Dreihasenbild

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Dreihasenbild im Kirchhof von St. Peter und Paul in Kirchhundem

Das Dreihasenbild stellt drei springende Hasen dar, die drehsymmetrisch im 120-Grad-Winkel abgebildet sind. Jeder Hase teilt sich seine beiden Ohren mit dem linken und rechten Nachbarn, so dass insgesamt nur drei in Dreiecksform angeordnete Ohren zu sehen sind. Früheste Funde des Motivs stammen aus dem China des 6. oder 7. Jahrhunderts. Das Motiv verbreitete sich über die Seidenstraße nach Europa und wurde im christlichen Kontext als Symbol der Dreieinigkeit Gottes (Trinität) aufgefasst.

Ursprung und christliche Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dreihasenbild taucht zuerst in Motiven der chinesischen Sui-Dynastie (581–618) auf.[1] Über die Seidenstraße verbreitete es sich bis ins mittelalterliche Europa. Gehäuft kommt es in Südengland und Norddeutschland vor, meist an kirchlichen Gebäuden. Die Kirchliche Verwendung lässt viele Kunsthistoriker auf eine Deutung als verstecktes Symbol für die göttliche Dreieinigkeit schließen, die selbst nicht bildlich dargestellt werden darf.

Wappen von Bischof Paul-Werner Scheele aus dem Jahre 1975

Ein Beispiel des Dreihasenbildes befindet sich als Fenstermaßwerk (bekannt als „Dreihasenfenster“) im Kreuzgang des Paderborner Doms. Das Dreihasenbild findet sich auch im Haslocher und im Haseder Wappen, ebenso als Schlussstein in der Peter- und Paulskirche in Wissembourg im Elsass. In der Schweiz ist eine solche Darstellung im Chorbogen der Kirche Lauperswil zu sehen.[2]

Neuzeitliche Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich wird das Dreihasenbild auch an profanen Gebäuden verwendet, wie beispielsweise – auch als Namensgeber – beim Hotel-Restaurant Drei Hasen in Michelstadt. Die Geschichte dieses Gasthauses und seines Namens reicht zurück in das Jahr 1685.

Als der Paderborner Theologieprofessor und Dompropst Paul-Werner Scheele im Jahre 1975 zum Paderborner Weihbischof ernannt wurde, nahm er das Dreihasen-Symbol in sein Bischofswappen auf, um an die von einigen Theologen und Kunsthistorikern vertretene Deutung als Trinitätssymbol anzuknüpfen. Als er 1979 zum Bischof von Würzburg berufen wurde, wechselte das Wappen mit ihm an den Main.

Das Dreihasenbild wurde auch von verschiedenen Künstlern aufgegriffen, variiert oder neu interpretiert. Der Maler und Grafiker Hans Thoma beispielsweise gestaltete einen Dreihasenteller. Die 1921 entworfene Keramikschale wurde bis Ende der 1920er Jahre und später in mehreren Neuauflagen von der Karlsruher Majolika-Manufaktur produziert.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Ueckermann: Das Hasensymbol am Dom zu Paderborn, im Kloster Hardehausen, in der Kathedralkirche St. Paulus in Münster und der Klosterkirche Haina. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft. Band 41, 1995, S. 285–291.
  • Anna Filigenzi: Die drei Hasen. In: Susan Whitfield (Hrsg.): Die Seidenstraße. Landschaften und Geschichte. Darmstadt 2019, S. 146.
  • Wolfgang Stüken: Warum Paderborns „Drei Hasen“ 2020 ein großes Jubiläum feiern könnten. In: Die Warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 185, Ostern 2020 (Erster Teil einer Drei-Hasen-Trilogie), S. 27–32.
  • Wolfgang Stüken: Botschaft aus Verbundenheit, Gemeinschaft und Bewegung. Teil 2 der Drei-Hasen-Trilogie: Das Paderborn-Symbol als Markenzeichen. In: Die Warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 186, Sommer 2020, S. 34–37.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wei Zhang: The three hares. Abgerufen am 6. März 2022.
  2. Hans Minder: Gemeinde Lauperswil. Minder, Lauperswil, 2002.
  3. Wolfgang Stüken: Ein „Drei-Hasen-Teller“ feiert 100. Geburtstag, in: Die Brücke, Paderborner Zeitung von Älteren für Ältere, hg. von der Seniorenredaktion bei der Volkshochschule Paderborn, Nr. 150, Heft II/2021, S. 11f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Drei Hasen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien