Granatapfel

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Dieser Artikel erläutert die Pflanze. Zur anderen Bedeutung siehe Granatapfel (Heraldik).
Granatapfel
Granatapfel (Punica granatum)

Granatapfel (Punica granatum)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Weiderichgewächse (Lythraceae)
Unterfamilie: Punicoideae
Gattung: Granatapfel (Punica)
Art: Granatapfel
Wissenschaftlicher Name
Punica granatum
L.

Der Granatapfel (Punica granatum) ist eine Pflanzenart, die der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae) zugerechnet wird. Die aus zwei Arten bestehende Gattung Punica bildet alleine die Unterfamilie Punicoideae (Horan.) S.A.Graham, Thorne & Reveal, manche Autoren führen sie auch noch als eigene monotypische Familie Punicaceae Horan. Ihre Frucht wird in der Küche verwendet. Das Verbreitungsgebiet des Granatapfels liegt in West- bis Mittelasien; heute wird er unter anderem im Mittelmeerraum angebaut.

Der Gattungsname Punica leitet sich von lateinisch punic(e)us, „punisch“ ab und geht auf die römische Bezeichnung für die Phönizier zurück. Der Artname granatum (von lateinisch granum, „Korn“, „Kern“, „Samen“) wurde wegen der zahlreichen in den Früchten enthaltenen Samenkörner geprägt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habitus, Laubblätter und Früchte

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Granatapfel wächst als sommergrüner kleiner Baum und wird oft als Strauch kultiviert; er erreicht Wuchshöhen bis zu 5 Metern, wird bis zu 3 Meter breit und kann einige hundert Jahre alt werden. Die Pflanzenteile sind kahl.[2] Die Rinde ist rotbraun bis grau. Die jungen Zweige sind oft vierkantig, später werden sie stielrund und enden oft in einem Dorn.

Die mehr oder weniger gegenständigen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattstiele sind 2 bis 10 Millimeter lang.[2] Die einfache, oberseits glänzende, lederige Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 9 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 2 Zentimetern lanzettlich, elliptisch-verkehrt-lanzettlich oder länglich mit sich verschmälernder Spreitenbasis und stumpfem oder stachelspitzigem oberen Ende. Nebenblätter fehlen.[2]

Blüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blütendiagramm von Punica granatum
Geöffnete Blüte mit vielen Staubblättern
Blüte im Endstadium
Granatapfelfrucht und Blüten

Die Blütezeit liegt im Frühjahr und Sommer, in China zwischen März und Juli. Die Blüten stehen endständig einzeln an den Zweigenden. Die bei einer Länge von 2 bis 3 Zentimetern sowie einem Durchmesser von 1 bis 1,5 Zentimetern relativ großen, urnen- bis glockenförmigen, zwittrigen Blüten sind fünf- bis neunzählig mit doppelter Blütenhülle und orangerot bis hellgelb. Die fünf bis neun Kelchblätter sind aufrecht und dreieckig. Die fünf bis neun rot-orangefarbenen oder selten weißen Kronblätter sind bei einer Länge von 1,5 bis 3 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 2 cm verkehrt-eiförmig mit gerundetem oder stumpfem oberen Ende. Die vielen Staubblätter können die Blütenkrone überragen. Der Fruchtknoten ist 8- bis 13-kammerig.[2]

Granatapfel, geschlossen und im Schnitt
Aufgebrochener Granatapfel
Durchscheinende Samenmäntel

Frucht und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bei einem Durchmesser von 5 bis 12 Zentimetern kugelige,[2] apfelähnliche, anfangs grüne, später orangerote, rote bis gelb-grüne oder rot-braune[2] Frucht ist der Grenzfall einer ledrigen Beere, da das Fruchtfleisch nicht fleischig ist, aber nicht verholzt. Sie ist gekrönt von den haltbaren Kelchblättern[2] und durchzogen von vielen Wänden. Dadurch entstehen Kammern, in denen sich bis zu 15 Millimeter große, kantige Samen befinden, die von einer glasigen, saftig-prallen, tiefrot bis blassrosa gefärbten Sarkotesta umgeben sind, der bei Druck leicht zerplatzt. Die Frucht öffnet sich bei Vollreife unregelmäßig.[2] Die Frucht enthält etwa 400 Samen. Die Samen sind rubinrot bis rosafarben oder gelblich-weiß.[2] Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach, sie zählen zu den nichtklimakterischen Früchten.

Chromosomensatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16 oder 18.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Granatapfels liegt im westlichen bis mittleren Asien, von der Türkei über den Kaukasus (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Südrussland) sowie Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan östlich bis in den Iran, Afghanistan, Pakistan und China.

Im Mittelmeerraum und im Nahen Osten, beispielsweise im Iran, in Armenien, Ägypten, Spanien, Marokko, Tunesien, Syrien, Palästina, Israel und in Anatolien, wird der Granatapfel seit Jahrtausenden kultiviert (siehe auch Gartenkunst). In Indien wird der Granatapfel als Gewürz angebaut. Auch in Fernost-Asien tritt der Granatapfel auf. In Indonesien ist er als delima bekannt.

Einige Sorten des Granatapfels gedeihen in wintermilden Regionen Mitteleuropas. Ein Strauch blüht zum Beispiel im Vorgarten des Museums für Kunstgewerbe in Budapest. Im Zuge der spanischen Kolonialisierung gelangte der Granatapfel in die Karibik und nach Lateinamerika. Generell ist die Pflanze aber kälteempfindlich, Temperaturen unter 12 °C beschädigen die Pflanze.[3] Sie gedeiht am besten auf sandigen Böden mit langen und heißen Sommern.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Granatapfelbaum aus dem Jahr 1653 in den Herrenhäuser Gärten

Die archäologischen Überlieferungsbedingungen für Granatäpfel sind schlecht, da die Frucht meist frisch verzehrt wird und die wasserreiche Schale beim Erhitzen explosionsartig zerbirst. Versuche zeigten, dass lediglich alte Granatäpfel mit relativ ausgetrockneter Schale die Chance haben, zu verkohlen und so überliefert zu werden.[4] Ein verkohlter Granatapfel wurde in den frühbronzezeitlichen Schichten des Tel es-Sa'idiyeh in Jordanien gefunden.[5] Auf Zypern und in Ägypten wurden in der späten Bronzezeit farbige Glasgefäße in Form eines Granatapfels hergestellt.[6] Das bei Kaş in der Türkei gefundene Ulu Burun-Schiff enthielt zyprische Vorratskrüge mit über 1000 Granatapfelsamen.[7] Es ist nach den geborgenen Gefäßen in die Periode SM IIIA2Minoische Kultur zu datieren.

Granatäpfel wurden als Grabbeigabe in einer Grabkammer eines hohen ägyptischen Beamten aus der Zeit von Ramses IV. gefunden. Im jordanischen Tell Deir ʿAllā im Jordantal[8] wurden Granatäpfel in eisenzeitlichen Schichten geborgen. Im Opferschacht (Favissa) eines eisenzeitlichen Tempels bei ʾEn Hazeva in Edom fanden sich Steinanhänger in Granatapfelform.[9] In der Abiʾor Höhle bei Jericho, die den Rebellen des Bar-Kochba-Aufstandes im Herbst 135 n. Chr. als Unterschlupf diente, wurde unter anderem ein Stück Granatapfelrinde gefunden,[10] ein ähnlicher Fund stammt aus der Cave of the Spear in der Nähe von ʾEn Gedi in Israel.[11] In Deutschland ist der Granatapfel etwa im mittelalterlichen Konstanz archäologisch nachgewiesen.[12]

Obstbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist eine Vielzahl von Formen gezüchtet worden, wobei teils die Blüten, teils die Früchte das Zuchtziel darstellten. Der Zwerggranatapfelbaum (als natürliche Zwergform Punica granatum var. nana, als Zuchtform Punica granatum 'Nana') ist ein kleiner Strauch von bis zu einem Meter Wuchshöhe.

Die Früchte werden von September bis Dezember geerntet. Die fleischig ummantelten Samen kann man mit den Fingern oder mit einem Löffel herauslösen, man kann die Frucht auch horizontal halbieren, die Schale an den dünnen Häutchen einritzen und die Frucht sternförmig zerbrechen oder indem man den Strunk abschneidet und den Granatapfel in einer Schüssel mit Wasser aufbricht. Die Kerne sinken ab, während die Schale und die weißen Häutchen auf dem Wasser schwimmen und leicht zu separieren sind. Außerdem lassen sich die Kerne durch Schlagen auf die Außenschale der halbierten Frucht lösen.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Granatäpfel und deren gepresster Saft sind im Mittelmeerraum, im Nahen Osten, in den USA, in Südeuropa und seit einigen Jahren auch in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet. Aus dem Saft wird auch Granatapfelwein gewonnen, der vor allem von Armenien und Israel exportiert wird. Das Fruchtfleisch oder der Saft des Granatapfels werden zur Verfeinerung von Wild- oder Geflügelgerichten oder in Obstsalaten verwendet.

Die Schale des Granatapfels war traditionell Farbstoff für Orientteppiche. Auch in Indien wurde sie zum Färben von Wolle in Gelb- und Schwarztönen verwendet.[13] Mit einem Extrakt aus der Wurzel des Granatapfelbaumes können mit einer Eisenbeize tief dunkelblaue Farbtöne erzeugt werden.

Grenadinesirup, der früher aus Granatapfelsaft hergestellt wurde, gibt dem Tequila Sunrise und verschiedenen anderen Cocktails seinen fruchtigen Geschmack und seine rote Färbung.

Iran zählt zu den Hauptproduzenten weltweit.[3]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Granatapfel - sowie auch die nicht essbaren Blüten und Blätter - enthalten größere Mengen bioaktiver Substanzen, insbesondere Polyphenole, Flavonoide, Anthocyane und Gallotannine.[14][15] Dabei ist der Anteil der Antioxidantien in der Schale am höchsten.

Schale und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schale des Granatapfels lassen sich neben Polyphenolen, Flavonoiden, Ellagitanninen und Vorläufer von Anthocyanen auch verschiedene Mineralstoffe wie Kalium, Calcium oder Magnesium sowie komplexe Polysaccharide nachweisen.[15] Die verzehrbaren Samen weisen hohe Mengen an Gallotanninen (Punicalagin, Punicalin, Gallagsäure oder Ellagsäure) und Anthocyane (z. B. Chrysanthemin oder Myrtillin) auf, welche stark entzündungshemmende, antioxidantische Effekte haben. In der Samenschale wurden auch verschieden organische Säuren, wie beispielsweise Ascorbinsäure, Citronensäure oder Äpfelsäure identifiziert. Der fleischige Samenmantel (Arillus) besteht größtenteils aus Wasser (85 %), daneben Zucker (10 %), Pektin (1,5 %), aber auch Polyphenole und Anthocyane. Im Kernöl (Granatapfelsamenöl,[16] auch Granatapfelkernöl) finden sich größtenteils konjugierte Linolsäuren u. a. 65–85 % Punicinsäure, von geringerem Anteil auch Palmitinsäure, Ölsäure, Linolsäure, Stearinsäure, Sterine, Steroide und Cerebroside.[15][17][18]

Blätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blätter eines Granatapfels sind reich an Mineralstoffen wie Natrium, Eisen oder Kalium, je nachdem, wie weit die Entwicklung des Blattes fortgeschritten ist.[15] So enthalten ältere Blätter z. B. viel Calcium oder Eisen, junge Blätter dagegen eher Kalium. Allgemein lassen sich auch Tannine und Glykoside, diese mit dem Aglycon Apigenin, nachweisen.

Nährwerte der frischen Frucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der frische Granatapfel ist von etwa Juni bis Dezember im deutschsprachigen Raum erhältlich. In den ersten Monaten stammt er meist aus Marokko, Israel oder Tunesien, ab Oktober aus Spanien und Italien. Nachfolgend die Energiegehalte und Hauptbestandteile in 100 g essbarem Anteil:

  • 316 kJ (74 kcal)
  • 79,1 g Wasser
  • 0,7 g Eiweiß
  • 0,6 g Fett
  • 16,1 g Kohlenhydrate
  • 2,2 g Ballaststoffe

Der im Granatapfel enthaltene Zucker teilt sich auf in 7,9 g Fructose und 7,2 g Glucose.[19]

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch wurden Granatäpfel zur Behandlung verschiedener Krankheiten genutzt, beispielsweise zur Behandlung von Durchfall und Geschwüren.[15] Die Wurzel, die Rinde und die gekochte Schale wurden bis ins Mittelalter als Anthelminthikum gegen Bandwürmer eingesetzt. Im Unani-System werden Granatäpfel zur Behandlung von Diabetes mellitus verwendet.

Da nicht nur die Frucht selbst, sondern auch andere Teile des Baumes reich an sekundären Pflanzenstoffen mit möglicher therapeutischer Bedeutung sind, ist die Pflanze in den letzten Jahrzehnten auch in den Fokus wissenschaftlichen Interesses gerückt. So untersuchten zahlreiche Studien eine mögliche positive Wirkung des Granatapfelsaftes bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen[20] und Arthritis.[21] Allerdings sind die meisten Studien Versuche mit Zellkulturen oder Tieren, so dass die Übertragbarkeit auf den Menschen fraglich ist.

Eine Metaanalyse von acht randomisierten placebokontrollierten Studien (RCT) zeigte, dass der Konsum von Granatapfelsaft den systolischen und diastolischen Blutdruck senkt.[22] In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie an 45 Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhöhte die tägliche Gabe von 240 ml des Saftes des Granatapfels die Herzmuskeldurchblutung signifikant.[23] Positive Effekte zeichneten sich auch bei einer Studie mit Patienten mit verengter Halsschlagader ab: Nach einem Jahr Granatapfelverzehr verminderten sich die Ablagerungen an der Halsschlagader um 35 %, während sie in der Kontrollgruppe deutlich zunahmen.[20]

Mögliche entzündungshemmende Effekte von Granatapfelsaft wurden in einer Metaanalyse von fünf RCTs untersucht.[24] Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass Granatapfelsaft keinen Einfluss auf die Senkung des CRP-Spiegels im Blut hat, unabhängig davon, wie lange Granatapfelsaft konsumiert wurde. Auch ein vorgeschlagener Effekt auf das Lipidprofil im Blut (z. B. Cholesterinlevel oder HDL-C) konnte durch die Auswertung bei zwölf RCTs nicht gezeigt werden.[25]

Der Granatapfel verfügt, selbst im Vergleich zu Rotwein und Blaubeeren, über besonders viele Polyphenole,[26] welche möglicherweise für einen positiven gesundheitlichen Effekte verantwortlich sein könnten. Bei Granatapfelprodukten gibt es beträchtliche Unterschiede bezüglich Qualität und Gehalt an wirksamen Polyphenolen.[27] In einer In-Vitro-Studie wurde festgestellt, dass Granatapfelsaft die Bildung von körpereigenen Östrogenen hemmte und bei östrogenrezeptor-positiven Brustkrebszellen zu einer Wachstumshemmung von 80 Prozent führte, ohne das Wachstum der gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Fermentierter Granatapfelsaft war dabei doppelt so wirksam wie frischer Saft.[28] Auch auf Leukämiezellen wirken die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft: Die Zellen bilden sich entweder zu gesunden Zellen zurück (Redifferenzierung) oder werden in den programmierten Zelltod (Apoptose) getrieben. Außerdem verhindern die Polyphenole, dass sich neue Blutgefäße bilden (Neoangiogenese) - das erschwert die Ausbreitung des Tumors.[29]

Die präventive bzw. auch therapeutische Wirkung des Granatapfelsaftes auf Prostatakrebs ist Gegenstand intensiver Forschung, es wurden zahlreiche diesbezügliche Studien durchgeführt. 2016 wurden in einer Metaanalyse zahlreiche Studien ausgewertet, die die Gabe verschiedener Extrakte und Pflanzenstoffe (z. B. Lycopin, Isoflavone oder Granatapfelsaft) bei Prostatakrebspatienten untersucht hatten.[30] Als zentraler Marker für einen möglichen Therapieerfolg wurde dabei der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) ausgewertet. Von mehreren Studien wurden nach Anwendung der Auswertungskriterien fünf für die Metaanalyse zugelassen, darunter zwei Placebo-kontrollierte Studien. Die Autoren kamen zum Ergebnis, dass – obwohl diese fünf ausgewerteten Studien von guter Qualität seien – die Fallzahlen überwiegend gering und die Untersuchungszeiträume kurz waren. Das Problem ist allgemein, dass bis ins Jahr 2016 keine hochwertigen Studien zu der Thematik publiziert wurden. Insgesamt sind die gegebenen Pflanzenstoffe zwar gut verträglich und sicher. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass diese die PSA-Dynamik beeinflussen können. Jedoch ist die Datenlage zu begrenzt, um Aussagen über eine mögliche Therapieform (als Ergänzung oder als Ersatz für die die klassische Therapieform) zu treffen.

Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Granatapfel (1550), Stiftsmuseum Innichen (Südtirol)

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Granatapfel ist das Symbol der syrischen Göttin Atargatis.

Griechische Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im antiken Griechenland wurde der Granatapfel den Gottheiten der Unterwelt, Hades und Persephone zugeschrieben. Der Unterweltgott Hades entführte Persephone und nahm sie mit in die Unterwelt. Göttervater Zeus beschloss, das Mädchen dürfe zurück zu ihrer Mutter Demeter, wenn sie in der Unterwelt nichts gegessen habe. Kurz vor ihrer Rückkehr drückte Hades ihr sechs Granatapfelkerne in den Mund. Da sie nun doch etwas in der Unterwelt gegessen hatte, musste sie ein Drittel des Jahres in der Unterwelt mit Hades regieren und durfte die anderen zwei Drittel mit ihrer Mutter Demeter verbringen.

Den Streit der Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite, wer die Schönste von ihnen sei, beendete der Trojaner Paris, indem er Aphrodite einen Apfel (Granatapfel) überreichte (siehe Urteil des Paris).

Bibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frucht wird mehrfach im Alten Testament der Bibel erwähnt. Der Granatapfel soll 613 Kerne haben, genauso viel, wie das Alte Testament Gesetze enthält. Granatäpfel waren laut der Schilderung in 2 Mos 28,33f. Lut Teil des Efods des Hohepriesters, dessen Anfertigung Gott den Israeliten befohlen haben soll. Die abschließenden Knäufe der beiden erzernen Säulen Jachin und Boas vor dem Salomonischen Tempel wurden laut 1 Kön 7,18 Lut von zwei Reihen Granatäpfeln geschmückt. Der erste König Israels, Saul, verweilte nach 1 Sam 14,2 Lut zeitweilig unter einem Granatapfelbaum. Im Hohelied Salomos wird das Wort Granatapfel mehrere Male verwendet, um die Schönheit einer Frau zu untermalen (4,3 Lut, 4,13 Lut, 6,7 Lut). Schließlich findet sich der Granatapfelbaum noch bei den Propheten Joel 1,12 Lut und Hag 2,19 Lut.

Koran[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frucht wird auch im Koran erwähnt. Das Vieh (6. Sure), 99: „Und Er ist es, Der Wasser niedersendet aus der Wolke, damit bringen Wir alle Art Wachstum hervor; mit diesem bringen Wir dann Grünes hervor, daraus Wir gereihtes Korn sprießen lassen, und aus der Dattelpalme, aus ihren Blütendolden, (sprießen) niederhängende Datteltrauben, und Gärten mit Trauben, und die Olive und den Granatapfel - einander ähnlich und unähnlich. Betrachtet ihre Frucht, wenn sie Früchte tragen, und ihr Reifen. Wahrlich, hierin sind Zeichen für Leute, die glauben.“

Das Vieh (6. Sure), 141: „Er ist es, Der Gärten wachsen lässt, mit Rebspalieren und ohne Rebspaliere, und die Dattelpalme und Getreidefelder, deren Früchte von verschiedener Art sind, und die Olive und den Granatapfel, einander ähnlich und unähnlich. Esset von ihren Früchten, wenn sie Frucht tragen, doch gebet Ihm die Gebühr davon am Tage der Ernte und überschreitet die Grenzen nicht. Wahrlich, Er liebt die Maßlosen nicht.“

Der Aufenthaltsort der Rechtgläubigen nach ihrem Tode ist ein Garten, „durcheilt von Bächen“ (Sure 2, 25), in denen zahlreiche Früchte wachsen. An Pflanzen werden Palmen, Rebstöcke (2, 266; 17, 91; 36, 34) und Granatäpfel (55, 68) erwähnt. „In beiden werden Früchte sein, und Datteln und Granatäpfel.“

Der Granatapfel in der Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Madonna mit dem Granatapfel (Gemälde von Sandro Botticelli, 1487)

Der Granatapfel ist ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht (Reichsapfel), Blut und Tod. In der christlichen Symbolsprache kann der Granatapfel für die Kirche als Ekklesia stehen, als Gemeinschaft der Gläubigen. Er symbolisiert auch das Enthaltensein der Schöpfung in Gottes Hand bzw. Vorsehung.[31] Er ist außerdem auch Symbol des Priesterstandes, weil er in seiner harten Schale (= Askese des Priesterstandes) reiche Frucht trägt. Aufgrund dieser Symbolik taucht der Granatapfel in zahlreichen mittelalterlichen Tafelgemälden auf. Auf der von Matthias Grünewald 1517/1519 geschaffenen Stuppacher Madonna spielt das Jesuskind mit einem Granatapfel, den ihm seine Mutter Maria reicht. Diese Darstellung steht in der Tradition der seit dem Hochmittelalter nachgewiesenen Marientitel als „Mutter der Kirche“ (mater ecclesiae).

Der Orden der Barmherzigen Brüder hat als Emblem einen Granatapfel mit Kreuz. Der Orden wurde in der spanischen Stadt Granada gegründet, die den Granatapfel in ihrem Wappen führt, außerdem ist der Granatapfel in der katholischen Kirche ein Symbol für Jesus.

Die Stadt Granada, die gleichnamige Provinz und viele ihrer Orte sowie Teile des Wappens von Spanien führen den Granatapfel im Wappen, der das alte Königreich Granada nach der Übernahme durch die christlichen Herrscher Spaniens repräsentiert. Möglicherweise ist die Stadt Granada auch nach dem Granatapfel benannt; die umliegende Landschaft ist heute noch ein wichtiges Anbaugebiet.

In China gilt der Granatapfel wegen seiner vielen Kerne als Symbol für Fruchtbarkeit und Kinderreichtum. In der persischen Dichtung[32] steht der Granatapfel auch metaphorisch für die weibliche Brust und eine gesunde Gesichtsfarbe.

Der Granatapfel in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Philosoph Jacques Derrida verweist in einem seiner Texte[33] auf die religiöse Symbolik des Granatapfels.

Der Schriftsteller Stefan Andres veröffentlichte 1950 einen Gedichtband mit dem Titel „Der Granatapfel“.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Punica granatum L. In: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. auf spektrum.de, abgerufen am 7. November 2013.
  2. a b c d e f g h i j Haining Qin, Shirley A. Graham: Punica. Punica granatum Linnaeus. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 13: Clusiaceae through Araliaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2007, ISBN 978-1-930723-59-7, S. 283.
  3. a b E. Shaygannia et al.: A Review Study on Punica granatum L.. In: J Evid Based Complementary Altern Med. 21, Nr. 3, 2016, S. 221–227. doi:10.1177/2156587215598039. PMID 26232244.
  4. Caroline R. Cartwright: Grapes or raisins? An early Bronze Age larder under the microscope. In: Antiquity. 77:296, 2003, S. 347, doi:10.1017/S0003598X00092322.
  5. Caroline R. Cartwright: Grapes or raisins? An early Bronze Age larder under the microscope. In: Antiquity. 77:296, 2003, S. 345–348.
  6. britishmuseum.org
  7. C. Bachhuber: Aegean interest on the Uluburun ship. In: American Journal of Archaeology. 110/3, 2006, S. 345–363, JSTOR 40024547; Cheryl Haldane: Direct evidence for organic cargoes in the Late Bronze Age. In: World Archaeology. 24/3, 1993, S. 335, JSTOR 124713.
  8. R. Neef: Planten. Opgravingen te Deir Alla in de Jordaanvallei. Rijksmuseum van Oudheden, Leiden 1989, S. 30–37.
  9. Sara Ben-Arieh: Temple Furniture from a Favissa at ʾEn Hazeva. In: ʾAtiqot. 68, 2011, ISBN 978-965-406-281-7, S. 107–175.
  10. M. E. Kislev: Vegetal food of Bar Kokhba rebels at Abi'or Cave near Jericho. Festschrift for Professor van Zeist. In: Review of Palaeobotany and Palynology. Vol. 73, Nr. 1–4, 30 September 1992, Tafel 1, doi:10.1016/0034-6667(92)90053-J.
  11. Orit Simchoni, Mordechai E. Kislev: Relict Plant Remains in the 'Caves of the Spear. In: Israel Exploration Journal. 59/1, 2009, S. 47. JSTOR 27927214.
  12. H. Küster: Mittelalterliche Pflanzenreste aus Konstanz am Bodensee. In: U. Körber-Grohne, H. Küster (Hrsg.): Archäobotanik. Dissertationes Botanicae. 133, 1989, ISBN 978-3-443-64045-3, S. 201–216.
  13. Christoph Bachmann: Der Granatapfel: Punica granatum. In: Phytotherapie. Nr. 2, 2007, S. 32–35 (rosenfluh.ch [PDF; 56 kB; abgerufen am 22. Dezember 2010]).
  14. Walid Elfalleh et al.: Total phenolic contents and antioxidant activities of pomegranate peel, seed, leaf and flower. In: J. Med. Plants Res.. 6, Nr. 32, 2012, S. 4724–4730. doi:10.5897/JMPR11.995.
  15. a b c d e P. Sharma et al.: Pomegranate for Prevention and Treatment of Cancer: An Update. In: Molecules. 22, Nr. 1, 2017, S. 4724–4730. doi:10.3390/molecules22010177. PMID 28125044.
  16. Wilhelm Halden, Adolf Grün: Analyse der Fette und Wachse. 2. Band, Springer, 1929, ISBN 978-3-642-89318-6, S. 677.
  17. Kim: S. 145.
  18. P. Aruna, R. P. Singh u. a.: Health Benefits of Punicic Acid: A Review. In: Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety. Volume 15, Issue 1, 2016, S. 16–27, doi:10.1111/1541-4337.12171.
  19. Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, Garching (Hrsg.): Lebensmitteltabelle für die Praxis. Der kleine Souci · Fachmann · Kraut. 4. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8047-2541-6, S. 410.
  20. a b M. Aviram et al.: Pomegranate juice consumption for 3 years by patients with carotid artery stenosis reduces common carotid intima-media thickness, blood pressure and LDL oxidation. In: Clin Nutr. Band 23, Nr. 3, 2004, S. 423–433, doi:10.1016/j.clnu.2003.10.002, PMID 15158307.
  21. M. Shukla et al.: Consumption of hydrolyzable tannins-rich pomegranate extract suppresses inflammation and joint damage in rheumatoid arthritis. In: Nutrition. 24(7-8), Jul-Aug 2008, S. 733–743, doi:10.1016/j.nut.2008.03.013.
  22. A. Sahebkar et al.: Effects of pomegranate juice on blood pressure: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. In: Pharmacol Res.. 155, 2017, S. 149–161. doi:10.1016/j.phrs.2016.11.018. PMID 27888156.
  23. M. D. Sumner et al.: Effects of pomegranate juice consumption on myocardial perfusion in patients with coronary heart disease. In: Am J Cardiol. Volume 96 (6), 2005, S. 810–814. PMID 16169367.
  24. A. Sahebkar et al.: Effects of supplementation with pomegranate juice on plasma C-reactive protein concentrations: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. In: Phytomedicine. 23, Nr. 11, 2016, S. 1095–1020. doi:10.1016/j.phymed.2015.12.008. PMID 26922037.
  25. A. Sahebkar et al.: Lipid profile changes after pomegranate consumption: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. In: Phytomedicine. 23, Nr. 11, 2016, S. 1103–1120. doi:10.1016/j.phymed.2015.12.014. PMID 26857863.
  26. Navindra P. Seeram et al.: Comparison of antioxidant potency of commonly consumed polyphenol-rich beverages in the United States. In: Journal of Agricultural and Food Chemistry. Volume 56, Issue 4, 2008, S. 1415–1422. doi:10.1021/jf073035s Volltext-PDF.
  27. M. Fischer-Zorn, V. Ara: Granatapfelsaft – Chemische Zusammensetzung und mögliche Verfälschungen. In: Flüssiges Obst. 2007, 08, S. 386–393.
  28. N. D. Kim et al.: Chemopreventive and adjuvant therapeutic potential of pomegranate (Punica granatum) for human breast cancer. In: Breast Cancer Res Treat. Volume 71, 3, 2002, S. 203–217, PMID 12002340.
  29. S. Kawaii, E. P. Lansky: Differentiation-promoting activity of pomegranate (Punica granatum) fruit extracts in HL-60 human promyelocytic leukemia cells. In: Journal of Medicinal Food. Volume 7, 2004, S. 13–18. PMID 15117547
  30. M. D. van Die et al.: Phytotherapeutic interventions in the management of biochemically recurrent prostate cancer: a systematic review of randomised trials. In: BJU Int. 117 Suppl 4:17-34, 2016, doi:10.1111/bju.13361. Epub 22. Feb. 2016; PMID 26898239.
  31. z. B. bei Theophilus von Antiochien, Ad Autolyticum 1, 4.
  32. Jürgen Ehlers (Hrsg. und Übers.): Abū'l-Qāsem Ferdausi: Rostam - Die Legenden aus dem Šāhnāme. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2002, ISBN 3-15-050039-7, S. 365.
  33. Jacques Derrida: Glaube und Wissen - Die beiden Quellen der „Religion“ an den Grenzen der bloßen Vernunft. In: Jacques Derrida, Gianni Vattimo (Hrsg.): Die Religion. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, S. 77 und 105.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Granatapfel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Granatapfel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien