Domfelsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Panorama des freiliegenden Domfelsens bei Niedrigwasser von der Treppenanlage aus gesehen
Freiliegender Domfelsen in der Elbe, Blick stromabwärts nach Norden
Blick auf den Bereich des gefluteten Domfelsens – die Schifffahrt passiert den Domfelsen östlich
Bereich des Domfelsens 1954

Der Domfelsen ist eine Gesteinsformation in der Nähe des Magdeburger Doms, die bei Stromkilometer 325.8[1] zum Teil in den Lauf der Elbe hineinragt. Er bildet eine von drei Engstellen des Flusses im Magdeburger Stadtgebiet.[1]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Domfelsen besteht vor allem aus Sandstein, zu einem geringeren Teil auch aus Schluffstein. Das Gestein stammt aus dem Rotliegenden[2][3] und damit aus dem Unteren Perm. Das Festgesteinsvorkommen kann als Fortsetzung des Flechtinger Höhenzuges[4] und als ein Teil der Flechtingen-Roßlauer Scholle[5] gesehen werden, der im Magdeburger Stadtgebiet meist von geringmächtigen quartären Ablagerungen überdeckt ist. Der Felsen erstreckt sich von der Elbe nach Westen ansteigend unter dem Dom und dem Breiten Weg hindurch bis unter das Kulturhistorische Museum, wo er mit über 50 m über NN seinen höchsten Punkt erreicht.[6]

Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Domfelsen ist großenteils ein nur sporadisch während seines Trockenfallens von Pflanzen zu besiedelndes Habitat, bei dem sich Episoden der Primärbesiedelung durch Ruderalpflanzen gelegentlich wiederholen. Gehölze und mehrjährige krautige Pflanzen haben sich in Ufernähe angesiedelt. Die Vegetation kann sich vor allem in Mulden und Vertiefungen der Sandsteinplatte etablieren. Stromwärts finden sich Röhrichte. Typisch sind kurzlebige Zweizahn-Uferfluren und Flutrasen. Das Vorkommen verwilderter Nutzpflanzen wird auf den Eintrag von Samen aus Abwässern und Abfällen zurückgeführt,[7][8] das Auftreten von Gehölzsämlingen wird stark von der Zusammensetzung des Uferbewuchses bestimmt.[8]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von besonderer Bedeutung ist der Felsen für die Flussschifffahrt auf der Elbe und wohl auch für das Ökosystem des Flusses. Sein Sichtbarwerden zeigt Niedrigwasser und schlechte Bedingungen für die Schifffahrt an, so dass er historisch auch als Hungerfelsen bezeichnet wurde.[9]

Durch Verkürzungen des Flusslaufs seit dem 17. Jahrhundert haben sich Sohlengefälle und Fließgeschwindigkeit der Elbe erhöht, und in der Folge wurden durch rückschreitende Erosion die felsigen Bereiche im Magdeburger Stadtgebiet für die Schifffahrt hinderlicher.[10] Der bei Niedrigwasser am Westufer unterhalb des Doms deutlich aus dem Wasser herausragende Felsen beeinflusst die örtlichen Strömungsverhältnisse. Die Strömungsgeschwindigkeit der Elbe ist hier aufgrund der Einengung deutlich erhöht.[11] Die Fahrrinnenbreite beträgt hier statt der sonst geforderten 50 m nur 35 m.[12] Schiffe können auch bei höheren Wasserständen nur dicht am östlichen Ufer passieren. Für die Berufsschifffahrt ist das Begegnen an dieser Stelle nicht erlaubt, die Verkehrsregelung erfolgt durch eine vom Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg aus gesteuerte Wahrschau, die sich stromaufwärts linksseitig an der Sternbrücke und stromabwärts auf dem Magdeburger Werder an der Einfahrt zur Zollelbe befindet.[1] Schwach motorisierte Frachtschiffe werden in diesem Bereich beim Stromauffahren durch Schlepper unterstützt.

Geschichtlich hat der Felsen Bedeutung, da vermutet wird, dass sich in seiner Nähe eine Furt durch die Elbe gebildet hatte, die letztlich die Ursache zur Ansiedlung der Stadt Magdeburg an ihrem heutigen Standort gewesen sein könnte.[13] Der felsige Untergrund an dieser Stelle begünstigte den Bau eines karolingischen Grenzkastells.[14] Die Vermutung, dass auch der Magdeburger Dom auf dem Felsen errichtet wurde, hat sich bestätigt. Die Fundamente der Kirche berühren den Domfelsen aber nicht, weil mehrere Meter dicke Schichten Grünsand, welcher wiederum mit anderen Sedimenten überdeckt ist, auf den Felsen liegen und der Dom auf diesen Ablagerungen ruht.[6]

Der Domfelsen ist bei Niedrigwasser vom Westufer aus betretbar. Eine im Sommer 2007 errichtete breite Treppenanlage verbessert die Zugangsmöglichkeit zum Felsen erheblich. Landseitig erheben sich die Reste des südlichen Eisenbahnfestungstores über den Domfelsen.

Pläne zur Beseitigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitens der für die Schifffahrt zuständigen Behörden gab es immer wieder Vorstöße, den Felsen aus dem Fluss zu entfernen oder zu verkleinern, um so die Bedingungen für die Schifffahrt zu verbessern.[15][16][17] Eine Bürgerinitiative Pro Elbe[18] wendet sich gegen solche Bestrebungen, von denen nach dem Hochwasser 2002 vorerst wieder Abstand genommen worden war.[17] Neben befürchteten Einflüssen auf die Wasserstände in den Elbauen,[19] insbesondere flussaufwärts, kritisieren die Gegner einer Beseitigung des Felsens dies als Einstieg in den ökologisch umstrittenen und bisher nicht beschlossenen Ausbau der Saale.

Befürchtungen, dass Arbeiten am Domfelsen die Standsicherheit des Magdeburger Doms beeinträchtigen könnten, haben sich bei vergangenen Arbeiten nicht bestätigt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse von Bohrungen im Bereich des Magdeburger Doms

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Domfelsen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sportbootführerschein Magdeburg. Archiviert vom Original am 2. März 2016. Abgerufen am 2. März 2016.
  2. Olaf Hartmann: Der Domfelsen – Gestein des Rotliegend und Schifffahrtserschwernis. Archiviert vom Original am 4. März 2016. Abgerufen am 2. März 2016.
  3. D. Neumann, G. Schönberg, G. Strobel: 3D-modeling of ground conditions for the engineering geology map of the city of Magdeburg. In: The Geological Society of London (Hrsg.): Proceedings of the 10th IAEG International Congress. 2006.
  4. Felsiger Gruß aus Flechtingen. Volksstimme vom 15. Februar 2015, abgerufen am 17. Dezember 2015
  5. Ulrich Saucke, Jochen Rommel, Josef Brauns: Die Geologie der Elbe. In: Schriftliche Beiträge zur Fachtagung "Morphodynamik der Elbe" (Tagungsband). 1999, S. 50. Abgerufen am 29. Februar 2016.
  6. a b Günter Schönberg: Steht der Magdeburger Dom auf dem Domfelsen?. In: Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften. 38, 2016, S. 15–28.
  7. Dietmar Brandes: Flora und Vegetation des Domfelsens in Magdeburg. TU Braunschweig, 2003.
  8. a b Dietmar Brandes: Die Pionierflora des Magdeburger Domfelsens im Jahr 2008. TU Braunschweig, 2008,.
  9. Richard Deiss: Der Magdeburger Dom und der Hungerfelsen. In: So weit die Flüsse tragen 2011.
  10. Manfred Simon: Untersuchungen zu anthropogenen Beeinträchtigungen der Wasserstände am Pegel Magdeburg-Strombrücke. In: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Hrsg.): PIK Report. Nr. 118, 2010, ISSN 1436-0179, S. 22.
  11. WasserKulturLandschaft Elbe. Spuren und Zeugnisse des Wassers. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, , S. 53.
  12. Ulrich Petschow: Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale: Strombaumaßnahmen in der Diskussion. Institut für ökologische Wirtschaftsführung, 2009, S. 8.
  13. Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg Magdeburger Verkehrsanlagen In: Gutachten des Stadtplanungsamtes Nr. 82, 2001, S. 18–21.
  14. Willkommen auf der Strasse der Romanik (Magdeburg). Straße der Romanik. Abgerufen am 2. März 2016.
  15. Ausbau Mittelelbe. Hamburg für die Elbe. Abgerufen am 2. März 2016.
  16. Julia Thies: Regionales Flussmanagement: das Elbe-Einzugsgebiet. Geographisches Institut der Universität Kiel, , S. 3.
  17. a b Horst Wolfgang Nienke: Hafenschleuse Magdeburg. Abgerufen am 2. März 2016.
  18. ProElbe. Abgerufen am 2. März 2016.
  19. T. Grischek, A. Foley, D. Schoenheinz, B. Gutt: Effects of Interaction between Surface Water and Groundwater on Groundwater Flow and Quality Beneath Urban Areas. In: Ken W. F. Howard, Rauf G. Israfilov (Hrsg.): Current Problems of Hydrogeology in Urban Areas, Urban Agglomerates and Industrial Centres. Springer, 2002, ISBN 978-1-4020-0601-2.

Koordinaten: 52° 7′ 21,5″ N, 11° 38′ 12″ O