Egidius Schiffer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Leo Egidius Schiffer (* 1956; † 21./22. Juli 2018 in Bochum) war ein deutscher Serienmörder, der als „Würger von Aachen“ in die Kriminalgeschichte einging. Zwischen 1983 und 1990 ermordete er fünf Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 31 Jahren und missbrauchte drei davon sexuell. Seine Taten wurden als „Anhaltermorde“ bzw. „Discomorde“ bekannt. 1985 wurde auch in der Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst nach ihm gefahndet.

Mordserie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den ersten Mord beging Egidius Schiffer im Juli 1983 in der Nähe von Alsdorf: Die 18-jährige Marion G. stieg an einer Bushaltestelle in das Cabrio des Täters. Als er sie angriff, wehrte sie sich mit ganzer Kraft und zertrat sogar die Windschutzscheibe. Sie konnte zwar eine Vergewaltigung verhindern, wurde jedoch von Schiffer erdrosselt, entkleidet und in einen Angelweiher geworfen.

Im Februar 1984 überfiel Egidius Schiffer die 15 Jahre alte Andrea W. in der Nähe von Würselen, als sie gewohnheitsmäßig nach einem Besuch in einer Diskothek nach Hause trampte. Er vergewaltigte die Schülerin, bevor er sie erwürgte und ihren toten Körper an einem Feldweg ablegte.

Am 31. August 1984 stieg die 17-jährige Angelika S. auf dem Heimweg von der Diskothek „Rockfabrik“ an der B 221 nahe Geilenkirchen in den Wagen von Schiffer. Die Leiche der Schülerin, nur mit einem BH und Strümpfen bekleidet, wurde in einem Waldstück entdeckt.

Im Dezember 1985 wurde die 18-jährige Marion L. in Aachen verschleppt, vergewaltigt und getötet. Auch sie hatte an einer Bushaltestelle gestanden. Eine Stunde fuhr Schiffer mit der Leiche im Kofferraum übers Land, bis er einen Ablegeort gefunden hatte. Ihren entblößten Körper deckte er mit Laub zu.

Am 16. Juni 1990 verschwand Sabine N. bei Niederkrüchten auf dem Heimweg von der Diskothek „Inside“. Egidius Schiffer hatte die 31-Jährige in seinen Mercedes gezerrt, vergewaltigt und erdrosselt. Ihre skelettierte Leiche fanden Spaziergänger erst ein Jahr später in einem Waldstück bei Wegberg. Anhand der Zahnabdrücke konnte man die Leiche als die vermisste Sabine N. identifizieren.

Festnahme und Verurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2007 wurde Egidius Schiffer in Heinsberg beim Stehlen von Metallschrott ertappt und verhaftet. Er gab dabei freiwillig eine Speichelprobe ab, die ihn als Täter in fünf ungeklärten Mordfällen überführte. Am 23. August des Jahres wurde er dann wegen Mordes verhaftet. Während des Verhöres gestand er die fünf Morde, widerrief das Geständnis jedoch vor dem Landgericht mit der Begründung, er habe sadomasochistische Neigungen; die Morde habe er nur zugegeben, weil der Gedanke an Untersuchungshaft und Bestrafung ihn erregt hätten. Zudem sei er zu dem Geständnis gezwungen worden.

Das Gericht stützte sich jedoch auf das mehrmals wiederholte Geständnis, in dem Schiffer auch Täterwissen preisgegeben hatte, sowie die DNA-Spuren an den Tatorten.

Er wurde am 19. August 2008, 18 Jahre nach seinem letzten Mord, vom Landgericht Aachen wegen Mordes in fünf Fällen und Vergewaltigung in zwei Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine Revision wies der Bundesgerichtshof im Juni 2009 als unbegründet zurück.[1]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 22. Juli 2018 wurde Schiffer tot in seiner Zelle in der JVA Bochum aufgefunden.

Dort hatte er seinen Körper mittels mehrerer Kabel zur Unterstützung autoerotischer Praktiken mit dem Stromnetz verbunden. Er starb in Folge von Herzrhythmusstörungen.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Schumacher: Karlsruhe bestätigt Urteil für Anhalter-Mörder. In: Aachener Zeitung. 15. Juli 2009, abgerufen am 23. Juli 2018.
    Beschluss vom 24. Juni 2009 – Az. 2 StR 51/09. In: Openjur. Bundesgerichtshof, 24. Juni 2009, abgerufen am 15. März 2015.
  2. Michael Weeke: „Würger von Aachen“: Bizarrer Tod eines Serienmörders. In: Hamburger Abendblatt. 24. Juli 2018, abgerufen am 24. Juli 2018.
    Michael Weeke: Bei sexueller Stimulation: Würger von Aachen stirbt in Zelle. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 23. Juli 2018, archiviert vom Original am 24. Juli 2018; abgerufen am 24. Juli 2018.