Ehrenthal (Sankt Goarshausen)

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Ehrenthal
Koordinaten: 50° 10′ 19″ N, 7° 40′ 30″ O
Höhe: 71 m
Postleitzahl: 56346
Vorwahl: 06771
Ehrenthal, darüber die Abraumhalde der ehemaligen Grube Gute Hoffnung. Im Vordergrund der Ausläufer des Ehrenthaler Werths.
Kath. Pfarrkirche St. Sebastian

Ehrenthal ist ein Stadtteil von Sankt Goarshausen am rechten Ufer des Mittelrheins. Es liegt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

881 wurde Ehrenthal als "Erintera" das erste Mal als Wein- und Hofgut im Besitz des Klosters Prüm in der Eifel erwähnt. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort "andria", zu deutsch "Bach" und Thal ab, der Name bedeutet also Bachthal.

1312 kommt der Ort in Besitz von Kurtrier und bleibt dort bis zur Auflösung der geistlichen Territorien 1802.

Ab dem späten Mittelalter diente das Gut dem Abt des Benediktinerklosters Gronau als Sommersitz. Nach Auflösung des Klosters 1542 gründeten Abt und Mönche in Ehrenthal ein neues Kloster.

Unter dem Trierer Erzbischof Hugo von Orsbeck wurden von 1705 bis 1708 nach Plänen des Hofarchitekten Philipp Honorius von Ravensteyn die heutige Kirche und das Klostergebäude erbaut. Das Wappen des Bischofs ist im Scheitelstein des Westportals zu finden. Nach der Profanierung des Klosters im Jahr 1803 wurde die Klosterkirche zur katholischen Pfarrkirche St. Sebastian.

1802 kommt Ehrenthal auf Verfügung des letzten Trierer Erzbischofs unter die Herrschaft von Nassau-Weilburg, 1806 zum neugebildeten Herzogtum Nassau.

Nach dem deutsch-deutschen Krieg 1866 kommt Ehrenthal zu Preußen.

Von 1919-1930 ist der Ort in der französischen Besatzungszone, ebenso wie nach der Einnahme Ehrenthals durch die Amerikaner am 26.3.45, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs.

Im Jahr 1933 werden die Gemeinden Ehrenthal und Wellmich zu Wellmich-Ehrenthal zusammengeschlossen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde 1945 bei einem Beschuss die Ausstattung vernichtet. Bei Wiederherstellung der Kirche von 1946 bis 1958 wurde die ehemals barocke Decke durch eine Voutendecke ersetzt. 1949 entstand das Relief des Mayener Bildhauers Anton Wogner mit dem Martyrium des Hl. Sebastian. Das unmittelbar anschließende ehemalige Klostergebäude beherbergt heute die Klosterschenke.

1969 wird die Gemeinde Wellmich-Ehrenthal Teil der Loreleystadt St. Goarshausen und ist fortan dessen Stadtteil.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1745 waren zwischen Ehrenthal und Prath Erzadern entdeckt worden, die zur Gründung einer Hütte führten, welche später unter dem Namen Grube Gute Hoffnung zu beiden Seiten des Rheins bis 1961 Blei- und Zinkerze abbaute. Im Oktober 1789 besuchte Alexander von Humboldt in Begleitung des niederländischen Mediziners Steven Jan van Geuns[1] das Bergwerk.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist vor Allem die katholische Kirche St. Sebastian, Ehrenthal tut sich aber auch durch seine Lage am Rheinsteig hervor.

Ehrenthaler Hahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiese auf dem Ehrenthaler Hahn

Der Ehrentaler Hahn ist eine alte Flussterrasse des Rheins über Ehrenthal in der Kesterter Gemarkung. Auf fruchtbarem Lössboden wurde hier 1950 eine Walnussbaumplantage angelegt, die ein typisches Beispiel für die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal war. Seit Aufgabe der Plantage drohte sie mehr und mehr zu verbuschen. Eine Firma setzt sich seit 2010 für den Erhalt der Kulturlandschaft und den Schutz seltener Pflanzen- und Tierarten ein, indem etwa die wertvollen Kalk-Halbtrockenwiesen wieder entbuscht und mit seltenen Kulturobstsorten wie Mittelrheinkirsche oder Quitte nachgepflanzt werden. Durch Beweidung mit Rindern werden die Rasenflächen offen gehalten. Seitdem siedeln sich wieder vermehrt kalk- und wärmeliebende Pflanzen an wie die seltene blaue Weinbergs-Traubenhyazinthe oder auch eine Vielzahl an verschiedenen Orchideen. Für Heuschrecken oder auch die Große Turmschnecke hat sich hier ein wertvolles Biotop gebildet.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Rheinsteig führt oberhalb des Ortes über die Wiesenlandschaft des Ehrenthaler Hahns.
  • 2001 wurde der Bergbau- und Landschaftspfad Wellmich-Prath-Ehrenthal, ein 5 km langer Informationspfad zur Geschichte des Bergbaus, eingerichtet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Ehrenthal liegt direkt an der Bundesstraße 42, die rechtsrheinisch das Rheintal durchläuft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hg.): Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. Eine europäische Kulturlandschaft. Band 2, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2001, ISBN 3-8053-2753-6.
  • W. Krammes/B. Jakobs/H. Gräff (Hg.): Die Kirchen im Mittelrheintal. Führer zu den Bauten des UNESCO-Welterbes Mittelrhein, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-237-6.
  • Martin Unfricht/Joerg Hilgers: NaturTouren Rheinsteig, Ideemedia, Neuwied 2007, ISBN 978-3934342477.
  • "Wellmich und Ehrenthal" von Hans Schwarz und Rosemarie Lauer St. Goarshausen 1993

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ehrenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Kölbel/Lucie Terken (Hgg.): Steven Jan van Geuns. Tagebuch einer Reise mit Alexander von Humboldt durch Hessen, die Pfalz, längs des Rheins und durch Westfalen im Herbst 1789, Berlin 2007, S. 177.