Digitale Gesellschaft (Schweiz)

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Digitale Gesellschaft
(DigiGes)
Digitale-gesellschaft-schweiz schweiz 001.png
Zweck: Verteidigung von Grund- und Menschenrechten im digitalen Raum
Präsident: Norbert Bollow
Geschäftsführer: Erik Schönenberger
Gründungsdatum: 2011
Mitgliederzahl: 400 (2018)
Sitz: Basel SchweizSchweiz Schweiz
Website: digitale-gesellschaft.ch

Die Digitale Gesellschaft ist eine gemeinnützige Organisation in der Schweiz.[1] Sie bezweckt den Erhalt und die Förderung einer freien, offenen und nachhaltigen digitalen Gesellschaft. Sie engagiert sich dafür insbesondere für den Schutz und die Verteidigung von Grund- und Menschenrechten im digitalen Raum, betreibt aber auch Konsumentenschutz. Als Dienstleistung betreibt die Digitale Gesellschaft mehrere Tor-Server unter anderem in der Schweiz.

Mit dem deutschen Digitale Gesellschaft e.V. teilt der Verein ausser zahlreichen Themeninteressen keine Gemeinsamkeiten.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein besteht seit Anfang 2011. Im Zentrum stehen halbjährliche Treffen im schweizerischen Bremgarten AG zwecks Koordination und Vernetzung. Dazu kommen ein monatlicher Netzpolitik-Zmittag in Zürich und Bern sowie ständige Kommunikation über eine verschlüsselte Mailingliste («Schleuder»), ein Wiki, Etherpads und über Mumble. Ausserdem bestehen verschiedene interne Fachgruppen, beispielsweise zur Netzneutralität. In rechtlichen Angelegenheiten sind die Rechtsanwälte Viktor Györffy[2], Martin Steiger[3][4] und Simon Schlauri[5] für die Digitale Gesellschaft tätig. Geschäftsleiter ist Erik Schönenberger[6].

Mitglieder sind unter anderem der Chaos Computer Club Schweiz (CCC-CH), der Chaos Computer Club Zürich (CCC-ZH), die Digitale Allmend, der Verein grundrechte.ch, die Internet Society, die Piratenpartei Schweiz (PPS), die Swiss Internet User Group (SIUG) und die Wau Holland Stiftung direkt oder indirekt an. Die Swiss Privacy Foundation (SPF) ging im Herbst 2016 in der Digitalen Gesellschaft auf.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2015 richtete die Digitale Gesellschaft unter anderem mit Amnesty International und der Stiftung für Konsumentenschutz einen offenen Brief[7] gegen zwei neue Überwachungsgesetze an die Politik. Hauptkritikpunkte an den Gesetzen waren Vorratsdatenspeicherung und die Kabelaufklärung[8].

Gegen die Kabelaufklärung erhob der Verein im Herbst 2017 Beschwerde. Das Verfahren ist gegenwärtig am Bundesverwaltungsgericht hängig[9].

Ende Februar 2014 hatte die Digitale Gesellschaft bereits Beschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz erhoben[10]. Die Beschwerde wurde im April 2018 vom Bundesgericht abgewiesen[11]. Dieses Urteil wurde im September 2018 an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg weitergezogen[12].

Der Verein beteiligte sich ausserdem am Widerstand gegen die Totalrevision des Bundesgesetzes betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF) und das neue Nachrichtendienstgesetz (NDG)[13]. Er engagierte sich zudem gegen Netzsperren für ausländische Geldspielanbieter[14].

Im Sommer 2013 reichte der Verein aufgrund der Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden Strafanzeige gegen Unbekannt wegen verbotenem Nachrichtendienst und anderen Straftatbeständen bei der Schweizerischen Bundesanwaltschaft ein.[3] Die Bundesanwaltschaft hat nicht weiter ermittelt.[15][16]

Die Digitale Gesellschaft beteiligt sich regelmässig an Vernehmlassungen, so beispielsweise zum revidierten Fernmeldegesetz, zum neuen Geldspielgesetz und zum revidierten Urheberrechtsgesetz. Ab Oktober 2013 war die Digitale Gesellschaft in der Arbeitsgruppe «Netzneutralität» des Bundesamtes für Kommunikation vertreten.[17]

Im April 2014 veröffentlichte die Digitale Gesellschaft eine Visualisierung der Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz, nachdem der grüne Nationalrat Balthasar Glättli seine Vorratsdatenspeicherung aus sechs Monaten Überwachung dafür zur Verfügung gestellt hatte.[18][19][20][21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spendenliste des Kantons Basel-Stadt (PDF)
  2. swissinfo.ch am 8. Juli 2011, Auf dem Weg zum Gläsernen Menschen?.
  3. a b Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 8. Juli 2013, Digitale Gesellschaft – Strafanzeige wegen Prism eingereicht.
  4. Bund will Staatstrojaner erlauben - TV - Play SRF. Abgerufen am 15. April 2018.
  5. Netzneutralität soll ins Gesetz: "Der Kodex der Provider ist eine Nebelpetarde". Netzwoche, 31. März 2016, abgerufen am 28. Juli 2017.
  6. Pascal Sigg, Andres Eberhard und Joel Bedetti: Der Wind des Wandels. Juni 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  7. Offener Brief zum Überwachungsgesetz BÜPF und zum neuen Nachrichtendienstgesetz - Digitale Gesellschaft. In: Digitale Gesellschaft. (digitale-gesellschaft.ch [abgerufen am 15. April 2018]).
  8. Kurz erklärt: Faktenblatt zur «Kabelaufklärung»
  9. Digitale Gesellschaft zieht wegen Kabelaufklärung vor Gericht | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 31. Oktober 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 13. April 2018]).
  10. Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 21. Februar 2014, Netzpolitik – Digitale Gesellschaft reicht Beschwerde gegen Vorratsdatenspeicherung ein
  11. Kathrin Alder: Das Bundesgericht hat entschieden: Das Speichern von Telefondaten ist zulässig | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. April 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 13. April 2018]).
  12. heise online: Bürgerrechtler klagen gegen anlasslose Massenüberwachung aller Schweizer. Abgerufen am 11. Dezember 2018.
  13. Digitale Gesellschaft Schweiz: Überwachung in und aus der Schweiz: Das volle Programm. Digitalcourage e.V.. 18. August 2015. Abgerufen am 7. September 2015.
  14. Gegner des Geldspielgesetzes warnen vor Internetsperren. In: Südostschweiz/SDA. Abgerufen am 11. Dezember 2018.
  15. NSA-Klage: Darum will die Bundesanwaltschaft nicht ermitteln
  16. Nichtanhandnahmeverfügung: Bundesanwaltschaft erkennt keine strafbare Handlung von NSA, GCHQ & Co.
  17. Digitale Gesellschaft am 22. Dezember 2013, Arbeitsgruppe Netzneutralität vom BAKOM.
  18. Digitale Gesellschaft am 27. April 2014, Vorratsdatenspeicherung – Das überwachte Leben von Nationalrat Balthasar Glättli
  19. Watson am 27. April 2014, Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate?.
  20. Schweiz am Sonntag vom 27. April 2014, Der gläserne Nationalrat.
  21. Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am 27. April 2014, Was die Vorratsdaten preisgeben.