Einrichtungsfahrzeug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Einrichtungsstraßenbahn GT8-D in Karlsruhe

Als Einrichtungsfahrzeug werden Fahrzeuge bezeichnet, die normalerweise immer mit demselben Ende voraus (vorwärts) fahren und nur ausnahmsweise in die andere Richtung (rückwärts). Umgangssprachlich werden solche Fahrzeuge manchmal auch kurz Einrichter genannt.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einrichtungsfahrzeuge sind häufig bei der Straßenbahn anzutreffen. Voraussetzung für den Einsatz von Einrichtungsfahrzeugen ist, dass alle Endstationen der befahrenen Linie Wendeschleifen beziehungsweise Wendedreiecke aufweisen oder eine Ringlinie befahren wird. Manche Betriebe (zum Beispiel Berlin und Frankfurt) betreiben deshalb nur einen Teil ihrer Linien mit Ein- und andere mit Zweirichtungsfahrzeugen. Auch die Wuppertaler Schwebebahn verkehrt mit Einrichtungsfahrzeugen, sie gilt rechtlich als Straßenbahn.

Um im Falle von außerplanmäßigen Betriebsstörungen, abweichenden Streckenführungen infolge von Baustellen oder bei Rangierfahrten flexibel zu bleiben, sind viele Einrichtungsfahrzeuge mit einem Hilfsführerstand am Heck des Fahrzeugs ausgestattet. Es handelt sich dennoch nicht um Zweirichtungsfahrzeuge, weil diese rückwärts in der Regel nur mit verminderter Geschwindigkeit gefahren werden können.

Zu Mischformen (sogenannte Anderthalbrichtungsfahrzeuge): → Unechte Zweirichtungswagen

Stadtbahnwagen sind meist als Zweirichtungsfahrzeuge konzipiert. In Essen wurden Anfang der 1990er Jahre vorhandene DÜWAG-Einrichtungs-Gelenkwagen mit zusätzlichen Türen auf der linken Seite ausgestattet, damit diese Fahrzeuge an den Mittelbahnsteigen des Stadtbahntunnels halten konnten.[1] Auch die im Tunnel verkehrenden Spurbusse waren so ausgerüstet.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es ist nur ein Führerstand notwendig, dadurch kann das Fahrzeug günstiger gebaut werden, insbesondere ist die Verkabelung einfacher. Außerdem steht zusätzlicher Fahrgastraum zur Verfügung.
  • An den Endstellen muss der Fahrer den Führerstand nicht wechseln, was kürzere Aufenthaltszeiten ermöglicht und insbesondere bei Verspätungen eine sofortige Rückfahrt ermöglicht. Zudem begegnen sich die Züge nicht im Weichenbereich der Kehranlage. Beim Einsatz von Beiwagen entfällt außerdem der umständliche Rangierbetrieb an den Umsetzendstellen.
  • Sind Bahnsteige (bei zweigleisigen Strecken) nur auf jeweils einer Seite der Strecke, müssen nur auf einer Seite Türen vorhanden sein, auf der anderen Fahrzeugseite können daher mehr Sitz- beziehungsweise Stehplätze angeboten werden.
  • Alle Sitzplätze können in Fahrtrichtung angeordnet werden.
  • Ist ein fester Schaffnerplatz eingebaut, so befindet sich dieser immer an der gleichen Position, was den Fahrgastfluss erleichtert.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wendeschleifen und Gleisdreiecke erfordern einen erhöhten Platzbedarf und können zudem nicht überall dort angelegt werden, wo sie betrieblich notwendig wären.
  • Die typischerweise engen Radien von Wendeschleifen sorgen für eine relativ starke Abnutzung der Radreifen, zudem werden Anwohner dort oft durch die entsprechende Geräuschentwicklung bei der Kurvenfahrt belästigt.
  • An eingleisigen Strecken müssen beim Einsatz von Einrichtungswagen mit Türen nur auf einer Seite auf beiden Seiten des Gleises Bahnsteige angelegt werden oder aber die Einrichtungswagen müssen mit zusätzlichen Türen auf der linken Fahrzeugseite ausgestattet werden (wie beispielsweise bei den ehemaligen Aachener Wagen 7103–7113).
  • Die Anlage von – kostengünstigeren – Mittelbahnsteigen an zweigleisigen Strecken oder Haltestellen ist ohne zusätzliche Einstiege auf der linken Seite oder abschnittsweises Fahren auf der "falschen" Seite nicht möglich.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein McKeen-Triebwagen

Bei Eisenbahnen sind Einrichtungsfahrzeuge gegenüber Zweirichtungsfahrzeugen heute die Ausnahme. Dagegen waren die früheren Dampflokomotiven mit Schlepptender Einrichtungsfahrzeuge, sie wurden normalerweise nur mit dem Dampfkessel voraus gefahren. Gleiches galt für Dampftriebwagen. Weitere Ausnahmen waren beispielsweise der McKeen-Triebwagen, die Micheline-Triebwagen, der Schienenzeppelin, zahlreiche frühe Schienenbus-Typen, Schienenautos, Draisinen, der Schienen-Straßen-Omnibus, die Borgward-Leichttriebwagen der Sylter Inselbahn oder die frühen Talgo-Versuchsträger, Talgo I und Talgo II. Diese Fahrzeuge mussten über Gleisdreiecke gewendet werden oder sie wurden auf Drehscheiben in die gewünschte Richtung gedreht. Weitere Beispiele sind die Karlsruher Stadtbahnwagen GT6-80C oder manche Schneepflüge. Ebenso verkehren die sogenannten Kanzelwagen meist nur in eine Richtung, damit sich die Aussichtskanzel am Zugschluss befindet. Gleichfalls können Steuerwagen nur in einer Richtung als solche genutzt werden.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle Straßenfahrzeuge sind Einrichtungsfahrzeuge. Sie sind daher in Einrichtungsbauweise ausgelegt. Der Rückwärtsgang wird hier nur zum Rangieren, etwa beim Einparken, verwendet. Daher ist diese Bezeichnung bei Straßenfahrzeugen unüblich. Ausnahmen sind beispielsweise die Spezialfahrzeuge, die im Wartungstunnel des Eurotunnels verkehren, da sie im Tunnel nicht wenden können.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wagenparkliste Essen auf www.tram-info.de