Dionysius Dreytwein

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Dionysius Dreytwein (* 1498 in Esslingen; † 31. Januar 1576 ebenda) war ein deutscher Kürschner und Autor. Bekannt wurde er als Verfasser der Esslingischen Chronik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dionysius Dreytwein entstammte einer alteingesessenen Esslinger Kürschnerfamilie. Sein Großvater war der langjährige Ratsherr Bernhard Trutwin. Nach dem Tod seines Vaters 1519 bereiste und lebte er in Straßburg, Frankfurt am Main, Basel, Nürnberg, Wien, sowie in Orten in Schlesien, der Oberlausitz und Pommern über einen Zeitraum von insgesamt zwölf Jahren hinweg. 1543 heiratete er Katharina Wolff von Cannstatt („Kattreina Wolffin von Kannstatt“). Das Ehepaar hatte zwölf Kinder, von denen sechs als Säuglinge beziehungsweise Kleinkinder starben. Wie auch der etwa zeitgenössische Chronist Hermann von Weinsberg in Köln schrieb er die Geschichte seiner Familie nieder, die sich zu seiner Zeit bereits im gesellschaftlichen Abstieg befand. Während seine Chronik nur wenige persönliche Angaben enthält, findet sich sein Name verhältnismäßig oft im städtischen Verwaltungsschrifttum.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Esslingische Chronik Dionysius Dreytwein (Ausgabe 1901)
  • Nach eigenen Angaben schrieb Dreytwein die Esslingische Chronik zwischen 1548 und 1564. Sie besteht aus 194 beidseitig beschriebenen, unterschiedlich großen Blättern, eventuell sind letzte Blätter verloren gegangen. Vermutlich hat er die Arbeit nicht chronologisch fortschreitend verfasst, sondern aus älteren Notizen zwischen 1562 und 1564 zusammengefügt. Er schildert Ereignisse aus dem Alltag, sowie Diskussionen auf Zunfthäusern, öffentliche Versammlungen in Kirchen und Gespräche in Werkstätten. Darüber hinaus sind die Schilderungen seiner Gesellenwanderungen aufschlussreich für Untersuchungen der damaligen Handwerkergesellenwanderung über einen großen Zeitraum von über vierzig Jahren.[2] Zudem beschreibt er ausführlich seine eigenen Lebensumstände. 89,4 % seiner Aufzeichnungen betreffen seine eigene Gegenwart, 1,3 % seine Familie, 0,8 % seine Gesellen, 2,3 % Vergangenheits- und 4,1 % Zeitgeschichtsschreibung.[1]
Die Esslingische Chronik zählt nicht nur zu den Chroniken, sondern auch zu den Ego-Dokumenten. Sie ist deshalb eine bedeutende Quelle für die Esslinger Stadtgeschichtsforschung.
  • Dreytwein verfasste zudem die Werke Die Franziskaner-Reimchronik von 1567 und die Wiener Reimchronik von 1573, letztere eine Bearbeitung der Schwäbischen Chronik des sogenannten Thomas Lirer.[3]

Edition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Diehl (Hrsg.): Dionysius Dreytweins Esslingische Chronik (1548–1564). Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, 221. Tübingen 1901.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard J. Nikitsch: Dionysius Dreytwein – ein Esslinger Kürschner und Chronist. Studien zur Handwerkermentalität in frühneuzeitlichen Reichsstädten. Mit einer Edition der Franziskaner-Reimchronik. In: Esslinger Studien. Band 24, 1985, S. 1–210.
  • Otto Borst: Alltagsleben im Mittelalter. Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-458-32213-2, S. 553 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Esslingische Chronik Dreytwein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Julia Bruch: aber es haben fil leÿtt drin glesen, das es sich schier will anfahen zerreÿssen, dan es ist nitt einbu͑nden gwesen. Zur Materialität städtischer Chroniken des 16. Jahrhunderts. In: Sabine von Heusinger, Susanne Wittekind (Hsg.): Die Materielle Kultur der Stadt im Spätmittelalter und Früher Neuzeit (Städteforschungen, Reihe: A Darstellung 100), Wien/ Köln/ Weimar 2019, S. 137–160. ISBN 978-3-412-51612-3. Abgerufen am 15. Juni 2022.
  2. Vgl. die Untersuchung von Knut Schulz: Handwerkerwanderungen und Neubürger im Spätmittelalter. In: Rainer Christoph Schwinges: Neubürger im späten Mittelalter. (Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 30.) Berlin 2002, S. 445–477, hier: 466f.
  3. Klaus Graf: Dionysius Dreytweins Lirer-Bearbeitung (ÖNB Wien Cod. 9109) ist online. In: Archivalia. Abgerufen am 1. Dezember 2021.