Edel-Gamander

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Edel-Gamander
Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys)

Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Ajugoideae
Gattung: Gamander (Teucrium)
Art: Edel-Gamander
Wissenschaftlicher Name
Teucrium chamaedrys
L.

Der Edel-Gamander, Echte Gamander oder auch das Schafkraut (Teucrium chamaedrys) ist ein Lippenblütler (Lamiaceae) aus der Gattung der Gamander (Teucrium).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Edel-Gamander ist ein Halbstrauch mit Ausläufern. Der Stängel ist 10 bis 30 (bis 35) cm hoch, aufsteigend, im unteren Teil verholzt, unten verzweigt, ringsum oder auf den gegenüberliegenden Seiten kurz anliegend und lang abstehend behaart. Die Blätter sind kurz gestielt oder fast sitzend, oval, meist mit keilförmig verschmälertem Blattgrund, auf jeder Blattseite mit vier bis acht stumpfen oder spitzen Zähnen, meist beiderseits behaart.

Einzelblüten

Die Blüten sind ca. 3 mm lang gestielt, zu einem bis sechs in den Achseln der oberen Blätter, und stehen einseitswendig. Der Kelch ist 6 bis 8 mm lang, mehr oder weniger regelmäßig fünfzähnig, behaart, oft rotviolett überlaufen. Die Blütenkrone ist 1 bis 1,5 cm lang, rosa (selten weiß). Die Teilfrüchte haben eine feinadrige Oberfläche und sind ca. 1,5 bis 2 mm lang. Die Pflanze riecht angenehm aromatisch.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 60, 64 oder 96.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Edel-Gamander wächst zerstreut und meist gesellig in sonnigen Kalk-Magerrasen sowie in lichten Eichen- und Kiefernwäldern. Er ist in Mitteleuropa eine Art der Ordnung Brometalia, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Geranion sanguinei, Erico-Pinion oder der Ordnung Quercetalia pubescentis vor.[1] Er liebt basenreichen, extrem stickstoffarmen Boden und ist ein Trockniszeiger und eine Wärme liebende Lichtpflanze. In Süddeutschland ist er stärker vertreten.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Edel-Gamander ist ein nur am Grunde verholzter, kriechender Halbstrauch. Er ist an Trockenheit angepasst und wurzelt bis 1,2 m tief, seine Blätter sind derb und wintergrün und sein Stängel ist zottig behaart. Die Pflanze ist reich an Transpirations-hemmenden ätherischen Ölen.

Die Blüten sind vormännliche „Eigentliche Lippenblumen“ und stehen in vier- bis sechsblütigen Scheinquirlen in den Achseln der oberen Blätter. Die Blütenkrone ist kurz und hat keinen Haarring; sie ist hellrot mit kurzer zweispaltiger Oberlippe, die mit der Unterlippe verbunden ist, so dass diese scheinbar fünfspaltig ist. Die Blüten sind schwach wohlriechend. Die Staubblätter sind anfangs nach vorn, später-wenn der Griffel nach vorn weist- nach oben gerichtet. Der Pollen ist rosarot. Die Art ist ein Nektarspender von besonderem Wert. Bestäuber sind Hummeln, Bienen und Schwebfliegen. Spontane Selbstbestäubung ist nur wenig erfolgreich. Blütezeit: Juli bis September.

Die Klausen-Früchte sind zur Reife vom aufgeblasenen Kelch umgeben, der als Windgang dient. Die Pflanze ist ein Windstreuer, evtl. auch ein Tierstreuer.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch lange Ausläufer, die nach der Blüte gebildet werden. Der Wurzelstock treibt alljährlich 2 Generationen beblätterter Stängel, von denen nur die 2. Generation zur Blüte gelangt.

Schmalblättriger Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys subsp. germanicum)

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Unterarten oder varietäten können unterschieden werden[2]  :

  • Teucrium chamaedrys subsp. albarracinii (Pau) Rech.f.: Sie kommt in Spanien und Frankreich vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. algeriense Rech.f.: Sie kommt in Algerien vor.[2]
  • Breitblättriger Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys ssp. chamaedrys): Er kommt von Europa bis zum Iran vor.[2]
  • Schmalblättrigen Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys ssp. germanicum (F.Herm.) Rech.f.): Er kommt in Mitteleuropa vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. gracile (Batt.) Rech.f.: Sie kommt in Algerien und in Marokko vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. lydium O.Schwarz: Sie kommt in Griechenland und in der Türkei vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys var. multinodum Bordz.: Sie kommt im westlichen Transkaukasien vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. nuchense (K.Koch) Rech.f.: Sie kommt im Kaukasus vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. olympicum Rech.f.: Sie kommt in Griechenland vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. pectinatum Rech.f.: Sie kommt in Frankreich und in Italien vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. pinnatifidum (Sennen) Rech.f.: Sie kommt in Spanien, auf den Balearen, in Korsika und in Südfrankreich vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. sinuatum (Celak.) Rech.f.: Sie kommt in der östlichen Türkei, im Irak und im nördlichen Iran vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. syspirense (K.Koch) Rech.f.: Sie kommt von der Türkei bis zum nördlichen Iran und auf der Krim vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. tauricola Rech.f.: Sie kommt von der südwestlichen und südlichen Türkei bis Syrien vor.[2]
  • Teucrium chamaedrys subsp. trapezunticum Rech.f.: Sie kommt von der nordöstlichen Türkei bis zum westlichen Transkaukasien vor.[2]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Edel-Gamander wurde ehemals in der Volksheilkunde bei Wechselfieber und Gicht verwendet.

Nach der Einnahme der Droge als Tee zur Gewichtsreduktion wurden inzwischen Leberschäden bekannt, so dass man von der Verwendung von Edel-Gamander als Heilpflanze heute abrät. Furano-neo-Clerodane werden für die Giftwirkung verantwortlich gemacht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: "Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands". Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz Deutschland. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4
  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen, 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen, Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.
  • Urania Pflanzenreich. Band 3: Blütenpflanzen 1, 1. Ausgabe. Urania-Verlag, Leipzig 1991, ISBN 3-332-00367-4.
  • Urania Pflanzenreich. Band 4: Blütenpflanzen 2, 1. Ausgabe. Urania-Verlag, Leipzig 1994, ISBN 3-332-00497-2.
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2011, ISBN 3-440-09387-5
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 795.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p Rafaël Govaerts (Hrsg.): Teucrium chamaedrys - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 13. Februar 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Edel-Gamander – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien