Kulturhistorisches Museum Magdeburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Kulturhistorisches-Museum-Magdeburg.JPG
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Daten
Ort Magdeburg Welt-IconKoordinaten: 52° 7′ 32″ N, 11° 37′ 46,1″ O
Eröffnung 1906
Website
ISIL DE-MUS-808017

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg (KHM) ist ein Museum in Magdeburg, welches 1906 ursprünglich als kunsthistorisch orientiertes Kaiser-Friedrich Museum gegründet wurde. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich das Museum in Dauer- und Sonderausstellungen mit der Geschichte der Stadt. Außerdem werden kunsthistorische Stücke präsentiert. Im gleichen Gebäude befindet sich auch das Museum für Naturkunde Magdeburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach verschiedenen Vorgänger-Institutionen wurde das Kulturhistorische Museum Magdeburg am 17. Dezember 1906 als Kaiser-Friedrich-Museum eröffnet. Erster Direktor des Museums war der Kunsthistoriker Theodor Volbehr. Nach zahlreichen privaten Gaben und Ankäufen aus Europa waren die Nationalsozialisten ab 1933 bemüht, unliebsame Objekte zu entfernen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museumsgebäude stark zerstört. Außerdem ging ein umfangreicher Teil der ausgelagerten Sammlungen, darunter das berühmte Gemälde von Vincent van Gogh Der Maler auf dem Weg nach Tarascon, verloren.[1] Anschließend wurde das Gebäude zum großen Teil wieder aufgebaut, umfangreich restauriert und die Sammlungen erweitert. Zusätzlich zog das Museum für Naturkunde in das Gebäude des ehemaligen Kaiser-Friedrich-Museums.

Zu den Höhepunkten der Ausstellungen im Kulturhistorischen Museum gehörten ab den 1990er Jahren die Europaratsausstellungen Otto der Große – Magdeburg und Europa (2001) und Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (2006). Weitere bedeutende Ausstellungen der jüngeren Zeit waren Magdeburg 1200 – Mittelalterliche Metropole, Preußische Festung, Landeshauptstadt (2005), Aufbruch in die Gotik (2009), Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter (2012), Gegen Kaiser und Papst - Magdeburg und die Reformation (2018), Reformstadt der Moderne - Magdeburg in den Zwanzigern (2019), Faszination Stadt - Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht (2019).[2]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumsgebäude im ursprünglichen Zustand

Das Museumsgebäude befindet sich in der Otto-von-Guericke-Straße 68–73, nur wenige Meter vom Magdeburger Dom entfernt. Es wurde von 1901 bis 1906 als städtisches Museum für Kunst und Kunstgewerbe gebaut und erhielt den Namen Kaiser-Friedrich-Museum. Der ausgeführte Entwurf war indirekt aus einem 1897 durchgeführten Architektenwettbewerb hervorgegangen und stammte von den Wiener Architekten Friedrich Ohmann und August Kirstein.[3] Es entstand im agglomerierten Bautypus.

Kaiser-Otto-Saal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk umfasst neben den Stilräumen den Großen Saal. Dieser wurde in Anlehnung an die Gebäude des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg in Form eines Kirchenraums mit Krypta geschaffen und war ursprünglich als Saal der Magdeburger Altertümer betitelt.[4] Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und den anschließenden Renovierungen wurde der Charakter des Raumes erheblich verändert, indem unter anderem eine Zwischendecke eingesetzt wurde. Erst nach der Wende und im Rahmen der ersten Otto-der-Große-Ausstellung konnten ab 1997 umfangreiche Sanierungen stattfinden. 2001 wurde der Raum wiedereröffnet und in Kaiser-Otto-Saal umbenannt. Heutzutage wird er vor allem als Vortrags-, Versammlungs- und Ausstellungsraum genutzt.[5]

Im Kaiser-Otto-Saal werden seit Ende der 2010er Jahre die Originalstatue des Magdeburger Reiters sowie eine barocke Weihnachtskrippe ausgestellt. Das dreiteilige Wandgemälde Szenen aus dem Leben Ottos des Großen von Arthur Kampf 1905/06 illustriert den Saal.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulturhistorische Museum beschäftigt 27 Mitarbeiter. Geleitet wird es von Gabriele Köster. Das Museum betreibt einen Museumsshop. Eine Besonderheit des Angebotes stellt der Magdeburger Reiter von Playmobil dar, mit dem der Spielzeughersteller das erste Mal ein Kunstwerk nachbaute und damit auch für eine Stadt wirbt.

Im Innenhof des Museums befindet sich seit 1995 von Frühling bis Herbst die Megedeborch. Das Projekt ist ein historisches Schauspiel, bei welchem Schüler*innen das mittelalterliche Magdeburg in einer nachgebauten Kulisse selbst erleben können. Hierfür schlüpfen sie in die Rolle verschiedener Berufsgruppen, üben die Handwerke aus und bevölkern so die Stadt.[6]

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Original des Magdeburger Reiters
  • Archäologie: 400.000 Funde aus der Region Magdeburg und dem nördlichen Sachsen-Anhalt sowie Frankreich, der Rhein-Mosel-Region, aus Ungarn, Mähren und Italien aus 200.000 Jahren Menschheitsgeschichte, u. a. Faustkeil von Hundisburg (Alter: 200.000 Jahre)
  • Mittelalter: Objekte aus der Region Magdeburg, u. a. Pilgerzeichen mit den Heiligen Drei Königen, Magdeburger Schöffensprüche, Löwen-Aquamanile.
  • Stadtgeschichte: 10.000 Objekte aus Magdeburg, die nicht in eine der anderen Ausstellungen passen, u. a. Lumpenpuppe, Abstammungsbescheid, Judenstern (Davidstern), Pokal (Deutsche Theaterausstellung 1927).
  • Münzen, Medaillen: 11.000 Münzen, 2.400 Medaillen, u. a. Otto-von-Guericke-Plakette, Eineinviertel Schautaler (1692), Bronzemedaille der Weltausstellung in Chicago 1893, Moritzpfennig (2. Hälfte 12. Jahrhundert), Goldabschlag auf die Gründung der Stadt Magdeburg (1599).
  • Militaria: 1.400 Objekte, darunter Hellebarde (2. Hälfte 16. Jahrhundert), Handgranate (17. Jahrhundert), Schwere Wallbüchse (um 1600), Festungskanone (Mitte 17. Jahrhundert), Sturmhaube (Ende 16. Jahrhundert).
  • Möbel: 800 Objekte
  • Gemälde: 1.100 Objekte, u. a. Der Kyffhäuser, Das Welken, Magdeburger Dom mit Trümmern.
  • Grafik: 4.500 Handzeichnungen, 30.000 Druckgraphiken, 10.000 Exlibris
  • Kunsthandwerk: 5.000 Objekte
  • Textilien: 1.250 Objekte
  • Schulgeschichte: Größtenteils Objekte der DDR-Schulen, u. a. Riesenkaleidoskop (um 1900), Schaukasten Synthetische Treibstoffe, Rollbild (1930er Jahre)
  • Bibliothek: 58.000 Objekte für wissenschaftliche Arbeit sowie zeitweise Ausstellung. Ansonsten nur mit Ausnahmegenehmigung einsehbar; u. a. Der Stadt Magdeburg Gerichtsordnung (1625), Streitschrift gegen die Wiedereinführung der Heiligen Messe durch das Interim und gegen den protestantischen Theologen Agricola (1549), Die zweite Verteidigungsschrift des Magdeburger Rates wegen der Absetzung und Ausweisung Tilemann Heßhusens (1563)

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magdeburg – Die Geschichte einer Stadt[7]
  • Kunstverführung – Die historischen Kunstsammlungen.[8]
  • Der Magdeburger Reiter[9]
  • Dauerausstellung Schulgeschichte[10]
  • Fayence- und Steingutmanufaktur Guischard[11]
  • Barockkrippe[12]

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1992/1993: Erzbischof Wichmann (1152–1192)
  • 1995: Dann färbte sich der Himmel blutrot… – Ausstellung zur Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945
  • 1996: Hanse – Städte – Bünde – Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500
  • 1998/1999: …gantz verheeret! – Magdeburg und der Dreißigjährige Krieg
  • 2001: Otto der Große – Magdeburg und Europa (27. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt)
  • 2002/2003: Otto von Guericke – Die Welt im leeren Raum
  • 2003: Andreas Kuhnlein: Macht und Vergänglichkeit: Otto der Große und seine Zeit – Holzskulpturen
  • 2003: Picasso Lebensfreude – Lithographie und Keramik
  • 2003: Carl Hasenpflug (1802–1858) – Wahrheit und Vision
  • 2003/2004: Hundertwasser-Architekturausstellung Gehasst – Gebaut – Geliebt
  • 2004: Das germanische Fürstengrab von Gommern; Gold für die Ewigkeit
  • 2005: Magdeburg 1200 – Mittelalterliche Metropole, Preußische Festung, Landeshauptstadt. Die Geschichte der Stadt von 805 bis 2005
  • 2006: Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (29. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt zusammen mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin)
  • 2007: 30 Jahre Playmobil – Entdecke die Welt (Eine Wanderausstellung des Historischen Museums der Pfalz Speyers)
  • 2008: Unerwünscht. Verfolgt. Ermordet. Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933–1945.[13]
  • 2009: Landesausstellung Sachsen-Anhalt: Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit
  • 2012: Otto der Große und das Römische Reich. Landesausstellung Sachsen-Anhalt
  • 2015: Cracovia 3DKrakau - eine Stadt des Magdeburger Rechts
  • 2018: Gegen Kaiser und Papst - Magdeburg und die Reformation
  • 2019: Reformstadt der Moderne - Magdeburg in den Zwanzigern
  • 2019: Faszination Stadt - Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht[14]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karin Grünwald, Karlheinz Kärgling, Steffen Lemme, Carola Lipaczewski, Wolfgang Winkelmann (Red.): Unerwünscht. Verfolgt. Ermordet. Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933–1945. Reihe Magdeburger Museumsschriften, Nr. 11. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg vom 28. Januar bis 3. August 2008. Magdeburger Museen, Magdeburg 2008, ISBN 3-930030-93-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Logika GmbH: Kulturhistorisches Museum Magdeburg. (= Edition Logika. Band 14). Logika GmbH, München 2011, DNB 1067505032.
  • Friedrich Ohmann, August Kirstein: Museum für Kunst und Gewerbe in Magdeburg. In: Der Architekt, 7. Jahrgang 1901, S. 37–39 (Digitalisat).
  • Matthias Puhle (Hrsg.): 100 Jahre Kulturhistorisches Museum Magdeburg 1906–2006. (= Magdeburger Museumsschriften. Nr. 9). Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Magdeburg 2006, ISBN 978-3-930030-85-9.
  • Matthias Puhle (Hrsg.): Der Kaiser-Otto-Saal – "... ein Raum zur Hebung des stadtgeschichtlichen Interesses" im Kulturhistorischen Museum. (= Magdeburger Museen. Band 15). Magdeburger Museen, Magdeburg 2001, DNB 963124749.
  • Otto Peters: Das Kaiser Friedrich-Museum in Magdeburg. In: Deutsche Bauzeitung. 41. Jahrgang, Nr. 53 (vom 3. Juli 1907), S. 369–373 / Nr. 57 (vom 17. Juli 1907), S. 397–402 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kulturhistorisches Museum Magdeburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tobias von Elsner: Das verschollene Museum im Salzbergwerk Neustaßfurt, in: Puhle, Matthias (Hrsg.): 100 Jahre Kulturhistorisches Museum Magdeburg, S. 157 ff.
  2. Ausstellungen – Rückblick.
  3. Das Städtische Museum Magdeburg in: Deutsche Bauzeitung, 1899, Heft 96.
  4. Schöne, Dorothea: Das Museum als Gesamtkunstwerk, in: Puhle, Matthias (Hrsg.): 100 Jahre Kulturhistorisches Museum Magdeburg, S. 71 ff.
  5. Puhle, Matthias (Hrsg.): Der Kaiser-Otto-Saal (=Magdeburger Museumshefte, Bd. 15), S. 9–10
  6. Bildung und Vermittlung im Museum – Megedeburch.
  7. Magdeburg – Die Geschichte einer Stadt. In: KHM-Magdeburg.de. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  8. Kunstverführung – Die historischen Kunstsammlungen. In: KHM-Magdeburg.de. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  9. Der Magdeburger Reiter. In: KHM-Magdeburg.de. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  10. Dauerausstellung Schulgeschichte. In: KHM-Magdeburg.de. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  11. Fayence- und Steingutmanufaktur Guischard. In: KHM-Magdeburg.de. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  12. Barockkrippe. In: KHM-Magdeburg.de. Abgerufen am 18. Februar 2020.
  13. Karin Grünwald, Karlheinz Kärgling, Steffen Lemme, Carola Lipaczewski, Wolfgang Winkelmann (Red.): Unerwünscht. Verfolgt. Ermordet ... Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung. Magdeburg 2008, ISBN 3-930030-93-4.
  14. Köster, Gabriele; Link, Christina (Hrsg.): Faszination Stadt. Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht, ISBN 978-3-95498-453-4.