Willi Herold

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Willi Herold, auch „der Henker vom Emsland genannt (* 11. September 1925 in Lunzenau, Amtshauptmannschaft Rochlitz, Sachsen; † 14. November 1946 in der Hinrichtungsstätte Wolfenbüttel), war ein deutscher Kriegsverbrecher sogenannter Endphasenverbrechen. Im Alter von 19 Jahren gab sich der Gefreite in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges als Hauptmann (Offizier) aus und ließ rund 170 Menschen töten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willi Herold besuchte die Volksschule und die Technische Schule in ‎‎Chemnitz‎‎, wo er eine Ausbildung zum Schornsteinfeger begann. 1936 wurde Herold aus dem Deutschen Jungvolk ausgeschlossen, weil er nicht an den erforderlichen Übungen teilnehmen wollte. Er wurde daraufhin zum ‎‎Reichsarbeitsdienst berufen. Am 30. September 1943 wurde der Schornsteinfeger­lehrling Herold zum Wehrdienst eingezogen. Nach der Grundausbildung bei der Fallschirmtruppe in Tangermünde wurde er bei Nettuno und Monte Cassino in Italien eingesetzt, wo er zum Gefreiten befördert wurde.

Seine Einheit wurde zum Ende des Krieges nach Deutschland verlegt. Herold wurde am 3. April 1945 von seinen Kameraden getrennt und fand zwischen den Orten Gronau und Bad Bentheim eine Offizierskiste mit der Uniform eines Hauptmanns der Luftwaffe. Er gab sich mit dieser Uniform als Offizier aus und sammelte ein Dutzend ebenfalls versprengter Soldaten um sich, darunter den Gefreiten Reinhard Freitag. Die Gruppe gelangte am 11. April 1945 zum Lager II der Emslandlager, dem Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Mit den Worten „Der Führer persönlich hat mir unbeschränkte Vollmachten erteilt“ übernahm Herold dort das Kommando und errichtete ein Schreckensregiment. Häftlinge, die kurz vorher einen Fluchtversuch unternommen hatten, wurden sofort erschossen. Innerhalb der nächsten acht Tage ließ Herold über 100 Lagerinsassen ermorden, einige tötete er eigenhändig. Auch ein 2-cm-Flakgeschütz und Handgranaten wurden zur Ermordung eingesetzt.[1]

Gedenktafel auf dem nahe gelegenen Friedhof Herbrum/Aschendorf

Am 18. und 19. April 1945 beschoss die britische Luftwaffe das Lager mit Brandbomben. Dabei verloren weitere 50 Personen ihr Leben, das Lager wurde zerstört. Nach dem schweren Luftangriff war den meisten überlebenden Insassen die Flucht gelungen. Auch die Einheit von Herold setzte sich von der vorrückenden Front ab und beging letzte Kriegsverbrechen: Herolds Leute hängten in Aschendorf bei Papenburg den Bauern Spark, der eine weiße Fahne gehisst hatte, und ermordeten am 25. April 1945 nach zehnminütigem Scheinprozess fünf Niederländer, die im Polizeirevier in Leer in Ostfriesland wegen angeblicher Spionage festgehalten wurden. Die Niederländer kamen aus dem bereits befreiten Groningen und wollten niederländische Zwangsarbeiter befreien. Am alten Rathaus von Leer erinnert seit 2014 eine Tafel an die fünf niederländischen Widerstandskämpfer.

Die Täuschung flog noch vor dem Kriegsende auf, ein deutsches Militärgericht unter dem Standortkommandanten Otto Hübner in Aurich setzte Herold auf Betreiben des SS-Untersturmführers Urbanek jedoch wieder auf freien Fuß. Er kam nach Wilhelmshaven und wurde am 23. Mai 1945 von der britischen Royal Navy für den Diebstahl eines Laibes Brot verhaftet. Nach einer Untersuchung und der Befragung von Zeugen wurde Herold durch die britische Militärregierung als gesuchter Kriegsverbrecher identifiziert.[2] Am 13. August 1946 begann vor dem Militärgericht in Oldenburg unter Oberst H. Brown der Prozess gegen Herold und 13 weitere Angeklagte. Sie wurden für die Ermordung von 125 Menschen verantwortlich gemacht. Herold und sechs weitere Mitangeklagte (darunter Karl Hagewald, Bernhard Meyer (Wachmann), Karl Schütte (Führer der Wacheinheit des Lagers II), Josef Euler, Hermann Brandt und Otto Paeller) wurden zum Tode verurteilt, fünf andere freigesprochen. Am 14. November 1946 wurden sechs der Urteile im Gefängnis von Wolfenbüttel von Scharfrichter Friedrich Hehr[3] mit dem Fallbeil vollstreckt; das siebte Todesurteil war aufgehoben worden.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte von Willi Herold wurde verfilmt:

  • Der Hauptmann von Muffrika – Eine mörderische Köpenickade. Dokumentation, Regie: Paul Meyer, Rudolf Kersting, Deutschland 1998, 70 Minuten (Filmprädikat: besonders wertvoll).
  • Der Hauptmann. Historienfilm, Regie: Robert Schwentke, Deutschland/Frankreich/Polen 2017, 119 Minuten (Filmprädikat: besonders wertvoll).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Buck: Auf der Suche nach den Moorsoldaten. Emslandlager 1933–1945 und die historischen Orte heute. 6., erweiterte Auflage. Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager, Papenburg 2008, ISBN 978-3926277169.
  • T. X. H. Pantcheff: Der Henker vom Emsland. Willi Herold, 19 Jahre alt. Ein deutsches Lehrstück. Bund-Verlag, Köln 1987, ISBN 3-7663-3061-6. (2. Auflage als: Der Henker vom Emsland. Dokumentation einer Barbarei am Ende des Krieges 1995. Schuster, Leer 1995, ISBN 3-7963-0324-2).
  • Heinrich und Inge Peters: Pattjackenblut. Antreten zum Sterben – in Linie zu 5 Gliedern. Das „Herold“-Massaker im Emslandlager II Aschendorfermoor im April 1945. Books on Demand, Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7357-6297-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Willi Herold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doro Wiese: Das Massaker von Aschendorfermoor. In: Die Tageszeitung, 11. April 2005.
  2. Daniel Noglik, Hans-Christian Wöste: Blutiger Streifzug eines falschen Offiziers. In: Ostfriesen-Zeitung, 26. April 2014, S. 17.
  3. Thomas Waltenbacher: Zentrale Hinrichtungsstätten. Der Vollzug der Todesstrafe in Deutschland von 1937–1945. Scharfrichter im Dritten Reich. Zwilling-Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-00-024265-6, S. 129.