Dieter Buck-Gramcko

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Dieter Buck-Gramcko (* 28. Oktober 1927 in Hamburg; † 3. Oktober 2012 ebenda) war ein deutscher Chirurg. Er gilt als einer der Gründer der Handchirurgie innerhalb der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie und zugleich als ein Pionier, der die internationale Handchirurgie wesentlich beeinflusst hat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Orthopäden studierte Dieter Buck-Gramcko von 1947 bis 1952 Medizin an der Universität Hamburg und der Medizinischen Akademie Düsseldorf. Sein besonderes Engagement für die Handchirurgie wurde während seiner Weiterbildung zum Chirurgen in den 1950er Jahren im Unfallkrankenhaus Graz sowie durch einen Aufenthalt bei Erik Moberg in Göteborg geweckt. Am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg leitete er ab 1957 den handchirurgischen Dienst. 1959 bekam Buck-Gramcko die Möglichkeit, das Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus Hamburg mit aufzubauen, wo 1963 die erste eigenständige handchirurgische Abteilung in Deutschland unter seiner Leitung eröffnet wurde. Die Arbeitsbedingungen waren seinen eigenen Aussagen nach so ideal, dass er bis zu seiner Pensionierung 1992 dort tätig war.[1][2][3][4]

Dieter Buck-Gramckos Bruder ist der Orthopäde Horst Buck-Gramcko.

Neben der Hand-, Mikro- und plastischen Chirurgie beschäftigte sich Dieter Buck-Gramcko seit Beginn der Contergan-(Thalidomid-)Katastrophe in zunehmendem Maße mit Armfehlbildungen. Sein besonderes Interesse galt der hochgradigen Daumen-Hypoplasie, und er entwickelte seine Technik der Pollizisation, womit ihm der wissenschaftliche Durchbruch gelang. Besondere Verdienste von Dieter Buck-Gramko liegen in der Klassifikation der angeborenen Handfehlbildungen und deren Therapie sowie die Entwicklung einer Operationsmethode zum Daumenersatz durch den Zeigefinger, der so genannten Zeigefinger-Pollizisation, bei kindlichen Fehlbildungen oder bei Verlust des Daumens. Über das Thema der Pollizisation des Zeigefingers bei unterentwickeltem Daumen habilitierte er 1971 an der Universität in Hamburg und wurde 1976 zum Professor berufen. Die Weiterentwicklung dieses Spezialgebiets führte zur Herausgabe eines internationalen Standardwerks. Es zählt neben anderen Lehrbüchern, Publikationen und der Herausgeberschaft mehrerer Zeitschriften zu seinem Lebenswerk.

1959 hatte er den deutschsprachigen „handchirurgischen Literaturzirkel“ gegründet und 1960 das erste deutschsprachige handchirurgische Symposium durchgeführt. Dies war der Beginn der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie (DAH), der er bis 1992 als Sekretär diente, und letztendlich auch der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie, deren erster Präsident er im Jahr 1991 wurde und zu deren Ehrenpräsident er im Jahr 1994 ernannt wurde. Er war Mitbegründer der Deutschen Zeitschrift für Hand-, Mikro- und Plastische Chirurgie, deren Schriftleiter er für mehr als 30 Jahre war. Zudem war er Gründungsmitglied nationaler und internationaler Fachgesellschaften, wie der Europäischen und der Internationalen Gesellschaft für Handchirurgie, und er war Präsident der International Federation for Surgery of the Hand (IFSSH) von 1974 bis 1975. Sein Vortrag auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Handchirurgie zu diesem Thema brachte ihm überdies die Ehrenmitgliedschaft der amerikanischen Gesellschaft ein. Viele Auslandsaufenthalte mit Vorträgen und Operationen machten Dieter Buck-Gramcko auf dem Gebiet der angeborenen Gliedmaßenfehlbildungen weltbekannt. 1969 gründete er die Zeitschrift Handchirurgie – Mikrochirurgie – Plastische Chirurgie. Die umfangreiche publizistische Tätigkeit, sein Einsatz für die Ideen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie – DAH, der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen, der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Mikrochirurgie der peripheren Nerven und Gefäße – DAM und der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie brachte ihm zahlreiche Ehrungen ein. Im April 2012 noch hat er der Universitätsmedizin Greifswald seinen Namen für die Einrichtung der Dieter Buck-Gramcko-Stiftungsprofessur für Hand- und funktionelle Mikrochirurgie zur Verfügung gestellt.[5]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Leben für die Handchirurgie : 100 Lebensbilder, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-7985-1776-9
  • Congenital Malformations of the Hand and Forearm; London 1998; ISBN 978-0443035609
  • Die handchirurgische Sprechstunde : Leitfaden für Chirurgen, Orthopäden und Allgemeinmediziner; Mitverf., Mithrsg.; Stuttgart 1992; ISBN 3-7773-0950-8
  • Der handchirurgische Notfall : operative Versorgung und Nachbehandlung in Klinik und Praxis (Mitverf.); Stuttgart 1989; ISBN 3-7773-0903-6
  • Hand Trauma: A Practical Guide (Mitverf.; Englisch); New York, Stuttgart 1986; ISBN 978-0865771918
  • Pollizisation des Zeigefingers bei Aplasie und Hypoplasie des Daumens : Indikation, Technik und Ergebnis; in: Handchirurgie, Jg. 3, Hamburg 1971, H. 2, S. 45–58
  • Handchirurgie: Zeitschr. d. Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie (Hrsg.); Stuttgart, 1/1969 – 13/1981; ISSN 0046-6794

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niels Benatar, Reimer Hoffmann und Peter Brüser (Hg.), Dieter Buck-Gramcko: Eine Festschrift zum 65. Geburtstag. Druckhaus Mayer, Erlangen 1992.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rolf Habenicht, Nachruf für Prof. Dr. Dieter Buck-Gramcko: Ein Leben für die Handchirurgie; in: Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (Hamburg, im Oktober 2012).
  2. Peter Brüser, Dieter Buck-Gramcko †: Ein Leben für die Handchirurgie; in: Deutsches Ärzteblatt, 2012, 109(45).
  3. Hildegunde Piza-Katzer, Nachruf Prof. Dr. Dieter Buck-Gramcko †; in: Universimed / Plastische Chirurgie (Memento des Originals vom 19. Oktober 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/plastische-chirurgie.universimed.com. (Aufgerufen am 10. Oktober 2014).
  4. Dr. K.-D. Rudolf, Chefarzt der Abteilung für Handchirurgie, Plastische und Mikrochirurgie, BG Unfallkrankenhaus Hamburg: Nachruf: Die Handchirurgie verliert mit dem „Hamburger Sohn“ Prof. Dr. Dieter Buck-Gramcko einen Entwickler und Förderer.; in: Hamburger Ärzteblatt, 1/2013.
  5. Vgl. Universitätsmedizin Greifswald, Hand- und funktionelle Mikrochirurgie (Buck-Gramcko-Stiftungsprofessur) der Universitätsmedizin Greifswald
  6. Auskunft des Bundespräsidialamtes
  7. Vgl. Besprechungen von Joseph H. Boyes, Dieter Buck-Gramcko. Eine Festschrift zum 65.Geburtstag, in: The Journal Of Hand Surgery, Nr. 18/5, S. 945–946 (September 1993), und von Christoph Weißer in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 11, 1993, S. 413–415.