DataCite wird von der TIB in Hannover geführt.

Depotbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TIB ist Depotbibliothek für Forschungsberichte von Vorhaben, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) (in den Bereichen Energie-, Luftfahrtforschung, Multimedia, Raumfahrt und InnoNet), vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (in den Bereichen Energieforschung und Energietechnologien), von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) (im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)), von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem Umweltbundesamt (UBA) gefördert wurden. Die Berichte werden über das TIB-Portal nachgewiesen und bereitgestellt.

Open-Access-Portal LeibnizOpen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TIB unterstützt das zentrale Open-Access-Portal LeibnizOpen der Leibniz-Gemeinschaft. Hierzu berät und unterstützt sie Wissenschaftler sowie Bibliotheken aus Leibniz-Einrichtungen, die den Sektionen D und (teilweise) E der Leibniz-Gemeinschaft angehören. Über ein von FIZ Karlsruhe betriebenes System liefert sie Metadaten zu passenden Publikationen für LeibnizOpen.

Kompetenzzentrum für nicht-textuelle Objekte (KNM)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kompetenzzentrum für nicht-textuelle Materialien (KNM) an der TIB arbeitet an grundlegenden Verbesserungen der Zugangs- und Nutzungsbedingungen für audiovisuelle Medien, 3D-Objekte und Forschungsdaten aus Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik. Ziel ist es, eine Infrastruktur zu schaffen und Werkzeuge zu entwickeln, die Nutzer im wissenschaftlichen Arbeitsprozess aktiv unterstützen, damit nicht-textuelle Objekte so einfach publiziert, gefunden und dauerhaft bereitgestellt werden können wie textuelle Dokumente.

  • Systematische Sammlung nicht-textueller Materialien aus Wissenschaft und Lehre
  • Entwicklung medienspezifischer Portale unter Einsatz von Technologien aus der automatischen Medienanalyse sowie der visuellen und semantischen Suche
  • Verknüpfung von nicht-textuellen Materialien mit weiteren Forschungsinformationen wie zum Beispiel Volltexten und Forschungsdaten über das TIB-Portal
  • Vergabe von Digital Object Identifier (DOI) als persistente Identifikatoren
  • Langzeitarchivierung nicht-textueller Materialien
  • Unterstützung und Beratung von Wissensanbietern

Bibliotheksverbund Goportis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Zentrale Fachbibliothek in ihren Fachbereichen ist die TIB einer von drei Partnern von Goportis – Leibniz-Bibliotheksverbunds Forschungsinformation. Die anderen beiden Partner sind ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften und ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Goportis ist in Deutschland zentraler Ansprechpartner für Volltextversorgung, Lizenzen, nicht-textuelle Materialien, Langzeitarchivierung und Open Access. Ziel von Goportis ist es, das Wissen in diesen Bereichen zu bündeln und Weiterentwicklungen anzuregen.

Forschung/Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TIB-Standort Conti-Campus am Königsworther Platz, hier untergebracht sind Erziehungswissenschaften, Literatur- und Sprachwissenschaften, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.[5]

Die TIB ist Teil der nationalen Forschungsinfrastruktur im Bereich Informationsmanagement. Sie betreibt angewandte Forschung im Bereich digitale Bibliothek. In Kooperation mit Forschungsinstituten liegen die Schwerpunkte insbesondere auf den Themen Visuelle Suche, Visualisierung von Daten, Future Internet und Semantic Web.

PROBADO 3D[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PROBADO ist ein von der DFG von 2006 bis 2012 gefördertes Projekt im Förderbereich Leistungszentren für Forschungsinformation. Das Projekt beschäftigte sich mit der Entwicklung von Werkzeugen für den prototypischen Betrieb eines Dienstes zur automatischen Erschließung, Lagerung und Bereitstellung von nicht-textuellen Dokumenttypen wie 3D-Modellen. Das Ziel von Probado 3D war, es wissenschaftlichen Bibliotheken zu ermöglichen, mit multimedialen Objekten genauso selbstverständlich umzugehen wie mit textuellen Fachinformationen. Werkzeuge wie die Suche durch intuitives Zeichnen mit 2D- und 3D-Skizziertools und die Lieferung der Ergebnisse schon während des Zeichnens ermöglichen das gezielte Auffinden von 3D-Modellen. PROBADO wurde zusammen mit der TU Darmstadt, der Universität Bonn und der TU Graz realisiert.

VifaChem II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Virtuelle Fachbibliothek Chemie II – personalisierte Informationsdienste für chemische Forschung und Industrie ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bis März 2010 gefördertes Gemeinschaftsprojekt der TIB und dem Forschungszentrum L3S in Hannover. Ziel war die Entwicklung von Konzepten und Werkzeugen zur aktiven Unterstützung der Nutzer bei der Erfassung, Erschließung und Verknüpfung von Dokumentkollektionen. Die im Projekt Virtuelle Fachbibliothek Chemie II entwickelten Werkzeuge werden über die Chemieplattform Chem.de bereitgestellt.

Visueller Zugang zu Forschungsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von der Leibniz-Gemeinschaft von 2010 bis 2012 geförderte Gemeinschaftsprojekt der TIB, des GRIS Darmstadt (Graphisch-Interaktive Systeme, TU Darmstadt) und des IGD Darmstadt (Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung) beschäftigte sich mit Ansätzen für den interaktiven, grafischen Zugang zu Forschungsdaten, um diese optimal darstell- und suchbar zu machen. Es wurden Verfahren zur Datenanalyse sowie für visuelle Suchsysteme untersucht und weiterentwickelt sowie deren prototypische Umsetzung in das Fachportal der TIB evaluiert. Ziel war neben der metadatenbasierten Suche auch die unmittelbare Suche in den Forschungsdaten.

SCOAP3-DH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SCOAP3-DH (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics) ist ein weltweites Konsortium von nationalen und internationalen Forschungsförderorganisationen der Hochenergiephysik, Forschungszentren der Hochenergiephysik sowie führenden nationalen und internationalen Bibliotheken und Bibliothekskonsortien.[6] Es hat sich zum Ziel gesetzt, essentielle Zeitschriften in der Hochenergiephysik mit Unterstützung von Verlagen in Open-Access-Zeitschriften umzuwandeln. SCOAP3-DH ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt und beschäftigt sich mit der Beteiligung deutscher Hochschulen und weiterer Einrichtungen am internationalen Konsortium. SCOAP3-DH arbeitet in Kooperation mit dem Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

Seit Anfang Januar 2014 sind alle Artikel in einschlägigen Journalen für Hochenergiephysik frei zugänglich.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bibliotheken mit nationaler Bedeutung: Bibliotheksportal.de, Webseite. Abgerufen am 6. Februar 2013.
  2. Initiative Wissenschaft Hannover Hannover.de, Webseite. Abgerufen am 6. Februar 2013.
  3. Einrichtung der Leibniz Gemeinschaft: Kurzbeschreibung, Webseite der WGL. Abgerufen am 4. Januar 2016.
  4. Spezialsammlungen der TIB: Übersicht, Webseite der TIB. Abgerufen am 4. Januar 2016.
  5. TIB-Standort Conti-Campus, Unterseite des Internetauftritts der Bibliothek. Abgerufen am 6. Januar 2016.
  6. scoap3.org
  7. Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 22. Januar 2014, Ralf Krauter: deutschlandfunk.de: Open Access auf breiter Front (23. Januar 2014)

Koordinaten: 52° 22′ 53″ N, 9° 43′ 12″ O