Willi Herold

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Willi Herold, auch „der Henker vom Emsland genannt, (* 11. September 1925 in Lunzenau, Amtshauptmannschaft Rochlitz, Sachsen; † 14. November 1946 in der Hinrichtungsstätte Wolfenbüttel) war ein deutscher Kriegsverbrecher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1943 wurde der Schornsteinfegerlehrling Herold zum Wehrdienst eingezogen. Nach der Grundausbildung bei der Fallschirmtruppe in Tangermünde wurde er bei Nettuno und Monte Cassino in Italien eingesetzt, wo er zum Gefreiten befördert wurde.

Seine Einheit wurde zum Ende des Krieges nach Deutschland verlegt. Herold wurde schließlich am 3. April 1945 von seinen Kameraden getrennt und fand zwischen den Orten Gronau und Bad Bentheim eine Offizierskiste mit der Uniform eines Hauptmanns der Luftwaffe. Herold gab sich mit dieser Uniform als Offizier aus und sammelte ein Dutzend ebenfalls versprengter Soldaten um sich. Die Gruppe gelangte am 11. April 1945 zum Lager II der Emslandlager, dem Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Mit den Worten „Der Führer persönlich hat mir unbeschränkte Vollmachten erteilt“ übernahm Herold dort das Kommando und errichtete ein Schreckensregiment. Häftlinge, die kurz vorher einen Fluchtversuch unternommen hatten, wurden sofort erschossen. Innerhalb der nächsten acht Tage ließ Herold über 100 Lagerinsassen ermorden, einige tötete er eigenhändig.[1]

Nach einem schweren Luftangriff gelang den meisten überlebenden Häftlingen die Flucht. Auch die Einheit von Herold setzte sich vor der vorrückenden Front ab und beging letzte Kriegsverbrechen: Herolds Leute hängten bei Leer in Ostfriesland einen Bauern, der die weiße Fahne gehisst hatte, und ermordeten in einem Polizeirevier nach zehnminütigem Scheinprozess fünf Niederländer wegen angeblicher Spionage.

Die Täuschung flog noch vor dem Kriegsende auf, ein deutsches Militärgericht ließ Herold jedoch laufen. Nach dem Kriegsende ging er durch einen Zufall der britischen Militärregierung ins Netz.[2] Im August 1946 begann in Oldenburg der Prozess gegen Herold und 13 weitere Angeklagte. Sie wurden für die Ermordung von 125 Menschen verantwortlich gemacht. Herold und sechs weitere Mitangeklagte wurden zum Tode verurteilt, fünf andere freigesprochen. Am 14. November 1946 wurden sechs der Urteile im Gefängnis von Wolfenbüttel von Scharfrichter Friedrich Hehr[3] mit dem Fallbeil vollstreckt; das siebte Todesurteil war aufgehoben worden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hauptmann von Muffrika – Eine mörderische Köpenickade. Dokumentation über Willi Herold, Regie: Paul Meyer, Rudolf Kersting, Deutschland 1998 (Filmprädikat: „Besonders wertvoll“).
  • Der Hauptmann. Historienfilm, Regie: Robert Schwentke, Deutschland 2017 (Filmprädikat: „Besonders wertvoll“).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Buck: Auf der Suche nach den Moorsoldaten. Emslandlager 1933-1945 und die historischen Orte heute. 6., erweiterte Auflage. Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager, Papenburg 2008, ISBN 978-3926277169.
  • T. X. H. Pantcheff: Der Henker vom Emsland. Willi Herold, 19 Jahre alt. Ein deutsches Lehrstück. Bund-Verlag, Köln 1987, ISBN 3-7663-3061-6. (2. Auflage als: Der Henker vom Emsland. Dokumentation einer Barbarei am Ende des Krieges 1995. Schuster, Leer 1995, ISBN 3-7963-0324-2).
  • Heinrich und Inge Peters: Pattjackenblut. Antreten zum Sterben – in Linie zu 5 Gliedern. Das „Herold“-Massaker im Emslandlager II Aschendorfermoor im April 1945. Books on Demand, Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7357-6297-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doro Wiese: Das Massaker von Aschendorfermoor. taz vom 11. April 2005
  2. Daniel Noglik, Hans-Christian Wöste: Blutiger Streifzug eines falschen Offiziers. In: Ostfriesen-Zeitung 26. April 2014, S. 17.
  3. Thomas Waltenbacher: Zentrale Hinrichtungsstätten. Der Vollzug der Todesstrafe in Deutschland von 1937–1945. Scharfrichter im Dritten Reich. Zwilling-Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-00-024265-6, S. 129.