Emanuel Ciolina Zanoli

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Zeichnung des Wagens von Held Carneval aus dem Jahre 1824

Emanuel Ciolina Zanoli (* 1796 in Köln; † 11. Dezember 1832 ebenda[1][2]) war ein Produzent von Kölnisch Wasser und als Held Carneval erster Kölner Karnevalsprinz.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vater von Emanuel Ciolina-Zanoli, Johann Baptist Ciolina genannt Zanoli (* 12. Februar 1759 in Toceno; † 9. Februar 1837 in Köln; Sohn[3] des Stephan Ciolina und der Dominica Zanoli) war im 18. Jahrhundert[4] aus Italien nach Köln gekommen, wo er mit Maria Mechthild Epmundi (* um 1770; † 16. September 1810 in Köln) eine Familie gründete.[2] Emanuels Onkel Carl Arnold Zanoli war zunächst als Gehilfe bei Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz tätig, dessen Inhaber mit ihm verwandt war, wurde dann Geschäftspartner und machte sich anschließend als Produzent von Eau de Cologne selbständig. Für die nächsten hundert Jahre gehörte das Haus zu den führenden Unternehmen seiner Branche. Im September 1818 übernahm Emanuel Ciolina Zanoli die Leitung des Geschäfts und teilte nach dem Tode des Vaters das Geschäft mit seinem jüngeren Bruder.[5]

Zanoli war Mitglied der Kölner Casinogesellschaft und der Olympischen Gesellschaft um Ferdinand Franz Wallraf. Aus Mitgliedern dieser Vereine gründete sich 1823 die Festordnende Gesellschaft des Kölner Karnevals, um das Volksfest auch für die Angehörigen der gesellschaftlichen Oberschicht der Stadt attraktiv zu gestalten. Bisher feierten diese meist in privaten Wohnhäusern, während das einfache Volk auf der Straße feierte und letztere Veranstaltungen meist ausarteten.[6] Neben Zanoli gehörte auch der Parfümfabrikant Johann Baptist Farina (1758–1844) der Gesellschaft als Mitbegründer an.

Zanoli übernahm in den Maskenumzügen des Jahres 1823 erstmals die neu geschaffene Rolle des Helden Carneval.[5] Gegen die ursprünglich gewählte Bezeichnung König Karneval hatte die Kölner Polizei Einspruch erhoben, da eine Majestätsbeleidigung befürchtet wurde.[6] Dieser Held Carneval sollte nach den Vorstellungen der Karnevalsreformer „die Erbärmlichkeit des gewöhnlichen Treibens auf Grund seines edlen Charakters in die gewünschten Bahnen lenken und alle Missstände beseitigen“.[5]

Das Gewand des Helden war dem des deutschen Kaisers mit weißem Unterkleid samt goldener Kette und einem mit Hermelin besetztem Mantel nachempfunden, um auf den früheren Kölner Status als Freie Reichsstadt bis 1794 hinzuweisen. Dazu trug er eine goldene Krone mit Pfauenschweif, Symbol der Unsterblichkeit. In der rechten Hand hielt er ein Zepter, in der linken eine „Waffe“, die heutige Pritsch. Zu seiner Inthronisierung wurde ein Karnevalslied geschrieben, das lange das Eröffnungslied auf allen Sitzungen war.[7]

Ein Dreigestirn gab es noch nicht, aber 1823 eine „Jungfrau“, die die Stadtgründerin Agrippina personifizieren sollte.[6] Im Jahr darauf wurde eine Prinzessin Venetia, dargestellt von Bankierssohn Simon Oppenheim, vom Helden mit großem Zeremoniell empfangen und ihr ein Fläschchen Eau de Cologne durch den Hofnarren überreicht.

1824 bat Emanuel Zanoli den Professor für Botanik in Bonn, Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck, der mit Goethe in Verbindung stand und den Kölner Karneval regelmäßig besuchte, die „diesjährige Karnevalsliteratur, Programm, Lieder und Zettel, dem berühmten Dichter, dem klassischen Schilderer des römischen Narrenfestes, zu übersenden und ihm die Bitte zu äußern, daß er den kölnischen Karneval durch irgend eine öffentliche Erwähnung ehren möge“.[8] Goethe kam dieser Bitte nach und schrieb im Jahr darauf das Gedicht Der Kölner Mummenschanz: „Löblich wird ein tolles Streben, Wenn es kurz ist und mit Sinn“, heißt es darin.[9]

Zanoli übernahm die Rolle des Helden Carneval mehrere Jahre, zuletzt 1829. Im Jahre 1830 wurde der öffentliche Umzug von der Regierung untersagt; an die Stelle des Helden Carneval trat der Hanswurst.

Ohne leibliche Nachkommen zu hinterlassen starb Emanuel Ciolina-Zanoli 1832 in Köln, nach zweijähriger Ehe.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Herbert M. Schleicher: 80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen. (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V., Neue Folge Nr. 50) Band V, Köln 1990, ohne ISBN, S. 272.
  2. a b Herbert M. Schleicher: 80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen. (= Veröffentlichungen der |Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V., Neue Folge Nr. 37) Band I, Köln 1987, ohne ISBN, S. 435.
  3. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Zivilstandsregister, Landgerichtsbezirk Köln, Standesamt Köln, Sterbefälle, 1837, Urk. Nr. 286.
  4. Christina Frohn: Karneval in Köln, Aachen und Düsseldorf 1923–1914. Phil. Diss. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1999, S. 51.
  5. a b c Emanuel Ciolina Zanoli. (Nicht mehr online verfügbar.) Epoche Napoleon, archiviert vom Original am 24. März 2014; abgerufen am 24. März 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/lts.epoche-napoleon.net
  6. a b c Chronik des Kölner Karnevals von 1823 bis 1938. (Nicht mehr online verfügbar.) koelner-karneval.info, archiviert vom Original am 29. März 2014; abgerufen am 24. März 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.koelner-karneval.info
  7. 1823 wurde „Held Karneval“ vorgestellt. kamelle.de, 5. März 2011, abgerufen am 24. März 2014.
  8. Christina Frohn: Karneval in Köln, Aachen und Düsseldorf 1923–1914. Phil. Diss. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1999, S. 357 f.
  9. Zitiert nach: Christina Frohn: Karneval in Köln, Aachen und Düsseldorf 1923–1914. Phil. Diss. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1999, S. 9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]