Eisdiele

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Nachbau der ersten Eisdiele von Schleswig-Holstein
Eisdiele in Berlin, Karl-Marx-Allee

Eine Eisdiele oder ein Eiscafé, in Österreich Eissalon, ist ein Gastronomiebetrieb, in dem vorwiegend Speiseeis serviert wird. In der Schweiz – auch in der Deutschschweiz – herrscht die italienische Bezeichnung Gelateria vor. Neben Eis in Waffeln und Bechern erhält man in Eisdielen auch Milchshakes, Kaffee aller Art und andere Getränke.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Eisdiele soll 1668 der Sizilianer Francesco Procopio de Coltelli, ein ehemaliger Koch des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Paris eröffnet haben. Die erste Eisdiele in Deutschland wurde vermutlich 1799 in Hamburg im Alsterpavillon eröffnet.[1] Das erste Eiscafé in Berlin – das Eiscafé Monheim – eröffnete 1928; es befindet sich bis heute an derselben Stelle in der Blissestraße.

In Deutschland existieren mehr als 5500 Eisdielen[2], von denen etwa 3000 von italienischen Gelatieri geführt werden, von denen wiederum drei Viertel aus dem Val di Zoldo in der Provinz Belluno in den Dolomiten stammen. Dies liegt hauptsächlich an der um 1850 herrschenden Armut der dortigen Bevölkerung, die sich daraufhin auf die Speiseeisproduktion spezialisierte. Viele gingen nach Österreich und in der Weimarer Zeit auch nach Deutschland, wo ab den späten 1920er-Jahren die Eisdiele zum Bestandteil der gastronomischen Stadtkultur wurde.[3] Laut Statistik des Verbandes der italienischen Speiseeishersteller Uniteis produzieren 3300 Eisdielen in Deutschland ihr Eis selbst.

Zahlreiche Eisdielen schlossen früher in den Wintermonaten oder wurden anderweitig genutzt, weil die Inhaber diese umsatzschwache Zeit in Italien verbrachten. Diese Tradition begann sich mit dem Generationenwechsel um die letzte Jahrhundertwende zu ändern. Zum einen übernahmen die Kinder der Betreiber das Geschäft, die keine so starken Bindungen nach Italien haben wie ihre Eltern. Weiterhin ist eine so lange Schließzeit betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll: Mieten und Nebenkosten sowie Löhne sind gegenüber früher deutlich höher, andererseits besuchen an milden Wintertagen durchaus viele Gäste die Eisdielen.

Literaturhinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Donata Panciera, Paolo Lazzarin, Tarcisio Caltran (1999): La storia del gelato. Dall'epopea dei gelatieri alla Mostra Internazionale del Gelato/Wie das Eis entstand. Vom Zeitalter der Speiseeiserzeuger zur Internationalen Speiseeismesse. (ital./dt.). Cierre Edizioni. Caselle di Sommacampagna (VR), Italien. ISBN 978-8-8831-4046-4
  • Eiskalte Leidenschaft. Italienische Eismacher im Ruhrgebiet. Anne Overbeck und Diemar Osses (Hg.). Essen, 2009 ISBN 978-3-8375-0091-2
  • Norbert Fendler (2010): Unvergessene Kult-Eisdiele: Zeitreise mit "Venezia". In: HagenBuch: S. 111–117. ardenkuverlag. ISBN 978-3-932070-95-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Eisdielen, -stände und Eisverkaufswagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Eisdiele – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wieso tun manche Eisladenbesitzer, als seien sie Italiener? In: Zeit Online, 25. Juli 2016.
  2. Angaben von Uniteis e. V. / Statistisches Bundesamt
  3. Das Tal der Gelatieri. Die Zeit, 1. April 2004.