Dewey-Dezimalklassifikation

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Historisches Beispiel: Notation „523 Beschreibende Astronomie“ mit aufsteigender Hierarchie „52 Astronomie“ und „5 Naturwissenschaften“ (Abb. in: Karl Wilhelm Bührer und Adolf Saager, Die Welt-Registratur. Das Melvil-Deweysche Dezimal-System, München 1912)

Die Dewey-Dezimalklassifikation (engl. Dewey Decimal Classification, kurz DDC) ist die international am weitesten verbreitete Klassifikation für die inhaltliche Erschließung von Bibliotheksbeständen. Sie wird hauptsächlich im anglo-amerikanischen Sprachraum eingesetzt. In den USA benutzen sie ungefähr 85 % der Bibliotheken, vor allem öffentliche und Schulbibliotheken und zum Teil auch College- und Universitätsbibliotheken.

Die Organisation Online Computer Library Center hat die Lizenz für das System und reagiert flexibel auf wissenschaftliche Veränderungen und die Globalisierung. Die DDC ist in viele Sprachen übersetzt. Zurzeit ist die 23. Ausgabe aktuell.

Im Oktober 2005 erschien die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte deutsche Übersetzung der DDC, die seit Januar 2006 von der Deutschen Nationalbibliothek verwendet wird. Die DNB hatte von 2002 bis 2005 dieses Projekt gemeinsam mit der Fachhochschule Köln entwickelt. Der in MelvilSearch dargestellte Teil der Dewey-Dezimalklassifikation ist seit Februar 2010 unter der Creative Commons-Lizenz „CC-BY-NC-ND 3.0“ frei verfügbar.

Die DDC beruht auf einer Dezimalklassifikation, die ursprünglich von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) erdacht wurde und die der US-amerikanische Bibliothekar Melvil Dewey (1851–1931) weiterentwickelt hat.

Außerhalb des anglo-amerikanischen Sprachraums existiert noch die Universelle Dezimalklassifikation (UDC), die von den belgischen Bibliothekaren Paul Otlet und Henri La Fontaine 1895 als europäische Variante kreiert wurde (in Deutschland vom Deutschen Normenausschuss/DIN als DK verbreitet), weil die DDC für den internationalen Gebrauch teilweise zu speziell amerikanisch war. Es existieren also zwei Systeme, die DDC und die UDC. Für das Internet entwickelte der Amerikaner David A. Mundie das System CyberDewey. In Japan wird sie als Basis der Nippon Decimal Classification (NDC) verwendet, die seit August 1995 in der 9. Auflage aktuell ist.

Die DDC unterscheidet sich von der UDC unter anderem in folgenden Punkten:

  • Die DDC verwendet angehängte Nullen, um auch auf den beiden obersten Gliederungs-Ebenen dreistellige Notationen zu erhalten
  • Die oberste Gliederungsebene unterscheidet sich in der Behandlung von Literatur und Linguistik:
    • DDC: 4[00] = Sprache/Linguistik; 8[00] = Literatur
    • UDC: 4 = unbesetzt; 8 = Linguistik und Literatur (UDC sieht die Trennung von Literatur und Linguistik als unzulässig an)
  • Auf den tieferen Gliederungs-Ebenen haben sich im Laufe der Jahrzehnte teilweise erhebliche Unterschiede entwickelt
  • Sowohl DDC als auch UDC besitzen eine Reihe von Hilfstafeln zur Untergliederung nach Raum, Zeit, Sprache, Form etc. Die DDC verwendet auch bei den Hilfstafeln ausschließlich die Ziffern 0 bis 9, während die UDC eine Vielzahl von Symbolen verwendet und sich so bereits optisch von der DDC deutlich unterscheidet.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Ebene[1]
Klasse Inhalt
000 Informatik, Informationswissenschaft, allgemeine Werke
100 Philosophie und Psychologie
200 Religion
300 Sozialwissenschaften
400 Sprache
500 Naturwissenschaften und Mathematik
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften
700 Künste und Unterhaltung
800 Literatur
900 Geschichte und Geografie

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Suche bei der Deutschen National-Bibliothek nach dem Stichwort Blog[2] liefert den Sachbegriff Webblog und die DDC-Notation 006.752. Der Begriff schlüsselt sich wie folgt auf:

Klasse Inhalt
0––.––– Informatik, Informationswissenschaft, allgemeine Werke
00–.––– Informatik, Wissen, Systeme
006.––– Spezielle Computerverfahren
006.7–– Multimediasysteme
006.75- Einzelne Arten von Multimediasystemen
006.752 Blogs

Weitere Beispiele:

Eichhörnchen[3] = 599.362: Naturwissenschaften → Tiere (Zoologie) → Einzelne taxonomische Gruppen von Tieren → Verschiedenen Ordnungen von Eutheria (Plazentatiere) → Sciuridae (Hörnchen) → Sciurus (Eichhörnchen)

Gummibärchen[4] werden eingeordnet unter 641.853 und 664.153. 641.853[5]: Technik → Hauswirtschaft & Familie → Essen und Trinken → Kochen einzelner Arten von Gerichten und Zubereitung von Getränken → Konfitüren und Süßwaren → Süßwaren. 664.153[6]: Technik → Chemische Verfahrenstechnik → Lebensmitteltechnologie → Zucker, Sirup, daraus entstandene Produkte → Zuckerprodukte → Süßwaren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heidrun Alex: DDC-Sachgruppen der Deutschen Nationalbibliografie: Leitfaden zu ihrer Vergabe; Leipzig 2004, ISBN 3-933641-57-8
  • Karl W. Bührer, Adolph Saager: Die Welt-Registratur. Das Melvil-Deweysche Dezimal-System. Seybold, Ansbach 1912 (Digitalisat)
  • Lois Mai Chan, Joan S. Mitchell: Dewey-Dezimalklassifikation: Theorie und Praxis. Saur, München 2006, ISBN 978-3-598-11747-3 (Lehrbuch zur DDC 22)
  • Melvil Dewey: A Classification and Subject Index for Cataloguing and Arranging the Books and Pamphlets of a Library. (Dewey Decimal Classification). 1876, E-Text (Project Gutenberg; englisch)
  • Dewey-Dezimalklassifikation und Register: DDC 22;, begründet von Melvil Dewey, hrsg. von J. S. Mitchell unter Mitwirkung von J. Beall, G. Martin, W. E. Matthews, Jr., G. R. New (deutsche Ausgabe), 4 Bände, Saur, München 2005, ISBN 3-598-11651-9.
  • Britta Haßelmeier: Die Dewey Decimal Classification: Eine Einführung im Zusammenhang mit dem Projekt „DDC Deutsch“; PDF – informative Hausarbeit 2003/2004
  • Konrad Umlauf: Einführung in die bibliothekarische Klassifikationstheorie und -praxis; Webdokument (Stand: 20. Juli 2003, Zugriff: 1. März 2004,nl)
  • Walther Umstätter: DDC in Europa. Hat der Einsatz in der Deutschen Nationalbibliothek … weitergebracht? … In: Bibliotheksdienst 42, S. 1194–1221. 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. publisher: Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) - DDC-Übersichten - Übersichten zur DDC 22 – Erste Übersicht. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
  2. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
  3. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
  4. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
  5. https://deweysearchde.pansoft.de/webdeweysearch/executeSearch.html?lastScheduleRecord=599.362&lastTableRecord=&query=641.853&catalogs=DNB&_catalogs=on&catalogs=GBV&_catalogs=on&catalogs=HeBIS&_catalogs=on&catalogs=SUB&_catalogs=on&catalogs=SWB&_catalogs=on&catalogs=FUB&_catalogs=on. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
  6. J. Macrae: 'Meningitis by the score'. In: The Practitioner. Band 215, Nr. 1289, November 1975, ISSN 0032-6518, S. 641–643, PMID 664.