Dielenboden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Alte Fußbodendiele aus Pitch Pine

Ein Dielenboden, auch Schiffboden oder Riemenboden, ist ein Holzfußboden aus Brettern, oft in Raumlängen. Er ist neben dem Holzpflaster (auch Stöckelboden genannt) aus kleinen Stirnholz-Abschnitten die älteste Form des Holzbodens.

Eine spätere Entwicklung sind Parkett-Holzböden, die aus Holzstäben zusammengesetzt werden, die in der Regel weniger als einen Meter lang sind.

Die Dielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dielen können aus jeder Holzsorte hergestellt werden, die sich in der gewünschten Breite rißfrei aufschneiden läßt. Im Gegensatz zu Brettern für den allgemeinen Bedarf wird beim Auftrennen des Rundholzes darauf geachtet, dass die Jahresringe des fertigen Dielenbretts senkrecht stehend verlaufen. Liegende Jahresringe können insbesondere bei schnellwachsendem Nadelholz dazu führen, dass sich stellenweise eine flach auslaufende, splittrige Holzschicht entlang des Verlaufs der Jahresringe von der Oberfläche des Fußbodens löst.[1]

Erwünscht ist zudem trockenes und maßhaltiges Holz, um eine langfristige versatz- und fugenfreie Oberfläche zu erhalten.

Traditionell werden massive Dielen in Stärken von 21 bis etwa 50 mm und einer Breite ab 80 mm verwendet. (Schnittholz in einer Stärke von weniger als 40 mm wird als Brett, bei einer größeren Stärke als Bohle bezeichnet.)

Heute werden Dielen auch in der Art von Furnier- oder Brettschichtholz zwei- oder mehrschichtig verleimt und im Handel oft als Landhausdielen bezeichnet.

  • Bei der Fertigung entsteht kaum Verschnitt, da die Schichten vor dem flächigen Verleimen per Keilzinkenverbindung endlos aneinandergesetzt werden.
  • Durch die Verleimung von mehreren vorgetrockneten Schichten können die Eigenarten der einzelnen Schicht ausgeglichen werden. Dadurch ergibt sich ein sehr maßhaltiger Dielenboden.
  • Für die Sicht- und Nutzfläche wird ein festes und fehlerfreies Holz mit gleichmäßiger Maserung ausgewählt, während für die unteren Schichten Resthölzer verwendet werden können.
  • Die oberste Schicht sollte wenigstens 8 mm stark sein, damit der Holzfußboden zur Renovierung einige Male abgeschliffen werden kann, ohne diese Schicht vollständig durchzuschleifen.

Als Nadelholz werden meist Kiefer, Lärche oder Fichte bzw. Tanne verwendet. In Altbauten wurden um 1900 häufiger die Importhölzer Pitch pine und Oregon pine (Douglasie) verwendet. Hochwertigere Fußböden werden aus den Laub- oder Tropenhölzern hergestellt.

Spundung bei Holzdielen, die auch stirnseitig angewendet werden kann.

Vor dem Aufkommen von Sägewerken wurden Dielen per Hand gesägt. Sehr breite Dielen wurden aus der Mitte des Stammes gesägt, da sich diese sogenannten „Herzbretter“ weniger verziehen. Damit waren sehr breite Dielen (bis ein Meter) möglich, der Dielenboden war damit sehr uneinheitlich. Mit der industriellen Holzverarbeitung (etwa ab 1850) wurden die Dielen dünner, einheitlich breit und meist gespundet (umgangssprachlich „Nut/Feder“). Die Länge war so bemessen, dass sie der Raumlänge quer zur Balkenlage entsprach. Bei sehr langen Räumen oder Fluren wurde auf einem Deckenbalken eine durchgehende Stoßfuge gebildet.

Die Landhausdielen und viele im Handel befindliche Massivholzdielen haben eine feste Konfektionslänge von etwa zwei Meter und sind allseits gespundet, so dass sie auch an den Stirnseiten eine feste Verbindung haben. Damit ist eine Anpassung an beliebige Raumlängen möglich.

Konstruktion und Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verzapfungsarten und Fixierung von Dielenböden

Beim Dielenboden aus Massivdielen bilden die Bretter zugleich die tragende Platte und die Oberfläche des Fußbodens. Bei traditionellen Holzbalkendecken sind die Dielenbretter direkt auf die Deckenbalken genagelt. Bei gespundeten Dielen werden in der Regel Stifte (Nägel mit kleinem Kopf) schräg durch die Feder getrieben, so dass der Nagel an der Oberfläche nicht sichtbar ist. Bei der Altbausanierung können unebene und durchgebogene Balkenlagen Balkens durch entsprechend zurechtgeschnittene Futterhölzer (zum Ende hin spitz auslaufende Leisten) in der Höhe ausgeglichen werden. Ist die Seite der Balken zugänglich, so läßt sich der Höhenausgleich leichter herstellen, indem Bohlen seitlich an die Balken gerschraubt werden. An durchhängenden Balken werden die Bretter den Balken gegenüber nach oben überstehend befestigt, so dass die Dielen an diesen Stellen alleine von den Bohlen getragen werden.

Bis 2008 konnte bei Mauerwerksbauten mit bis zu 2 Vollgeschossen und aussteifenden Wänden nach DIN 1053 Teil 1 Abb. 2.1 eine „Scheibe nach DIN 1052-1 ohne rechnerischen Nachweis“ gemäß DIN 1052:1988 angenommen werden,[2] wenn

  • tragende Deckenschalungen (z. B. Dielenboden) aus Brettern mit wenigstens 12 cm Breite oder Holzwerkstoffplatten vorhanden sind,
  • Zuganker nach DIN 1053 Teil 1 Abschnitt 3.3.3.2. angeordnet werden und
  • das Gebäude durch Wände entsprechend DIN 1053 Teil 1 Tabelle 3, von Wand zu Wand durchlaufend ausgesteift ist.[3]

Historisch wurde die statische Aussteifung auch durch im 45°-Winkel zu den Balken verlegte Dielen oder durch zusätzliche, diagonal verlegte Stahlbänder erreicht. Heute übernehmen dies meistens Unterböden aus breiten Werkstoff- oder Gipsfaserplatten.

Werden Dielen unmittelbar auf den Holzbalken befestigt, so übertragen diese Trittschall und in geringem Masse auch Luftschall auf angrenzende Räume. Darunterliegende Räume können durch eine abgehängte, schalltechnisch entkoppelte Unterdecke vor der Übertragung von Geräuschen geschützt werden. In reinen Holzbauten übertragen die Deckenbalken den Trittschall jedoch über ihre Auflager in das gesamte Bauwerk. In diesem Fall sowie wenn in Massivbauten auf eine schwingend aufgehängte Unterdecke verzichtet werden soll, sollte der Dielenboden nicht direkt auf den Holzbalken befestigt werden.

In der Regel werden heute zunächst Lagerhölzer lose auf die Deckenbalken gelegt, die durch dazwischenliegende Trittschall-Dämmstreifen (z. B. Filz) von den Balken entkoppelt sind. Die Lagerhölzer werden nach dem Verlegen des Bodens ausschließlich mit den Dielen verschraubt. Es ist besonders darauf zu achten, dass keine Schraube durch den Trittschallschutz bis in den Deckenbalken geschraubt wird. Traditionell wurden die Lagerhölzer oft auch lose in die Füllung aus Hochofenschlacke gelegt, die zum Brand- und Luftschallschutz in die Zwischenräume der Balken eingebracht wurde und beispielsweise von einem darunter befindlichen Blindboden aus Einschieblingen getragen wurde.

Ein Dielenboden auf Massivdecken wie Beton benötigt Lagerhölzer, die auf dem rohen Boden liegen können oder mit elastischen Klebstoffen direkt auf den Estrich geklebt werden. Die Oberfläche blieb entweder unbehandelt oder wurde mit Ochsenblut oder Bohnerwachs versiegelt. Später kam die Versiegelung mit Klarlack hinzu, in neuester Zeit ist das Ölen eine Alternative.

In der Gegenwart werden Mehrschicht-Dielen, die als gespundet oder auch als Lock-Systeme angeboten werden, schwimmend oder mit Klebstoffen auf Estrich oder Blindböden verklebt. Derartige Bodenaufbauten haben keine tragende oder statische Funktion mehr, sondern sind ein Bodenbelag, dessen Aussehen einem Dielenboden vergleichbar ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Dielenboden – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Verlegearten für Holzdielen bei Selbst.de

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wenn sich von der Oberfläche des Holzfußbodens Splitter lösen kann der Fußboden neu abgeschliffen werden. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass sich nach einiger Zeit wieder Splitter bilden. Dies wird durch eine Versiegelung des Bodens verhindert. Das Holz wird dann durch die Kunstharzschicht geschützt, die allerdings selber nach einigen Jahren verschleißt und erneuert werden muss. Am einfachsten ist es, die betroffenen Stellen mit rotierenden Schleifbürsten zu bearbeiten. Die Splitter werden dabei durch die in entgegengesetzter Richtung rotierenden Schleifborsten abgetragen. Viele Tischlereien besitzen entsprechende Bürstenmaschinen, insbesondere, wenn sie in der Altbausanierung oder in der Denkmalpflege tätig sind. Durch das Bürsten des Fußbodens wird die Maserung plastisch hervorgehoben. Wenn es auf ein gleichmäßiges Erscheinungsbild ankommt, sollte daher der gesamte Fußboden bearbeitet werden.
  2. Dr. Holger Schopbach: Decken- und Dachscheiben nach EC5-1-1, Eurocode 5, In: Quadriga-News.de bzw. Zeitschrift Holzbau - Die neue Quadriga 3/2016, S. 47
  3. Prof. Dipl.-Ing. Erich Milbrandt: Aussteifende Holzbalkendecken im Mauerwerksbau - Teil 2/4, In: Bauingenieur24.de, 15. Oktober 2001