ERSTE Stiftung

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ERSTE Stiftung
Logo der Stiftung
Rechtsform: österreichische Sparkassen-Privatstiftung
Zweck: gemeinnützig tätig
Vorsitz: Bernhard Spalt (Vorstandsvorsitzender); Richard Wolf (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender); Boris Marte, Franz Portisch
Bestehen: seit 2003
Stifter: hervorgegangen aus der Ersten österreichischen Spar-Casse
Stiftungskapital: Hauptaktionär der Erste Group
Mitarbeiterzahl: circa 20
Sitz: Wien
Website: www.erstestiftung.org

DIE ERSTE österreichische Spar-Casse Privatstiftung (kurz: ERSTE Stiftung) ist die größte Sparkassen-Privatstiftung Österreichs. Sie ist im Jahr 2003 aus der Erste Österreichische Spar-Casse Anteilsverwaltungssparkasse hervorgegangen, die wiederum der direkte Rechtsnachfolger der Ersten österreichischen Sparkasse von 1819 war. Als Sparkassen-Privatstiftung ist sie zu gemeinnützigem Handeln verpflichtet und hat zugleich eine besondere Rolle als Hauptaktionär der Erste Group. Mit den Erträgen ihres Aktienbesitzes investiert sie in die gesellschaftliche Entwicklung in Österreich und Zentral- und Südosteuropa.

Zweck und Ziele der Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung ist in Zentral- und Südosteuropa aktiv. Gemäß dem gemeinnützigen Sparkassengedanken unterstützt sie soziale Teilhabe und zivilgesellschaftliches Engagement, sie fördert die Begegnung der Menschen und das Wissen um die jüngere Vergangenheit einer Region, die sich seit 1989 erneut im Umbruch befindet. Als operative Stiftung entwickelt sie eigenständig und grenzüberschreitend Projekte in den drei Programmen Soziales, Kultur und Europa.

Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung setzt sich für gerechte Gesellschaften ein, in denen niemand ausgeschlossen bleibt. Sie verfolgt dazu zwei einander ergänzende Strategien der sozialen Intervention. Zum einen sollen Einzelne ebenso wie Gruppen, die am Rande der Gesellschaft leben, besser integriert werden. Zum anderen wird sozialer Wandel wissenschaftlich erforscht. Die Aktivitäten der Stiftung sollen Menschen, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben, zu neue Perspektiven verhelfen, und ihnen insbesondere mehr Bildung und Teilhabe ermöglichen. Initiativen, die in diese Richtung arbeiten, soll zu mehr Sichtbarkeit und damit zu Multiplikationseffekten verholfen werden.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulturprogramm der Stiftung hat einen Schwerpunkt bei bildender Kunst von circa 1960 bis heute. Es arbeitet grenzüberschreitend, denn Kultur wird als treibende Kraft demokratischer Gesellschaften und Brückenbauer in einer Region verstanden, die nach politischen Umbrüchen und gewaltsamen Konflikten eine Tendenz zur sprachlichen und politischen Fragmentierung zeigt. Unterstützt werden künstlerische Strategien, die das utopische Potential experimenteller Freiräume nutzen. Unabhängige Kunstszenen und Forschung sollen dort gefördert werden, wo öffentliche Ressourcen knapp sind, um ein sogenanntes Brain Drain zu verhindern.

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung unterstützt den europäischen Einigungsprozess und stellt dafür eine internationale Plattform zum Austausch von Ideen, Wissen und Initiativen zur Verfügung. Die Betonung gemeinsamer europäischer Werte, Zusammenarbeit und wechselseitiges Lernen kennzeichnen die Projekte dieses Programmbereichs, die in der kooperativen Praxis ein vereintes Europa auch für jene Länder Südosteuropas vorwegnehmen, die noch nicht Mitglied der Europäischen Union sind. Ein Schwerpunkt liegt auf Jugendprojekten, Programmen für Journalisten und Debatten zur Zukunft Europas.

Projekte (Beispiele)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Social Banking und finanzielle Inklusion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung hat einen inhaltlichen Schwerpunkt beim Thema Social Banking und finanzielle Inklusion. Zu den bekanntesten Initiativen der Stiftung gehören:

Ausgelobte Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igor Zabel Award for Culture and Theory[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 vergibt die Stiftung den Igor Zabel Award for Culture and Theory, der alle zwei Jahre an Kunsthistoriker und Theoretiker aus Zentral- und Osteuropa verliehen wird. Ausgezeichnet wird eine bedeutende Persönlichkeit des kulturellen Lebens, deren Werk dazu beigetragen hat, dass die visuelle Kultur in Zentral- und Südosteuropa und das Wissen über sie international bekannter geworden ist. Der Preisträger wird von einem internationalen Expertenkomitee ausgewählt. Benannt ist der Preis nach dem slowenischen Kurator, Kunstkritiker und Autor Igor Zabel (1958–2005), der als Chefkurator der Moderna Galerija in Ljubljana als einer der ersten kulturelle Verbindungen zwischen Ost- und Westeuropa hergestellt hatte.

Preisträger:

  • WHW (What, How and for Whom?) (2008)
  • Piotr Piotrowski (2010)
  • Suzana Milevska (2012)
  • Ekatarina Degot (2014)

Mitarbeit in internationalen Stiftungskooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge der Stiftung liegen im 19. Jahrhundert. 1819 wurde die Erste österreichische Spar-Casse gegründet.[1] Aus Anlass des geänderten österreichischen Sparkassengesetzes erfolgte 1993 die Trennung der Ersten österreichischen Spar-Casse in eine operative Bank (Erste Bank AG) und einen Eigner (DIE ERSTE österreichische Spar-Casse Anteilsverwaltungssparkasse, kurz: AVS). 1997 wurde die AVS durch den Börsengang der inzwischen mit der GiroCredit Bank fusionierten Erste Bank zum Hauptaktionär des nunmehr dauerhaft börsennotierten Unternehmens. 2003 kam es zur formalen Umwandlung der AVS in DIE ERSTE österreichische Spar-Casse Privatstiftung, kurz: ERSTE Stiftung, 2 Jahre später nahm diese ihre operative Arbeit auf.

Zu den wichtigsten Projekten der ersten Stunde gehörte die 2006 gegründete Zweite Wiener Vereins-Sparcasse, kurz: Die Zweite Sparkasse, und die Gründung des Schulnetzwerkes Academy for Central European Schools (aces) im selben Jahr. 2007 fand die erste Verleihung des ERSTE Foundation Award for Social Integration in Ljubljana statt und das Stipendienprogramm Balkan Fellowship for Journalistic Excellence wurde erstmals ausgeschrieben. 2008 folgte die erste Verleihung des Igor Zabel Award for Culture an Theory und die Gründung von good.bee. Im Jahr 2009 wurde die TV-Dokumentation "Balkan Express" erstmals in ORF und 3sat ausgestrahlt und zum zweiten Mal der ERSTE Foundation Award for Social Integration verliehen, diesmal in Bukarest. Das bisher größte Kulturprojekt, die Ausstellung Gender Check, eröffnete 2010 im MUMOK Wien. Im selben Jahr war The Social Business Tour 2010 mit Muhammad Yunus in sechs Ländern Osteuropas unterwegs, um Social Business als Form nachhaltigen Wirtschaftens in Wien, Bratislava, Budapest, Prag, Bukarest und Belgrad vorzustellen. Der Igor Zabel Awards for Culture and Theory wurde in diesem Jahr an den polnischen Kunsthistoriker Piotr Piotrowski in Barcelona überreicht. In Prag fand 2011 die dritte Verleihung des ERSTE Foundation Award for Social Integration an 34 Projekte aus 12 Ländern statt.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung ist eine Sparkassen-Privatstiftung nach dem österreichischen Sparkassengesetz.

Gremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organe der Stiftung sind der Vorstand, der Aufsichtsrat und der Verein. Der seit 1819 bestehende private Sparkassenverein mit über 100 Mitgliedern entsendet die Mitglieder des Aufsichtsrates und designiert dessen Präsidenten. Der Aufsichtsrat ernennt die Mitglieder des Stiftungsvorstandes und kontrolliert die Geschäftsführung. Der Vorstand führt die Geschäfte und beschließt die Projekte. Beraten wird er dabei von einem Kuratorium aus internationalen Experten.

Mitglieder des Aufsichtsrates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder des Vorstandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Spalt (Vorsitzender)
  • Richard Wolf (Stellvertretender Vorsitzender)
  • Boris Marte
  • Franz Portisch

Mitglieder des Kuratoriums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitarbeiter, Budget und Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung beschäftigt 2016 rund 20 Mitarbeiter. Zwischen 2005 und 2015 wurden insgesamt 1300 selbstinitiierte und geförderte Projekte bewilligt.[2] Rund 80 Prozent aller Fördermittel werden für selbstinitiierte Projekte ausgegeben, 20 Prozent fließen in die Unterstützung eingereichter Projekte. Von 2005 bis 2015 wurden knapp 75 Mio. EUR unmittelbar für Projekte aufgewendet (einschließlich des Grundkapitals für die Social Banking Dienstleister Zweite Sparkasse und good.bee).[3]

Mitgliedschaften in Verbänden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 2007 gegründete ERSTE Stiftung-Bibliothek sammelt vor allem Literatur in deutscher und englischer Sprache. Der Medienbestand umfasst etwa 10.000 Titel (2015) und 35 Zeitschriftenabonnements. Inhaltliche Schwerpunkte bilden Kunst- und Medientheorie, Mediengeschichte, Minoritäts- und Genderdiskurse, Kulturtheorie und –politik, ökonomische und politische Entwicklungen, Social Banking, Stiftungswesen und Philanthropie, demografische Studien, Migration, Bildung, Gedächtnis und Erinnerung. Geografisch konzentriert sich die Sammlungstätigkeit auf Zentral- und Südosteuropa einschließlich Österreich. Die Bibliothek ist öffentlich zugänglich. Die Freihandbestände können nach Voranmeldung benützt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Rapp, N. Rapp-Wimberger: Arbeite, Sammle, Vermehre. Von der ersten Oesterreichischen Spar-Casse zur Erste Bank. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85498-404-9, S. 7 ff.
  2. Zu diesen und den folgenden Angaben siehe Geschäftsberichte der Stiftung
  3. siehe Geschäftsberichte und Datenblatt auf der Homepage: http://www.erstestiftung.org/inside-the-foundation/facts-figures/
  4. siehe http://www.efc.be/Membership/Pages/EFCMembersMap.aspx
  5. siehe http://www.nef-europe.org/content/11/our-core

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]