Deutschlandsender

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Dieser Artikel behandelt den Deutschlandsender, der zwischenzeitlich auch Stimme der DDR hieß. Der Deutschlandsender ist nicht zu verwechseln mit dem Deutschlandfunk.

Der Begriff Deutschlandsender steht für die Typenbezeichnung eines deutschen Langwellensenders aus den 1920er und 1930er Jahren, für die 1933 in Deutschland gegründete „Deutschlandsender GmbH“ und für das das „Deutschlandsender“ genannte Rundfunkprogramm des Staatlichen Komitees für Rundfunk der DDR.

Deutschlandsender (Typenbezeichnung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Funktürme des Deutschlandsenders in Königs Wusterhausen (1926)
Deutschlandsender III in Herzberg (Elster)

1920 entwickelte die Deutsche Reichspost den ersten Langwellensender, der für Rundfunkübertragungen von Königs Wusterhausen aus genutzt wurde. Um die Reichweite auf Langwelle zu verbessern, wurde 1925 von der Firma Telefunken ein neuer 5 kW starker Sender entwickelt, der die Bezeichnung „Deutschlandsender“ erhielt. Dieser wurde ab 1926 von der Deutschen Welle für ihr Hochschul- und Unterrichtsprogramm genutzt. Währenddessen wurde in Deutschland die Leistungsstärke der Rundfunksender stetig erhöht, und so entsprach der Langwellensender Königs Wusterhausen bald nicht mehr seinen Anforderungen. Daraufhin ließ die Reichspost einen neuen Sender mit 35 kW Leistung bauen. Dieser wurde im vier Kilometer von Königs Wusterhausen entfernten Zeesen installiert und erhielt die Typenbezeichnung „Deutschlandsender II“. Seine Leistung wurde später zunächst auf 60 kW, danach auf 100 kW erhöht. Nach Einführung des Luzerner Wellenplans waren ab 1934 Senderstärken bis 150 kW erlaubt. Für eine solche Leistung war der Sendeplatz Zeesen nicht geeignet. Als neuer Sendestandort wurde Herzberg (Elster) ausgewählt, für den erneut mit dem Deutschlandsender III ein neuer Sendertyp entwickelt wurde. Seine Leistung wurde nach und nach auf 500 kW erhöht. Er wurde damit zum damals leistungsstärksten Rundfunksender in Europa. Für die Antenne wurde ein 337 m hoher Mast errichtet, der zu dieser Zeit das höchste Bauwerk Europas war. Der Deutschlandsender III wurde am 21. April 1945 bei einem Bombenangriff stark beschädigt, und die gesamte Sendeanlage wurde 1946/47 von den sowjetischen Besatzungsstreitkräften demontiert.

Deutschlandsender GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 31. Dezember 1932 war die Deutsche Welle GmbH Nutzer der jeweiligen Deutschlandsender. Am 1. Januar 1933 wurde die Deutsche Welle in die „Deutschlandsender GmbH“ überführt. Damit änderte sich auch das Programm, der Deutschlandsender hatte von nun an repräsentative Programme des Deutschen Rundfunks zu verbreiten. Dafür wurde die Langwellenfrequenz 191 kHz genutzt. Zusammen mit dem Deutschen Kurzwellensender wurde er später in das Eigentum des Deutschen Reichs überführt.

Deutschlandsender (DDR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Januar 1946 an wurde erstmals vom Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone aus ein deutschsprachiges Rundfunkprogramm ausgestrahlt, das sich Deutschlandfunk nannte. Es wurde vom historischen Senderstandort Königs Wusterhausen, 20 Kilometer südöstlich vom Berliner Stadtzentrum entfernt, auf der Langwellenfrequenz 191 kHz ausgestrahlt. Mit einer Sendeleistung von 100 kW war der Sender stark genug, um in ganz Deutschland gehört zu werden. Der Anspruch, für ganz Deutschland zu senden, war von Anfang an das Ziel der Programme. Von März bis August 1950 war der Deutschlandsender auf Langwelle nicht zu hören, da der inzwischen gegründeten DDR nach Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplans keine Langwellenfrequenz mehr zur Verfügung stand. Da sich die umliegenden Länder kaum an den Vertrag hielten, nahm sich die DDR das Recht, ab 1. August 1950 den Deutschlandsender auf der Langwelle 263 kHz zu verbreiten. Die in der Zwischenzeit genutzten Kurzwellenfrequenzen 6115 und 7150 kHz wurden beibehalten. Ende 1953 konnte der Deutschlandsender nach Fertigstellung des neuen Sendezentrums in Burg (bei Magdeburg) erstmals auf Mittelwelle senden. Dazu wurde die Frequenz 782 kHz mit 250 kW benutzt. Gleichzeitig wurde die Langwelle auf 185 kHz und die Kurzwellenfrequenzen auf 6185 und 9730 kHz umgestellt. Noch im Laufe des Jahres 1954 wurde die Kurzwellenaustrahlung auf 6115 kHz beschränkt.

Das Jahr 1959 brachte für den Deutschlandsender gravierende Frequenzumstellungen mit sich. Zunächst wurde für die Langwelle der neu installierte 500-kW-Sender in Zehlendorf in Betrieb genommen, der aber weiter die Frequenz 185 kHz nutzte. Anschließend wurde der Mittelwellenbetrieb durch die neuen Frequenzen 692 kHz (aus Wachenbrunn) und 728 kHz (aus Schwerin) erweitert. Beide Standorten eigneten sich besonders für die Ausstrahlung in die Bundesrepublik. 1959 begann der Deutschlandsender auch auf UKW zu senden. 1962 wurde die Sendeleistung der Langwelle Zehlendorf noch einmal auf 750 kW erhöht. Bei Einstellung des Programms des Deutschlandsenders 1971 hatte dieser über folgende Frequenzen verfügt:

  • Langwelle: Zehlendorf 185 kHz
  • Mittelwelle: Schwerin 728 kHz, Burg 782 kHz, Suhl 692 kHz
  • Kurzwelle: 7185 kHz, 6115 kHz
  • UKW: Berlin 97,65 MHz, Brocken 97.4 MHz, Dequede 98,9 MHz, Dresden I 97,25 MHz, Inselsberg 97,15 MHz, Karl-Marx-Stadt 97,03 MHz, Leipzig 98,6 MHz, Marlow 96,65 MHz, Schwerin 95,25 MHz, Sonneberg 94,2 MHz

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm des Deutschlandsenders war von Anfang an als Vollprogramm konzipiert. Nachrichten wurden zunächst alle zwei Stunden, später stündlich gesendet. Dazu kamen später Nachrichtenmagazine wie Zeitfunk am Vormittag und Mit dem Funk durch die Zeit. Der Anspruch, für ganz Deutschland zu senden, wurde mit Programmen wie Nachrichten aus Westdeutschland, Wir sprechen für Westdeutschland oder Aus Deutschlands Hauptstadt untermauert. Für die DDR-Bevölkerung wurden Magazinsendungen zu den Themen Arbeiterleben, Wirtschaft, Landwirtschaft und Wissenschaft produziert. Für die jungen Hörer wurden Kinderfunk, Schulfunk und Jugendfunk ausgestrahlt. Breiten Raum im täglichen Programm des Deutschlandsenders nahmen Musiksendungen ein, die alle Sparten beinhalteten.

Programm vom Freitag, 12. November 1971
(Ausschnitt):
08.05 Ganz unter uns
09.05 Aus Oper und Ballett
10.20 Melodie und Rhythmus
11.30 Lieder und Tänze
12.10 Unterhaltung am Mittag
14.15 Eins ins andere
15.05 Sängerporträt
16.05 Schlagercocktail
17.00 Mit dem Funk durch die Zeit
19.00 Musikexpress
21.15 Geigen laden ein
22.10 Internationale Politik
22.25 Berühmte Solisten
23.05 Gedanken zur Zeit
23.25 Zeitgenössische Musik

Zu Beginn der 1970er Jahre verabschiedete sich die DDR-Politik von dem Gedanken an ein vereinigtes Deutschland, die Abgrenzung zur Bundesrepublik hatte ihren Höhepunkt erreicht. Alle Bezeichnung in Bezug auf Deutschland wurden schrittweise in allen Bereichen getilgt (Ausnahme: Tageszeitung „Neues Deutschland“). In diesem Zuge wurde auch das Rundfunkprogramm „Deutschlandsender“ eingestellt. Es wurde am 15. November 1971 durch Zusammenlegung mit dem Programm „Berliner Welle“ von dem neuen Programm „Stimme der DDR“ abgelöst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Hermann, Wolf Kahle, Joachim Kniestedt: Der deutsche Rundfunk, ISBN 3-7685-2394-2, S. 174 ff.
  • Klaus Arnold: Kalter Krieg im Äther. Der Deutschlandsender und die Westpropaganda der DDR. Lit, Münster 2002, ISBN 3-8258-6180-5.
  • Ansgar Diller: Rundfunk in Deutschland III. Die Rundfunkpolitik nach 1945 I. 1945–1962. DTV, München 1989, ISBN 3-423-03185-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]