Emil Waldmann (Kunsthistoriker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Leo von König: Emil Waldmann, 1943

Emil Waldmann (* 15. Dezember 1880 in Bremen; † 17. März 1945 in Würzburg) war ein deutscher Kunsthistoriker und Direktor der Kunsthalle Bremen.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldmann war der Sohn eines Geschäftsinhabers für Handschuhe. Er studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin und der Georg-August-Universität zu Göttingen Kunstgeschichte, Geschichte und Klassische Archäologie und wurde 1905 mit dem Thema Lanzen, Stangen und Fahnen als Hilfsmittel der Komposition in den graphischen Frühwerken des Albrecht Dürer bei Prof. Dr. Robert Vischer (1847–1933) daselbst promoviert.[1] In der von Gustav Pauli geleiteten Kunsthalle Bremen wurde er, nach einjähriger Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter, 1907 Direktorialassistent. Nach Aufenthalten in Italien und Paris von 1910 bis 1913 wurde er kurzzeitig Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts (1913/14). Nach dem Wechsel Paulis zur Hamburger Kunsthalle am 1. Juli 1914, kehrte er als Direktor der Kunsthalle in seine Heimatstadt Bremen zurück. Während der ersten Jahre seiner Tätigkeit konnte er die Sammlung deutscher Impressionisten trotz der kriegsbedingt wirtschaftlich schwierigen Lage systematisch ergänzen. So konnte er Werke Liebermanns, das große Selbstbildnis und den Wannseegarten, Lovis Corinths Liegenden Akt und das Bildnis des Malers Bernt Grönvold, sowie sieben Gemälde von Max Slevogt, erwerben. Waldmann war förderndes Mitglied der SS, Mitglied des Reichsbund der Deutschen Beamten, der Reichsschrifttumskammer, des Reichsluftschutzbundes und der NS-Volkswohlfahrt, nicht aber Mitglied der NSDAP.[2]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hielt sich Waldmann in Würzburg auf und suchte dort bei den schweren Bombenangriffen mit seiner Frau den Freitod im Main.

Kernpunkte seiner Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldmanns Schwerpunkt war die Erweiterung der Kollektion von Meistern des 19. Jahrhunderts, aber er führte die Sammlung auch weiter in die Moderne. Zu seiner bedeutendsten Publikation gehört die Monographie über die Radierungen und Kupferstiche Albrecht Altdorfers, sein besonderes Interesse galt, ähnlich wie bei Gustav Pauli, der altdeutschen Druckgraphik.

Durch erfolgreiche Stiftungsarbeit gelang es ihm ein Familienbildnis aus der Hand Nicolas de Largillières aus dem Nachlass von Wilhelm Albers und ein Blumenstilleben von Gustave Courbet des Mäzens Carl Schütte für die Kunsthalle zu beschaffen. Der Galerie-Verein ermöglichte den Erwerb des Friedhofseingang von Caspar David Friedrich. Aus dem Nachlass von Friedrich Lahmann erhielt 1937 die Kunsthalle 639 Zeichnungen, 3627 Blatt Druckgraphik und 45 Gemälde, überwiegend Werke der Romantik, darunter Bilder von Carl Blechen, Carl Gustav Carus, Dahl, Christian Friedrich Gille sowie von Alfred Sisley.

Waldmann, der ein erfolgreicher Kunstschriftsteller, Vortragsredner und Ausstellungsorganisator war und dadurch über Bremen hinaus wirkte, wurde 1930 vom Senat zum Professor ernannt. Er hatte eine glückliche Hand bei Neuerwerbungen für die Kunsthalle und war modernen Strömungen gegenüber aufgeschlossen. In der Zeit des Nationalsozialismus tat er als „Konformist“ mit, einige Werke als „entartete Kunst“ auszusondern, ging als Kunstsachverständiger auf Einkaufsreise in die besetzte Niederlande, wurde „als Sachverständiger zur Begutachtung von Kunst aus jüdischem Besitz bestellt“ und war als vorgeblich Unpolitischer dem nationalsozialistischen Regime gegenüber „loyal bis in den Untergang“[2].

Nach einer Studienreise zur griechischen Nationalgalerie im Jahr 1912 trug Emil Waldmann zur Wiederentdeckung des französischen Stilllebenmalers Jacques Linard mit seinem Artikel Die athenische Bildergalerie bei.[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In den 1920er Jahren wurde er von Bremen zum Professor ernannt.
  • In Bremen wurde die Emil-Waldmann-Straße nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Artinger: Loyal bis in den Untergang. Professor Dr. Emil Waldmann (1880–1945): Kunsthistoriker, Museumsleiter, Hochschuldozent. In: Ruth Heftrig, Olaf Peters, Barbara Schellewald (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken. Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 134–155.
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
  • Verena Borgmann: Die Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit der Kunsthalle Bremen unter Emil Waldmann 1914-1932, in: Kurt Dröge (Hrsg.): Museum revisited : transdisziplinäre Perspektiven auf eine Institution im Wandel. Bielefeld : Transcript, 2010, ISBN 978-3-8394-1377-7, S. 119–132.
  • Kai Artinger: Die Kunsthalle Bremen im Dritten Reich, Saarbrücken 2010, passim, bes. S. 88–118.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Als Studien zur deutschen Kunstgeschichte 1906 in erschienen (online ).
  2. a b Kai Artinger: Loyal bis in den Untergang. Professor Dr. Emil Waldmann (1880–1945): Kunsthistoriker, Museumsleiter, Hochschuldozent. In: Ruth Heftrig, Olaf Peters, Barbara Schellewald (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken. Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 134–155, hier S. 144 (online).
  3. Zeitschrift für bildende Kunst Jahrgang 23, Januar 1912, S. 96–97 nebst einer Reproduktion des Gemäldes Pflaumen und Birnen auf Zinnteller.