Einstein Stiftung Berlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Einstein-Stiftung Berlin)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Einstein Stiftung Berlin
Logo der Einstein Stiftung Berlin
Rechtsform: rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts
Zweck: Förderung von Wissenschaft und Forschung
Vorsitz: Günter Stock
Bestehen: 11. Mai 2009
Stifter: Land Berlin
Sitz: Berlin
Website: www.einsteinfoundation.de

Die Einstein Stiftung Berlin ist eine 2009 gegründete gemeinnützige deutsche Stiftung des Landes Berlin zur Förderung von Wissenschaft und Forschung am Standort Berlin.

Stiftungsziele und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Finanzierung der von einer unabhängigen wissenschaftlichen Kommission ausgewählten Fellowships, Professuren und Projekte wird aus Erlösen des Stiftungskapitals von fünf Millionen Euro[1] und Landesmitteln sichergestellt. Im Senatsbeschluss zur Gründung der Stiftung waren für die Jahre 2008 und 2009 je 35 Mio. Euro sowie 2010 und 2011 je 40 Mio. Euro Fördergelder aus dem Rahmenplan Wissen schafft Berlins Zukunft vorgesehen.[2] Die tatsächlichen Fördersummen lagen jedoch weit darunter. Für die Jahre 2014 und 2015 sah der Senat von Berlin aufgrund der Haushaltslage eine erhebliche Kürzung vor.[3] Das Abgeordnetenhaus revidierte die Entscheidung auf 4,5 im Jahr 2014 bzw. 7,5 Millionen Euro im Jahr 2015. Zusätzlich erhält die Stiftung private Fördermittel: Von 2015 an bis zunächst Ende 2017 unterstützt die Damp-Stiftung die Einstein-Stiftung Berlin mit bis zu drei Millionen Euro jährlich.[4]

Antragsberechtigte Einrichtungen sind die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Universität der Künste Berlin sowie die Charité. Als Kooperationspartner der antragsberechtigten Einrichtungen können die öffentlich grundfinanzierten Forschungseinrichtungen in Berlin gefördert werden. Dazu zählen vor allem: Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft. Auch die Hebräische Universität Jerusalem gilt als Kooperationspartner.

Die Ziele der Stiftung umfassen die institutionsübergreifende Förderung von Berliner Forschungsprojekten, nationales und internationales Marketing für den Forschungsstandort und die bessere Zusammenarbeit zwischen universitären, außeruniversitären und privatwirtschaftlichen Einrichtungen. Die Einstein-Stiftung Berlin tritt auch als Veranstalterin auf, etwa bis 2010 mit der internationalen Wissenschaftskonferenz Falling Walls am Jahrestag des Mauerfalls, dem 9. November. Außerdem organisiert die Stiftung die öffentliche Veranstaltungsreihe „Meeting Einstein“.[5]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß ihrer Satzung steht der Stiftung ein Vorstand vor. Dieser besteht aus drei bis maximal fünf Mitgliedern. Die Amtsdauer des Stiftungsvorstandes beträgt vier Jahre und nimmt die Rolle einer rechtlichen Vertretung ein.[6] Seit 2015 ist Günter Stock amtierender Vorstandsvorsitzender.[7] Christoph Markschies kommt als Präsident der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften eine Position im Vorstand zu, die er seit Amtsantritt zum 1. Oktober 2020 bekleidet.[8] Weitere Mitglieder des Vorstands ist Martin Rennert, ehemalige Präsident der Universität der Künste Berlin, Dorothea Kübler, sowie Ursula-Friederike Habenicht.[9]

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zehnjährigem Jubiläum ihres Bestehens, bilanzierte die Einstein Stiftung ihre Tätigkeit mit bislang über 140 geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, 6 gegründeten Einstein-Zentren zur Förderung interdisziplinärer Forschungsschwerpunkte und 67 realisierten Forschungsprojekten am Standort Berlin.[10] Neben der direkten Förderung von Forschungsvorhaben und Wissenschaftlern, arbeitet die Einstein Stiftung zudem ihr Portfolio für eine Berliner Wissenschaftskommunikation aus. So ist der stiftungseigene Wissenschafts-Podcast #AskDifferent seit 2020 auf Sendung[11], der von den Moderatoren Nancy Fischer und Leon Stebe moderiert wird und Personen und Arbeitsfelder, die mit der Stiftung in besonderem Maße verbunden sind, einer breiten Öffentlichkeit bekannt macht.[12] Auch das seit 2015 erscheinende Journal ALBERT beschäftigt sich mit Forschungsschwerpunkten, die die Vielfalt und Komplexität der Berliner Wissenschaftslandschaft widerspiegeln soll.[13]

Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl hat im Mai 2017 angekündigt, die Einstein Stiftung Berlin als Vorbild zu nehmen, um auch in Österreich eine Koordinationsstelle für die Technologien in der Digitalen Welt einzurichten.[14]

Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einstein-Forschungsvorhaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm fördert innovative wissenschaftliche und gestalterische Projekte in Berlin. Die Projekte müssen verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen einbeziehen. Sie werden über maximal drei Jahre bezuschusst. Zu den geförderten Projekten zählte unter anderem das Institut für Raumexperimente des Künstlers Olafur Eliasson.

Einstein-Professur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm „Einstein-Professur“ unterstützt Berliner Universitäten bei Berufungs- und Bleibeverhandlungen mit hochrangigen Wissenschaftlern, wenn die Hochschule ihre Leistungsgrenze erreicht hat. Unter den aktuellen Einstein-Professoren ist Hélène Esnault.

Die Einstein Stiftung fördert ferner eine Gastprofessur des chinesischen Künstlers Ai Weiwei an der Universität der Künste Berlin.[15]

Einstein Visiting Fellowship[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einstein Visiting Fellows sind international renommierte Wissenschaftler, die sich durch häufige kürzere Gastaufenthalte und den Aufbau einer Arbeitsgruppe längerfristig in die Berliner Wissenschaft integrieren. Zu den derzeitigen Einstein Visiting Fellows zählen unter anderem Dimitri Gutas, Rahul Pandharipande, Francisco Santos, Vasudevan Srinivas, Bernd Sturmfels und Dieter Vogt. Ehemalige Einstein Visiting Fellows sind unter anderem Nancy Fraser, Wendelin Werner, James Sethian und Craig Calhoun.

Einstein BIH Visiting Fellowship[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm „Einstein BIH Visiting Fellow“ richtet sich an Wissenschaftler, die das Berlin Institute of Health (BIH) mit ihrer wissenschaftlichen Expertise unterstützen. Das Programm ist eine Kooperation der Stiftung Charité und der Einstein Stiftung Berlin. Zu den Geförderten in diesem Programm zählt unter anderem Nobelpreisträger Thomas Südhof.

Einstein Junior Fellowship[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung fördert mit dem Programm Einstein Junior Fellow exzellente wissenschaftliche Nachwuchskräfte in Berlin mit einer Stelle und damit verbundenen Finanzierung des jeweiligen Forschungsprojekts mit bis zu 100.000 Euro.

Einstein International Postdoctoral Fellowship[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das Programm „Einstein International Postdoctoral Fellow“ können junge Berliner Wissenschaftler Mittel beantragen, um einen ausländischen Postdoktoranden in ihre Arbeitsgruppe aufzunehmen.

Einstein-Zentren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Forschungsverbünde, die bereits von dritter Seite gefördert werden, können sich zu einem „Einstein Zentrum“ zusammenschließen, um institutionenübergreifende Forschungs- und Lehrnetzwerke aufzubauen. Das erste Einstein-Zentrum ging 2014 an den Start: das DFG-Forschungszentrum Matheon, die Berlin Mathematical School und das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik gründeten zusammen das Einstein-Zentrum für Mathematik „ECMath“. Stand 2019[16] gibt es sechs Einstein-Zentren in Berlin:

Einstein Center Digital Future[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstandssprecher des Einstein Center Digital Future, Odej Kao (links), und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (rechts), bei der Einweihung vom Einstein Center Digital Future. Im Hintergrund Erwin Böttinger (Mitte) und Johann-Christoph Freytag (ganz rechts).

Am 3. April 2017 wurde durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller im Robert-Koch-Forum in der Wilhelmstraße 67 in Berlin-Mitte das Einstein Center Digital Future (ECDF) eingeweiht.[17] Das Zentrum ist eine interuniversitäre Einrichtung für die Erforschung der digitalen Transformation der Bürgergesellschaft. Insgesamt fließen 38,5 Millionen Euro in das öffentlich-private Partnerschaftsprojekt. Die Ziele sind die Förderung der innovativen und interdisziplinären Forschung und die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern. Das Zentrum ist soll 50 neue Professuren schaffen und die Projekte von Universitäten, Forschungsinstitute, Industrieunternehmen und Bundesministerien vernetzen.[18]

Vorstandsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand vom Einstein Center Digital Future besteht aus fünf Personen, denen verschiedene Aufgabenbereiche zugeordnet wurden und die verschiedenen Forschungseinrichtungen angehören:[18]

Einstein-Zirkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Einstein-Zirkel arbeitet ein fester, selbstorganisierter Kreis von Wissenschaftlern über maximal drei Jahre gemeinsam an einem Thema. Unter den Teilnehmern des Zirkels müssen sich Mitglieder von mindestens zwei Berliner Wissenschaftseinrichtungen befinden.

Einstein Research Fellowship[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Professoren, die an einer außeruniversitären Institution forschen wollen, können über das Programm „Einstein Research Fellowship“ Mittel für eine maximal zweijährige Vertretung beantragen. Zu den derzeitigen Einstein Research Fellows zählt Gregory Jackson, ein ehemaliger Einstein Research Fellow ist Stefan Rinke.

Wissenschaftliche Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Veranstaltungen bis zu einer Größe von 50 Teilnehmern können von der Einstein-Stiftung Berlin finanziert werden. Ein Großteil der Teilnehmer muss aus einer außeruniversitären Berliner Forschungseinrichtung stammen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachtragshaushaltsplan 2009 des Landes Berlin, S. 13: Kapitel 1080, Titel 68570
  2. Artikel vom 16. Dezember 2008 auf berlin.de
  3. Artikel vom 28. Juli 2013 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  4. Artikel vom 3. Juli 2014 im Tagesspiegel
  5. Falling Walls. Abgerufen am 8. Oktober 2020 (amerikanisches Englisch).
  6. Satzung, nach Beschluss der Änderungen durch den Stiftungsrat am 10. Januar 2011, am 16. Mai 2013, am 8. Oktober 2013 sowie am 9. Juni 2016. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  7. Neuer Vorsitzender der Einstein Stiftung. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, 5. Juni 2015, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  8. Neuer Präsident der Berliner Akademie: Corona-Gespräche am Gendarmenmarkt. In: Tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 21. September 2020, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  9. Vorstand. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  10. Jahresbericht 2019. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  11. Pressemitteilung 05/20. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, 20. August 2020, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  12. #AskDifferent. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  13. ALBERT. In: Einsteinfoundation.de. Einstein Stiftung Berlin, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  14. „Einstein-Zentrum“ für Wiener Forschung, ORF.at, 10. Mai 2017, abgerufen am 12. Mai 2017
  15. Videobeitrag vom 26. Oktober 2015 auf DIE WELT Online
  16. Einstein-Zentren – Einstein Stiftung Berlin. Abgerufen am 12. November 2019.
  17. Einstein Center Digital Future eröffnet, Pressemitteilung der Einstein-Stiftung Berlin vom 3. April 2017, abgerufen am 4. April 2017
  18. a b Digital Future Begins, Einstein Center Digital Future, abgerufen am 4. April 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]