Djerba

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Djerba
Sonnenaufgang am Meer vor einem Ferienhotel auf Djerba
Sonnenaufgang am Meer vor einem Ferienhotel auf Djerba
Gewässer Mittelmeer
Geographische Lage 33° 47′ N, 10° 53′ OKoordinaten: 33° 47′ N, 10° 53′ O
Djerba (Tunesien)
Djerba
Länge 31 km
Breite 31 km
Fläche 514 km²
Einwohner 120.000
233 Einw./km²
Hauptort Houmt Souk
Topographische Karte
Topographische Karte

Djerba ([dʒ-], arabisch جربة Schirba, DMG Ǧirba) ist eine flache Insel an der Ostküste Tunesiens im Golf von Gabès. Mit 514 km² ist sie die größte Insel Nordafrikas. Hauptort ist Houmt Souk. Unter den rund 120.000 Inselbewohnern, meist Berbern, befindet sich seit vielen Jahrhunderten eine jüdische Gemeinde. Mit dem Festland ist die Insel durch den Römerdamm verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Antike war Djerba unter dem griechischen Namen Meninx (Μῆνιγξ, laut Ptolemäus „Insel der Lotosesser“) bekannt. Ab der Spätantike ist der Name Girba belegt. Auf ein spätantikes Bistum geht das Titularbistum Girba der römisch-katholischen Kirche zurück. Von 1134 bis 1165 hielten die Normannen Djerba besetzt. 1154 schlugen sie einen Aufstand der Bewohner blutig nieder. Von 1524 bis 1551 war Djerba ein Hauptstützpunkt der türkisch-nordafrikanischen Korsaren unter Turgut Reis.

In der Seeschlacht von Djerba vom 9. bis zum. 14. Mai 1560 fügte eine Flotte des Osmanischen Reichs unter Großadmiral Piale Pascha und Turgut Reis der Flotte einer von Spanien angeführten Koalition christlicher Mittelmeermächte eine vernichtende Niederlage zu.

Am 11. April 2002 wurden bei einem Selbstmord-Sprengstoffanschlag bei der Al-Ghriba-Synagoge 21 Personen getötet und weitere verletzt. Unter den ermordeten Touristen befanden sich 14 Personen aus Deutschland.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strand eines Clubhotels bei Nacht
Strand auf Djerba

Djerba ist ein populäres Reiseziel. Besonders an der Ostküste sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Touristenanlagen entstanden, vor allem für preisbewusste Pauschaltouristen, welche u. a. die Wassersportmöglichkeiten schätzen. Vor allem der nordöstliche Küstenstreifen hat lange Sandstrände. Besonders beliebt sind die „Piratenfahrten“ mit altertümlich aussehenden Booten auf die sechs Kilometer lange Flamingo-Halbinsel.

Die Fähren zwischen der Insel (Ajim) und dem Festland (Jorf) fahren die 2,5 Kilometer Seestrecke in der Hochsaison regelmäßig. Acht Kilometer westlich von Houmt Souk liegt der internationale Flugplatz. Ein befahrbarer 6,5 Kilometer langer Damm verbindet die Insel südlich mit dem Festland. Er ist etwa in der Mitte durchbrochen, um den Wasseraustausch mit der Lagune sicherzustellen. Auf dem Damm verläuft parallel zur Straße eine Pipeline, mit der Trinkwasser aus der Gegend von Medenine auf die Insel transportiert wird. Ohne diese Wasserversorgung wäre der intensive Tourismus auf der Insel nicht denkbar. 80 Prozent des Wassers dienen der Versorgung der Touristen, nur 20 Prozent werden von der einheimischen Bevölkerung genutzt.

Der Römerweg bei Al-Kantara ist eines der Relikte römischer Bauwerke auf dem Eiland.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der ältesten und bekanntesten Synagogen der Welt, die Al-Ghriba-Synagoge, befindet sich einige Kilometer südwestlich von Houmt Souk.

Unterirdische Moschee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa drei Kilometer hinter Sedouikech, zwischen dem Kilometer-Stein 32 und 33 auf dem Weg nach El Kantara, befindet sich auf der rechten Seite eine Unterirdische Moschee. Die in einem Olivenhain gelegene Anlage ist etwas schwierig zu finden, da sie nicht ausgeschildert ist. Sie ist frei zugänglich.

Römerdamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römerdamm

Nach Süden hin ist die Insel mit einem etwa sieben Kilometer langen und gut zehn Meter breiten Damm mit dem Festland verbunden. Der Damm geht auf die römische Zeit, eventuell sogar schon auf die punische Zeit zurück. Später wurde der Damm vom Meer überflutet. Während der Auseinandersetzungen Draguts mit den Spaniern wurde er um 1551 aus Sicherheitsgründen durchbrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wiederhergestellt. Entlang des Damms erfolgt auch die Trinkwasserversorgung der Insel über eine Pipeline.

Houmt Souk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang zur Festung Bordj-el-Kebir in Houmt Souk
Dattelpalmen vor der Ernte auf Djerba

Houmt Souk hat etwa 65.000 Einwohner und ist der Hauptort von Djerba. Der Ort hat eine lange Handelstradition. Hiervon zeugen mehrere alte Karawansereien. Schon die Römer gründeten hier einen Ort namens Griba. In Houmt Souk befinden sich viele touristische Einkaufsmöglichkeiten, die Verwaltung der Insel und ein kleiner Fischereihafen. Sehenswert ist die Festung Bordj-el-Kebir (eine Piratenfestung) und das Volkskundemuseum.

Kastell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die malerische Ruine einer 1289 durch den spanischen Eroberer Roger de Loria erbauten Festung, die auf einer Landzunge etwa zehn Kilometer von El Kantara entfernt liegt. Im 15. Jahrhundert wurde die Festung erweitert. Heute ist der Ort nur mit geländegängigen Fahrzeugen bei Ebbe zu erreichen.

Meninx[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meninx ist eine archäologische Stätte an der südöstlichen Küste in der Nähe des Römerdammes. Es handelt sich um eine antike Stadt, die von den Phöniziern gegründet wurde. Die Ausdehnung beträgt etwa zwei Kilometer mal 0,8 Kilometer – evtl. liegt auch ein Teil unter dem Meeresspiegel. Genauere Daten hierzu fehlen, da gründliche Ausgrabungen noch nicht stattgefunden haben. In römischer Zeit war es die Hauptstadt der Insel und besaß Thermen, ein Amphitheater, Theater, Basilika und eventuell auch ein Forum.

Midoun[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrale Stadt auf Djerba. Jeden Freitag findet ein Markt statt, und es gibt viele alte Basarläden sowie moderne Warenhäuser, in denen das Handeln entfällt.

Guellala[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Guellala werden die berühmten tunesischen Keramikwaren hergestellt. Gegen ein kleines Entgelt können Touristen den Einheimischen dabei zusehen.

Klima und Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inselvegetation ist geprägt von Palm-, Granatapfel- und Olivenbäumen sowie Feigenkakteen mit ihren stacheligen Früchten. Mit Hilfe künstlicher Bewässerung erfolgt intensiver Gartenbau. Das Klima ist mild und sonnig. Bei mehr als 3.000 Sonnenstunden jährlich und 200 mm Jahresniederschlag liegt die mittlere Temperatur im Winter bei 13,6 °C, im Sommer bei 26 °C.[1] Von daher eignen sich die Strände hervorragend für Badeurlaube.

Djerba
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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22
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26
16
 
 
1
 
29
20
 
 
1
 
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22
 
 
3
 
32
23
 
 
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30
22
 
 
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26
18
 
 
34
 
21
14
 
 
36
 
17
10
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Djerba
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 15,9 17,5 19,5 22,0 25,5 28,6 31,9 32,3 29,9 26,0 21,3 17,1 Ø 24
Min. Temperatur (°C) 8,9 9,2 11,0 13,4 16,4 19,7 21,9 22,9 21,6 18,2 13,7 10,2 Ø 15,6
Niederschlag (mm) 29 21 19 13 5 1 1 3 20 54 34 36 Σ 236
Sonnenstunden (h/d) 6,7 7,4 7,9 8,8 10,1 10,7 12,1 11,3 9,2 8,0 7,1 6,6 Ø 8,8
Regentage (d) 4 4 4 3 2 0 0 0 3 4 4 4 Σ 32
Wassertemperatur (°C) 16 16 15 17 18 21 24 26 26 24 20 18 Ø 20,1
Luftfeuchtigkeit (%) 69 67 66 66 65 66 63 65 69 68 67 70 Ø 66,7
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
15,9
8,9
17,5
9,2
19,5
11,0
22,0
13,4
25,5
16,4
28,6
19,7
31,9
21,9
32,3
22,9
29,9
21,6
26,0
18,2
21,3
13,7
17,1
10,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
e
r
s
c
h
l
a
g
29
21
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5
1
1
3
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34
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Kaktusfeigen an einem Feigenkaktus auf Djerba

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage, Band 5 von 1988

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Djerba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien