eTicket Deutschland

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Logo eTicket Deutschland
e-ticket des Rhein-Main-Verkehrsverbund, hier in der Mainzer Version mit typischen Motiven (Dom und Theodor-Heuss-Brücke), sowie Hinweis auf MVGmeinRad.

Das eTicket Deutschland (Eigenschreibweise „(((eTicket Deutschland“) ist ein elektronisches Fahrkartensystem für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Fahrten lassen sich damit bargeldlos und ohne Papierfahrschein abrechnen. Erkennbar ist es an dem blauen (((e-Symbol.

Als Abrechnungsmedien dienen Karten oder andere Gegenstände, die mit kontaktloser Chiptechnik (RFID) ausrüstbar sind, sowie Mobiltelefone. Damit verbindet es Mobile Ticketing und E-Ticket bzw. Online-Ticket.

Die Abrechnung selbst bleibt zwar Sache des jeweiligen Verkehrsunternehmens, läuft aber technisch über eine einheitliche Plattform der VDV eTicket Service. Je nach Ausbauvariante können Nutzer eines Verkehrsunternehmens so auch Fahrten in Gebieten anderer Verkehrsunternehmen abrechnen, ohne sich eigens eine neue Chipkarte zulegen zu müssen.

Im Idealfall müssen Fahrgäste sich auch nicht in die Tarifstruktur des anderen Unternehmens einarbeiten, weil das Abrechnungssystem der elektronischen Fahrkarte den Preis für die Verbindung zwischen Start- und Endpunkt automatisch berechnet.

Bislang wurden zehn Millionen Chipkarten mit eTicket Deutschland produziert (Stand April 2014).[1]

Piktogramm eTicket
Piktogramm Check in Check out
Piktogramm Be in Be out

Varianten der Fahrpreisermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem eTicket Deutschland kann der Kunde vor der Reise herkömmliche Zeit- und Zonenfahrkarten kaufen oder nach der Reise seine Route flexibel nach Nutzung bezahlen.

Vor der Fahrt: Auswahl eines bestimmten Tickets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn der Kunde seinen genauen Reiseverlauf und die erforderliche Preisstufe kennt oder selbst ermittelt hat, kann er sein Ticket vor der Fahrt noch als klassischen Papierfahrschein oder in digitaler Form (eTicket) mit dem Chip bargeldlos über das eTicket-Abrechnungssystem kaufen. Fahrpreis, Geltungsdauer und -raum stehen also von Beginn an fest.

Während der Fahrt: Flexible Ticketerfassung und Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn der Kunde vor Fahrtantritt nicht weiß, welches Ticket er benötigt, oder er sich noch nicht festlegen möchte, wo seine Reise endet, gibt es die automatische Fahrpreisermittlung, die dem Prinzip einer Taxinutzung ähnelt: Der Fahrpreis ergibt sich erst am Zielort, also nachdem die ganze Route zurückgelegt ist. Dafür stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

Bewusste Erfassung am Lesegerät (Check-in/Check-out)

Steigt der Kunde in Bus oder Bahn ein, hält er sein eTicket Deutschland (Chipkarte, Mobiltelefon etc.) vor ein Lesegerät an der Haltestelle oder direkt im Fahrzeug. Das Terminal signalisiert dabei, dass das Ticket erfasst ist. Beim Verlassen meldet sich der Kunde entsprechend wieder ab.

Automatische Erfassung per Funk (Be-in/Be-out)

Bei dieser Variante, die sich noch in der Erprobungsphase befindet, muss der Kunde sein eTicket Deutschland beim Ein- bzw. Aussteigen nicht vor ein Lesegerät halten. Stattdessen wird das Ticket per Funk über Sende-Lese-Vorrichtungen im Fahrzeug von selbst erfasst.

Abrechnung des eTicket-Kontos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ticket lässt sich um eine elektronische Bezahlfunktion erweitern. Diese ist im Prinzip auch jenseits des ÖPNV einsetzbar, beispielsweise beim Bezahlen für Fahrradausleihen oder im Parkhaus.

Der Kunde kann das Ticket bei einem der Vertriebspartner kaufen und zwischen drei verschiedenen Abrechnungsvarianten wählen:

  1. pre-paid: Der Kunde lädt am Automaten ein bestimmtes Guthaben auf sein Konto, das er dann ausgeben kann.
  2. auto-load: Das Guthaben wird automatisch aufgeladen, sobald ein gewisser Betrag unterschritten ist.
  3. post-paid: Der Kunde erhält regelmäßig eine Rechnung, auf der seine Ausgaben aufgelistet sind. Begleichen kann er sie per Lastschrift oder Kreditkarte.

Anbieter und Services[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt, welche Verkehrsverbünde das eTicket Deutschland bereits eingeführt haben und welche Services sie anbieten:

Verkehrsverbund bzw. Region Betrieb seit Chipkarte Barcode auf Handy (mobile Ticketing) Check-in/Check-out Elektronischer Fahrschein (EFS)
Saarbahn 2005 x x - x
Verkehrsverbund Kreisverkehr Schwäbisch Hall 2006 x - x -
Verkehrsverbund OstalbMobil 2006 x - - x
Verkehrsverbund Nahverkehr Hohenlohekreis 2006 x - x -
Verkehrsverbund Rhein-Ruhr 2007 * x x EKS ** x
Verkehrsverbund Rhein-Sieg 2007 * x x - x
Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (aufgegangen im VRR) 2007 * x x EKS ** x
Mitteldeutscher Verkehrsverbund (nur Halle und Leipzig) 2009 x x - x
Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg 2011 x x - x
Hamburger Verkehrsverbund 2011 x x - x
Rhein-Main-Verkehrsverbund 2011 x x - x
Heilbronner Nahverkehr 2012 x x x -
Münster 2012 x x x *** x
Verkehrsverbund Oberelbe (Dresden) 2012 x**** x - x
Koblenz 2014 x - - x
Verkehrsverbund Stuttgart 2015 x x - x
Erfurt 2016 x - - x
Schweinfurt 2017 x - - x
Aachener Verkehrsverbund 2017 x x EKS ** -

Anmerkungen: * Vorläufersystem seit 2003; ** EKS = Einstiegskontrollsystem; *** in Münster: Check-in only; ****eTickets auf Chipkarten seit 2015

Belegproblematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als bei einem klassischen Papierfahrschein kann der Kunde beim eTicket Deutschland zwar nicht ohne Weiteres unmittelbar kontrollieren, wie die Informationen über seine Fahrten erfasst werden. Eine Statusabfrage (etwa über die Gültigkeitsdauer und zulässige Tarifgebiete) ist aber an öffentlichen Automaten, zuhause per Lesegerät am eigenen Computer und mobil per Handy-App möglich, wenn das Gerät über eine NFC-Schnittstelle verfügt.[2]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker weisen darauf hin, dass sich mit den ermittelten Fahrten Bewegungsprofile der Nutzer erstellen lassen. Zu den diskutierten Risiken gehört außerdem, dass sich personenbezogene Daten entwenden oder manipulieren lassen könnten.[3]

Die Generalstaatsanwaltschaft München verweist in einem Leitfaden darauf, dass die Deutsche Bahn in ihrem System Touch&Travel, das an eTicket Deutschland angelehnt ist, die Daten sämtlicher vom Systemnutzer durchfahrener Funkzellen speichere.[4] Auf diese Verkehrsdaten könnten Ermittler allerdings nur nach §100g StPO zugreifen.[5]

Nach Angaben des Anbieters werden beim eTicket Deutschland internationale Sicherheitsstandards, speziell beim Umgang mit vertraulichen Daten, erfüllt, und das System orientiere sich an den Richtlinien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).[6] Vor der Inbetriebnahme des eTicket-Systems hat das jeweilige Verkehrsunternehmen seinen Datenschutzbeauftragten einzubinden.[7]

Um sowohl die Daten als auch den Austausch der Daten zwischen den eingesetzten Systemen und den beteiligten Partnern zu schützen, gibt es ein eigenes Sicherheitsmanagement. Es umfasst neben definierten organisatorischen Prozessen auch den Einsatz von Kryptographie. Dabei werden sowohl symmetrische als auch asymmetrische Schlüssel (Public-Key-Infrastruktur) verwendet. Die Schlüssel lassen sich in einem Sicherheitsmodul (Secure Application Module = SAM) wie in einem Safe sichern. Mithilfe dieses SAM überprüft beispielsweise ein Terminal, ob ein eTicket echt ist. Alle Komponenten – Chipkarten, Terminals und Hintergrundsysteme – sind herstellerunabhängig geprüft und zertifiziert.[8]

Nach Auskunft von Sjef Janssen, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, sei mit Blick auf die generellen Datenprozesse schon während der Konzeptphase eng mit den Datenschützern von Bund und Ländern zusammengearbeitet worden. Nur Daten, die zur Identifizierung eines gültigen Tickets erforderlich sind (Name, Geschlecht und bei Abonnenten das Geburtsdatum nur dann, wenn sie zur Kontrolle persönlicher Tickets benötigt werden), seien mit der jeweiligen Fahrtberechtigung auf dem Chip gespeichert. Außerdem sind die Betriebe gesetzlich verpflichtet, die Daten nur in angemessenem Umfang zu speichern.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Chipkartenanwendungen im ÖPNV in Deutschland wurden Anfang der 1990er-Jahre eingeführt, darunter Fahrsmart (Oldenburg und Lüneburg), PayCard, Geldkarte und ALLFA (Dresden). Diese Systeme waren jedoch nicht miteinander kompatibel. Der VDV beschloss deshalb 1999, ein einheitliches elektronisches Ticket- und Fahrgeldmanagementsystem einzurichten, das mit standardisierter Technologie Interoperabilität zwischen den Verkehrsverbünden sichert. Die zu diesem Zweck 2003 gegründete damalige VDV Kernapplikation GmbH & Co. KG stellte 2005 die VDV-Kernapplikation als Standard für ein solches e-Ticket vor.

Das erste Unternehmen, das das eTicket Deutschland (damals noch unter dem Namen VDV Kernapplikation) als Pilotprojekt eingesetzt hat, war die Saarbahn GmbH in Saarbrücken im Jahr 2005. Es folgten weitere Pilotprojekte im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) sowie der damals noch eigenständigen Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) unter den Namen Ticket 1000 und Ticket 2000 (im VRR zudem für Schüler das SchokoTicket, das YoungTicket Plus und für Senioren das BärenTicket). Zunächst wurden dort ab 2003 die Abonnenten mit Chipkarten eines proprietären Systems ausgestattet; ab 2007 wurde auf eTicket Deutschland umgestellt.

Das erste verbundübergreifende System startete im April 2006 in den Verkehrsverbünden KreisVerkehr Schwäbisch Hall, Nahverkehr Hohenlohekreis und OstalbMobil. Anfang 2011 schloss sich der Heilbronner Nahverkehr an. Diese Verkehrsverbünde nennen ihr eTicket Kolibricard. Hier wird neben der Abonnenten-Chipkarte auch eine anonymisierte Prepaidkarte angeboten und somit auch Einzelfahrscheine.

Inzwischen haben über 300 Verkehrsunternehmen und -verbünde Verträge mit dem VDV eTicket Service über Aufbau und Betrieb von eTicket-Deutschland-Systemen abgeschlossen.[9]

Internationale Anbieter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International mit dem eTicket Deutschland vergleichbare Produkte sind die japanischen IC-Cards (Suica-Card, PASMO, etc.), in London die Oyster-Card, die Octopus-Karte in Hongkong, die OV-chipkaart in den Niederlanden, die MOBIB-Karte in Belgien sowie der Pariser Navigo Pass.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.zughalt.de/2014/04/zehn-millionen-eticket-chipkarten/
  2. Archivlink (Memento des Originals vom 8. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ticket-info.net
  3. https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Publikationen/TechnischeRichtlinien/TR03126/BSI-TR-03126-1_pdf.pdf?__blob=publicationFile@1@2Vorlage:Toter Link/www.bsi.bund.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. http://cryptome.org/isp-spy/munich-spy-all.pdf
  5. http://www.jusline.de/index.php?cpid=f92f99b766343e040d46fcd6b03d3ee8&lawid=56&paid=100g
  6. http://www.eticket-deutschland.de/sicherheit.aspx
  7. Archivlink (Memento des Originals vom 8. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ticket-info.net
  8. http://www.eticket-deutschland.de/sicherheit.aspx
  9. http://www.eticket-konferenz.de/programm/vortraege/02-ex-postWirkungs-Evaluation_eticket-Konferenz_AM.pdf, Seite 17