Durchmesserlinie

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Als Durchmesserlinie (auch Durchgangslinie) bezeichnet man eine durch das Ortszentrum hindurch von einem Ortsteil A zu einem Ortsteil B verlaufende, durchgehende Linie des öffentlichen Personennahverkehrs. Es kann sich dabei um Schienenverkehr (Regional-, S-, U-, Straßenbahn-, Stadtbahnlinien) oder Bus-, Oberleitungsbus-Linien handeln. Da der nicht an bestimmte Schienenwege gebundene Busverkehr mehr Handlungsfreiheiten zulässt, gibt es in diesem Bereich eine größere Modellvielfalt der Liniennetze (beispielsweise sternförmige Stadtnetze, Linienäste mit einer Ringbedienung an Endpunkten etc.).

Merkmale[Bearbeiten]

Mit Durchmesserlinien lassen sich gegenüber Linien mit Endziel im Ortszentrum zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für den öffentlichen Verkehr schaffen. Wenn bei einer Fahrt von A nach B an einer zentralen Haltestelle im Ortszentrum umgestiegen werden muss, werden zentrumsnahe Fahrten über den Umsteigepunkt hinaus schwer und zeitaufwendig. Ein Umsteigen bedeutet stets neu Orientierung suchen (beispielsweise die richtige Abfahrtshaltestelle), zusätzlichen Aufwand und Beschwernisse (besonders für Fahrgäste mit Gepäck oder Kinderwagen, ältere Menschen, Behinderte), Angst vor Anschlussverlust durch Verspätungen und Zeitverlust von mindestens fünf Minuten. Eine durchgehende Linie bietet problemlose Fahrten auch ab einem Startpunkt wenige Haltestellen vor einer zentralen Haltestelle zu einer anderen nahe gelegenen Haltestelle im Ortszentrum.

Besondere Ortssituationen, etwa ein Bahnhof außerhalb des Ortszentrums, machen durchgehende Linien sogar zu einer unbedingten Notwendigkeit, weil sonst ein Großteil der Bahnfahrgäste im Ortsbusverkehr noch einmal zusätzlich umsteigen müsste und dadurch die Attraktivität des Angebots erheblich beeinträchtigt würde. Ähnliche Situationen sind auch bei zentrumsfernen Einkaufszentren, ärztlichen Versorgungseinrichtungen u. Ä. gegeben.

In Tarifsystemen mit Kurzstreckentarifen ohne Umsteigeberechtigung zu anderen Verkehrslinien ermöglichen durchgehende Linien ebenfalls zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten: Der preiswertere Tarif gilt dann über den zentralen Verknüpfungspunkt hinaus.

Durchgehende Linien brauchen im Ortszentrum, wo Platz teuer und oft Mangelware ist, keine Stell- und Wendeplätze. Ein neuerdings als Nachteil angesehener Punkt, in je zwei Richtungen gleiche Liniennummern, lässt sich durch Zusammenlegungen von Linienästen lösen. Der Stadtbus in Rheine bietet hierfür ein gutes Beispiel: ein sternförmiges Liniennetz mit getrennten Linienbezeichnungen für alle Äste, wobei jeweils zwei Linien durchgehend zusammengefasst sind (auch in den Liniennetz- und Fahrplänen ersichtlich).

Auch im Zuge des im Zuge von Stuttgart 21 im Bau befindlichen Durchgangsbahnhofs am Hauptbahnhof Stuttgart sollen bisher im Bahnhof beginnende und endende Linien durchgebunden werden.

Siehe auch[Bearbeiten]