Handchirurgie

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Die Handchirurgie beschäftigt sich mit der Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Unterarms und der Hand. In Deutschland erfolgt dies durch speziell ausgebildete Chirurgen. Die Handchirurgie hat sich aus der Orthopädie und der Chirurgie entwickelt. Wie viele operative Fächer wurde sie von Kriegsverletzungen stimuliert. Als eigenständiges Fachgebiet ist sie mit der Plastischen Chirurgie verwoben. Als Schrittmacher der Handchirurgie gelten Sterling Bunnel, Marc Iselin, Hanno Millesi und Dieter Buck-Gramcko.[1]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handchirurgie befasst sich mit der Diagnosestellung und Behandlung von akuten oder chronischen Schäden oder Verletzungen an den oberen Extremitäten (Schulter, Oberarm, Unterarm, Hand, Finger, Daumen). Das Gebiet der Handchirurgie umfasst die Vorbeugung, Erkennung, operative und konservative Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Tumoren der Hand und des Unterarms sowie die Rekonstruktion nach Erkrankungen oder Verletzungen.[2]

Spezifische Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den wesentlichen spezifischen Aufgaben der Handchirurgie gehören die Behandlung von:

Eingeschlossen ist die Behandlung von Kindern (kindliche Fehlbildungen), Rheumatikern und chronischen Schmerzsyndromen (Komplexes regionales Schmerzsyndrom), die Replantation von Fingern bis hin zu ganzen Extremitäten sowie die Versorgung von Patienten mit Prothesen sowie die Rehabilitation handverletzter Patienten, die spezielle Erfordernisse an die Ausbildung der Therapeuten stellt.

Für den Therapieerfolg ist die komplexe und konsequente Nachbehandlung mit Ergotherapie von größter Bedeutung. Physiotherapie und physikalische Therapie sind ergänzende Maßnahmen.

Technische Voraussetzungen und Hilfsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entfernung eines Fingerlipoms[3]
  • atraumatische Operationstechnik
  • spezielles Instrumentarium
  • Lupenbrille oder besser Fernrohrbrille
  • Operationsmikroskop
  • Blutsperre: um ein blutarmes Operationsfeld zu ermöglichen wird mit einer pneumatischen Manschette die Durchblutung am Oberarm unterbrochen
  • Blutleere: um ein blutfreies Operationsfeld zu ermöglichen wird vor der Blutsperre mit einer elastischen Binde der Arm von der Peripherie her ausgewickelt

Zusatzweiterbildung Handchirurgie in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung "Handchirurgie" kann durch eine 36-monatige Weiterbildung erlangt werden.[2] Ziel der Zusatz-Weiterbildung ist die Erlangung der fachlichen Kompetenz in Handchirurgie nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte, die von den lokal zuständigen Ärztekammern definiert werden. Voraussetzung zur Durchführung der Weiterbildung Handchirurgie ist die Anerkennung als Facharzt z.B. Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Chirurgie, Orthopädie oder Plastische Chirurgie. Die Befugnis zur Weiterbildung erfolgt durch die zuständigen Ärztekammern.

Organisation in Verbänden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handchirurgie ist in Deutschland in der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) und in Sektionen sowie Arbeitsgruppen von Fachgesellschaften organisiert. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) ist die Vereinigung der in der Bundesrepublik Deutschland vorwiegend handchirurgisch tätigen Chirurgen, Plastischen Chirurgen, Unfallchirurgen und Orthopäden.[4] Die DGH vertritt die medizinisch-wissenschaftlichen Interessen der Handchirurgie gegenüber anderen medizinischen Fachgesellschaften, ärztlichen Standesverbänden, Institutionen des Gesundheitswesens, Kosten- und Krankenhausträgern. Die DGH wurde 1990 gegründet. Sie ist Mitglied in anderen gemeinnützigen oder öffentlich-rechtlichen Körperschaften wie der Föderation der Europäischen Gesellschaften für Handchirurgie (FESSH) und der Internationalen Föderation der Handchirurgischen Gesellschaften (IFSSH).[4] Von der FESSH können handchirurgische Kliniken als "Hand Trauma Center" (HTC) zertifiziert werden. Voraussetzung hierfür sind unter anderem eine 24-stündige Bereitschaft zur Versorgung auch komplexer Handverletzungen inklusive der Replantation abgetrennter Finger/Hände. In der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) werden die Interessen und Belange der Handchirurgie durch die ständige Sektion Handchirurgie vertreten. In der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) ist es die Sektion Hand, Mikrochirurgie und Replantationschirurgie. Die miteinander kooperierenden Sektionen befassen sich mit der Verbesserung der Versorgung von Verletzungen und Erkrankungen der Hand und deren Folgezuständen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Buck-Gramcko †: Ein Leben für die Handchirurgie. In: Deutsches Ärzteblatt. 2012; 109(45). Abgerufen am 9. Mai 2016.
  2. a b Weiterbildungsordnung Ärztekammer Nordrhein vom 1. Oktober 2005 in der Fassung vom 28. August 2014 (PDF). aekno.de. Abgerufen am 9. Mai 2016.
  3. E. Chronopoulos u. a.: Patient presenting with lipoma of the index finger: a case report. In: Cases Journal. 3, 2010, S. 20. doi:10.1186/1757-1626-3-20 PMID 20205806 (Open Access)
  4. a b Satzung der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH). dg-h.de. Abgerufen am 9. Mai 2016.
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