Dreros

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Dreros

Dreros (griechisch Δρῆρος) war eine antike Stadt auf Kreta. Sie liegt östlich vom modernen Neapoli.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreros liegt im Norden der Insel nahe der Ebene von Mirabello auf zwei Hügeln am Abhang des Kadiston. Es gibt keine Reste aus minoischer Zeit. Die Stadt erlebte vor allem in geometrischer und archaischer Zeit ihre Blüte und wird in verschiedenen Inschriften genannt, aus denen hervorgeht, dass sie permanent mit Nachbarstädten Krieg führte. Bei antiken Autoren erscheint sie dagegen so gut wie gar nicht. Im 3. Jahrhundert v. Chr. war sie mit Knossos verbündet. Im zweiten Jahrhundert v. Chr. verlor sie wahrscheinlich ihre Eigenständigkeit und gehörte zu Knossos oder Lyttos. In hellenistischer Zeit prägte Dreros eigene Münzen. Der Ort war auch noch unter den Römern und den Byzantinern bewohnt. Die Hauptgottheiten waren Apollo Delphinios and Athene Polioucho.

Westseite der Agora

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reste der Zisterne

Die Stadt ist zum großen Teil ausgegraben. Das Zentrum lag zwischen den beiden Hügeln. Hier befand sich die relativ große Agora (etwa 40 × 20 Meter). Oberhalb der Agora, im Südwesten, stand ein Tempel, in dem Apollo verehrt wurde und bei dem es sich um einen der frühesten erhaltenen griechischen Tempel überhaupt handelt. Hier fanden sich auch drei Bronzestatuen mit einem einstigen Holzkern, die vielleicht Apollo, Artemis und Leto darstellen. Sie datieren um 650 bis 640 v. Chr. Der eigentliche Tempel ist wahrscheinlich um 775 v. Chr. erbaut worden. Die Cella ist etwa 10,90 × 7,20 Meter groß (Außenmaße).[1] Unterhalb des Tempels wurde im späten dritten Jahrhundert eine große Zisterne (3,50 × 5,50 m und etwa 8 m tief) errichtet. Es fanden sich eine Widmungsinschrift und diverse andere, die hier wahrscheinlich vom Tempel hinuntergefallen sind. Darunter befindet sich der älteste griechische Gesetzestext. Zwei Inschriften aus der Stadt sind in eteokretischer Sprache verfasst. Es sind umfangreiche Festungsanlagen erhalten. Teile eines Friedhofes konnten ausgegraben werden.

Die Ruinen können heutzutage besucht werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geometric Art II Bilder des Tempels und der Statuen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Bürchner: Dreros. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V, 2. Stuttgart 1927, Sp. 1699 (Digitalisat [abgerufen am 18. Mai 2018]).
  • Spyridon Marinatos: Le temple géométrique de Dréros. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. Nr. 60. École française d’Athènes, 1936, ISSN 0007-4217, S. 214–285 (französisch, Digitalisat [abgerufen am 19. Mai 2018]).
  • Pierre Demargne, Henri van Effenterre: Recherches à Dréros. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. Nr. 61. École française d’Athènes, 1937, ISSN 0007-4217, S. 5–32 (französisch, Digitalisat [abgerufen am 18. Mai 2018]).
  • Henri van Effenterre: À propos du serment des Drériens. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. Nr. 61. École française d’Athènes, 1937, ISSN 0007-4217, S. 327–332 (französisch, Digitalisat [abgerufen am 18. Mai 2018]).
  • Pierre Demargne, Henri van Effenterre: Recherches à Dréros, II Les inscriptions archaïques. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. Nr. 61. École française d’Athènes, 1937, ISSN 0007-4217, S. 333–348 (französisch, Digitalisat [abgerufen am 18. Mai 2018]).
  • Pierre Demargne, Henri van Effenterre: Recherches à Dréros. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. Nr. 62. École française d’Athènes, 1938, ISSN 0007-4217, S. 194–195 (französisch, Digitalisat [abgerufen am 18. Mai 2018]).
  • Henri van Effenterre: Pierres inscrites de Dréros. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. Nr. 85. École française d’Athènes, 1961, ISSN 0007-4217, S. 544–568 (französisch, Digitalisat [abgerufen am 18. Mai 2018]).
  • Gunnar Seelentag: Der Abschluss der Ephebie im archaischen Kreta. Bemerkungen zu einer Gesetzesinschrift aus Dreros. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 168. Habelt, 2009, ISSN 0084-5388, S. 149–160, JSTOR:20756635 (online [abgerufen am 6. Dezember 2018]).
  • Gunnar Seelentag: Regeln für den Kosmos. Prominenzrollen und Institutionen im archaischen Kreta. In: Christof Schuler, Rudolf Haensch, Sophia Bönisch-Meyer (Hrsg.): Chiron. Band 39. de Gruyter, 2009, ISSN 0069-3715, S. 63–97 (online [abgerufen am 6. Dezember 2018]).
  • Malcolm Cross: The Creativity of Crete. City States and the Foundations of the Modern World, Oxford 2011, ISBN 9781904955955, S. 215.
  • Vasiliki Zographaki, Alexandre Farnoux: Dréros: Cité et sanctuaire. In: Cretan cities: formation and transformation, hg. v. Florence Gaignerot-Driessen, Jan Driessen, Louvain-La-Neuve: Presses Universitaires 2015, 103–118.
  • Gérard Genevrois: Le vocabulaire institutionnel crétois d' après les inscriptions (VIIe - IIe s. av. J.-C.). Étude philologique et dialectologique, Genf: Droz 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Archaeological site of Dreros – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • David J. Blackman: Dreros Crete. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Dominique Mulliez: Le Mirabello – Dréros. American School of Classical Studies at Athens, 22. Oktober 2010, abgerufen am 5. März 2018 (französisch).
  • École française d'Athènes: Dreros. American School of Classical Studies at Athens, 7. Mai 2014, abgerufen am 5. März 2018 (französisch).
  • Michael Blöchinger-Däumling: Die antike Stadt Driros. Naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Obertshausen-Mosbach, 5. Februar 2018; (PDF, 674,36 KB).

Koordinaten: 35° 15′ 24″ N, 25° 37′ 38″ O