Nachhaltiges Banking

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Social Banking)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Nachhaltiges Banking (auch social banking, ethical banking, grünes Banking, green banking, sustainable banking usw.) beschreibt eine bestimmte Art alternativer privatwirtschaftlicher Bankgeschäfte, die insbesondere soziale und ökologische Belange beachtet und sich damit besonders der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt. Eine Allianz von Banken dieser Ausrichtung ist die Global Alliance for Banking on Values.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff des nachhaltigen Banking ist nicht klar definiert, in Medien und wissenschaftlichen Publikationen finden sich unterschiedliche Begriffe, etwa Social Banking, Sozialbank, Ethische Bank (siehe auch Ethisches Investment) oder der Begriff Ökobank.[1][2][3][4] In der Wissenschaft wird zudem die besondere Orientierung auf Werte und die Realwirtschaft hervorgehoben.[5][6] Eine klare Abgrenzung zum Social Business, das auf den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurückgeht, ist schwierig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die modernen Wurzeln sog. verantwortlicher Geldanlagen sehen manche Autoren in den 1920er-Jahren, den Bürgerrechts- und Umweltschutzbewegungen der 1960er-Jahre sowie im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.[7] Mit den Genossenschaftsbanken gibt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland bereits einen Vorläufer der Sozialbanken. Als älteste nachhaltige Banken gelten die 1974 gegründete deutsche GLS Bank[8] sowie die niederländische Triodos Bank, die 1980 ihr Geschäft aufnahm[9].

2009 wurde die Global Alliance for Banking on Values gegründet.

Geschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachhaltigen Banken bieten im Prinzip dasselbe Geschäft wie normale Banken an, also Girokonten ebenso wie Investmentbanking. Das Geschäft stellt die wirtschaftliche Grundlage des Bankgeschäfts daher nicht vollständig in Frage, sondern erweitert dieses um zusätzliche Methoden und Komponenten. Dabei wird jedoch ausdrücklich auf den erforderlichen „Gewinn für Mensch und Umwelt“[10] und verpflichtende Ausschlusskriterien[11] für das gesamte Bankgeschäft verwiesen. Außerdem gehört auch die völlige Transparenz über die Vergabe von Krediten zu den grundlegenden Kriterien.[6] Diese grundsätzliche Haltung unterscheidet nachhaltige Banken von anderen Banken oder Kreditinstituten, die zwar auch, aber eben nicht nur nachhaltige Produkte anbieten. Nachhaltiges Banking ist damit also eine Fortentwicklung und Verbesserung von Finanzdienstleistungen, mit dem Ziel, etwa zu marktüblichen Kapitalrenditen benachteiligte Gebiete, Gruppen und Wirtschaftssektoren zu erhalten und zu fördern. Es versteht sich daher als „Marktvergrößerer“, mit dem Ziel, eine nachhaltige sozial-solidarische und ökologisch orientierte Ökonomie zu gestalten. Bei den jüngeren Akteuren des nachhaltigen bzw. des Social Banking, z. B. Kreditplattformen, wird das „social“ stärker methodisch interpretiert, im Sinne von „gemeinsamem Handeln“. Diese zweite, internetbasierte Generation ist gekennzeichnet durch direkten Austausch und eine transparente Verbindung zwischen Anleger, Kreditnehmer und Finanzinstitution.[6]

Nachhaltigkeitsbewertungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachhaltige Banken haben in der Regel ein (relativ) unabhängiges Beratergremium beratend zur Seite, das die Auswirkungen bestimmter Finanzprodukte prüft. Daneben werden Banken und andere Finanzdienstleister auch von unabhängigen anderen Instituten oder Vereinen / Nichtregierungsorganisationen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit eingeschätzt, etwa von Utopia.de, Stiftung Warentest, Ökotest, Verbraucherzentralen oder dem Fair Finance Guide.

Liste nachhaltiger Banken (Auswahl) im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachhaltige Fonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einem nachhaltigen Banking zählt auch die Anlageklasse von nachhaltigen, ethisch-ökologischen Fonds und Aktien (siehe auch Ethisches Investment). Einige nachhaltige Banken bieten eigens aufgelegte nachhaltige Fonds (Nachhaltigkeitsfonds) an. Daneben gibt es auch weitere Fondsgesellschaften wie Ökoworld, die sich auf nachhaltige Fonds spezialisiert haben. Auch Fonds werden etwa durch die Verbraucherzentralen im Hinblick auf Nachhaltigkeit überprüft.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Bendig, M. Habschick, J. Evers: Social Banking – Der neue Kosmos. In: Die Bank. Ausgabe 08/2010. (die-bank.de (Memento vom 5. November 2011 im Internet Archive))
  • L. Lochmaier: Die Bank sind wir – Chancen und Perspektiven von Social Banking. 1. Auflage. Heise Zeitschriften Verlag, 2010, ISBN 978-3-936931-64-8.
  • S. Schmidt, C. Weistroffer, B. Speyer: Responsible Investments – Mehr als eine Modeerscheinung. Deutsche Bank Research, Aktuelle Themen 484, Frankfurt am Main, 17. Mai 2010, ISSN 1435-0734.
  • U. Reifner: Social Banking – Ansätze und Erfahrungen über die Integration sozialer Zielsetzungen in privatwirtschaftliche Finanzdienstleistungen. In: L. Schuster: Die gesellschaftliche Verantwortung der Banken. Erich Schmidt, Berlin 1997, ISBN 3-503-04312-8, S. 205 ff. (Social Banking – Approaches to and Experiences in the Integration of Social Goals into Privately Organised Financial Services)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marc Winkelmann: Ethische Banken: Die Krötenwanderung. In: Spiegel Online. Abgerufen am 15. Februar 2017.
  2. Die Geldverbesserer. In: handelsblatt.com. 31. Dezember 2008, abgerufen am 15. Februar 2017.
  3. Susann Schmidt, Christian Weistroffer: Responsible Investments - Mehr als eine Modeerscheinung In: Deutsche Bank Research. 17. Mai 2016 (PDF-Datei)
  4. Nadine Oberhuber: Ethisches Banking: Die »guten Banker«. In: zeit.de. 5. August 2010, abgerufen am 15. Februar 2017.
  5. Interview mit dem Institute for Social Banking. (Memento vom 2. Juni 2012 im Internet Archive)
  6. a b c Interview: Wie das Institute for Social Banking sein Profil versteht. In: lochmaier.wordpress.com. 12. Januar 2010, abgerufen am 15. Februar 2017.
  7. Siehe zusammenfassend beispielsweise S. Schmidt, C. Weistroffer, B. Speyer: Responsible Investments – Mehr als eine Modeerscheinung. Deutsche Bank Research, 2010, S. 9. (PDF)
  8. Die Geschichte der GLS Bank (Memento vom 4. Januar 2012 im Internet Archive)
  9. An overview of our history. In: triodos.com. 2. August 2014, abgerufen am 15. Februar 2017 (englisch).
  10. unbekannt. (Nicht mehr online verfügbar.) In: blog.triodos.de. Archiviert vom Original am 4. Dezember 2009; abgerufen am 15. Februar 2017.
  11. http://www.gls.de/die-gls-bank/ueber-uns/ziele-und-arbeitsweisen/ausschlusskriterien.html (Memento vom 3. Oktober 2008 im Internet Archive)
  12. [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]