Manuelinik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Emanuelstil)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Torre de Belém, Lissabon
Seefahrerornamentik im manuelinischen Stil in Tomar

Die Manuelinik (auch Emanuelstil, Manuelinischer Stil oder Emanuelismus genannt) ist ein prunkvoller Architekturstil, der nur im Königreich Portugal des frühen 16. Jahrhunderts auftrat. Benannt ist die Manuelinik nach König Manuel I. (reg. 1495–1521), der während der wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit Portugals an der Macht war. Der Stilbegriff manuelino wurde durch den Historiker Francisco Adolfo de Varnhagen in seiner Schrift Notícia Histórica e Descriptiva do Mosteiro de Belém von 1842 eingeführt.

Stilkundliche Einordnung[Bearbeiten]

Kolonien Portugals (grün) und Spaniens (gelb) um 1600

Die Manuelinik ist der früheste portugiesische Kolonialstil, und kann als eine Sonderform der Spätgotik angesehen werden, die um spanische, italienische, flämische Stilelemente sowie um maritime Ornamente (wie Schiffstauwerk) erweitert wurde. Inspiriert wurde sie durch die Reisen der Seefahrer Vasco da Gama und Pedro Álvares Cabral, deren Entdeckungen und Eroberungen Portugal seinerzeit einen besonderen Reichtum bescherten. Damit ähnelt der Stil dem Wesen nach anderen manieristisch anmutenden Stilen der ausgehenden Gotik (wie Flamboyant in Frankreich und England).

Der Manuelinische Stil lebt in den Verzierungen der portugiesischen, spanischen, mexikanischen und kolonialen indischen Kunst weiter, die er beeinflusst hat.

Bauten[Bearbeiten]

Ein Großteil der manuelinischen Bauten wurden beim großen Erdbeben von Lissabon 1755 zerstört. Erhalten blieben dagegen der Torre de Belém und das benachbarte Hieronymuskloster, das Kloster Batalha sowie der Kapitelsaal des Christusklosters in Tomar – die Fenster dieses Saales sind außen wie innen reich mit plastischem, verflochtenem Schiffstauwerk und Naturmotiven verziert. Ein weiteres, sehr charakteristisches Motiv der Manuelinik ist die Armillarsphäre, ein astronomisches Instrument, das in vielfachen Abwandlungen an fast allen Bauten zu finden ist. Die üppige maritime Ornamentik wuchert an Wänden, Portalen und Fenstern, schmückt Klöster, Kirchen und Paläste und rankt sich sogar an Schandpfählen hoch.

Vereinzelt haben sich Werke des manuelinischen Stils in den ehemaligen Kolonialgebieten Portugals erhalten, etwa die sogenannte ‚Portugiesische Kapelle‘ (Chapelle Portugaise) in der marokkanischen Hafenstadt Safi, die 1522 erbaute Capela de Nossa Senhora do Baluarte auf der Insel Mosambik[1] oder die Kirchen São Francisco und der Priorado do Rosário in Goa (heute Welterbe) sowie auf der Insel Madeira mit der Kathedrale von Funchal und auf den Azoren mit der Igreja Matriz de São Sebastião.

Vertreter[Bearbeiten]

Bedeutende Vertreter dieses Stils waren João de Castilho und Diogo Boitaca, die für das Klostergeviert des Hieronymuskloster berühmt sind, sowie Francisco und Diogo de Arruda, die den Torre de Belém am Tejuufer in Lissabon entworfen haben. In der Malerei gilt der namentlich nicht bekannte Meister von Sardoal als Vertreter der Manuelinik.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manuelinik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vergl. Capela de Nossa Senhora do Baluarte, portugiesische Wikipedia