Eldgjá

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ófærufoss 1975
Eldgjá

Bei der Eldgjá (isl. Feuerschlucht) handelt es sich um eine ca. 8 km lange Schlucht, den zentralen Teil der 75 km langen gleichnamigen Vulkanspalte, die zum Vulkansystem des Zentralvulkans Katla auf Island gehört.

Lage und Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlucht Eldgjá liegt im Süden des Hochlandes zwischen Landmannalaugar und Kirkjubæjarklaustur in der Gemeinde Skaftárhreppur und ist bis zu 150 m tief und bis zu 600 m breit[1]. Þorvaldur Thoroddsen entdeckte die Schlucht am 22. Juli 1893.[2]

Ausbruchsserie 934-40[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eldgjá entstand vermutlich bei einem Ausbruch im Jahre 934, der beachtliche Ausmaße gehabt haben muss, denn die ausgeflossene Lavamenge wird auf über 18 Kubikkilometer und die in die Luft geschleuderte Tephra auf 1,4 Kubikkilometer geschätzt[3].

Vermutliche Abfolge der Ausbruchsserie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbruchsserie begann mit einem gewaltigen explosiven Ausbruch am Südwestende der Ausbruchsspalte, die unter dem Mýrdalsjökull liegt. Dies löste Gletscherläufe in östliche Richtung über den Mýrdalssandur und auch über den Mælifellssandur in nördliche Richtung aus. Gleichzeitig gab es einen Ausbruch in der Caldera der Katla. Dem schlossen sich effusive Ausbrüche im nördlich an den Mýrdalsjökull anschließenden eisfreien Teil der Spalte an.

Der mittlere Teil der Spalte, die eigentliche Schlucht Eldgjá entstand in der nächsten Phase des Ausbruchs. Schließlich gab es ebenfalls Ausbrüche im Nordosten am Rand des Vatnajökull. Die jeweiligen Ausbruchsserien begannen mit einer explosiven und endeten mit einer effusiven Phase.

Insgesamt dauerten die Ausbrüche ca. 3-4 Jahre.[4]

Spuren der Eruption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wälle der Schlucht bestehen aus Palagonit, sind jedoch bedeckt mit Schlacken. Einige Spuren lassen auf das Vorhandensein von Lavasäulen schließen. Die Schlackenkrater auf dem Boden der Eldgjá dürften damals auch aktiv gewesen sein[5].

Umwelteinfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was die Umweltauswirkungen anging, war Eldgjá eine der größten Eruptionen in historischer Zeit, die diejenige der Lakikrater, aber auch die des Tambora von 1815 bei weitem hinter sich lässt. Sie speiste 219 Mill. Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre ein, wo sie mit Wasser und Sauerstoff reagierten und zu 450 Mill. Tonnen Schwefelsäure wurden. Die Aerosole müssen einen Großteil der Nördlichen Hemisphäre bedeckt haben. Aber die historischen Quellen aus der Zeit sind spärlich. Die Wirkung verteilte sich auch über etliche Jahre.[3]

Einfluss auf die Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auswirkungen auf die Bevölkerung müssen verheerend gewesen sein. Interessanterweise erwähnt jedoch keine der bekannten isländischen Quellen zum Mittelalter den Ausbruch direkt, weder das Landnahmebuch (Landnámabók) noch das Isländerbuch (Íslendingabók), die Geschichte Islands des Gelehrten Ari fróði. Verschiedene Theorien existieren über diese auffallende Schweigsamkeit hinsichtlich eines so bedeutenden Ereignisses. U.a. vermutet man, man hätte keine weiteren Siedler von Island abschrecken wollen.

Wasserfall Ófærufoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Wasserfall, der Ófærufoss, befindet sich in der Schlucht. Er war früher über eine Naturbrücke zu überqueren, die allerdings infolge der Schneeschmelze im Winter 1992/1993 einstürzte.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eldgjá ist von Süden her über Hochlandpisten, den Búlandsvegur 208 und den Fjallabaksleið Nyrðri F208, von der Ringstraße aus zu erreichen. Dabei müssen mehrere Flüsse gefurtet werden.

Die Piste führt über Landmannalaugar weiter an das südliche Ende der Sprengisandur-Hochlandpiste.

Nordöstlich der Eldgjá liegen die Laki-Krater.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Schutzbach: Katla, die Geschichte eines isländischen Vulkans. Reykjavík 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Photos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thor Thordarsson, Armann Hoskuldsson: Iceland.Classic Geology in Europe 3. Harpenden 2002, S.109
  2. Martin Scharzbach, Geologenfahrt auf Island, 3. Aufl. 1971, S. 68
  3. a b Thor Thordarsson, ebd., S. 110
  4. Schutzbach, S.34ff.
  5. Thor Thordarsson, ebd., S. 109–110

Koordinaten: 63° 57′ 47″ N, 18° 37′ 8″ W