Emslandlager Aschendorfermoor

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Koordinaten: 53° 1′ 49″ N, 7° 23′ 49″ O

Karte: Deutschland
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Emslandlager Aschendorfermoor
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Deutschland

Das Emslandlager Aschendorfermoor, auch Lager II genannt, war ein nationalsozialistisches Strafgefangenenlager, das im April 1935 errichtet wurde. Es lag im heutigen Ortsteil Aschendorfermoor der Stadt Papenburg und war eines von insgesamt 15 Emslandlagern. Es war für 1000 Gefangene ausgelegt und ursprünglich als Justizgefangenenlager geplant.

Besonders bekannt wurde das Lager durch die Kriegsverbrechen des Gefreiten Willi Herold, der sich im April 1945 als Hauptmann ausgab und ungefähr 150 Menschen erschießen ließ.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1935–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Gelände des Lagers
Bauplan einer Gefangenenbaracke

Die Gefangenen kamen aus dem gesamten Deutschen Reich und waren meist zu Zuchthausstrafen verurteilt. Die Lagerinsassen mussten Arbeiten im Moor verrichten. Dazu zählten das Stechen von Torf, Entwässerung des Geländes sowie Straßen- und Wegebau. Neben langer und harter Arbeit sowie schlechter Versorgung mussten sie auch körperliche und psychische Misshandlungen der SA-Wachmannschaften ertragen.[1] Am 20. Januar 1936 versuchten elf Strafgefangene im Schneegestöber beim Torfladen zu fliehen. Der Fluchtversuch schlug jedoch fehl und die Flüchtlinge konnten erneut ergriffen werden. Dabei kam einer von ihnen durch Schussverletzungen ums Leben.

Im April 1937 wurde das Lager ausgebaut und bot nun Platz für 1500 Gefangene. Sie wurden von 300 SA- und Justizbeamten bewacht, für die eigens ein „Vergnügungspark“ angelegt wurde.[1] Vom Juli 1937 bis zum Mai 1940 wurden alle politisch Gefangenen der Emslandlager nach Aschendorfermoor verlegt. Dies betraf im Verlauf der Jahre ungefähr 2200 Gefangene.[1] Die Gefangenen wurden ab 1939 auch als Erntehelfer eingesetzt, da bedingt durch den Angriff der Deutschen auf Polen zu wenig Helfer zur Verfügung standen, um die Ernte einzuholen.[1]

Ab 1940 wurden in Lager II vorwiegend von Wehrmachtgerichten Verurteilte inhaftiert.[1] Sie machten spätestens seit 1942 50 % aller Gefangenen aus. Die Gefangenen wurden der Fahnenflucht, der unerlaubten Entfernung von der Truppe oder der Wehrkraftzersetzung beschuldigt.[2]

Ab 1941 wurden die Gefangenen auch in der Rüstungsindustrie eingesetzt, um den immensen Bedarf der Deutschen an Waffen im Zweiten Weltkrieg zu stillen.[2]

Bis 1945 starben im Strafgefangenenlager Aschendorfermoor infolge der schlechten Versorgung und der Misshandlungen 237 Menschen.[1]

Kriegsende 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurden im Emslandlager Aschendorfermoor zwischen 2500 und 3000 Gefangene zusammengezogen. Sie sollten vor den sich nähernden alliierten Truppen in Sicherheit gebracht werden.[1]

Am 11. April 1945 kam der Gefreite Willi Herold ins Lager und gab sich als Hauptmann der Fallschirmjäger aus. Er gab vor, Hitler hätte ihm befohlen, das Lager zu übernehmen. Bis zum 18. April 1945 töten er und seine Männer bis zu 150 Menschen, von denen einige zuvor einen Fluchtversuch gewagt hatten.[2] Am 18. und 19. April 1945 beschoss die britische Luftwaffe das Lager mit Brandbomben. Dabei verloren weitere 50 Personen ihr Leben, das Lager wurde zerstört.[2] Einen Tag später befreiten polnische Panzerbesatzungen das Lager.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel auf dem Friedhof in Aschendorf

Nach Ende des Krieges konnte Willi Herold gefangengenommen werden. Er wurde am 29. August 1946 von einem britischen Gericht zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung fand am 14. November 1946 statt.[1]

Die Opfer seiner Kriegsverbrechen sind auf dem Friedhof Aschendorf/Herbrum begraben, der Herold-Friedhof genannt wird. Auf dem Friedhof erinnert eine Gedenktafel an die Opfer.[1][2]

Bedingt durch die Zerstörung des Lagers durch die britische Luftwaffe ist heute vom Lager nicht mehr viel zu erkennen. Lediglich der „Vergnügungspark“ der Wachtmannschaften ist teilweise erhalten. In ihm befinden sich lediglich noch verfallene Sitzecken und ein gemauerter Pfosten des Schlagbaumes am Eingang des Lagers.[2]

Bekannte Häftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Gedenkstätte Esterwegen, aufgerufen am 12. Dezember 2011.
  2. a b c d e f Lager 2 Aschendorfermoor, aufgerufen am 12. Dezember 2011.
  3. Hartmut Soell: Fritz Erler, Bd. 1 (Internationale Bibliothek, Bd. 100), J.H.W. Dietz Nachf., Berlin, Bonn-Bad Godesberg 1976, ISBN 3-8012-1100-2, S. 53–57.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]