Dreihasenbild

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Dreihasenbild im Kirchhof von St. Peter und Paul in Kirchhundem

Das Dreihasenbild stellt drei springende Hasen dar, die in Kreisform angeordnet sind. Eine Beschreibung dieses Symbols findet sich auch in dem Vers: „Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei“. Dabei sind drei Hasen so angeordnet, dass zwar jeder Hase zwei Ohren hat, auf dem Motiv aber insgesamt nur drei Ohren dargestellt sind.

Das Dreihasenbild taucht an verschiedenen Orten und in den unterschiedlichsten Kulturen der Welt auf. Seine ursprüngliche Bedeutung ist nicht klar. Es wird häufig als ein Archetypus angesehen. Eine ähnliche Form der Figurvereinigung, allerdings mit drei menschlichen Köpfen, stellt der Tricephalus[1], Triceps oder Triphons dar. Allgemein spricht man bei derartigen dreigliedrig-symmetrischen Figuren von Triskelen.

Einige frühe bemalte Ostereier zeigen das Dreihasenbild, was vermuten lässt, es könnte ein Symbol für die Dreifaltigkeit sein. Die Verbindung von Osterei und Hasenbild führte in der Folge zur Entwicklung der Figur des Osterhasen. Der Hase gilt auch als Symbol für Fruchtbarkeit.

Wappen von Bischof Paul-Werner Scheele aus dem Jahre 1975

Ein Beispiel des Dreihasenbildes befindet sich als Fenstermaßwerk (bekannt als „Dreihasenfenster“) im Kreuzgang des Paderborner Doms. In der Paderborner Altstadt sind eine Reihe von Kanaldeckeln des städtischen Entwässerungsbetriebes mit dem Symbol zu finden.[2] Das Dreihasenbild findet sich auch im Haslocher und im Haseder Wappen, ebenso als Schlussstein in der Peter- und Paulskirche in Wissembourg im Elsass. In der Schweiz ist eine solche Darstellung im Chorbogen der Kirche Lauperswil zu sehen.[3] Gelegentlich wird das Dreihasenbild auch an profanen Gebäuden verwendet, wie beispielsweise – auch als Namensgeber – beim Hotel-Restaurant Drei Hasen in Michelstadt. Die Geschichte dieses Gasthauses und seines Namens reicht zurück in das Jahr 1685.

Das Dreihasenbild wurde auch von verschiedenen Künstlern aufgegriffen, variiert oder neu interpretiert. Der Maler und Grafiker Hans Thoma (1839–1924) beispielsweise gestaltete einen Dreihasenteller.

Als der Paderborner Theologieprofessor und Dompropst Paul-Werner Scheele (1928–2019) im Jahre 1975 zum Paderborner Weihbischof ernannt wurde, nahm er das Dreihasen-Symbol in sein Bischofswappen auf, um auf diese Weise die von einigen katholischen Theologen und Kunsthistorikern seit vielen Jahrzehnten vertretene These, es handele sich bei dem Hasen-Trio um ein Sinnbild göttlicher Dreifaltigkeit (Trinität) zu untermauern. Als er 1979 zum Bischof von Würzburg berufen wurde, wechselte das Wappen mit ihm an den Main. Die Deutung der drei Hasen als Dreifaltigkeitssymbol verblasste in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr. Die Sicht auf ein Motiv, das seit dem 6. Jahrhundert (buddhistische Höhlenmalerei bei Dunhuang in China) durch mehrere Erdteile, Weltreligionen und Kulturkreise gewandert ist, gewann dagegen immer mehr Raum. Da verlegte sich der mittlerweile intensiv in der Ökumene vernetzte Scheele darauf, seine langohrigen Wappentiere eher durch eine humorvolle Brille zu betrachten. Er widmete den Hasen das Gedicht „Viribus Auribusque Unitis“ (Mit vereinten Kräften und Ohren):

„Jedweder Hase hat zwei Ohren. / Und hier ging jedem eins verloren. / Das Soll ist sechs, das Ist nur drei. / Und Schein und Sein sind zweierlei. / Was führt der Steinmetz wohl im Schilde? / Welch ein Gedanke liegt im Bilde? / Die Ohren sitzen an der Stirne, / Gehörtes fließt in drei Gehirne. / Drittselbst wird hier somit bedacht, / was Sorgen oder Freude macht. / Vereint geht manches leichter eben / im Hasen- wie im Menschenleben. / Und überdies ist, was ihr seht, / ‚ne Spielart von der Trinität.“[4] Für die Ausstellung „Osterbräuche“ im Kultur- und Kommunikationszentrum Dettelbach unweit von Würzburg stellte der dichtende Alt-Bischof 2011 als Schirmherr einen selbst gemalten Drei-Hasen-Teller als Leihgabe zur Verfügung.[5]

Zu den theologischen und kunsthistorischen Verfechtern der im Paderborner Hasenfenster kreisenden Fabeltiere als Trinitätssymbol zählte in den 1920er Jahren der aus Brakel (Kreis Höxter) stammende westfälische Franziskanerpater Beda Kleinschmidt (1867–1932). Er war im Paderborner Land auch als der „Eggepater“ bekannt. In einem heiteren, während der „Schonzeit“ für Hasen verfassten Bericht über die Paderborner „Domtauben“ und „Domhasen“ vom 27. Januar 1926 im Westfälischen Volksblatt (Paderborn), in dem es einmal nicht um „sein“ Thema Dreifaltigkeit ging, veröffentlichte Kleinschmidt eine 1916 entstandene „Ode, gesungen auf unser Hasenfenster“, die der aus Geseke stammende Landesökonomierat Joseph Freusberg (1847–1926) verfasst hatte:

„Drei Hasen zeigt das Steingebild. / Sie laufen rasch, sie springen wild. / Die Löffel recken sie recht hoch. / Ein jeder Has hat zwei. Jedoch / Suchst du der Löffel volle Zahl, / so findest du trotz Müh‘ und Qual, / statt sechs nur drei. / Und doch trägt jeder Hase zwei. / Nun schau, welch Schalk der Künstler war, / der jedem gab ein Löffelpaar. / Ja weißt du erst, wie er’s erdacht, / dann hat er dir schon Freud gemacht.“[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Ueckermann: Das Hasensymbol am Dom zu Paderborn, im Kloster Hardehausen, in der Kathedralkirche St. Paulus in Münster und der Klosterkirche Haina. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft 41(1995), S. 285–291.
  • Anna Filigenzi: Die drei Hasen. In: Susan Whitfield (Hrsg.), Die Seidenstraße. Landschaften und Geschichte. Darmstadt 2019, S. 146.
  • Wolfgang Stüken: Warum Paderborns Drei Hasen 2020 ein großes Jubiläum feiern könnten. In: Die Warte, Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 185/Ostern 2020 (Erster Teil einer Drei-Hasen-Trilogie), S. 27–32.
  • Wolfgang Stüken: „Botschaft aus Verbundenheit, Gemeinschaft und Bewegung“. Teil 2 der Drei-Hasen-Trilogie: Das Paderborn-Symbol als Markenzeichen. In: Die Warte, Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 186/Sommer 2020, S. 34–37.
  • Wolfgang Stüken: Da musste Wilhelm Geißler nicht lange überlegen. Teil 3 der Drei-Hasen-Trilogie: Das Paderborn-Wahrzeichen und die Kunst. In: Die Warte, Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 188/Weihnachten 2020, S. 34–37.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. z. B. Kopf von Corleck
  2. 1. Deckel, 2. Deckel, abgerufen am 14. November 2016.
  3. Hans Minder: Gemeinde Lauperswil. Minder, Lauperswil, 2002.
  4. Karl Hillenbrand, Bernd Schweßinger (Hgg.): Friede und Freude – Unterwegs mit Bischof Paul-Werner Scheele, 2. Auflage, Würzburg 2003, S. 115.
  5. Der Bischof und sein Hasen-Teller, in: Main-Post Würzburg vom 13. März 2011. https://www.mainpost.de/regional/kitzingen/der-bischof-und-sein-hasen-teller-art-6095156
  6. P. Beda Kleinschmidt: Nach den Domtauben wieder die Domhasen. Die Hasen in der Dichtung, in: Westfälisches Volksblatt vom 27. Januar 1926/Zweites Blatt; Scan der Ausgabe vom 27. Januar 1926 auf zeitpunkt.nrw.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Drei Hasen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien