Die Einsamkeit des Langstreckenläufers (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Einsamkeit des Langstreckenläufers
Originaltitel The Loneliness of the Long Distance Runner
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1962
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Tony Richardson
Drehbuch Alan Sillitoe
Produktion Michael Holden
Tony Richardson
Musik John Addison
Kamera Walter Lassally
Schnitt Antony Gibbs
Besetzung

Die Einsamkeit des Langstreckenläufers ist ein britisches Filmdrama des Regisseurs Tony Richardson aus dem Jahr 1962. Der Film beruht auf der literarischen Vorlage der gleichnamigen Erzählung des britischen Autors Alan Sillitoe, der auch das Drehbuch für die Verfilmung verfasste.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Films sieht man den 18-jährigen Colin Smith, der eine Landstraße im ländlichen England entlangläuft. Colins Stimme ist als Voice-over mit den Worten zu hören: „Laufen war schon immer eine große Sache in unserer Familie, vor allem das Weglaufen vor der Polizei“.

Er wird wegen Einbruchsdiebstahls in eine Bäckerei verhaftet und landet nach seiner Verurteilung in einer Haftanstalt für jugendliche Straftäter. Dort nimmt er an einem Rehabilitationsprogramm des Gouverneurs teil, zu dem auch Leichtathletik gehört. Als sich herausstellt, dass Smith ein talentierter Läufer ist, wird er vom Anstaltsdirektor angewiesen, an einem Wettbewerb mit einer „Public School“ teilzunehmen. Im Falle eines Sieges würde Colin vorzeitig entlassen werden, dazu müsste er aber den amtierenden Champion im Langstreckenlauf schlagen. Colin genießt zusehends Privilegien bei der Heimleitung und tritt damit ungewollt in die direkte Konkurrenz zu Spencer, dem bisherigen Spitzenläufer der Anstalt, der seine Missgunst gegenüber Colin nicht verbirgt, gleichzeitig aber unter der Rücksetzung leidet und schlussendlich aus der Anstalt ausbricht. Diesen Vorfall nutzt der Anstaltsdirektor und statuiert an dem Ausbrecher mit drakonischen Strafen ein Exempel.

Während des täglichen Trainings erinnert sich Colin an verschiedene Episoden seiner Vergangenheit. Besonders die familiäre Situation im Elternhaus tritt häufig in Erscheinung: Der Tod seines schwerkranken Vaters, die verschwenderische Art, mit der zunächst seine Mutter und dann er selbst die Lebensversicherung über 500 Pfund verschleuderte sowie Konflikte mit dem neuen Freund seiner Mutter, der schon kurz nach dem Tod des Vaters selbstbewusst einen Platz im Haushalt beansprucht. Auch erinnert er sich an einen Wochenendtrip mit Freunden ans Meer und an seinen Einbruchdiebstahl mit darauffolgender Verhaftung.

In Parallelmontagen wird so Colins schwierige Vergangenheit der Gegenwart -dem Leben in der Erziehungsanstalt- gegenübergestellt. Es wird deutlich, dass Colin gegen jede Form von Autorität rebelliert und Unterordnung und Anpassung verabscheut.

Am Tag des Wettkampfs treffen die Jugendlichen der Erziehungsanstalt auf die Gegner aus der Public School, die sichtbar aus gutem Hause kommen. Dennoch entsteht keine harte Wettkampfstimmung, sondern ein kameradschaftliches Necken und neugieriges Beobachten. Colin setzt sich schnell an die Spitze des Läuferfeldes und kann seine Führung bis zuletzt halten. Kurz vor der Zielgeraden laufen die im Film gezeigten Erinnerungen erneut in Form von Fragmenten an seinem inneren Auge vorbei. Dabei wird ihm klar, dass er in seinem Leben bisher stets nur auf die Vorgaben verschiedener Autoritätspersonen reagierte, anstatt sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Um seine Ablehnung gegenüber Obrigkeiten auszudrücken, drosselt er trotz lauter Anfeuerungsrufe seiner Anstaltskameraden das Tempo und lässt mit selbstbewusstem Blick seinen Verfolger, den amtierenden Champion und Favoriten des gegnerischen Teams, vor sich die Ziellinie überqueren.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein herausragendes Werk des britischen ‘Free Cinema’: Präzise Milieustudien, in denen die gesellschaftlichen Ursachen der Kriminalität verdeutlicht werden, verbinden sich mit dem rebellischen Gestus der englischen Nachkriegsjugend.“

Lexikon des internationalen Films[1]

Bosley Crowther lobte in der New York Times die auch in der zugrundeliegenden Kurzgeschichte von Sillitoe so praktizierte Intention des Filmes, die Schlüsse aus den gezeigten Situationen und Verhältnissen nicht vorzugeben, sondern den Zuschauer selbst ziehen zu lassen. Besonders gelungen sei die psychische Zeichnung der im Film Erziehenden. Schwierig für amerikanische Ohren sei jedoch der im Film gesprochene Dialekt.[2]

„Sillitoe, Richardson und Lassally haben jeder auf seine Weise beträchtlichen Anteil an der kurzen Blüte des englischen Films Anfang der sechziger Jahre… Hier ist die Handlung von Poesie überstrahlt, ohne dass dabei die Substanz aggressiver Zeitkritik verfälscht wird.“

Reclams Filmführer [3]

„Englischer Film von hoher künstlerischer Fertigkeit. Ab 16 zu empfehlen.“

Evangelischer Filmbeobachter[4]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben anderen Filmen wie Room at the Top, wird Die Einsamkeit des Langstreckenläufers als einer der ersten Filme des Free Cinema bezeichnet. Auch die Form der Rückblendentechnik wurde später in anderen Filmen häufig verwendet, wie auch in This Spring Life.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das British Film Institute wählte Einsamkeit des Langstreckenläufers im Jahre 1999 auf Platz 61 der besten britischen Filme des 20. Jahrhunderts.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Einsamkeit des Langstreckenläufers. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  2. Crowther in seiner Rezension des Filmes am 9. Oktober 1962
  3. Dieter Krusche In: The loneliness of the lang distance runner, Reclams Filmführer, Reclam, Stuttgart, 2008, ISBN 978-3-15-010676-1
  4. Ev. Presseverband München, Kritik Nr. 150/1965
  5. Thomas Koebner IN: Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, Filmklassiker Beschreibungen und Kommentare, Reclam, Stuttgart, 1995, ISBN 3150300339