Kölnisch Wasser

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Original Eau de Cologne in einem Rosoli-Flacon
Kölnisch-Wasser-Bestellung für Napoleon (1811)
4711-Molanus-Flasche aus dem Jahre 1885
Heutiger Flacon von 4711

Echt Kölnisch Wasser oder auch Original Eau de Cologne ist die Bezeichnung für ein typisches Kölner Duftwasser. Es wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelt und dominierte den Parfümeriemarkt bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Im Gegensatz zum Eau de Cologne ist Original Eau de Cologne eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene Marke der Kölner Hersteller, während eine Eintragung als Gemeinschaftsmarke vom Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt, bestätigt vom EuG, als „beschreibende Angabe ohne Unterscheidungskraft“ zurückgewiesen wurde[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert ist das Eau de Cologne der Firma Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz. Der italienische Parfümeur Johann Maria Farina (1685–1766) schuf 1709 aus Ölen von Zitrone, Orange, Bergamotte, Mandarine, Limette, Zeder und Pampelmuse sowie Kräutern ein Duftwasser, das er zu Ehren seiner Wahlheimatstadt „Eau de Cologne“ zum ersten Mal in einem Brief von 1742 so benannte. Das Haus „Farina gegenüber“ übernahm damit die Herkunftsbezeichnung, die französische Offiziere dem Eau Admirable beigegeben hatten, und wurde so zum Erfinder des „Kölnisch Wasser“, das noch heute von der Firma in unveränderter Rezeptur hergestellt wird.[2][3][4]

Kölnisch Wasser entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem großen kommerziellen Erfolg, das von Köln aus sehr bald in ganz Europa verkauft wurde. Zu seinen Benutzern zählten Ludwig XV., Napoleon Bonaparte und Wolfgang Amadeus Mozart. Voltaire nannte es ein Duftwasser, das den Geist inspiriere, und Johann Wolfgang von Goethe bewahrte in Schreibtischnähe mit Eau de Cologne getränkte Taschentücher auf.[5] Beau Nash und Beau Brummel machten es im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert in Großbritannien zum dominierenden Herrenduft.[6]

Kölnisch Wasser war verglichen mit Parfüms vergleichsweise preisgünstig.[7] Wohlhabende Personen benutzten es in großen Mengen, aber es war preiswert genug, um auch von Personen der Mittelschicht in Maßen verwendet zu werden. Friseure wie Apotheker führten es unter ihren Waren. Es wurde ursprünglich fast nur von Männern getragen, in Großbritannien setzte es sich erst ab 1830 als Duft für beide Geschlechter durch.[7]

Das weltweit bekannteste Original Eau de Cologne ist die Marke 4711, deren Name der ehemaligen Hausnummer des Stammhauses der Firma Muelhens GmbH & Co. KG in der Glockengasse entnommen ist. Es wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Mülhens in Köln hergestellt. Am 12. Dezember 2006 hat das Parfüm- und Kosmetikunternehmen Mäurer & Wirtz die Marke 4711 von der zum Konzern Procter & Gamble gehörenden Muelhens GmbH & Co. KG übernommen. Beide Kölnisch Wässer aus Köln zählen zu den ältesten heute noch hergestellten Parfüms der Welt.

Ein Beispiel für einen historisch bedeutenden Kölnisch-Wasser-Produzenten außerhalb Kölns ist Maria Joseph Farina (* 3. Dezember 1785; † 19. Januar 1864), der nach Paris einwanderte und dort ab 1806 unter dem Namen „Jean Maria Farina, Paris“ zum ersten Mal ein „Véritable Eau de Cologne“ produzierte. 1862 übernahm die im selben Jahr von Armand Roger und Charles Gallet gegründete Parfümfirma Roger & Gallet die Pariser Firma und wurde auf diese Weise zum Wettbewerber im Eau-de-Cologne-Markt. Jetzt zur L’Oréal-Gruppe gehörend, ist es noch heute erhältlich.[8][9]

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giovanni Fenaroli, L. Maggesi: Acqua di Colonia. In: Rivista italiana essenze, profumi, piante offizinali, olii vegetali, saponi, Jg. 42 (1960)
  • Francesco La Face: Le materie prime per l’acqua di colonia. In: Relazione al Congresso di Sta. Maria Maggiore 1960.
  • Sébastien Sabetay: Les Eaux de Cologne Parfumée. Sta. Maria Maggiore Symposium 1960.
  • Frederick V. Wells: Variations on the Eau de Cologne Theme. Sta. Maria Maggiore Symposium 1960.
  • Markus Eckstein: Eau de Cologne Auf den Spuren des berühmten Duftes, Bachem Verlag, Köln 2006, ISBN 3-7616-2027-6.
  • Markus Eckstein: Eau de Cologne 300 Jahre Farina, Bachem, Köln 2009, ISBN 978-3-7616-2312-1.
  • Markus Eckstein: Cologne, Wiege der Eau de Cologne, Bachem, Köln 2013, ISBN 978-3-7616-2676-4
  • Wilhelm Mönckmeier: Zur Feier des 200 jährigen Geschäfts-Jubiläums der Firma – Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz –, 1709 – 1909, Köln 1909
  • Herrmann Schäfer: AUS DEM ARCHIV DES ORIGINALHAUSES, Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs=Platz, KÖLN 1929.
  • Wilhelm Mönckmeier und Hermann Schaefer: Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs=Platz in Köln gegründet 1709. Eine wirtschafts- und handelsgeschichtliche Studie. Schriften des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs Band 7, Kurt Vowinckel Verlag G.m.b.H., Berlin-Grunewald 1934
  • Ernst Rosenbohm: Kölnisch Wasser. Ein Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte, Albert Nauck, Berlin / Detmold / Köln / München 1951.
  • Werner Schäfke (Hrsg.): Oh! De Cologne. Die Geschichte des Kölnisch Wasser. Mit Beitrag von Bernhard Kuhlmann: Jedenfalls schmeckt Eau de Cologne besser als Petroleum. Wienand, Köln 1985, ISBN 3-87909-150-1 (Anlässlich der Ausstellung: Ottekolong - Eau de Cologne - Kölnisch Wasser - zur Geschichte eines Kölner Produkts im Kölnischen Stadtmuseum vom 25. September bis 1. Dezember 1985).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EuG, Urteil vom 25.11.2014 - T-556/13 (curoa.eu).
  2. o. V., Zur Feier des 200 jährigen Geschäfts-Jubiläums der Firma – Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz -, S. 13.
  3. o. V., AUS DEM ARCHIV DES ORIGINALHAUSES, Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs=Platz , KÖLN o. J., S. 8.
  4. Wilhelm Mönckmeier und Hermann Schaefer, Die Geschichte des Hauses Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs=Platz in Köln gegründet 1709. Eine wirtschafts- und handelsgeschichtliche Studie. Schriften des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs Band 7 , Kurt Vowinckel Verlag G.m.b.H., Berlin-Grunewald 1934, S. 61.
  5. Helena Attlee: Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow: The Story of Italy and its Citrus Fruit. Penguin Books, London 2015, ISBN 978-0141-96786-8. S. 160.
  6. Ruth Goodman: How to be a Victorian. Penguin Books, London 2013, ISBN 978-0-241-95834-6. S. 131.
  7. a b Ruth Goodman: How to be a Victorian. Penguin Books, London 2013, ISBN 978-0-241-95834-6. S. 132.
  8. Schäfke, Oh! De Cologne, S. 44 und 46
  9. Ernst Rosenbohm: Kölnisch Wasser, S.392 ff.